Internationaler Frauentag: Schwedische Erfolgsfrauen

Montag, 8. März 2010

Es kommt nicht häufig vor, dass Milliarden von Menschen an einem Tag gemeinsam feiern. Heute ist so ein Fall, denn es ist Internationaler Frauentag. Und auch wenn bei vielen keine Feierstimmung aufkommt, so gibt es doch einige Medien und Einrichtungen, die den Tag nicht völlig kommentarlos verstreichen lassen wollen. Es geht nicht darum, das Frausein zu feiern. Und auch nicht darum, die Gebärfreudigkeit der Frauen zu zelebrieren. Es geht wohl eher darum, zu zeigen, wie es um die Gleichstellung in der Gesellschaft steht. Von der Rolle und den Probleme der Frau zu sprechen. Oder Selbstvertrauen zu geben, indem von positiven Beispielen berichtet wird.

Dagens Nyheter listet beispielsweise die 125 einflussreichsten Frauen der schwedischen Wirtschaft auf. Das ist vielleicht nicht die entscheidenste Aufstellung des Tages, aber im Gegensatz zum angeblichen deutschen Presseflagschiff Nr. 1, dem “Spiegel”, wird der Tag immerhin berücksichtigt. Und wer ist nun die mächtigste Frau des schwedischen Wirtschaftslebens? Wenig bekannt ist sie auf jeden Fall. Bis zu einem Wikipedia-Eintrag hat sie es bisher nicht geschafft. So populär ist ihr Arbeitsbereich auch nicht. Schließlich arbeitet sie im Industrie- und Rüstungssektor. Und das für SAAB, einer Firma mit potentiell ungewisser Zukunft. Hier ist Lena Olvig Vizegeschäftsführerin. In der Rankingliste war sie seit 2002, bevor sie zu SAAB gekommen ist, hat sie bereits für Volvo in Asien gearbeitet.

Im Gegensatz zu vielen deutschen Karrierefrauen ist sie sich der Tatsache bewusst, dass Frauen heute auf ihren Karrierewegen noch viele Steine in den Weg gelegt werden. Olvig selbst ist immer auf der Suche nach guten Kandidatinnen für ihre Toppositionen. Hier nimmt sie auch die Rankingliste zu Hilfe. Die Gleichstellung geht ihr generell noch zu langsam vorwärts. Aber da steht sie nicht alleine: Von den 125 Frauen der Rankingliste selbst sind mittlerweile 52% für eine Quotenregelung, im letzten Jahr waren es noch 32%. Quoten für Vorstände werden genauso gefordert wie Quoten für die Geschäftsführung.

Für alle, die es noch nicht so weit gebracht haben: Es besteht noch Hoffnung. Die meisten Frauen der Liste sind zwischen 42 und 55 Jahre. Mit 28 Jahren ist Nina Sundén, Swedish Match Direktorin, die jüngste Erfolgsfrau. Derzeit liegt sie auf Platz 109, ihr Arbeitsbereich ist Tabak bzw. Snus. Direkt dahinter liegt mit der 64jährigen Inga-Lisa Johansson die älteste Frau der Liste. Sie ist Konzernchefin bei Daloc Futura, einem Finanzunternehmen.

Nicht zu vergessen natürlich noch die Spitze der Liste. Platz 2 nimmt die Geschäftsführerin der SEB-Bank Annika Falkengren (47) ein. Den Bronzeplatz nimmt Mia Brunell (44) ein, die ihr Geld in dem Finanzunternehmen Kinnevik verdient. Die großen schwedischen Konzerne Vattenfall, H&M, Volvo und Ikea tummeln sich eher in den 10-Plätzen. Auch hier ist also noch Handlungsbedarf. Aber wer weiß, vielleicht sieht die Liste im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aus.

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Häuser von der Stange

Montag, 1. März 2010

Der schwedische Vorzeigekonzern IKEA hat in Deutschland ein neues Standbein: Nachdem alle Studenten-WGs bereits mit Billy, Lack und formschönen Ballonlampen ausgestattet sind, wird jetzt nachgerüstet. Die Studenten beenden dann ja doch mehr oder weniger schnell ihr Studium, quälen sich zwei Jahre durch Praktika und Arbeitslosigkeit und bekommen irgendwann eine Stelle. Im Alter von 30 denken einige langsam an Familie, die bis zum Lebensalter von 35 realisiert wird. Anschließend ist Mietwohnung doch nicht mehr das Praktischste und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden entsteht. Just da will IKEA wieder einsetzen. Statt buntem Mobilar sollen den Kunden nun auch noch die notwendigen Wände geliefert werden.  Inklusive Dach versteht sich.

BoKlok (Wohne klug) heißt das neue Produkt der IKEA-Familie. Geboten werden Reihenhäuser und Eigentumswohnungen zu angeblich erschwinglichen Preisen. Alles schön gleichmäßig aufgebaut, damit der Nachbar nicht neidisch wird. Ganz neu ist das Konzept nicht: In Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Großbritannien gibt es bereits 4000 Wohnungen und Häuser. In Schweden wurde das Konzept Mitte der 90er Jahre entwickelt. 2010 soll nun der deutsche Markt erschlossen werden. Gestartet wird in den Städten Offenbach, Nürnberg, Wiesbaden und Hofheim. Dort entstehen Wohneinheiten mit Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, gebaut im “skandinavischen Stil” und in einer “umweltschonenden Holzrahmbauweise”. Preislich beginnt es bei 99.500 Euro für eine Wohnung. Ein Reihenhaus steht für 175.000 Euro inklusive Grundstück im Angebot.

Scheinbar rechnet IKEA mit einem Riesenansturm auf die billigen Wohnstätten. Um eine Wohnung muss man sich bewerben und kann dann froh sein, in die nähere Auswahl zu kommen, um eine Reservierung vornehmen zu können.  Ab März kann man sich ein Musterhaus ansehen, die Häuser werden dann bis zum Winter 2010 hochgezogen (im wahrsten Sinne des Wortes vermutlich).  Nun leben wir im Zeitalter des Individualismus. Nicht jedem ist es behaglich, sich ein Heim von der Stange liefern zu lassen. Zwar bestechen (vor allem in Deutschland) die wenigsten Neubauten durch architektonische Finesse, aber ein gewisses Maß an Eigenartigkeit lässt sich nicht verhehlen. Das war jedoch noch nie IKEAs Wunschvorstellung. Alle sind gleich, alles ist gleich, war oder ist ein typisch schwedisches Motto. Die Einbauküche in Schweden seit den 1930ern ein Ideal und in den 1950ern in beinahe jeder schwedischen Wohnung anzutreffen. Die klischeehaften roten Holzhäuser weisen in dieselbe Richtung.

Glücklicherweise gibt es in Deutschland beim Bau von Gebäuden noch das Mitspracherecht der ortsansässigen Volksvertretungen. Die zeichnen sich nicht immer durch den Willen zu Transparenz und demokratischen Entscheidungen aus. Aber es ist der Raum, in dem Bürger sich beteiligen können. Im hessischen Hofheim ergriffen einige Abgeordnete die Initiative und kritisierten die geplanten IKEA-Häusle. In einem taz-Interview vergleicht ein CDU-Politiker die Reihenhäuser aufgrund ihrer Flachdächer mit einem Hasenstall. Dort soll jetzt erst wieder abgestimmt werden, ob die Häuser in der jetzigen Form in das Stadtbild passen. Warten wir mal ab, was die Verhandlungen ergeben. Es sollte ansonsten ein Leichtes für IKEA sein, sich an anderen Standorten anzusiedeln. Geld stinkt schließlich nicht…

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In eigener Sache

Montag, 22. Februar 2010
Zwitscherei (Foto: jez')

Zwitscherei (Foto: jez')

Der Trend geht zum Schnellpo(a)sten. Drei Worte, dann ein Link, ach du schöne Twitterzeit. Abgehackte Kommunikation nenne ich das, Innovation nennen das viele andere. Wenn der Link dann wirklich interessant oder unterhaltsam ist, meinetwegen. Wenn ich dann aber noch auf einen Facebooklink klicken soll, um mir Fotos anzeigen zu lassen, wie sich jemand am anderen Ende der Welt in Shorts die Sonne auf dem Bauch scheinen lässt, während ich seit Wochen das Haus nicht ohne Mütze und Handschuhe verlassen habe, finde ich das schlichtweg nervig.

Das Private ist politisch, das Private ist öffentlich. Also mal Privates an dieser Stelle.

Der Frühling naht in mehr oder weniger großen Schritten (heute seit Monaten mal wieder Regen in Berlin, sprich: der Dauerzustand Schnee könnte sich seinem Ende neigen). Da denkt man doch an Urlaub. Und Urlaub soll nach fast zweijähriger Abwesenheit mal wieder bedeuten, sich im Pressbyran eine Kanelbulle zu bestellen, wässriges Bier zu trinken und sich an der schönen Natur zu ergötzen. Nun grübele ich, wohin genau es gehen könnte. Klar ist, dass mindestens 3 Tage Stockholmbesuch sein müssen, denn das ist nun mal die schönste Stadt der Welt. Aber der Mensch möchte ja auch Erholung und die Zeit nicht nur in der Großstadt verbringen.  Da läge es nahe, einen Ort aufzusuchen, von dem aus sich Kernstockholm gut erreichen lässt und trotzdem schöne Natur und am besten Meer oder Seen zu bieten hat.  Auf die schnelle fielen mir Nynäshamn, Sigtuna und Vaxholm und Umgebung ein, die als Urlaubsorte in Frage kämen. Die kenne ich alle eher von Kurzbesuchen, die mitunter im tiefsten Winter waren (geschickterweise habe ich den Hochsommer in Schweden bisher immer verpasst), so dass ich nicht mehr gut einschätzen kann, wie es dort im Sommer sein kann. Vielleicht hat ja jemand Erfahrung mit diesen Orten oder hat einen Insidertipp, wo ein Urlaub besonders lohnenswert wäre?

Der Gipfel des Urlaubsglücks würde natürlich erreicht werden, wenn sich auch noch der Besuch des Iron Maiden Konzerts am 16. Juli im Stockholm Stadium beinhalten integrieren ließe. Aber ich vermute, da sind seit zwei Stunden nach Vorverkaufsbeginn keine Karten mehr zu haben oder nur ab 150 Euro pro Karte bei blocket… Wer mir das Gegenteil beweisen möchte, nur zu, würde mich sehr freuen. Genauso wie über einen Tipp zum Thema Urlaubsort. Mehr Politisches und/oder Informatives demnächst wieder an dieser Stelle.

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Sollen sie doch Bohnen essen!

Montag, 15. Februar 2010

Zeit sich unbeliebt zu machen, Zeit für eine Polemik. Ziel des Verbalangriffs: Veganismus. Grund: Die Doppelmoral der Gutmenschen oder schlichtweg Lücken in der Beweisführung. Thematischer Zusammenhang: Gefühlt ist die Anzahl an Veganern in Schweden prozentual höher als in Deutschland. Beweis: Die schwedischen McDonalds-Lokale bieten (angeblich) einen veganen Burger an: Mc Bean.

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Vegan zu leben heißt, kein Fleisch zu essen sowie keine tierischen Produkte zu verzehren oder als Kleidung zu tragen. Hinzu kommt bei vielen Veganern der Verzicht auf Produkte, die durch Tierversuche getestet worden sind, beispielsweise Kosmetika oder Reinigungsmittel. Laut eigenen Aussagen gibt es in Deutschland etwa 250.000 bis 460.000 Veganer, was einen Bevölkerungsanteil von 0,3% entspricht. Der Begriff wurde von dem Engländer Donald Watson, dem Gründer der Vegan Society, 1944 geschaffen und leitet sich natürlich vom Wort vegetarian ab. Wie für andere Engländer die Welt nicht genug ist, war Herrn Watson der Verzicht auf Fleischessen nicht genug. Da kann man mehr draus machen, da kann man andere Produkte für nutzen.

Nun spricht aus meiner Sicht gar nichts gegen den Verzicht auf Fleisch. Gute Haltungsbedingungen für Tiere sollten gleichfalls selbstverständlich sein. Hier kann man als Kunde ja schon bewusst steuern, indem man Produkte von anspruchsvollen Bioketten wie Demeter oder Neuland kauft und sich sein Essen mehr Wert sein lässt (unter Umständen muss man dann halt mal auf das iPhone oder den Superflat-Fernseher mit brillianter Hochauflösung verzichten bzw. länger draufhin sparen). Kritisch wird es dann, wenn man nicht mal die Milch der Kuh trinken bzw. das Ei essen soll. Und absurd wird es bei der Frage, ob der Verzehr von Honig wirklich vereinbar ist mit einem veganen Lebensstil. Schließlich mussten die Bienen ja schuften, um die klebrige Leckerei zu produzieren. Da stellt sich mir die Frage, ob ich auch auf das Kutsche fahren verzichten muss bzw. in der Wüste meine Wasserkanister selbst tragen muss, damit das Kamel entlastet wird. Wo soll das hinführen? Klingt auf jeden Fall stark danach, dass Mensch und Tier getrennt leben sollen.

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Musikexporteure: Mando Diao

Montag, 8. Februar 2010

Man stelle sich vor eine Gruppe attraktiver Knaben ist zum Shake-Hands mit Außenminister Westerwelle geladen. Nicht etwa, weil die Bevölkerung in Afghanistan “beschützt” wurde oder weil sie sich mit europäischen Nachbarn vernetzt haben und eine internationalen Schüleraustausch initiiert haben. Nein, man stelle sich vor Tokio Hotel käme ins Außenministerium und würde geehrt werden, weil sie deutsches Liedgut (und eventuell auch Werte) ins Ausland getragen hätten. Botschaften mit Musik versendet haben, zudem an eine Zielgruppe, die Politik vor allem dann spannend findet, wenn wieder peinliche Politikervideos auf Youtube kursieren.

Vergleichbares ist in der letzten Woche in Schweden geschehen. Die Band Mando Diao wurde von der schwedischen Regierung geehrt und bekam den Musikexportpris. Sicherlich eine Ehrung, die nicht viele Musiker entgegennehmen können. Und so unrecht hat die schwedische Regierung mit ihrer Wahl auch nicht: Mando Diao gehört zu den Bands, die international in den letzten Jahren kontinuierlich Erfolge feiern konnten und beispielweise im Gegensatz zu Shout out louds oder Moneybrother den längeren Atem bewiesen haben. Exportpreis passt zudem, da die Band – meiner Einschätzung nach – zumindest in den deutschsprachigen Ländern noch sehr viel populärer ist als in Schweden. Der Erfolg hakt ein wenig im Mutterland der Retromusik, in Großbritannien. Da scheint die Konkurrenz zu groß zu sein.

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Es geht voran: City-Maut in Göteborg

Montag, 1. Februar 2010

“Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Es geht voran!” (Fehlfarben)

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was lange währt, wird endlich gut, viele kleine Schritte können das Gesicht der Welt verändern, and so on. Es wird das Weltklima nicht von heute auf morgen retten, aber die Schweden weisen mal wieder in die richtige Richtung. In Göteborg wurde gerade über Parteigrenzen hinweg beschlossen, eine City-Maut einzuführen. Ab 2013 werden die Autofahrer zur Kasse gebeten, welche sich in das Verkehrsgewühle Göteborgs stürzen.

Da ich Göteborg bisher nur einen sehr flüchtigen Besuch abgestattet habe, mag ich nicht die beste Urteilsperson sein. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die Meldung gelesen habe, war allerdings: Benötigt eine eher beschauliche Stadt wie Göteborg eine Maut, die den Namen City trägt? Aber – man möge mir die Großstadtarroganz verzeihen – scheinbar haben auch andere Städte vergleichbarer Größe dieses Mittel ergriffen. In Europa erstaunlicherweise zwei italienische Städte: Bologna und Mailand (diese mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Göteborg). Außerdem Trondheim, Bergen (war 1985 Pionier einer City-Maut) und Durham in England. Bekannt dürfte sein, dass Autofahrer in Londons Kern täglich schon etwa acht Pfund zum Passieren bezahlen. Äußerst erfolgreich kann die Mauteinführung in London genannt werden: 15% weniger Verkehr ist in Stadtkern gemessen worden, 20% weniger Unfälle und natürlich weniger Abgase und Lärm.

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Die Schönheiten des Nordens: Rentiere

Montag, 25. Januar 2010

Die Schweden haben das Glück, das eines der schönsten Tiere in ihrem Land lebt: das Rentier oder Ren. Das erste, woran man denkt, ist vermutlich der Weihnachtsschlitten. Sobald man nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubt, lohnt es sich, noch einmal genauer hinzusehen, was die Tiere auszeichnet. Rentiere gehören zur Familie der Hirsche. Sie leben in Tundra- und Taigaregionen und kommen somit in Nordschweden vor. Das Besondere ist, dass sie als einzige Hirschart domestiziert wurden, also als eine Art Haustier gehalten werden. Vor allem die Samen, die indigene Bevölkerung Nordeuropas, haben sich der Rentierzucht verschrieben.

Nagendes Rentier (Foto: Biillyboy)

Nagendes Rentier (Foto: Biillyboy)

Rentiere sind mit einer Schulterhöhe zwischen 90 und 140 cm vergleichsweise klein. Die größten Vertreter sind die vor allem in Kanada heimischen Karibu. Ungewöhnlich ist, dass sowohl Männchen als auch Weibchen ein Geweih tragen. Das Geweih ist asymmetrisch und sehr individuell geformt. Einmal im Jahr werfen die Rentiere ihr Geweih ab, die Herren bereits im Herbst, die Damen im Frühjahr. Und dann ist da noch das charakteristische Knacken. Bei jedem Schritt knacken die Füße der Tiere. Genauer gesagt die Sehnen der Fußgelenke. Die Klauen sind sehr breit spreizbar, was den Rentieren ein gutes Vorwärtskommen im Schlamm und Schnee ermöglicht und sie außerdem davor bewahrt, im Schnee zu versinken.

Was man den Rentieren vielleicht gar nicht zutraut: Sie sind ausdauernd und schnelle Läufer. Klein und flink im Vergleich zum umschwärmten Elch. Und friedlicher kommen sie auch daher. Wenn sie nicht getötet werden leben die Tiere 10-15 Jahre in Freiheit, 20 Jahre können sie in Gefangenschaft werden. Natürliche Feinde sind Füchse, Luchse, Wölfe und Eisbären und Vielfräße. Schlimmer sind da natürlich die Menschen, welche sowohl das Fleisch als auch das Horn und das schöne Fell nutzen. Sie selbst begnügen sich mit Gräsern. Im langen Winter scharren sie zunächst den Schnee mit ihren Hufen fort, ehe sie am Gras nagen. Weniger ist scheinbar mehr.

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Schwedische Spezialitäten: Schnaps

Sonntag, 17. Januar 2010

Lange Jahre haben wir gejammert, dass es gar keinen echten Winter mehr gibt in Deutschland. Ozonloch, Klimaerwärmung, Weinanbau in Hamburg… Seit vier Wochen liegt nun Schnee in Deutschland und so langsam geht einem der ewige Schneematsch auf die Nerven: Radfahren ist so gut wie unmöglich und durch den Schnee zu gehen so anstrengend wie ein Strandspaziergang, zudem eine echte Herausforderung für die Bänder des Fußgelenks. Und natürlich ist es kalt: Dagegen kann man sich generell warm anziehen. Wenn man jedoch zu den wenigen Personen gehört, die keine Jack Wolfskin Extreme Winterjacke besitzt oder einfach auch drei bis vier Lagen Kleidung nicht warmhalten, bleibt fast nur das traditionellste aller Wärmemittel: Schnaps.

Schwedens berühmtester Schnaps (Foto: Abelsson)

Schwedens berühmtester Schnaps (Foto: Abelsson)

Wir Deutschen jammern ja schon bei Minus fünf Grad. In Schweden gibts aber ja fast jedes Jahr dieses Wetter und zudem noch viel niedrigere Temperaturen. Dies mag dazu beigetragen haben, dass in Schweden gerne auch Schnaps gebrannt wird. Klar, auf die Idee des Schnapsbrennens sind Menschen aller Länder und Regionen gekommen. Jedes Land hat aber sein eigenes Nationalgetränk: Die Griechen haben Ouzo, Schotten haben Whiskey, Kroaten haben Slivovitz usw. In Schweden haben sich zwei Getränke besonders durchgesetzt: Wodka und Aquavit.

Der Aquavit gilt in ganz Skandinavien als Delikatesse. In Deutschland bringt man ihn heutzutage eher mit Norwegen und Dänemark in Verbindung als mit Schweden. In Norwegen wird mit Linie einer der bekanntesten Kümmelschnäpse hergestellt. In Dänemark ist das Pendant der Jubiläums Aquavit. Das sind jedoch nicht nur zwei verschiedene Marken des Schnaps, sondern auch zwei verschiedene Produktionsprozesse und vielleicht auch Philosophien hinter der Brennerei. Der norwegische Aquavit schmeckt nach Meinung von Kennern mehr  nach den Eichenfässern bzw. Sherryfässern, in denen er gelagert wird (der Name Linie entstand übrigens, da das Getränk in Fässern über die Linie des Äquators gefahren wurde, um es in Australien zu verkaufen. Da der Vertrieb dort bankrott war, kam das Getränk zurück in sein Heimatland und wurde ein großer Renner). Außerdem ist er runder im Geschmack und nicht so stark von Kräutern dominiert. Generell wird dieser Schnaps aus Kartoffeln oder Getreide gebrannt und ist besonders rein. Destilliert wird mit Kümmel, Dillsamen und je nach Sorte auch mit Fenchel, Koriander, Zimt oder Nelken.

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Schwedisches Sportjahr 2010

Dienstag, 12. Januar 2010

Ein neues Jahr heißt auch neue Chancen für die schwedischen Sportler, sich international zu präsentieren und mal wieder zu beweisen, dass sie trotz relativ geringer Einwohnerzahl sehr gute Leistungen erbringen. Einige Highlights versüßen uns Zuschauern das Jahr. Ein wenig schwierig könnte für die Schweden der Juni sein. Die Fußball-WM aus Südafrika wird ohne das schwedische Team stattfinden. Und Superstar Zlatan ist derzeit auch nicht willens, für sein Land zu kicken. Da bleibt er lieber im schönen Barcelona und flaniert durch die Gassen.

Gut könnte das Land aber für Schweden in einer anderen Teamsportart beginnen: In Österreich finden vom 19. bis zum 31. Januar die Europameisterschaften im Handball statt. Das Team von Staffan Olsson und Ola Lindgren kann durchaus einen Überraschungscoup landen. Das Team besteht aus einer guten Mischung von den sprichwörtlichen  jungen Wilden und alten Hasen. Allen voran die in der deutschen Handballbundesliga spielenden Schweden Kim Andersson, Oscar Carlén, Dan Beutler, Johan Sjöstrand und Tobias Karlsson. In Spanien spielt außerdem der recht kleine, aber starke Rückraumspieler Dalibor Doder.

Am 15. Januar wird das letzte Testspiel in Oslo gegen Norwegen stattfinden. Anschließend ist Aufbruch nach Insbruck. Dort warten allerdings schwere Gegner auf die Tre Kronor: Slowenien, Polen und Deutschland. Zeit, an die alten Erfolge des schwedischen Handballs anzuknüpfen und sich am 22.1. ein heißes Match gegen unsere Mannschaft zu geben.

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Volvo wird chinesisch

Montag, 4. Januar 2010

Kurz vor Weihnachten kamen Neuigkeiten über die Nachrichtenticker, welche in Schweden sicher einige Menschen verunsichert haben. Teile des Traditionsunternehmens Volvo (Latein für: Ich rolle) werden an eine chinesische Firma verkauft. Nachdem 1999 Volvo seine Autoabteilung an Ford verkauft hatte, stößt Ford seine Volvoabteilung nun ab. Neuer Besitzer ist der privat betriebene Konzern Geely, der größte Auto- und Motorradkonzern des Landes der aufgehenden Sonne. Die Chinesen möchten durch den Kauf von der europäischen Technologie profitieren. Das eine Milliarde Einwohner umfassende Land hat schon des Öfteren die Taktik angewandt, Technologien nicht selbst zu entwickeln, sondern einzukaufen. Böse Zungen behaupten auch, dass einige chinesische Firmen durch Betriebsspionage in anderen Ländern an die neueste Technik gelangen.

Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)

Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)

Volvo war für die Chinesen im Grunde ein Schnäppchen. Etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro wird Geely nach Schätzungen schwedischer Medien an Ford überweisen. Ford hatte 1999 noch etwa 6,5 Milliarden Euro ausgegeben. Ford benötigt allerdings dringend Kapital, da der Konzern stark von der Wirtschaftskrise getroffen wurde. 2008 hatte Volvo allein 1,3 Milliarden Verlust gemacht, deshalb entschloss sich Ford für den Verkauf. Ford hat im Gegensatz zu seinen amerikanischen Konkurrenten General Motors und Chrysler keine staatliche Hilfe aufgrund der Wirtschaftskrise bezogen. Der Verkauf wird deshalb zum Schuldenabbau genutzt. Abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal des Jahres 2010.

350.000 Autos hat Volvo 2008 verkaufen können. Der Konkurrenzkampf in Europa ist allerdings stark. Weltweit werden zu viele Autos gebaut. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Autos Überschuss pro Jahr aus. Und nicht jedes Land reagiert deshalb mit der Einführung einer staatlich subventionierten Abwrackprämie. Für die schwedische Autobranche war 2009 ein schweres Jahr: Saab musste verkauft werden und wird eventuell gar keine Autos mehr produzieren. Dann gibt es 17.000 Beschäftigte bei der Personenwagensektion Volvos, die nun hoffen, dass die Chinesen sich nicht nur auf die Technologie stürzen, sondern auch weiter in Schweden produzieren wollen.

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