Archiv für 2008

Platz der Bürger – Medborgarplatsen

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Heute an Silvester wird er wieder Ort des pulsierenden Lebens sein: Der Medborgarplatsen auf Södermalm. Ebenfalls ein wundervoller Ort in Stockholm, hervorragend geeignet zum Sehen und Gesehen werden. Und einer der wichtigsten und bekanntesten Plätze der Stadt. Der Platz selbst ist umringt von Cafés, Kneipen, einem Einkaufszentrum, Veranstaltungszentren und der Götgatan, welche direkt zum Slussen führt. Sobald im Frühling das erste Mal die 10 Grad-Grenze überschritten wird und die Sonne lacht, sind alle Stühle im Außenbereich der Gaststätten belegt. Während schüchterne Touristen in ihren Winterjacken leise mit den Zähnen klappern, trinken die Schweden genüsslich kaltes Bier und schlecken an Eiswaffeln. Da das Rauchen in den Lokalen und Kneipen nicht mehr gestattet ist, fängt diese Saison mittlerweile vermutlich noch früher an.

Der Medborgarplatsen in Richtung Götgatan

Der Medborgarplatsen in Richtung Götgatan

Aber auch zum jetzigen Zeitpunkt ist genug Leben auf dem Platz. In seiner Mitte eine kaum erkennbare Eisfläche für die Kleinsten. An der Nordseite lag ehemals das Veranstaltungszentrum Mondo. Nachdem dieses pleitegemacht hat, hat das populäre Debaser hier eine Zweigstelle eröffnet und nutzt die Anlage ebenfalls für Konzerte. Ebenfalls am Rande des Platzes findet sich eine Saluhalle, ein Einkaufszentrum. Im Erdgeschoss finden Feinschmecker und Genießer exquisite (sprich teure) Speisen und Getränke. Darüber gibt es eine Reihe von Geschäften, darunter auch der English Shop mit Waren aus Großbritannien. Auch ein Kino und ein vegetarisches Restaurant sind in dem Komplex enthalten.

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Internationale Solidarität

Sonntag, 28. Dezember 2008

Weihnachten vor vier Jahren: Tsnumai-Katastrophe in Südostasien. Unglaubliche 231.000 Menschen starben dadurch. Da viele Schweden (wie schon bereits erwähnt) im Winter gerne der nordischen Dunkelheit entkommen und in den Süden fliegen, waren unter den Todesopfer auch 543 Schweden.

Das Tsunami-Monument auf den Malediven (Foto: millzero.com, flickr)

Das Tsunami-Monument auf den Malediven (Foto: millzero.com, flickr)

Noch lange Zeit beherrschte dieses Thema die Medien. Auch das Verhalten des schwedischen Kabinetts wurde stark verurteilt, da einzelne Minister das Ausmaß der Katastrophe nicht erkannt und weiter Weihnachten gefeiert haben.

In einem Land, das ansonsten in den letzten Jahrzehnten von größeren Katastrophen weitestgehend verschont geblieben ist, sind die Geschehnisse im weit entfernten Asien beinahe als nationales Unglück wahrgenommen worden.  Nun könnte man meinen, dass dies vor allem Resultat der vielen schwedischen Opfer gewesen ist. Dies spielt sicher eine große Rolle, aber auch sonst beschäftigen sich die schwedischen Medien und die Öffentlichkeit ausgiebig mit den schwerwiegenden Problemen entfernter Staaten. Die Zeitungen berichten in ihren Auslandsrubriken sehr viel von Problemen der Entwicklungsländern. Man kriegt schon fast den Eindruck, dass je weiter das Land entfernt ist, desto länger werden die Artikel.

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Schwedische Weihnacht – die Feiertage

Montag, 22. Dezember 2008

Weihnachtsrituale sind in jedem Land anders und hängen von Klima, Mentalität, Religiösität, Gesetzgebung und Kulturverständnis ab. Viele der traditionellen deutschen Weihnachtsaktivitäten werde auch in Schweden verfolgt. Beispielsweise gibt es auch in Schweden Weihnachtsbäume. Ist ja auch kein Problem, da es Bäume en masse in Skandinavien gibt. Im 16. Jahrhundert kam die Tradition des Weihnachtsbaumes in Deutschland auf und verbreitete sich bis heute in eine Vielzahl von Ländern. In Schweden gibt es seit Mitte des 18. Jahrhunderts etwa geschmückte Bäume. Neben oder unter dem Weihnachtsbaum steht in Schweden jedoch häufig noch der Julbocken. Dieser Weihnachtsbock aus Stroh mit roten Bändern als Befestigungsmaterial soll der schwedischen Überlieferung nach für die Geschenke zuständig sein.

Wie auch in Deutschland ist Heilig Abend der zentrale Festtag und nennt sich Julafton (Weihnachtsabend). Dann kommen erster und zweiter Weihnachtstag. Allerdings mit der kleinen aber feinen Einschränkung, dass die Geschäfte an diesen Tagen offen sind. Somit haben sehr viele Verkäufer nicht viel vom Weihnachtsfest. Sogar Supermärkte sind geöffnet.  Der Schwede an sich ist es nicht gewohnt, nur einen Tag nicht an Lebensmittel zu kommen. Und somit hat er auch kein Problem damit, an Weihnachten erstmal großartig shoppen zu gehen.

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Schwedische Weihnacht – Julbord

Montag, 15. Dezember 2008

Was in Deutschland die Gans, ist in Schweden der Julbord. Zu dieser Jahreszeit finden sich etliche Anzeigen in schwedischen Zeitungen, welche einen Julbord anpreisen. Diese so genannte Weihnachtstafel ist vor und an den Feiertagen sehr beliebt. Auf vielen schwedischen Weihnachtsfeiern ist der Julbord Pflichtprogramm. Im Grunde handelt es sich hierbei um ein kalt-warmes Buffet. Viele der Speisen bedürfen einer längeren Zubereitungszeit, weshalb man zu früheren Zeiten den ganzen Dezember genutzt hat, um den Julbord zusammenzustellen. Die Palette an Speisen reicht dabei von Fisch, Fleisch,  Gemüse und Käse zu Schnaps und Weihnachtsbier.

Ein typischer Julbord (Foto: Anders Jonsson)

Kernelement des traditionelles Gerichts ist der Julskinka, eine Art Kasslerbraten, den man mit süßem Senf verzehrt. Außerdem gibt es Leberpastete, Köttbullar, verschiedene Würste und Sülze. Ebenfalls sehr beliebt ist Janssons Frestelse (Janssons Verführung). Dies ist eine Art Kartoffelauflauf mit Sardinen und Sahne.

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Alfred Nobels Preis

Dienstag, 9. Dezember 2008

Traditionell am 10.12. jeden Jahres rückt Stockholm in den Blickpunkt der internationalen Medienwelt. Anlass ist die offizielle Verleihung der Nobelpreise, den wichtigsten Wissenschaftspreisen unseres Planeten. Der Preis wird ausgeteilt in den Kategorien Physik, Chemie, Medizin und Literatur. Außerdem gibt es den Friedensnobelpreis, der allerdings in Oslo verliehen wird. Der Preis ist benannt nach Alfred Nobel, der 1896 starb und in seinem Testament festgelegt hat, dass eine Stiftung entstehen soll, welche jährlich herausragende wissenschaftliche Arbeiten prämiert. Nobel selbst ist vor allem durch die Entdeckung des Dynamits bekannt geworden. Der 10. Dezember ist sein Todestag und wird als Anlass für die traditionelle Nobelzeremonie genommen.

Die Nobelpreisverleihung im Konzerthaus (hier 2005, Foto: Taisau; flickr)

Die Nobelpreisverleihung im Konzerthaus (hier 2005, Foto: Taisau; flickr)

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Schwedische Weihnacht – Märkte

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Spätestens seit letzter Woche sind in jeder großen deutschen Stadt wieder Glühwein und Bratwurst aus kleinen Buden zu haben. Es ist Weihnachtsmarktzeit. Glockenleuten, Lichterspielchen und der Duft nach Feuerzangenbowle und gegrilltem Fleisch erfreuen hierzulande Tausende. Der Dresdner Striezelmarkt oder aber der Christkindlesmarkt in Nürnberg ziehen Millionen von Touristen an.

Der Weihnachtsmarkt in Gamla Stan

Der Weihnachtsmarkt in Gamla Stan

Auch in Schweden gibt es Julmarknader, welche Abwechslung in der Vorweihnachtszeit bieten. Nun denkt man sich, dass gerade in einem nordischen Land bei all dem Schnee die Stimmung noch viel besser sein müsste als in Deutschland. In diesem Fall trügt allerdings der Schein. In Stockholm zumindest ist der Besuch der Weihnachtsmärkte eher enttäuschend. Einen großen zentralen Markt gibt es nicht, dafür verschiedene kleinere beispielsweise am Kungsträdgarden und in Gamla Stan, der Altstadt. Aber diese sind wirklich sehr klein und im Falle des Kungsträdgarden eher lieblos gestaltet. Zwar gibt es auch hier Weihnachtsdekoration und Selbstgemachtes zu erstehen, an der Vielfalt mangelt es allerdings häufig. Interessant sind sicher die Produkte aus Lappland. Es gibt Rentierfälle, Geschnitztes aus Knochen oder auch Dekorationsstücke. Ebenfalls spannend ist für Nicht-Schweden der Verzehr von Elch- und Rentierfleisch, der auf diesen Märkten ermöglicht wird. Sehr gewöhnungsbedürftig hingegen der schwedische Glühwein, Glögg genannt. Dieser schmeckt als ob in den Rotwein noch drei Esslöffel Zucker gegeben wurden, außerdem sind Mandeln und Rosinen in dem Heißgetränk enthalten. Die Becher auf dem Weihnachtsmarkt fassen maximal 0,1 Liter und der Alkoholgehalt dürfte bei höchstens 2% liegen. Dann lieber Kinderpunsch.

Der Weihnachtsmarkt ist auch die Möglichkeit für die Schweden eine Art des Glücksspiels nachzugehen. Dies wird ansonsten in Schweden stark erschwert. Auf den Weihnachtsmärkten ist es aber sehr populär am Glücksrad zu drehen. Der Hauptgewinn besteht dabei meist aus einer eta 80 x 40 cm großen Schokoladenstange (Kex, Daim, etc.) und sieht beeindruckend aus.

Ein wenig bekommt man bei den Märkten das Gefühl, dass sie primär für die Touristen angelegt sind und von Schweden kaum besucht werden. Sehr bizarr zum Beispiel die Öffnungszeiten. Der Markt ist in der Woche so gut wie gar nicht auf oder nur einzelne Buden. Am Wochenende ist gegen 18 Uhr Feierabend. Da stimmen sich die Schweden scheinbar eher im privaten Rahmen auf die Festtage ein…

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Der Globen

Donnerstag, 27. November 2008

Es wird mal wieder Zeit über Stockholm im Speziellen zu schreiben. Die Vorteile der Stadt habe ich ja noch gar nicht zu genüge dargestellt. Dabei hat Stockholm noch einige Besonderheiten zu bieten. Zum Beispiel an Gebäuden. Ein sehr markantes Bauwerk steht im Süden Stockholms. Es sieht aus, als hätte jemand einen überdimensionierten Golfball in die Stadt gesetzt. Die Rede ist vom Globen. Dieser kann schon beinahe als Wahrzeichen bezeichnet werden. Neben Stadshuset, dem Schloss und einigen anderen Bauwerken schmückt er nämlich beispielsweise die Sitzbezüge vieler U-Bahn-Sitze. Aber auch auf Stadtkarten, Souvenirs und anderem Material ist er häufiges Motiv. Der Wiedererkennungseffekt ist ja auch nicht zu bestreiten.

Globen, Foto: Benoit, flickr.com

Globen, Foto: Benoit, flickr

Ein paar technische Details. Der Globen ist 85 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 110 Metern. Eingeweiht wurde er 1989 und entworfen hat ihn das Architekturbüro Berg Arkitektkontor AB.Bei Sportveranstaltungen passen etwa 13.000 Zuschauer in die Arena, bei Konzerten bis zu 16.300. Da Stockholm in Skandinavien die größte Stadt ist, kommen alle großen Band nach Stockholm und dort meist in den Globen, weil ein vergleichbar großes Veranstaltungszentrum nicht existiert. Es gibt allerdings nicht nur die Kuppel, sondern auch noch den Annex für kleinere Konzerte.

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Es werde Licht!

Montag, 17. November 2008

Nicht zu beneiden sind zur Zeit alle sich im Norden aufhaltenen Lebewesen. Um neun Uhr wird es hell und um vier Uhr dunkel. Tendenz: negativ. Bis 21. Dezember wird die tägliche Dosis Licht kürzer und kürzer. Zudem wird es kälter und nässer: Zeit für Depressionen und schlechte Laune. Auch viele Schweden werden natürlich von diesen Stimmungstiefpunkten erwischt. Kein Wunder. Im letzten Jahr beschränkte sich z.B. in der südschwedischen Stadt Växjö der Sonnenschein im Monat Dezember auf gerade einmal 20 Minuten! Nur ausgewiesene Optimisten können da von der Niedergeschlagenheit verschont bleiben.

Das Problem ist jedoch altbekannt, weshalb sich bestimmte Maßnahmen etabliert haben, um die Laune der Schweden zu steigern. Zentral dabei natürlich das elektrische Licht. Im ganzen Haus soll es leuchten. Dabei wird meist jeder Gedanke an Energiesparen über Bord geworfen (worauf die Schweden ansonsten ja viel Gewicht legen).

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Schwedische Spezialitäten I

Dienstag, 11. November 2008

Köttbullar mit Lingon-marmelade und Sahne- soße, Foto: heipei, Flickr

Dank Ikea ist in Deutschland die Kenntnis weit verbreitet, dass die Schweden gerne Köttbullar (sprich: Chöttbullar) essen. Diese runden Hackbällchen gehören zum Standardrepertoire in beinahe jeder schwedischen Küche. Sie sind vergleichbar mit Frikadellen bzw. Buletten, haben jedoch durch den Einsatz von Sahne oder Milch noch einen etwas anderen Geschmack. Außerdem sind sie kleiner als in Deutschland. Waren die Köttbullar lange Zeit ein Grund, sich auf das Ikea-Restaurant zu freuen, ist es heute möglich, sich günstiger an ihnen satt zu essen. Der Discounter Plus hat sie nämlich in sein Standardsortiment aufgenommen. Maggi und/oder Knorr bieten außerdem Fix-Pulver für die Hackbällchen an. Wobei das Rezept dazu so einfach ist, dass diese Hilfsmittel sicher nicht nötig sind. Echt Schwedisch wäre es, sie mit Lingonmarmelade zu essen, die hierzulande vermutlich schwer zu bekommen ist.

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Hightech-Nation

Montag, 3. November 2008

Schweden hat zwar im europäischen Vergleich eine große Landesfläche, aber relativ wenige Einwohner. Da sollte man meinen, dass die Versorgung mit Internet und Mobilfunknetzen sich schwieriger gestaltet als in unserem dicht besiedelten Land. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. In Sachen Mobilfunk und Internet ist Schweden Weltspitze!

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Foto: prasan naik, Flickr

Das World Wide Web gehört zur Standardausrüstung schwedischer Haushalte. Und von den Geschwindigkeiten lässt sich in den deutschen Landen nur träumen. Das Breitband ist weit verbreitet und wohl nur in den kleinsten Dörfern noch nicht vorhanden. 8-16 mbit/s gibt es in Schweden zu Preisen, für die wir hier vielleicht DSL 1000 bekommen. Auch DSL 100.000 ist zu haben, wenn man etwas (!) tiefer in die Taschen greifen möchte. Der Renner 2008 war und ist das mobile Breitband. Soll heißen, der Laptop oder PC wird mit einem Stick ausgerüstet und schon gibts im Zug, auf der Arbeit im Wohnzimmer oder auf dem Spielplatz Internet. Je nachdem, wo man sich befindet, ist die Verbindung schnell oder weniger schneller. Da die Schweden große Segelfans sind und die Sommer gerne in ihren Ferienhäusern in den Wäldern und die Winter in den Bergen verbringen, ist der Empfang für das mobile Internet auch hier weitreichend gewährleistet. Da kann man als Dorfbewohner in Deutschland nur neidisch in den Norden schauen, gibts doch hier zahlreiche Gegenden, in denen es keinen DSL-Anschluss gibt oder dieser nur über einen Vertrag mit der Telekom zu haben ist (von wegen Liberalisierung des Telefonmarktes).

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