Archiv für August 2008

Kulturlivet – das Kulturleben

Sonntag, 31. August 2008

Man stelle sich vor:

Wir befinden uns in einer Großstadt, in der es um die 70 Museen zu sehen gibt. Man stelle sich weiterhin vor, die Museen zögen jährlich etwa 9 Millionen Zuschauer an und böten ein Spektrum von der Briefmarkensammlung zum Meeresaquarium über zur Freilichtumgebung. Darüber hinaus wären diese Museen auf dem neusten Stand sowohl was die technischen als auch die museumspädagogischen Belange anginge. Alle Museen seien klimatisch reguliert, die Lichtverhältnisse würden die Exponate schützen und dennoch sei es interessant, sich selbige genauer anzusehen. Mindestens zweisprachig erklärt seien sie ohnehin und viele Aktionen lüden zum Mitmachen ein – die Erwachsenen und die Kinder. Die letzte große Kraftanstrengung ist dann nur noch, sich vorzustellen, all diese Angebote seien komplett kostenlos wahrnehmbar. Ein Eintritt würde nicht erhoben. Der Staat übernähme die Kosten. Ein kleines kulturelles Schlaraffenland…

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Abgelegt in Schweden, Stockholm

Unihockey: 2 Teams, 10 Schläger und jede Menge Rasanz

Montag, 25. August 2008

Genauso wie in Deutschland zumindest jeder Junge nicht darum hinkommt einem schwarz-weißen Lederball hinterzulaufen, werden schwedische Kinder mit einer bestimmten Sportart groß. Nur dass diese hierzulande weitaus unbekannter ist als der schnöde Fußball. Schwedische Eltern stellen ihre Kinder mit 2 Jahren auf die Skibretter, nehmen sie frühzeitig mit zum Segeln oder auch zum Eishockey.

Innebandy (Foto: robbie)

Innebandy (Foto: robbie)

Oder aber sie geben ihnen einen Kunststoff-Schläger in die Hand und fordern sie auf, ein etwa 50 cm Meter hohes Tor zu treffen. Dann nennt man das ganze Unihockey bzw. auf Schwedisch Innebandy und auf Englisch Floorball (alle drei Bezeichnungen nicht ganz glücklich für die Umschreibung des Sportes. Dass es bei der Sportart einen Boden gibt, kann man sich denken, man kann ihn nicht nur an der Uni ausüben und auch, dass er das Drinnen-Bandy-Spiel ist, sagt dem gemeinen Deutschen nicht viel.)

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Abgelegt in Schweden

Gelbblaue Elche

Mittwoch, 20. August 2008

“Ach, du warst in Schweden. Da hast du ja sicher einen Elch gesehen!”

Spätestens seitdem ein deutsches Paradeprodukt, die Mercedes A-Klasse, den Kampf gegen einen gehörnten Vierbeiner verloren hat, ist das Klischee Schweden = Elche nicht mehr zu entkräften. Es hat sich in den Köpfen der Deutschen festgesetzt, dass im Land der unberührten Seen und Landschaften ganze Rudel Elche verkehren, die sich gerne von den ausländischen Touristen begutachten, wenn nicht berühren lassen. Klar, was sollte ein Wildtier sonst für einen Sinn in seinem Leben sehen? Die Elche haben sich Schweden ja zudem auch nur als Heimat ausgesucht, da in das beschauliche Land zu Sommerzeiten Tausende von deutschen, dänischen und finnischen Touristen reisen und die oberste Lebensaufgabe eines Elches quasi lautet, sich wenigstens einmal ordentlich von einem Menschen beglotzen oder begrabbeln zu lassen.

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Abgelegt in Schweden

Die beliebtesten Sportarten

Dienstag, 12. August 2008

Wenn die/der Deutsche Sportarten nennen soll, in denen die Schweden gut sind, so fällt einem im Moment wohl zunächst Leichtathletik und dann Eishockey ein. Stimmt ja auch, dass die Schweden regelmäßig Medaillen im Eisstadion einheimsen und für ein bevölkerungsmäßig eher kleines Land erstaunlich viele gute Leichtathleten haben.  In der Popularität der Schweden selbst nehmen diese Sportarten jedoch maximal Rang zwei und drei ein. Lange davor liegt eine Sportart, in der die Schweden sich ehrlich gesagt nur mittelmäßig schlagen. Zumindest liegen die großen Erfolge schon länger zurück oder kommen nur sehr überraschend daher. Wenn man – wie dies meist geschieht – die Sportart auf die Wettbewerbe der Männer beschränkt. Denn die Schwedinnen sind weitaus erfolgreicher im Fußball als ihre männlichen Sportkollegen. Nur dass dies auch im Land der größten Gleichstellung zwischen Männern und Frauen nur wenige interessiert.

Zlatan Ibrahimovic (Foto: Maurobrock)

Zlatan Ibrahimovic (Foto: Maurobrock)

Die Schweden sehen immerhin ein, dass andere europäische Ligen weitaus interessanter zu verfolgen sind als die Allsvenskan. Aus diesem Grunde wird in den Medien vor allem von der englischen, italienischen und spanischen Liga umfangreich berichtet. Natürlich werden die Daumen vor allem für die Vereine gehalten, in denen sich schwedische Spieler befinden. Und auch hier findet eine völlig unschwedische Glorifizierung einer einzelnen Person statt. Wenn Zlatans Knie zwickt und zwackt, so ist dies mindestens zwei Seiten der größten schwedischen Tageszeitung wert. Gemeint ist Zlatan Ibrahimovic, Stürmer der schwedischen Nationalmannschaft und angestellt bei Inter Mailand. Wie der Name erkennen lässt, Sohn jugoslawischer Einwanderer. Genauer gesagt bosnisch-kroatischer Herkunft. Dies immerhin sehr zu begrüßen, da es beweist, dass Migranten in Schweden zumindest integrierter sind als in Deutschland. Der Mann ist auch ohne Frage sehr sympathisch, bescheiden, höflich und keineswegs eine Skandalnudel. Aber natürlich ist auch er nur ein Mensch und spielt nicht um Klassen besser als seine schwedischen Kollegen, die teilweise international auch sehr erfolgreich sind.

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Abgelegt in Schweden

Diskofieber

Freitag, 8. August 2008

Kleiner thematischer Nachschlag. Auch das Ausgehen sei wohlüberlegt in einer fremden Stadt. Stockholm ist dabei nicht ganz einfach zu durchschauen. Natürlich gibt es jede Menge Clubs. Die erste Schwierigkeit besteht dann aber schon darin, dass sich viele Veranstaltungen „Club“ nennen, obwohl es sich um eine gewöhnliche Kneipe ohne besonderes Programm handelt. Da diese in den Veranstaltungsblättern dann trotzdem mit aufgenommen werden, sollte man sich jeden Laden zunächst von außen ansehen, um einschätzen zu können, um was es sich handelt. Ob „Club“ wirklich „Tanzmöglichkeit“ bedeutet. Haken an der Sache ist nämlich, dass dann auch solche Bars plötzlich Eintritt verlangen. Üblicherweise muss man dann noch seine Jacke abgeben, so dass man schnell mindestens fünf Euro los ist.

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Das ist jedoch noch ein Spottpreis gegenüber den richtigen Diskotheken. Diese nehmen gut und gerne 15 Euro Eintritt und haben dementsprechend hohe Getränkepreise. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Berns, die Spy Bar oder das Café Opera. Als großes Entgegenkommen kostet es nur noch 12 Euro, wenn man nach 2 Uhr kommt. Um 4 Uhr wird geschlossen, die Investition sei überlegt. Günstig weggehen in Stockholm ist beinahe unmöglich. Einige Clubs bieten kostenlosen oder verringerten Eintritt vor 22 oder 23 Uhr an. Allerdings muss hier beachtet sein, dass ein Bier regelmäßig 5 Euro kostet, somit der gesparte Eintrittspreis schnell vertrunken ist. Und das Publikum ist dann zuweilen dementsprechend jung oder unansprechend.

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Abgelegt in Schweden, Stockholm

Es gibt ein Leben nach Abba

Mittwoch, 6. August 2008

Foto von Peter Forret

Abba (Foto: Peter Forret)

Mal ehrlich. Wenn wir über Musik in Schweden nachdenken, fällt uns zunächst einmal Abba ein. Waterloo, Dancing Queen, Super Trouper. Kennt jeder. Nachdem die vier Vorzeigeschweden 1974 beim Grand Prix de la Chanson den ersten Platz gewonnen haben, ging es steil bergauf auf der Karriereleiter und sie wurden ein internationaler Hit. Wem dann irgendwann die relativ eintönigen Dance-Rhythmen doch zu anstrengend wurden, der konnte in den 80ern und 90ern den Lieder von Roxette lauschen. Ein weiterer Hitexport aus Schweden mit dem als sympathisch geltenden Duo Marie Fredriksson und Per Gessle. Fast schon als Rückschlag kann man dann den Erfolg des Quartetts Ace of Base in den 90er Jahren ansehen, da hier wieder auf das altbewährte Abbamuster zurückgegriffen worden ist (2 Frauen, 2 Männer, keine Instrumente, sinnlose Texte – nichtsdestotrotz nette Musik!).

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Topdemokratie?!?

Montag, 4. August 2008

Regelmäßig erscheint Schweden in Toppositionen, wenn die westliche Welt sich mal wieder zu einem Demokratieranking hergibt. Das Land gilt mit seinen sieben etablierten Parteien als besonders pluralistisch, erlaubt einen größeren Spielraum für die Äußerung seiner eigenen Meinung als die meisten anderen europäischen Staaten und setzt sehr viel Wert auf Transparenz im politischen Entscheidungsprozess. Das Öffentlichkeitsprinzip erlaubt es jeden Bürger Einsicht in politische Akten einzufordern. Außerdem gibt es für viele gesellschaftliche Gruppen einen Ombudsmann, an den Bürger sich wenden können, falls sie sich von der Regierung, Ämtern oder anderen Personen und Firmen diskriminiert oder falsch behandelt sehen. Das alles spricht für Schweden und sollte natürlich anerkannt werden. Zumal die Schweden beispielsweise das Prinzip der Ombudsfrau/des Ombudsmannes in die EU gebracht haben.

Umso erstaunlicher ist es da, dass die so genannte Vierte Macht im Staate Schweden so schwach ist!

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Abgelegt in Politik, Schweden