Archiv für Oktober 2009

Stockholms inoffizielle Hymne

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ja, sie singen gerne, die Schweden. Während bei uns jeder Happy Birthday-Song nur genuschelt und eifrig aufs Textblatt gelugt wird, weil man sich plötzlich nicht mehr an den Text erinnert, ertönen fröhliche Töne aus schwedischen Kehlen. In Schweden ist man froh, wenn man singen darf. Beispielsweise an den ganzen Feiertagen. Lucia (Lichterfest am 13.12.) und Weihnachten sind ohne Singen schlicht undenkbar. Vermutlich weil es gleichzeitig ein gemeinsamer Akt ist, ein Akt der Besinnung und Ausdruck der Freude.

Was liegt da näher als seiner geliebten Heimatstadt ein Lied zu widmen. 1961 schrieb Beppe Wolgers einen schwedischen Text zum internationalen Hit “Walking my baby back home”. Heraus kam “Sakta vi gå genom stan”, eine Ode an das schöne Stockholm, die große Popularität erlangte. Pop- und Schlagerstar Charlotte Perrelli (vormals Nilsson) sang diesen Hit beim Allsång-Fest im Freilichtmuseum Skansen. Wie man im Video sehen kann, regt das Lied viele Menschen zum Schunkeln und Träumen an.

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46 Tage zur Klimarettung

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Alle paar Jahre finden wirklich bedeutende politische Konferenzen statt, die die zukünftige Entwicklung in bestimmten Bereichen vorgeben. Vom 7. bis 18. Dezember ist es wieder soweit. Die Dänen laden nach Kopenhagen zur Klimakonferenz. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die Regierungen dieser Welt kräftig investieren möchten, um einer Erderwärmung und deren Konsequenzen zu vermeiden. Dafür muss jedes Land seine CO2-Emissionen verringern.

Für die schwedische Regierung als Nachbarstaat Dänemarks und EU-Ratspräsident genießt die Klimakonferenz hohe Priorität. Am Dienstag lud nun die schwedische Botschafterin in Berlin, Ruth Jacoby, in die Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin ein. Geboten wurde eine Podiumsdiskussion mit exklusiver Besetzung und vielen Insiderinformationen. Die Botschafterin selbst eine sympathische Frau mit hochkarätigen Lebenslauf, der man kaum anmerkt, dass sie keine deutsche Muttersprachlerin ist. Außerdem ist sie scheinbar genauso Kaugummisüchtig wie ich.

Fünf Personen berichteten von ihren Erfahrungen und Erwartungen gegenüber der Klimakonferenz: ein Generaldirektor der Europäischen Kommission, ein Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums, der Sonderbeauftragte für Klimafragen der schwedischen Regierung Lars-Erik Liljelund, eine Vertreterin des WWFs und als Vertreter der Wissenschaft Ernst Ulrich von Weizsäcker. Letzterer ist der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten, Autor, Direktor diverser Umweltinstitute und gerade mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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Nordischer Nachbar Island

Montag, 19. Oktober 2009

Da irgendwo im äußersten Nordwesten Europas liegt ein Land, das im Bewusstsein vieler Menschen keine allzu große Rolle spielt. Ausnahme sind vielleicht die vielen pferdebegeisterten Frauen und Zahnärzte, die sich ein Pony für 10.000 Euro aufwärts kaufen. Das Besondere an den possierlichen Tieren ist die Tatsache, dass sie nicht wie die einfachen europäischen Modelle in drei Gangarten betrieben werden, sondern gleich fünf Gänge haben. Und einer davon viel weniger ruckelt als die anderen, das ist dann Wellness auf dem Pferderücken.

Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)

Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)

Aber zurück zum Thema. Island ist gemeint. Musikalisch hat es Stimmungskracher wie Björk und Sigur Ros hervorgebracht. Ein Sommertag mit 23 Grad Celsius ist vermutlich rekordverdächtig als großer Hitzetag. Es gibt nicht viele Menschen, aber viele von ihnen sind gute Handballspieler. Und es gibt eine Menge Vulkane sowie Geysire, in denen es sich angenehm planschen lässt. Aber sonst?

In der politischen Berichterstattung hat das 300.000-Seelen-Land bisher kaum eine Rolle gespielt. Bis der große Crash im Oktober 2008 kam und die Insel an den Rand des Ruins brachte. Seitdem haben mehr und mehr Isländer ihre Liebe zur Europäischen Union entdeckt. Im Juli wurde die Bewerbung für die Aufnahme in die Gemeinschaft eingereicht. Wenn alles gut läuft, können im nächsten Jahr die Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Und dann geht es vermutlich ruck zuck. Bei den Kerngebieten der europäischen Gemeinschaft machen die Isländer schon länger mit. Sie gehören zum Europäischen Wirtschaftsraum und somit zum gemeinsamen Binnenmarkt. Außerdem gilt auch hier das Schengen-Abkommen, so dass eine Einreise ohne große Passkontrolle schon heute möglich ist.

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Jubiläum des Eishotels

Dienstag, 13. Oktober 2009
Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Es wird kälter und kälter die letzten Tage. Nachts kommt der erste Frost und in zwei Wochen werden schon die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Für viele beginnt nun die trostlosesten Zeit des Jahres. Etwas anders werden das die Bewohner von Jukkasjärvi in Nordschweden sehen. Für sie geht Trubel und Arbeit jetzt erst los und man freut sich auf eine neue Hotelsaison.

Derzeit liegen die Temperaturen in Nordschweden um den Gefrierpunkt. Es dauert nicht mehr lange, dann bleibt das Thermometer konstant unter Null und der Aufbau des diesjährigen Eishotels kann beginnen. Und dieses Jahr wird es etwas Besonderes, denn das Hotel feiert 2010 seinen 20. Geburtstag.

Jukkasjärvi ist sowohl ein See als auch ein Dorf ca. 15 km östlich von Kiruna. Etwa 520 Einwohner hat der Ort, der aufgrund seines speziellen Bauwerks weltweit Bekanntheit erlangte. 1990 gründete Ynvgve Bergkvist im dünn besiedelten Lappland sein Unternehmen und baute das erste vollständige Gebäude aus Eis auf. In den ersten Jahren umfasste es 60 Quadratmeter, heute hat es etwa 5500 Quadratmeter. Die Idee zum Eishotel ist Berkvist gekommen als er verschiedene Regionen der Welt besuchte, die vom Klima und den Lichtverhältnissen ähnlich sind. Natürlich haben ihn die Leute zu Beginn schief angesehen, als er von seinem Vorhaben berichtete. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Das Hotel aus Eis ist möglich und sieht fantastisch aus.

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Nordischer Nachbar Grönland

Dienstag, 6. Oktober 2009
Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)

Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)

Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die Aufmerksamkeit hierzulande ist verschwindend gering. Etwas anders ist die Lage in Schweden. Grönland ist als autonome Region des Königreichs Dänemark Mitglied im Nordischen Rat. Zwar sind nur zwei der knapp 100 Mitglieder des Nordischen Rats aus Grönland, aber seine Stimme findet dort mehr Gehör als sonstwo auf der Welt. Für die Länder Nordeuropas ist der Nordische Rat eine wichtige Versammlung, in die Vertreter der nationalen Parlamente entsandt werden. Zwar hat der Status des Rates durch die zunehmende Bedeutung der Europäischen Union vermutlich etwas nachgelassen, trotzdem sollte die gemeinsame Identifikation als “nordisch” nicht unterschätzt werden. Vielen Skandinaviern ist der zwischenstaatliche Austausch sicher lieber als die Abgabe von staatlichen Kompetenzen an eine geographisch und mental weit entfernte Europäische Union.

Grönland ist gerade kein Mitglied der Europäischen Union. De facto ist es der erste Staat, der aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Zwar stimmte eine Mehrheit der Grönländer bereits 1972 gegen den Beitritt Dänemarks zur EU, sie wurden jedoch überstimmt. 10 Jahre später hatten die Grönländer eine Teilautonomie und votierten erneut gegen eine EU-Mitgliedschaft. Zum 1. Februar 1985 wurde der Austritt der autonomen Region amtlich. Ein bisher einmaliger Schritt in der Geschichte der Europäischen Union.

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Kleider machen Leute – H&M

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Man geht durch die Stadt und trifft drei Personen, die exakt dasselbe T-Shirt tragen wie man selbst. Ein klarer Fall: Das T-Shirt ist von H&M.  Die Läden sind überall verteilt und die Massen strömen hin. Zielgruppe sind vor allem Teenies ab 12.  Ab Mitte 20 nimmt die Anziehungrkraft zumeist ab, wobei die Kette natürlich Maßnahmen ergreift, um auch diese Klientel weiter zu bedienen. Jetzt könnte man natürlich lange über die Probleme von so preisgünstiger Kleidung schreiben, die alle Teenies antreibt, mehr und mehr zu kaufen, während die Näherin in Bangladesh kaum von ihrem Lohn leben kann. Soll aber hier nicht Thema sein. Vielmehr geht es um einen der größten schwedischen Exportschlager.

Foto: Remon Rijper

Foto: Remon Rijper

H&M ist ein schwedisches Unternehmen mit etwa 1800 Butiken in 34 Ländern. Alle diese Länder sind auf der Nordhalbkugel der Erde, somit ist durchaus noch Wachstumpotential gegeben: Südamerika, Afrika und Australien sind bisher nicht erschlossen. 73.000 Mitarbeiterinnen beschäftigt die Bekleidungskette. Wie im Einzelhandel so ist auch in dieser Branche zu beobachten, dass mehr und mehr Männer in den Geschäften arbeiten. Natürlich auch ein gutes Marketingkonzept, auf die Anziehungskraft hübscher Verkäufer zu setzen.

Die Zentrale von H&M liegt in Stockholm. Gefühlt gibt es hier alle 200 Meter eine H&M-Filiale. Das erste Geschäft entstand 1947 allerdings in der kleinen Stadt Västerås 100 km nordwestlich von Stockholm. Der Gründer hieß Erling Persson, gerade 30 Jahre alt. Seinem Geschäft gab er den Namen “Hennes”  (übersetzt: ihr/s) und verkaufte nur Damenkleider. 20 Jahre später kaufte Persson das Unternehmen Mauritz Widforss, welches Herren- und Jagdbekleidung im Sortiment hatte. So entstand Hennes & Mauritz, heute ein Konzern mit jährlich 9,6 Milliarden Euro Umsatz.

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