Du, Sie und Vaters Vater
Das Schwedische enthält in den Augen (deutscher) Sprachfreunde einige interessante Erscheinungen, die ich immer mal wieder ansprechen möchte. Denn nur über Reflexion anderer Sprachen kann man seine eigene richtig kennenlernen und Vor- und Nachteile herausfiltern. Und unterhaltsam ist dies zuweilen auch…
Der größte Vorteil des Schwedischen ist gar nicht so sehr linguistisch, sondern soziologisch bestimmt: Es wird beinahe durchgängig geduzt. Waren die 68er in Skandinavien zwar nicht ganz so revolutionär wie in weiten Teilen Zentraleuropas, so haben sie doch die ungeheure Neuerung des Duzens mit sich gebracht. Es ist in Schweden möglich, jeden Menschen zu duzen: die Lehrerin, den Polizisten, die Parlamentsabgeordnete und den Opernstar. Ein lästiges “wie spreche ich die Person jetzt an” entfällt somit komplett, was meiner Meinung nach den Alltag erheblich erleichtert und auch eine gute Atmosphäre schafft. Eine Ausnahme stellt maximal der König und seine Familie dar, welche mit Sie oder Eure Majestät angesprochen werden. Aber auch der würde sich vermutlich nicht beleidigt fühlen, wenn man ihn Karl Gustav nennt, handelt es sich bei ihm und seiner Familie doch um dem Volk sehr nahe stehenden Adeligen.
