Archiv für August 2009

Victoria “Vickan” Svensson auf Titeljagd

Donnerstag, 27. August 2009
Foto: Awaya Legends

Foto: Awaya Legends

Kaum einer kriegt es mit, aber derzeit ist die Fußball-EM der Frauen in Finnland. Und Schwedens Fußballheldin der letzten  Jahre absolviert ihre letzte Meisterschaft. Gemeint ist Victoria “Vickan” Svensson, 32 Jahre alt und Rekordnationalspielerin. Ihre Liste an Erfolgen ist lang:  Seit 2007 war sie Mannschaftsführerin der Nationalmannschaft. Zwei Mal (1999 und 2003) war sie Trägerin des Diamantbollen, der schwedischen Auszeichnung für die Fußballspielerin des Jahres. Die schwedische Meisterschale konnte sie vier Mal stemmen und die Torjägerkrone erlangte sie drei Mal. Auch international hat sie Maßstäbe gesetzt: Mit fünf Toren gegen Rumänien hat sie weltweit die meisten Toren in einem Damenspiel geschossen. Mit 66 Toren in 163 Länderspielen gehört sie aber auch so zu den ganz Großen des Fußballs.

Vickan stammt ursprünglich aus Westschweden, nämlich aus der Kommune Ulricehamn in der Nähe des Vätternsees. Hier begann sie auch beim Grönahögs IK/Gällstads IF.  Bis zum Alter von 14 spielte sie sowohl in der Mädchenmannschaft als auch in der Jungenmannschaft. Dann wechselte sie zum Nittorps IK und blieb dort bis 1996. Kurze Zeit später zog es sie nach Göteburg zum Jitex BK, wo sie allerdings nur ein Jahr blieb. Ab 1998 spielte Svensson durchgängig bei Stockholmer Vereinen. Zunächst beim Älvsjö AIK und nach der Fusion bei Djurgardens IF/Älvsjö. Ins Ausland zu gehen war nur einmal Thema, aber der Transfer nach Philadelphia kam nicht zustande. Außerdem gehört die schwedische Damenliga zu den besten der Welt.

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Ace of Base – Pop Pop Populär!

Donnerstag, 20. August 2009

Synthesizersound, eingängige Texte, vier Schweden: zwei männlich, zwei weiblich. Von letzteren eine blond und eine brünett. Kommt uns doch bekannt vor. Das waren doch die 70er. Agnetha, Anni-Frid (Frida), Benny, Björn, also ABBA drangen aus dem Radio, ohne dass ein Entkommen möglich war. Und dann nach nur 10 Jahren Pause in den wilden 80ern brachten die 90er ein neues Quartett aus Schweden hervor. Ganz zufällig enthält deren Bandname auch ein großes A und B  als Tribut zu den Vorbildern. Oder hat schon mal jemand den Bandnamen verstanden?

Foto: Doublespatula

Foto: Doublespatula

Aber: Es hat funktioniert. Ace of Base avancierte nach ABBA und dem Duo Roxette zur dritterfolgreichsten Band Schwedens. Ca. 45 Millionen Platten haben die vier heiteren Schweden bis heute verkauft. Es gab Grammys und mehrmals Platz 1 in den schwedischen, europäischen und amerikanischen Charts. Und dass damals, als die Charts noch etwas zu bedeuten hatten. Happy Nation war damals sogar das erfolgreichste Debütalbum aller Zeiten.

Wer genau ist Ace of Base? Mal wieder handelt es sich um eine Gruppe Verwandter. Malin, Jenny und Jonas Berggren sind Geschwister, nur Nummer vier ist Ulf Ekberg und nicht mehr verwandt. Sie stammen aus Göteburg, das  – wie ich vor kurzem gelesen habe – zuweilen auch als Liverpool des Nordens tituliert wird, weil hier angeblich viele Musikkarrieren beginnen. Witzigerweise haben Jonas und Ulf es zunächst mit der Techno-Kombo Tech Noir versucht, ehe sie ins Popgeschäft übergegangen sind. Das war 1990, wäre also auch eine gute Zeit für Techno gewesen. Dieser Background erklärt allerdings, wieso bei der Musik weitestgehend auf echte Instrumente verzichtet wurde.

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Sommerlochneuigkeiten

Donnerstag, 13. August 2009

August ist Sommerlochzeit. Alle haben Urlaub, inklusive einer Großzahl von Journalisten. Da auch die Politiker Urlaub haben, gibt es für die Zurückgebliebenen in den Redaktionen weniger zu berichten. So entstehen Pseudo-Skandale wie die “Affäre Dienstwagen”. Glücklicherweise gab es aufgrund dieser Peanuts keinen Minsterrücktritt. Allerdings wird die Frau höchstwahrscheinlich eh nicht mehr lange im Dienstwagen fahren dürfen. Ende Oktober wird Schluss sein. Hat sich das von selbst erledigt und der “Skandal” wird noch lächerlicher.

Zeitungen zu lesen ist derzeit somit nicht das größte Vergnügen. Allerdings gibt es eine Ausnahme. Wenn man sich für die Rubrik “Klatsch und Tratsch” (gerne auch mit dem Euphemismus “Blick in die Welt” o.ä. tituliert), hatte man eine interessante Woche. Vor allem in Schweden. Ahnungslos saß ich vor dem Computer und wunderte mich über den rasanten Anstieg der Besucherzahlen auf meinem Blog. Gefragt war nur ein Artikel. Da wurde ich neugierig.  Und siehe da: Neues aus dem Königshaus. Das Nesthäkchen des schwedischen Königshaus hat ihrem langjährigen Freund versprochen, ihn zu heiraten.

Das Interesse an dem Paar muss riesig sein. Unbestreitbar eine schöne Frau, die einen ebenso schönen Mann heiratet (Bilderserie bei Dagens Nyheter, der renommiertesten schwedischen Zeitung). Beliebt ist ja eh die ganze Familie. Die können machen, was sie wollen, die Schweden lieben sie. Allerdings wäre es höchst verwunderlich, wenn sich die schwedische Königsfamilie solche Fehltritte/Menschlichkeiten wie die britische Familie leisten würde. UK hat da einfach noch mehr Unterhaltungswert.

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Die Samen – Urbevölkerung Nordeuropas

Freitag, 7. August 2009
rentier-helico-flickr

Rentierherde, Foto: Helico

Wie im vorherigen Artikel erwähnt, muss man Natur und Einsamkeit mögen, um im Norden Schwedens glücklich zu werden. Nach wenigen Wochen würden sich die meisten Menschen vermutlich in den warmen, hellen, abwechslungsreichen Süden oder die Mitte Europas zurücksehnen – zumindest im Winter. Es gibt in Skandinavien jedoch eine Bevölkerungsgruppe, der es so nah am Polarkreis bestens gefällt: den Samen, die als indigene Bevölkerung Schwedens zählen. Sie wohnen in einem weit gestreckten Gebiet im Grenzland von Norwegen, Schweden, Finnland und der russischen Kola-Halbinsel.

Da die Samen die historische Provinz Lappland bewohnt haben, wurden sie früher häufig Lappen genannt.  Der Begriff gilt heute allerdings als negativ konnotiert und wird deshalb gemieden. Sápmi nennen die Samen ihren Lebensraum, und daraus ergibt sich auch die Bezeichnung dessen Bewohner. Samen gibt es erstaunlich wenige, sie könnten gerade einmal eine kleinere Stadt füllen. Schätzungen gehen von 82.000 Personen aus. Davon leben 50.000 in Norwegen, 20.000 in Schweden, 10.000 in Finnland und 2.000 in Russland. Was zeichnet nun die Samen aus? Die Samen haben eine eigene Sprache: das Samische. Nach eigenen Angaben gibt es sehr viele Dialekte dieser Sprache, die sich so stark unterscheiden, dass sie beinahe als eigene Sprachen gezählt werden können. Allerdings sei dabei Vorsicht geboten: Schweden und Norweger behaupten auch, unabhängige Sprachen zu haben, können sich aber ohne Probleme im Gespräch ihre jeweilige Landessprache beibehalten.

Generell sind die Samen keine homogene Gruppe. Von Region zu Region unterscheiden sich ihre Traditionen. Vermutlich sind die Unterschiede größer geworden, nachdem im 19. Jahrhundert die Landesgrenzen neu gezogen wurden und stärkeres Nationalbewusstsein entstanden ist. Natürlich waren die Samen keine Christen, sondern hatten ihre eigene Religion und Mythologie. Diese spielt heute allerdings kaum noch eine Rolle. Lange Zeit galten sie vor allem als exzellente Rentierzüchter. Aber genauso wie die Bayern nicht alle Bierbrauer sind, hat nicht jeder Lappe Rentiere in seinem Garten stehen. Zu früheren Zeiten arbeiteten viele als Fischer oder in der Forstwirtschaft, heute üben sie ganz gewöhnliche Berufe aus. Viele junge Samen verlassen die nördlichen Gebiete und ziehen in Regionen mit mehr Arbeitsmöglichkeiten. Da viele nur noch Schwedisch und kein Samisch sprechen, ist die Integration kein Problem.

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