Archiv für 2008

Die beliebtesten Sportarten

Dienstag, 12. August 2008

Wenn die/der Deutsche Sportarten nennen soll, in denen die Schweden gut sind, so fällt einem im Moment wohl zunächst Leichtathletik und dann Eishockey ein. Stimmt ja auch, dass die Schweden regelmäßig Medaillen im Eisstadion einheimsen und für ein bevölkerungsmäßig eher kleines Land erstaunlich viele gute Leichtathleten haben.  In der Popularität der Schweden selbst nehmen diese Sportarten jedoch maximal Rang zwei und drei ein. Lange davor liegt eine Sportart, in der die Schweden sich ehrlich gesagt nur mittelmäßig schlagen. Zumindest liegen die großen Erfolge schon länger zurück oder kommen nur sehr überraschend daher. Wenn man – wie dies meist geschieht – die Sportart auf die Wettbewerbe der Männer beschränkt. Denn die Schwedinnen sind weitaus erfolgreicher im Fußball als ihre männlichen Sportkollegen. Nur dass dies auch im Land der größten Gleichstellung zwischen Männern und Frauen nur wenige interessiert.

Zlatan Ibrahimovic (Foto: Maurobrock)

Zlatan Ibrahimovic (Foto: Maurobrock)

Die Schweden sehen immerhin ein, dass andere europäische Ligen weitaus interessanter zu verfolgen sind als die Allsvenskan. Aus diesem Grunde wird in den Medien vor allem von der englischen, italienischen und spanischen Liga umfangreich berichtet. Natürlich werden die Daumen vor allem für die Vereine gehalten, in denen sich schwedische Spieler befinden. Und auch hier findet eine völlig unschwedische Glorifizierung einer einzelnen Person statt. Wenn Zlatans Knie zwickt und zwackt, so ist dies mindestens zwei Seiten der größten schwedischen Tageszeitung wert. Gemeint ist Zlatan Ibrahimovic, Stürmer der schwedischen Nationalmannschaft und angestellt bei Inter Mailand. Wie der Name erkennen lässt, Sohn jugoslawischer Einwanderer. Genauer gesagt bosnisch-kroatischer Herkunft. Dies immerhin sehr zu begrüßen, da es beweist, dass Migranten in Schweden zumindest integrierter sind als in Deutschland. Der Mann ist auch ohne Frage sehr sympathisch, bescheiden, höflich und keineswegs eine Skandalnudel. Aber natürlich ist auch er nur ein Mensch und spielt nicht um Klassen besser als seine schwedischen Kollegen, die teilweise international auch sehr erfolgreich sind.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden

Diskofieber

Freitag, 8. August 2008

Kleiner thematischer Nachschlag. Auch das Ausgehen sei wohlüberlegt in einer fremden Stadt. Stockholm ist dabei nicht ganz einfach zu durchschauen. Natürlich gibt es jede Menge Clubs. Die erste Schwierigkeit besteht dann aber schon darin, dass sich viele Veranstaltungen „Club“ nennen, obwohl es sich um eine gewöhnliche Kneipe ohne besonderes Programm handelt. Da diese in den Veranstaltungsblättern dann trotzdem mit aufgenommen werden, sollte man sich jeden Laden zunächst von außen ansehen, um einschätzen zu können, um was es sich handelt. Ob „Club“ wirklich „Tanzmöglichkeit“ bedeutet. Haken an der Sache ist nämlich, dass dann auch solche Bars plötzlich Eintritt verlangen. Üblicherweise muss man dann noch seine Jacke abgeben, so dass man schnell mindestens fünf Euro los ist.

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Debaser Stockholm (Foto: chelsealeigh)

Das ist jedoch noch ein Spottpreis gegenüber den richtigen Diskotheken. Diese nehmen gut und gerne 15 Euro Eintritt und haben dementsprechend hohe Getränkepreise. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Berns, die Spy Bar oder das Café Opera. Als großes Entgegenkommen kostet es nur noch 12 Euro, wenn man nach 2 Uhr kommt. Um 4 Uhr wird geschlossen, die Investition sei überlegt. Günstig weggehen in Stockholm ist beinahe unmöglich. Einige Clubs bieten kostenlosen oder verringerten Eintritt vor 22 oder 23 Uhr an. Allerdings muss hier beachtet sein, dass ein Bier regelmäßig 5 Euro kostet, somit der gesparte Eintrittspreis schnell vertrunken ist. Und das Publikum ist dann zuweilen dementsprechend jung oder unansprechend.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden, Stockholm

Es gibt ein Leben nach Abba

Mittwoch, 6. August 2008

Foto von Peter Forret

Abba (Foto: Peter Forret)

Mal ehrlich. Wenn wir über Musik in Schweden nachdenken, fällt uns zunächst einmal Abba ein. Waterloo, Dancing Queen, Super Trouper. Kennt jeder. Nachdem die vier Vorzeigeschweden 1974 beim Grand Prix de la Chanson den ersten Platz gewonnen haben, ging es steil bergauf auf der Karriereleiter und sie wurden ein internationaler Hit. Wem dann irgendwann die relativ eintönigen Dance-Rhythmen doch zu anstrengend wurden, der konnte in den 80ern und 90ern den Lieder von Roxette lauschen. Ein weiterer Hitexport aus Schweden mit dem als sympathisch geltenden Duo Marie Fredriksson und Per Gessle. Fast schon als Rückschlag kann man dann den Erfolg des Quartetts Ace of Base in den 90er Jahren ansehen, da hier wieder auf das altbewährte Abbamuster zurückgegriffen worden ist (2 Frauen, 2 Männer, keine Instrumente, sinnlose Texte – nichtsdestotrotz nette Musik!).

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden

Topdemokratie?!?

Montag, 4. August 2008

Regelmäßig erscheint Schweden in Toppositionen, wenn die westliche Welt sich mal wieder zu einem Demokratieranking hergibt. Das Land gilt mit seinen sieben etablierten Parteien als besonders pluralistisch, erlaubt einen größeren Spielraum für die Äußerung seiner eigenen Meinung als die meisten anderen europäischen Staaten und setzt sehr viel Wert auf Transparenz im politischen Entscheidungsprozess. Das Öffentlichkeitsprinzip erlaubt es jeden Bürger Einsicht in politische Akten einzufordern. Außerdem gibt es für viele gesellschaftliche Gruppen einen Ombudsmann, an den Bürger sich wenden können, falls sie sich von der Regierung, Ämtern oder anderen Personen und Firmen diskriminiert oder falsch behandelt sehen. Das alles spricht für Schweden und sollte natürlich anerkannt werden. Zumal die Schweden beispielsweise das Prinzip der Ombudsfrau/des Ombudsmannes in die EU gebracht haben.

Umso erstaunlicher ist es da, dass die so genannte Vierte Macht im Staate Schweden so schwach ist!

weiter lesen »

Abgelegt in Politik, Schweden

Wo ist denn wohl die Szene?

Mittwoch, 30. Juli 2008

Södermalm - bunter Treffpunkt

Alles was als hipp gezählt werden möchte, tummelt sich im Stadtteil Södermalm. Ein recht großes Viertel mit zahlreichen Kneipen, Diskos und Restaurants. Gleichzeitig auch sehr viel Wohn- und Arbeitsraum. Alle, die denken, sie seien jenseits des Mainstreams, independent und extrem individuell versammeln sich hier und machen den Ort dann doch wieder irgendwie spießig. Viel Wert wird darauf gelegt zu betonen, dass man aus Södermalm ist oder dort zumindest arbeitet oder sich regelmäßig zwecks Nachtleben aufhält. Die Leute hier grenzen sich vor allem ab von den Östermalm-Bewohnern, welche zu den reichsten Schwedens und somit zu den reichsten der Welt zählen dürften. Was den Geldbeutel betrifft, können sich die Södermalmer jedoch gar nicht allzu sehr von den anderen Innenstadtbewohnern unterscheiden, da beispielsweise eines der seltenen WG-Zimmer nicht unter 500-600 Euro pro Monat zu haben ist. Auch die Getränkepreise in den Gastronomiebetrieben sind happig und setzen eine gute finanzielle Situation voraus. Widerspricht auf jeden Fall meiner Vorstellung von Subkultur und “Szene”. Was nicht heißen soll, dass ich das Viertel nicht mag und mich nicht auch dort primär aufhalte. Der Weg vom Medborgarplatsen Richtung Slussen ist auf jeden Fall eine super Flaniermeile und absolut dazu zu nutzen, interessante und schöne Menschen sehen zu können. Und eine Kneipe wie das Carmens, welche jeder Stockholmer kennt und meines Wissens nach alle schätzen, ist auch nicht zu verachten (wobei ich mich frage, wie lange dieser Status aufrecht erhalten bleiben kann, wenn die Bediensteten dort weiter so unfreundlich sind). Großartig auch die Fülle an Second-Hand-Läden, Cafés und Nischengeschäften. Oder der Blick entlang der Götgatan in Richtung des beleuchteten Globens, wenn es dunkel ist. Das Abenteuer, den Bus durch die Stadt zu nehmen an dem Tag, an dem die Schweden ihre Steuererklärung einreichen müssen (Verkehrschaos!). Die herrliche Aussicht in der Buslinie 2 von Slussen in Richtung Sofia auf den Anlegerbereich für die Kreuzfahrtschiffe und Djurgarden….

Abgelegt in Schweden, Stockholm

Herzstück Slussen

Donnerstag, 24. Juli 2008

Slussen

Der schönste Platz der Stadt: eindeutig Slussen. Das Herzstück der Stadt. Hier bündeln sich U-Bahn, S-Bahn, viele Buslinien und die Autobahn. Slussen ist eigentlich eine große kreisförmige Verkehrskreuzung, die ihren Charme dadurch gewinnt, dass sie für den Linksverkehr ausgelegt ist. Dieser herrschte bis 1967 in Schweden. Darüber hinaus ist es das Verbindungsstück zwischen der Altstadt (Gamla Stan) und dem modernsten Viertel, Södermalm, mit seinen vielen Kneipen, Bars und Subkulturen. Ein weiterer Pluspunkt: Slussen (zu deutsch die Schleuse) ist umgeben von zwei Gewässern: dem Zugang zur baltischen See (Saltsjön) und dem Mälaren. Aus diesem Grunde kann man von diesem Punkt aus hervorragend weite Teile der Stadt überblicken. Neben Gamla Stan und Södermalm sieht man das Schloss, das berühmte Kaufhaus NK und Djurgården mit seinen Museen und dem Freizeitpark Gröna Lund. Die Aussicht an Silvester sucht auf jeden Fall seinesgleichen in der Stadt.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden, Stockholm

Kampf den Vorurteilen!

Donnerstag, 24. Juli 2008

Schweden das sind Elche, Midsommar und entlegene Seen. Dies ist zumindest das in Deutschland weit verbreitete romantische Bild des Landes. Dabei gibt es Elche nicht nur in ganz Skandinavien, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Zudem sind die Tiere objektiv betrachtet ziemlich hässlich und werden oft als harmlos unterschätzt. Midsommar wird vor allem gefeiert, um veraltetes schwedisches Brauchtum aufrecht zu erhalten und/oder sich mehr oder weniger gepflegt zu betrinken. Und die Freude an den schönen schwedischen Seen und der Landschaft nimmt bei vielen Menschen ganz schnell ab, wenn im Sommer Millionen von Mücken das Land heimsuchen. Kurz – es ist nicht alles Gras was grün ist. Ohne Frage ist Schweden ein wunderschönes Land, aber es hat auch mehr zu bieten als der Durchschnittsdeutsche sich vorstellt.

Nationaldag vor dem Schloss

Fragt man eine Schwedin nach ihrer Hauptstadt, so wird sie behaupten, dass Stockholm nicht typisch schwedisch sei. Wie in anderen Ländern auch sind die Hauptstadt und ihre Bewohner nicht sonderlich beliebt im Lande – werden als arrogant und oberflächlich abgestempelt (in schwedischen Filmen ein weit verbreitetes Motiv). Ich behaupte nun aber, dass Stockholm sehr wohl typisch schwedisch und zudem ein ausgezeichneter Ort zum Leben ist. Die Stadt ist jung, chic und strahlt eine unglaubliche Ruhe und Freundlichkeit aus!

In den weiteren Artikeln soll es aus diesem Grunde darum gehen, meine Behauptung mit Argumenten und Anekdoten zu stützen, aufzuzeigen, ob auch andere Personen dieser Ansicht sind und der Versuch gemacht werden, die unbeugsamen deutschen Vorurteile zumindest etwas weicher zu klopfen.

Abgelegt in Schweden