Archiv für Juni 2009

Los geht’s: EU-Ratspräsidentschaft von Schweden

Sonntag, 28. Juni 2009

Das politische Europa atmet diese Tage ein wenig auf. Am 1. Juli wird Schweden die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen und damit die Tschechische Republik ablösen. Das letzte halbe Jahr war wenig fruchtbar für die Europäische Union. Die tschechische Regierung ist skeptisch gegenüber der europäischen Integration und hat wenige Fragen vorangetrieben. Die Zukunft des Lissabonvertrages steht ebenfalls in den Sternen und blockierte somit ein Mehr an Integration. Nach den Wahlen zum Europaparlament formiert sich erst ein neues Parlament, welches anschließend die von den nationalen Regierungen vorgeschlagenen EU-Kommissare befragen und absegnen darf (eine der größten Einflussmöglichkeiten des sonst noch zu schwachen Europäischen Parlaments). Die EU-Kommissare, vereinfacht dargestellt die europäischen Minister, treten erst im Herbst ihre Ämter an.

Der schwedischen Regierung wird zugetraut, Fortschritte in wichtigen Fragen zu bewirken. Starke Impulse verspricht man sich sonst vor allem von den Ratspräsidentschaften der fünf großen Mitgliedsstaaten (I, E, GB, F, D), aber die Schweden haben in ihrer ersten Ratspräsidentschaft 2001 bewiesen, dass sie den Flohzirkus Europäische Union vergleichsweise gut im Zaum halten konnten.

Die EU-freundliche Regierung aus Moderaterna, der liberalen Folkpartiet, den Kristdemokraten und der Centrumspartei hatte Ende 2008 ein ambitioniertes Programm für die sechs Monate präsentiert. Schwerpunktthemen sollten sein: Klimaschutz, Wachstum, Zusammenarbeit im Ostseeraum, Kriminalitätsbekämpfung und EU-Erweiterung. Ein wenig wurden die Prioritäten aufgrund der aktuellen Entwicklungen noch geändert. Priorität Nummer eins hat nun die Überwindung der Finanzkrise. Wichtig ist auch, den institutionellen Wandel nach den Wahlen gut abzuwickeln. Unwahrscheinlich ist es, dass der Lissabonvertrag noch während der schwedischen Ratspräsidentschaft in Kraft treten wird. Die Iren haben beim EU-Gipfel im Juni 2009 angekündigt, Anfang Oktober ein zweites Referendum durchzuführen ( Süddeutsche ). Allerdings ist zum einen das Resultat noch nicht vorhersehbar und in einigen Mitgliedstaaten (u.a. Deutschland) fehlt noch die endgültige Ratifizierung durch das Staatsoberhaupt, so dass es zu Zeitproblemen kommen könnte.

weiter lesen »

Abgelegt in Politik, Schweden

Stiefkind schwedischer Handball

Sonntag, 14. Juni 2009

Neben der Leichtathletik, Eishockey und in Wintersportarten verfügen die Schweden auch in einer  Disziplin über hervorragende Sportler, die gerne vernachlässigt wird: dem Handball. In der Beliebtheitsskala rangiert Handball weit hinter Fußball und beispielsweise Eishockey (Die beliebtesten Sportarten), obwohl das Handballteam in der Vergangenheit einige Erfolge für sich verbuchen konnte. Handballweltmeister waren sie 1990 und 1999, Silber gab es zudem 2001, Bronze 1993 und 1995.  Europameister wurde Schweden 1994, 1998, 2002 und 2002.  Bei den Olympischen Spielen gab es von 1992 bis 2000 drei Mal hintereinander Silber. Eine beachtliche Bilanz. Auffällig jedoch auch, dass in den letzten Jahren die großen Erfolge ausblieben. Für die WM 2007 in Deutschland konnte sich das Team nicht qualifizieren, bei der EM 2008 waren sie Fünfter und bei der WM 2009 erlangten sie Platz sieben und waren damit einen Platz hinter dem deutschen Team.

Erstaunlich ist das vergleichsweise schlechte Abschneiden der letzten Jahre, wenn man sich den Kader der Mannschaft ansieht. Viele schwedische Nationalspieler spielen in der deutschen Bundesliga und sorgen dort für Furore.  Alleine der deutsche Meister und Zweitplatzierte in der Championsleague THW Kiel hat in seinem Kader sechs schwedische Spieler, darunter der Kreisläufer und Stammspieler der schwedischen Nationalmannschaft Marcus Ahlm. Sowohl bei Kiel als auch in der Nationalmannschaft eine große Stütze ist zudem Kim Andersson. Henrik Lundström und Stefan Lövgren sind ebenfalls international sehr erfahrene Spieler.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden

School’s out in Schweden

Montag, 8. Juni 2009
Abitourienten

Truck mit Abiturienten

Dröhnender Bass, Flaschen-schwenkende Jugendliche, Trucks und ausgelassene Stimmung. Nein, keine Loveparade in Schweden, sondern ein traditioneller Teil der Feierlichkeiten zum Schulabschluss. Mehrere Wochen lang ziehen die frisch gebackenen Abiturienten lautstark durch die Straßen Stockholms. Es gibt zwar einen offiziellen Umzugstag, allerdings scheint jede Schule ihren eigenen Tag zum Feiern auserkoren zu haben. Die sonst so sicherheitsbewussten Schwedinnen und Schweden stehen dabei auf Unimogs und offenen Lastern, hören lauten Musik, trinken Alkohol und winken den Passanten zu. Derart ziehen sie mehrere Stunden durch die Innenstadt. Partystimmung in der Stadt, von den Passanten meist wohlwollend aufgenommen, da sie sich an ihre eigene  Abiturientenzeit erinnern.

Wie in Zusammenhang mit der Walpurgisnacht bereits erwähnt, tragen alle schwedischen Abiturienten ein Erkennungszeichen: eine weiße Mütze mit schwarzen Schirm. Wie in anderen Ländern auch, haben die Studentenmützen eine lange Tradition. Auch wenn es sonst keine Schuluniform in Schweden gibt, ist dies ein Muss für jeden Schulabgänger. Die Mützen gibt es in hochwertigen Ausführungen mit persönlicher Gravur und Wappen oder blau-gelb auf der Stirn. Ein hervorragendes Geschenk der stolzen Eltern an ihre Zöglinge.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden

Hoch die Fahnen – Der schwedische Nationalfeiertag

Dienstag, 2. Juni 2009
Parade hoch zu Ross

Parade hoch zu Ross

Diese Woche ist es soweit und die Schweden feiern sich selbst. Am 6. Juni  ist schwedischer Nationalfeiertag und gleichzeitig Tag der schwedischen Flagge. Ein Meer von Fahnen und Blau-Gelb steht vor der Tür. Nationalstolz soweit das Auge reicht und für viele die Chance, zu zeigen, wie gerne sie in ihrem Land leben. Nicht gerade zeitgemäß die Nationaltümmelei. Dabei wurde dieser Feiertag erst vor relativ kurzer Zeit auserkoren. Seit 1916 ist der 6. Juni der Flaggentag, aber erst seit 1983 auch der offizielle schwedische Nationalfeiertag. Ein richtiger (freier)Feiertag ist er sogar erst seit 2005. (Durch den säkularen Feiertag ist den Schweden allerdings der Pfingstmontag abhanden gekommen.)  Das Datum wurde gewählt, da am 6. Juni 1523 Gustaf Vasa zum König gekrönt wurde und sowohl 1809 als auch 1974 wichtige Staatsreformen vollzogen wurden.

Luftballonmeer am 6.6.2008

Luftballonmeer am 6.6.2008

Und was passiert nun am Nationalfeiertag? Natürlich gibt es im ganzen Land Veranstaltungen, kleine Volksfeste und Versammlungen. In vielen Kommunen werden die Personen willkommen geheißen, welche in diesem Jahr die schwedische Staatsbürgerschaft bekommen haben. Die größten Festlichkeiten finden in Skansen, dem berühmten Stockholmer Freilichtmuseum statt. Die Geschichte des Museums ist eng verknüpft mit dem Nationalfeiertag, da der Gründer von Skansen Ende des 19. Jahrhunderts zu den Initiatoren des Flaggentags gehörte. Natürlich finden auch rund um das schwedische Schloss Paraden und Empfänge statt. Außerdem veranstaltet die Stadt ein großes Volksfest mit Musik, Speis und Trank im nahe gelegenen Kungsträdgarden.

Ein Nationalfeiertag ist natürlich auch für die rechte Szene ein willkommener Feiertag. Somit kommt es in Stockholm alljährlich zu einer großen Nazidemo mit etwa 1000 Teilnehmern. Die Nazis profitieren dabei von dem in Schweden hochgehaltenen Recht auf Meinungsfreiheit. Glücklicherweise zeigen Tausende Gegendemonstranten, dass sie den Nazis keinen Raum bieten wollen.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden