Archiv für Juli 2009

Schwedens Norden eine Reise wert

Freitag, 31. Juli 2009

Jedes Jahr fahren Tausende von deutschen Touristen nach Schweden. Tausende von Deutsche fahren zudem ein- oder mehrmals im Jahr in ihre eigene Blockhütte mitten in der schwedischen Natur. Wir sind überall. Dementsprechend werden auch Witze gemacht, da die „Überfremdung“ im Sommer schon auffällt und bei diesen Gelegenheiten alljährlich alle Klischees über deutsche Touristen erfüllt werden (Sportsocken in Sandalen, dicke Autos und maue Fremdsprachenkenntnisse).

Landschaft in Nordschweden (Foto: Talaakso)

Landschaft in Nordschweden (Foto: Talaakso)

Die wenigsten deutschen Touristen schaffen es allerdings, bis in den Norden Schwedens vorzudringen. Dabei ist Norrland im Vergleich mit Svea- (Mittelschweden) und Gotaland (Südschweden) viel größer und bietet – z.T. am Polarkreis gelegen – eine ganz andere Landschaft. Etwa 59% der Landesfläche Schwedens zählt zu Norrland. Dabei liegt die Bevölkerungsdichte bei 2 Personen pro Quadratkilometer. Sollte jemand Interesse an absoluter Einsamkeit haben, so mache er oder sie sich auf den Weg in Europas Norden. Robust bei jedem Wetter sollte man sein, denn die Temperaturen schwanken im Jahr zwischen 30 Plusgraden und 30 Minusgraden. Angeblich ist die Kälte dabei noch trockener (und somit angenehmer) als in Stockholm und erst recht als in den südlicheren Regionen Schwedens.

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Snus – Tabak in mundgerechten Päckchen

Freitag, 24. Juli 2009

Schweden ist bekannt für teuren Alkohol. Zweck ist nicht nur durch eine besonders hohe Steuer den Sozialstaat zu finanzieren, sondern vor allem den Konsum niedrig zu halten. Klappt nicht so ganz, nichtsdestotrotz ist Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit beispielsweise in Parks und in öffentlichen Verkehrsmitteln verboten und irgendwie auch verpönt. Gleiches gilt für so genannte weiche Drogen. Um so erstaunlicher, dass die Schweden ein eigenes Tabakprodukt besitzen, welches in der restlichen Europäischen Union verboten ist.

Snus portionsweise (Foto: andreas hagerman, flickr)

Snus portionsweise (Foto: andreas hagerman)

Snus ist ein Oraltabak (was für ein Wort), der in kleinen Beutelchen verpackt ist und Nikotin und Salze enthält. Dieses Beutelchen steckt man sich unter die Oberlippe. Durch das Salz in dem Päckchen wird der Speichelfluss angeregt und somit die Nikotinaufnahme begünstigt. Für den Konsument ergibt sich derselbe Effekt wie beim Rauchen. Für das Umfeld des Konsumenten sind weniger Qualm und Kippen die Folge. Allerdings wird einem so ständig vor die Füße gerotzt, was ästhetisch noch unter den Kippen anzuordnen, aber vielleicht die umweltfreundlichere Variante ist.

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Schmuckes Sigtuna

Dienstag, 21. Juli 2009
Marktplatz Sigtuna

Marktplatz Sigtuna

Ganz in der Nähe von Stockholm befindet sich eine der ältesten Städte Schwedens: das nur 7.000 Einwohner große Sigtuna. Ein schöner Ort für einen Tagesausflug entweder aus Uppsala oder Stockholm und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Eine wechselhafte Geschichte hat das schmucke Städtchen durchgemacht. Nachdem die Bedeutung des Wikingerstandorts Birka im 10. Jahrhundert abgenommen hat, wurde Sigtuna ein wichtiger Standpunkt für die Region. 980 n. Chr. soll sie von dem König Erik Segersäll gegründet worden sein. Kurze Zeit später wurden hier die ersten schwedischen Münzen geprägt. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde der Ort im Zuge der zunehmenden Christianisierung sogar Bischofssitz. Der Aufstieg hielt an und weitere Kirchen und sogar ein Kloster wurden gebaut.

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Abgelegt in Schweden, Stockholm

Ohne Fleiß kein Preis – Studieren in Schweden

Mittwoch, 15. Juli 2009

Das Studiensystem in Schweden ist leicht erklärt. Es setzt sich zusammen aus:

1) Gruppenarbeit

2) Bergen von Lektüre

3) vier Wochen des Semesters richtigen Stress

Ein sozial- oder geisteswissenschaftliches Studium in Schweden unterscheidet sich somit in hohen Maßen von einem deutschen Studium, zumindest war dies zu Zeiten von Diplom und Magister noch so. Heute haben wir uns teilweise angeglichen, eine vollständige Harmonisierung wird aber sicher die nächsten 20 Jahre nicht durchsetzbar sein (sollte jemand diesen Wunsch hegen).

Uppsala Universitet: Schwedens älteste Uni (Foto: Riviera Kid)

Uppsala Universitet: Schwedens älteste Uni (Foto: Riviera Kid, flickr)

Ein krasser Unterschied ist der Aufbau des Semesters. Während wir – je nach Einsatz des Studierenden – ungefähr 10 Kurse wöchentlich besuchen, haben die Schweden jeweils nur einen, maximal zwei Kurse zur gleichen Zeit. Diese Kurse gehen dann allerdings nur sechs Wochen, so dass man im Semester auf vier unterschiedliche Seminare kommt. Da nicht alle Themen erschöpfend in sechs Wochen abgearbeitet werden, gibt es auch Kurse über zwei Zeiteinheiten (Englisch: periods). Der Rest der Woche ist dann allerdings nicht Freizeit. Grundannahme ist das Selbststudium. 200 Seiten pro Woche Lektüre ist in den Geisteswissenschaften Standard. Dazu gibt es kleine Aufgaben abzugeben oder zu erledigen. Und diese sind dann meist in Gruppenarbeit zu leisten – der Allzweckwaffe der schwedischen Pädagogik. Dahinter steckt wohl die Illusion, dass die Gruppenarbeit den Zugang zu den Themen erleichtert und vertieft. Die Kehrseite ist, dass man den seiner Arbeitsgruppe sehr ausgeliefert ist. Man kann Glück oder Pech haben.

Von den sechs Wochen ist jeweils die letzte die intensivste. Hier wird entweder eine Klausur geschrieben oder die Ausarbeitung einer Hausarbeit verlangt. Präsentationen und Referate werden in fast jeder vorhergehenden Stunde gehalten. Es gibt bei den Kursen drei verschiedene Niveaus: A, B, C, wobei letzteres die schwierigste Kategorie und primär für Masterstudierende vorgesehen ist.

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Abgelegt in Schweden

Schwedische Krimis

Samstag, 4. Juli 2009

Warum immer so grausam?, fragt man sich. Wieso gehen Väter mit Äxten auf ihre Kinder los oder werden hilflose Personen mit Sensen massakriert. Man weiß es nicht. Schwedische Krimis sind einfach grausam und können es mit jedem Shakespeare-Drama aufnehmen. Genüsslich werden die Opfer in  Zeitlupe misshandelt, getötet oder in den Wahnsinn getrieben. Interessant wäre, in der schwedischen Literaturgeschichte nachzuprüfen, ob die schwedischen Schriftsteller schon immer einen Hang zum Gemeinen  und Abstoßenden hatten oder ob dies ein Produkt des 20. Jahrhunderts ist. Vielleicht ist die Kriminalitätsrate in Schweden so niedrig, dass die Phantasie mit den Leuten durchbrennt. Oder sie schauen zu viele amerikanische Actionthriller und meinen, diese zu imitieren oder sogar toppen zu müssen. Sowohl die  Anzahl der Morde als auch die Vorgehensweisen sind auf jeden Fall weit weg von der schwedischen Realität.

Henning Mankell (Foto: Dr. Jost Hindersmann)

Henning Mankell (Foto: Dr. Jost Hindersmann)

Die Liste an schwedischen Krimiautoren ist lang. Es begann mit Kommissar Beck, der bei uns sicher eher durch die Fernsehserie bekannt ist. Das Autorenpaar Maj Sjöwall / Per Wahlöö verfasste bereits 1965 den ersten Fall. Kommissar Wallander kam eine ganze Zeit später. Anfang der 90er Jahre begann Henning Mankell diese Serie. Seine Bücher sind große Erfolg und beinahe allesamt internationale Bestseller. Von der Popularität Wallanders konnten danach einige schwedische Autoren profitieren, deren internationaler Durchbruch ansonsten vermutlich schwieriger geworden wäre: Håkan Nesser, Åsa Larsson, Åke Edwardsson, Stieg Larsson, Liza Marklund uvm.

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Abgelegt in Schweden