Archiv für September 2008

Du, Sie und Vaters Vater

Mittwoch, 24. September 2008

Das Schwedische enthält in den Augen (deutscher) Sprachfreunde einige interessante Erscheinungen, die ich immer mal wieder ansprechen möchte. Denn nur über Reflexion anderer Sprachen kann man seine eigene richtig kennenlernen und Vor- und Nachteile herausfiltern. Und unterhaltsam ist dies zuweilen auch…

Der größte Vorteil des Schwedischen ist gar nicht so sehr linguistisch, sondern soziologisch bestimmt: Es wird beinahe durchgängig geduzt. Waren die 68er in Skandinavien zwar nicht ganz so revolutionär wie in weiten Teilen Zentraleuropas, so haben sie doch die ungeheure Neuerung des Duzens mit sich gebracht. Es ist in Schweden möglich, jeden Menschen zu duzen: die Lehrerin, den Polizisten, die Parlamentsabgeordnete und den Opernstar. Ein lästiges “wie spreche ich die Person jetzt an” entfällt somit komplett, was meiner Meinung nach den Alltag erheblich erleichtert und auch eine gute Atmosphäre schafft. Eine Ausnahme stellt maximal der König und seine Familie dar, welche mit Sie oder Eure Majestät angesprochen werden. Aber auch der würde sich vermutlich nicht beleidigt fühlen, wenn man ihn Karl Gustav nennt, handelt es sich bei ihm und seiner Familie doch um dem Volk sehr nahe stehenden Adeligen.

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Abgelegt in Schweden

Die Kultur im Zentrum

Donnerstag, 11. September 2008

Wie schon angedeutet (Kulturleben) ist die Kultur in Schweden noch ein geschütztes Gut, für das der Staat auch gerne mal umfangreich Steuergelder ausgibt. Zum Wohle aller Gesellschaftsschichten wie das Kulturhuset mitten in der Stockholmer Innenstadt beweist. Gleich neben dem Hauptbahnhof und der Haupteinkaufsstraße gelegen ist das Kulturhuset Anlaufstelle für eine Vielzahl von Menschen. Zugegeben bin ich selbst in Deutschland noch nicht soo weit rumgekommen, aber Vergleichbares habe ich bisher bei uns nicht gesehen und kann mir ihre Existenz auch nur schwerlich vorstellen.

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Abgelegt in Stockholm

Bier, Korn, Schnaps und Wein…

Sonntag, 7. September 2008

Bekannt sind die Schweden dafür, dass sie sich – sobald sie ihr beschauliches Land verlassen haben – hemmungslos betrinken. Und wie jedes Vorurteil birgt auch dieses Wahrheit in seinem Kern, auch wenn man dies natürlich nicht pauschal über alle Schweden sagen sollte. Nichtsdestotrotz ist es beachtlich, wenn die reisenden Schweden demonstrieren, wie viel Alkohol ein einziger Körper so aufnehmen kann.

Bier - schon gut gekühlt

En öl (Foto: banger1977)

Das Verhalten resultiert wohl nicht zuletzt aus der recht regressiven Alkoholpolitik, welche das Land seit Jahrzehnten geprägt hat. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war die so genannte Nykterhetsrörelse (die Nüchternheitsbewegung) sehr stark im Dreikronenland und konnte ihren Einfluss auf die Sozialdemokratie geltend machen. Die Sozialdemokraten haben wiederum seit den 1930er Jahren bis in die 90er hinein beinahe jede Regierung gestellt. Wichtigste Pfeiler dieser Maßnahmen gegen einen erhöhten Alkoholkonsum der Bevölkerung – welcher die Arbeiterklasse schwächen würde und laut der Anhänger der Nykterhetsbewegung zur allgemeinen Verrohung führt – sind der eingeschränkte Verkauf von Getränken und die hohe Besteuerung selbiger. Bier mit über 3,5% Alkoholgehalt, Wein und Spirituosen gibt es nur in den so genannten System Bolag. Dies sind staatlich betriebene Schnapsbutiken, bei denen stark kontrolliert wird, ob der Einkäufer alt genug ist und welche durch ihre Öffnungszeiten das mehr oder weniger spontane Trinken am Abend oder Wochenende unmöglich machen. Im öffentlichen Nahverkehr in Stockholm und in einigen Parks und öffentlichen Plätzen darf Alkohol nicht verzehrt werden, was auch ausgiebig kontrolliert wird. Eine weitere Maßnahme ist die eingeschränkte Werbemöglichkeit für Spirituosen usw. Diese muss – wie bei Zigaretten in der EU – markiert sein mit Hinweisen, welche Konsequenzen Alkholgenuss haben kann.

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Abgelegt in Politik, Schweden