Archiv für 2009

46 Tage zur Klimarettung

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Alle paar Jahre finden wirklich bedeutende politische Konferenzen statt, die die zukünftige Entwicklung in bestimmten Bereichen vorgeben. Vom 7. bis 18. Dezember ist es wieder soweit. Die Dänen laden nach Kopenhagen zur Klimakonferenz. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die Regierungen dieser Welt kräftig investieren möchten, um einer Erderwärmung und deren Konsequenzen zu vermeiden. Dafür muss jedes Land seine CO2-Emissionen verringern.

Für die schwedische Regierung als Nachbarstaat Dänemarks und EU-Ratspräsident genießt die Klimakonferenz hohe Priorität. Am Dienstag lud nun die schwedische Botschafterin in Berlin, Ruth Jacoby, in die Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin ein. Geboten wurde eine Podiumsdiskussion mit exklusiver Besetzung und vielen Insiderinformationen. Die Botschafterin selbst eine sympathische Frau mit hochkarätigen Lebenslauf, der man kaum anmerkt, dass sie keine deutsche Muttersprachlerin ist. Außerdem ist sie scheinbar genauso Kaugummisüchtig wie ich.

Fünf Personen berichteten von ihren Erfahrungen und Erwartungen gegenüber der Klimakonferenz: ein Generaldirektor der Europäischen Kommission, ein Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums, der Sonderbeauftragte für Klimafragen der schwedischen Regierung Lars-Erik Liljelund, eine Vertreterin des WWFs und als Vertreter der Wissenschaft Ernst Ulrich von Weizsäcker. Letzterer ist der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten, Autor, Direktor diverser Umweltinstitute und gerade mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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Nordischer Nachbar Island

Montag, 19. Oktober 2009

Da irgendwo im äußersten Nordwesten Europas liegt ein Land, das im Bewusstsein vieler Menschen keine allzu große Rolle spielt. Ausnahme sind vielleicht die vielen pferdebegeisterten Frauen und Zahnärzte, die sich ein Pony für 10.000 Euro aufwärts kaufen. Das Besondere an den possierlichen Tieren ist die Tatsache, dass sie nicht wie die einfachen europäischen Modelle in drei Gangarten betrieben werden, sondern gleich fünf Gänge haben. Und einer davon viel weniger ruckelt als die anderen, das ist dann Wellness auf dem Pferderücken.

Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)

Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)

Aber zurück zum Thema. Island ist gemeint. Musikalisch hat es Stimmungskracher wie Björk und Sigur Ros hervorgebracht. Ein Sommertag mit 23 Grad Celsius ist vermutlich rekordverdächtig als großer Hitzetag. Es gibt nicht viele Menschen, aber viele von ihnen sind gute Handballspieler. Und es gibt eine Menge Vulkane sowie Geysire, in denen es sich angenehm planschen lässt. Aber sonst?

In der politischen Berichterstattung hat das 300.000-Seelen-Land bisher kaum eine Rolle gespielt. Bis der große Crash im Oktober 2008 kam und die Insel an den Rand des Ruins brachte. Seitdem haben mehr und mehr Isländer ihre Liebe zur Europäischen Union entdeckt. Im Juli wurde die Bewerbung für die Aufnahme in die Gemeinschaft eingereicht. Wenn alles gut läuft, können im nächsten Jahr die Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Und dann geht es vermutlich ruck zuck. Bei den Kerngebieten der europäischen Gemeinschaft machen die Isländer schon länger mit. Sie gehören zum Europäischen Wirtschaftsraum und somit zum gemeinsamen Binnenmarkt. Außerdem gilt auch hier das Schengen-Abkommen, so dass eine Einreise ohne große Passkontrolle schon heute möglich ist.

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Jubiläum des Eishotels

Dienstag, 13. Oktober 2009
Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Es wird kälter und kälter die letzten Tage. Nachts kommt der erste Frost und in zwei Wochen werden schon die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Für viele beginnt nun die trostlosesten Zeit des Jahres. Etwas anders werden das die Bewohner von Jukkasjärvi in Nordschweden sehen. Für sie geht Trubel und Arbeit jetzt erst los und man freut sich auf eine neue Hotelsaison.

Derzeit liegen die Temperaturen in Nordschweden um den Gefrierpunkt. Es dauert nicht mehr lange, dann bleibt das Thermometer konstant unter Null und der Aufbau des diesjährigen Eishotels kann beginnen. Und dieses Jahr wird es etwas Besonderes, denn das Hotel feiert 2010 seinen 20. Geburtstag.

Jukkasjärvi ist sowohl ein See als auch ein Dorf ca. 15 km östlich von Kiruna. Etwa 520 Einwohner hat der Ort, der aufgrund seines speziellen Bauwerks weltweit Bekanntheit erlangte. 1990 gründete Ynvgve Bergkvist im dünn besiedelten Lappland sein Unternehmen und baute das erste vollständige Gebäude aus Eis auf. In den ersten Jahren umfasste es 60 Quadratmeter, heute hat es etwa 5500 Quadratmeter. Die Idee zum Eishotel ist Berkvist gekommen als er verschiedene Regionen der Welt besuchte, die vom Klima und den Lichtverhältnissen ähnlich sind. Natürlich haben ihn die Leute zu Beginn schief angesehen, als er von seinem Vorhaben berichtete. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Das Hotel aus Eis ist möglich und sieht fantastisch aus.

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Nordischer Nachbar Grönland

Dienstag, 6. Oktober 2009
Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)

Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)

Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die Aufmerksamkeit hierzulande ist verschwindend gering. Etwas anders ist die Lage in Schweden. Grönland ist als autonome Region des Königreichs Dänemark Mitglied im Nordischen Rat. Zwar sind nur zwei der knapp 100 Mitglieder des Nordischen Rats aus Grönland, aber seine Stimme findet dort mehr Gehör als sonstwo auf der Welt. Für die Länder Nordeuropas ist der Nordische Rat eine wichtige Versammlung, in die Vertreter der nationalen Parlamente entsandt werden. Zwar hat der Status des Rates durch die zunehmende Bedeutung der Europäischen Union vermutlich etwas nachgelassen, trotzdem sollte die gemeinsame Identifikation als “nordisch” nicht unterschätzt werden. Vielen Skandinaviern ist der zwischenstaatliche Austausch sicher lieber als die Abgabe von staatlichen Kompetenzen an eine geographisch und mental weit entfernte Europäische Union.

Grönland ist gerade kein Mitglied der Europäischen Union. De facto ist es der erste Staat, der aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Zwar stimmte eine Mehrheit der Grönländer bereits 1972 gegen den Beitritt Dänemarks zur EU, sie wurden jedoch überstimmt. 10 Jahre später hatten die Grönländer eine Teilautonomie und votierten erneut gegen eine EU-Mitgliedschaft. Zum 1. Februar 1985 wurde der Austritt der autonomen Region amtlich. Ein bisher einmaliger Schritt in der Geschichte der Europäischen Union.

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Kleider machen Leute – H&M

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Man geht durch die Stadt und trifft drei Personen, die exakt dasselbe T-Shirt tragen wie man selbst. Ein klarer Fall: Das T-Shirt ist von H&M.  Die Läden sind überall verteilt und die Massen strömen hin. Zielgruppe sind vor allem Teenies ab 12.  Ab Mitte 20 nimmt die Anziehungrkraft zumeist ab, wobei die Kette natürlich Maßnahmen ergreift, um auch diese Klientel weiter zu bedienen. Jetzt könnte man natürlich lange über die Probleme von so preisgünstiger Kleidung schreiben, die alle Teenies antreibt, mehr und mehr zu kaufen, während die Näherin in Bangladesh kaum von ihrem Lohn leben kann. Soll aber hier nicht Thema sein. Vielmehr geht es um einen der größten schwedischen Exportschlager.

Foto: Remon Rijper

Foto: Remon Rijper

H&M ist ein schwedisches Unternehmen mit etwa 1800 Butiken in 34 Ländern. Alle diese Länder sind auf der Nordhalbkugel der Erde, somit ist durchaus noch Wachstumpotential gegeben: Südamerika, Afrika und Australien sind bisher nicht erschlossen. 73.000 Mitarbeiterinnen beschäftigt die Bekleidungskette. Wie im Einzelhandel so ist auch in dieser Branche zu beobachten, dass mehr und mehr Männer in den Geschäften arbeiten. Natürlich auch ein gutes Marketingkonzept, auf die Anziehungskraft hübscher Verkäufer zu setzen.

Die Zentrale von H&M liegt in Stockholm. Gefühlt gibt es hier alle 200 Meter eine H&M-Filiale. Das erste Geschäft entstand 1947 allerdings in der kleinen Stadt Västerås 100 km nordwestlich von Stockholm. Der Gründer hieß Erling Persson, gerade 30 Jahre alt. Seinem Geschäft gab er den Namen “Hennes”  (übersetzt: ihr/s) und verkaufte nur Damenkleider. 20 Jahre später kaufte Persson das Unternehmen Mauritz Widforss, welches Herren- und Jagdbekleidung im Sortiment hatte. So entstand Hennes & Mauritz, heute ein Konzern mit jährlich 9,6 Milliarden Euro Umsatz.

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Willy Brandt in Stockholm

Freitag, 25. September 2009

In der dunkelsten Phase des 20. Jahrhunderts fand ein junger sozialistischer Publizist Unterschlupf in Norwegen und Schweden. 26 Jahre nach der Emigration in Richtung Skandinavien wurde Herbert Frahm deutscher Bundeskanzler, der nicht nur durch seinen berühmten Kniefall in Warschau Geschichte schrieb. In Hammarbyhöjden, im Südteil Stockholms, lebte Herbert Frahm von Sommer 1940 bis zum Ende des Krieges. Herbert Frahm trug u.a. den Decknamen Willy Brandt, den er ab 1947 als seinen richtigen Namen nutzte.

Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)

Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)

Brandt (geboren 1913) wuchs als uneheliches Kind der Verkäuferin Martha Frahm bei ihr und dem Stiefgroßvater in Lübeck auf. Dabei kam er früh mit der Politik in Kontakt. 1930 trat er der SPD bei, von der er allerdings schon ein Jahr später in die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) wechselte. 1933 wurde die Partei verboten und Brandt damit beauftragt, aus Oslo eine Zelle der Untergrundsorganisation zu leiten. Offiziell studierte er Geschichte, war jedoch hauptsächlich mit der Politik und seiner Tätigkeit als Journalist beschäftigt. Diese ermöglichte es ihm, 1936 als “Austauschstudent” nach Deutschland zurückzukehren und von den Verhältnissen dort zu berichten. In dieser Zeit arbeitete er unter dem Decknamen Gunnar Gaasland.

Während der deutschen Besetzung Norwegens 1940 gelangte er kurze Zeit in Gefangenschaft der Wehrmacht, wurde in seiner norwegischen Uniform allerdings nicht enttarnt. Ihm gelang die Flucht nach Stockholm, wo er mit norwegischer Staatsbürgerschaft bis 1945 lebte. Hier gründete er gemeinsam mit zwei schwedischen Kollegen ein schwedisch-norwegisches Pressebüro. Norwegisch sprach er fließend, Schwedisch kann da kein großes Problem gewesen sein.

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Wickie und die starken Männer

Montag, 21. September 2009

Im September ist in Deutschland die Verfilmung von “Wickie und die starken Männer” in die Kinos gekommen. Nicht schwer zu erraten, dass sowohl die Zeichentrickserie als auch der Film auf einer schwedischen Geschichte beruht. 1963 veröffentlichte Runer Jonsson seine erste Geschichte um den kleinen Helden Vicke Viking. Vier weitere Kinderbücher folgten in den 60ern, danach wurden nur noch zwei Geschichten veröffentlicht. Jonsson starb 2006 und konnte bei der Verfilmung somit nicht mehr mitwirken. Zumindest verdient haben wird er zu Lebzeiten mit seinem kleinen Antihelden genug. 1975/76 wurden 86 Zeichentrickfolgen von Vicke in Japan produziert und waren sowohl in Schweden, Deutschland, Österreich und Japan große Erfolge.

Vicke Viking (Bild: Batigolix)

Vicke Viking (Bild: Batigolix)

Vickes Erfinder war Journalist und Schrifsteller zugleich. Neben der Geschichte um die Wikinger schrieb er noch etwa 40 andere Romane und Kinderbücher, darunter Ulme från Öland. Wie Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf war auch Vicke zunächst eine Geschichte für das eigene Kind. Jonsson, 1916 geboren, war bereits mit 19 Redakteur der Nybro Tidningen (Südschweden, nahe Kalmar) und wurde in jungen Jahren zum Chefredakteur befördert. Den Aufschwung der Sozialdemokraten in den 30er Jahren unterstützte er und wetterte gegen Nationalsozialismus und Kommunismus. Volkserziehung im Sinne des schwedischen Folkshemmet war ihm zeit seines Lebens ein wichtiges Anliegen.

Wen verwundert es da, dass es sich bei Vicke eher um einen Antihelden handelt als um den klassischen Bezwinger des Bösen. Er zeigt seinem Vater und Stammesanführer Halvar, wo der Hammer hängt. Nicht rohe Gewalt lässt er walten, sondern er schaltet seine kleinen grauen Zellen ein. Dazu legt er sich gerne auf den Boden oder reibt auf ganz charakteristische Art und Weise an seiner kleinen Stupsnase, bis ihm die Erleuchtung kommt und der Zeigefinger in die Luft gereckt werden kann. Trotz des Pazifismus sind die Geschichten aber nicht bieder und langweilig, da auch die Nebencharaktere sehr unterhaltsame Züge aufweisen.

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Schwedischer Film: Gut gegen Böse

Donnerstag, 17. September 2009

Obwohl Kulturförderung in Schweden meist groß geschrieben wird, ist die Anzahl an Filmen, die auch international für Aufsehen gesorgt haben, in den letzten Jahren relativ gering gewesen . Im letzten Jahr erlangte ein Film jedoch größere Beachtung: Maria Larssons eviga ögonblick (Maria Larssons ewiger Augenblick – der Augenblick dabei eher im wahrsten Sinne des Wortes). Unter dem englischen Titel “Everlasting Moments” war das Werk der schwedische Beitrag für die Oscarverleihung in der Kategorie “Bester ausländischer Film” (schaffte es allerdings nicht unter die fünf besten) und war für einen Golden Globe nominiert. Die verkannten Titel holte sich die Filmcrew dann beim schwedischen Filmpreis “Guldbaggan” im Januar 2009. In allen Kategorien war er nominiert (schwedischer Rekord), fünf Titel sind es schließlich geworden. Im März war Filmstart in den USA, in Deutschland müsste der Film bald auf den Markt kommen.

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Mikael Persbrandt, bekannt aus "Kommissar Beck"

Die Handlung ist recht schnell erzählt. Der Film beginnt 1907 und spielt im Arbeitermilieu Malmös. Maria und Sigfrid Larsson wohnen in einer engen Hütte, haben wenig Geld und eine zunehmende Zahl Kinder (Maximum ist 7). Die Zeiten sind schlecht, der Mann hat nur tageweise Arbeit und versäuft Teile des Lohns. Bei der Lotterie (typisch schwedisch) gewinnen die beiden eine Kamera. Erst will Maria sie verpfänden, aber sie trifft auf einen netten Fotografen, der sie auf den Geschmack bringt, selbst Bilder zu schießen und dies finanziell unterstützt. Was nun kommt ist ein Wechsel aus ganz besonderen Fotos, die Maria schießt und der Gewalt ihres Mannes, die sie ihm immer wieder vergibt. Er hat was mit ner anderen, sympathisiert mit sozialistischen Ideen, zieht 1914 in den Krieg und zeigt mehr Gefühl gegenüber Pferden als gegenüber seiner Frau. Maria wünscht sich des Öfteren den Tod, fühlt sich zum Fotografen hingezogen, ohne allerdings gegen die 10 Gebote zu verstoßen.

Filmlänge: 130 Minuten. Man fragt sich warum. Es gibt keine richtige Entwicklung in dem Film. Wie so oft im schwedischen Kino gibt es halt die “Guten” und die “Bösen”. Sigfrid (gespielt von Mikael Persbrandt, dem seine Rolle als unwiderstehlicher Draufgänger/Aufreißer sichtlich gefällt) ist eindeutig derjenige, der die Kinozuschauer provozieren soll, wutentbrannt die Popcorntüte auf den Boden zu schleudern. 120 Minuten lang ist er der Böse, der Dumme, Kriminelle. Und dann ganz plötzlich in den letzten 10 Minuten wird er zum Helden stilisiert. Er kauft seiner Familie eine eigene Hütte, richtet seiner Frau einen Dunkelraum ein, baut ein Fuhrunternehmen auf, das so ein Renner wird, dass die Familie nicht länger in Armut leben muss.

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Maria Sveland – Bitterfotze

Donnerstag, 10. September 2009

Wütender Titel, wütendes Buch. Die Journalistin Maria Sveland schreibt einen Roman über Feminismus und Gleichstellungsprobleme im familien- und kinderfreundlichen Schweden. 2007 erschien “Bitterfittan” bereits in Schweden und verursachte große Diskussionen. Im Frühjahr 2009 kam es auch bei uns heraus und provozierte ganz unterschiedliche Meinungen sowohl im Feuilleton (taz, FAZ) als auch bei amazon. Dabei ist es eines der besten schwedischen Bücher der letzten Jahre.

Hauptperson und Ich-Erzählerin ist Sara, eine Journalistin um die 30, die mit einem Theaterregisseur verheiratet ist und in Stockholm wohnt. Sigge ist ihr zweijähriger Sohn. Im kalten Januar kommt Sara auf die Idee, dass sie für eine Woche alleine in die Sonne nach Teneriffa verreisen will, um sich zu erholen und Abstand vom frustrierenden Alltag zu gewinnen. Das Buch behandelt die Phase der Reise und wurde von Sveland um zwei Erzählebenen ergänzt. Zum einen berichtet die Protagonistin ausführlich von ihrer Jugend und der gescheiterten Ehe ihrer Eltern. Zudem reflektiert Sara ihre Urlaubslektüre. Mit “Angst vorm Fliegen” von der Amerikanerin Erica Jong hat sie sich einen Klassiker und Bestseller der Frauenliteratur der 70er Jahre ausgesucht.

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Schwedische Einkaufsläden

Donnerstag, 3. September 2009
Rekonstruktion eines Konsumladens in Skansen  (Foto: Vargklo's)

Rekonstruktion eines Konsumladens in Skansen (Foto: Vargklo's)

Der Paradeschwede fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln (oder Elektroauto) zum genossenschaftlichen Coop/Konsum-Supermarkt, kauft alle Bioprodukte und fair gehandelten Waren, die ihm das Sortiment bietet, geht noch kurz zum Konditori und ersteht eine winzige Kalorienbombe für die Familie, einen edlen Rotwein fürs Dinner gibt es im Systembolaget, dann fährt er vollbepackt wieder nach Hause, um die 19.30 Uhr Nachrichten nicht zu verpassen.

Schöne Story, aber weit weg von der Realität.

Punkt 1): Ein Schwede ist nichts ohne sein Auto. Groß muss es sein, damit beim Einkaufen auch viel reingeht. Das Elektroauto gilt in Schweden als umweltfreundliche Alternative, die Meinung wird allerdings nicht von allen Umweltfreunden geteilt.

Punkt 2): Die Hochzeiten des Konsums sind vorbei. Auch die Schweden kaufen gerne billig, also bei der schwedischen Supermarktkette Willy:s oder beim sich stark ausbreitenden Lidl-Markt. Konsum und ICA haben das Nachsehen, sind allerdings oft auch so klein, dass man nicht alles findet und so eng, dass das Einkaufen kein Vergnügen ist. Bei Neubauten setzen deshalb jetzt auch ICA und Co. auf sehr große Gebäude und Auswahl.

Punkt 3): Biowaren in Schweden zu finden ist äußerst schwierig. Sich an das Klischee des umweltfreundlichen Schwedens erinnernd, ist es höchst erstaunlich, aber es gibt so gut wie keine Bioläden. Nicht mal in den Großstädten. Die Supermärkte beginnen sehr langsam, auch ökologisch angebaute Waren anzubieten. Biogerichte in Restaurants sind da fast einfacher zu finden. Faire Produkte gibt es wie so oft eher in kirchlichen Einrichtungen oder bei Lidl.

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