Archiv für Januar 2010

Die Schönheiten des Nordens: Rentiere

Montag, 25. Januar 2010

Die Schweden haben das Glück, das eines der schönsten Tiere in ihrem Land lebt: das Rentier oder Ren. Das erste, woran man denkt, ist vermutlich der Weihnachtsschlitten. Sobald man nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubt, lohnt es sich, noch einmal genauer hinzusehen, was die Tiere auszeichnet. Rentiere gehören zur Familie der Hirsche. Sie leben in Tundra- und Taigaregionen und kommen somit in Nordschweden vor. Das Besondere ist, dass sie als einzige Hirschart domestiziert wurden, also als eine Art Haustier gehalten werden. Vor allem die Samen, die indigene Bevölkerung Nordeuropas, haben sich der Rentierzucht verschrieben.

Nagendes Rentier (Foto: Biillyboy)

Nagendes Rentier (Foto: Biillyboy)

Rentiere sind mit einer Schulterhöhe zwischen 90 und 140 cm vergleichsweise klein. Die größten Vertreter sind die vor allem in Kanada heimischen Karibu. Ungewöhnlich ist, dass sowohl Männchen als auch Weibchen ein Geweih tragen. Das Geweih ist asymmetrisch und sehr individuell geformt. Einmal im Jahr werfen die Rentiere ihr Geweih ab, die Herren bereits im Herbst, die Damen im Frühjahr. Und dann ist da noch das charakteristische Knacken. Bei jedem Schritt knacken die Füße der Tiere. Genauer gesagt die Sehnen der Fußgelenke. Die Klauen sind sehr breit spreizbar, was den Rentieren ein gutes Vorwärtskommen im Schlamm und Schnee ermöglicht und sie außerdem davor bewahrt, im Schnee zu versinken.

Was man den Rentieren vielleicht gar nicht zutraut: Sie sind ausdauernd und schnelle Läufer. Klein und flink im Vergleich zum umschwärmten Elch. Und friedlicher kommen sie auch daher. Wenn sie nicht getötet werden leben die Tiere 10-15 Jahre in Freiheit, 20 Jahre können sie in Gefangenschaft werden. Natürliche Feinde sind Füchse, Luchse, Wölfe und Eisbären und Vielfräße. Schlimmer sind da natürlich die Menschen, welche sowohl das Fleisch als auch das Horn und das schöne Fell nutzen. Sie selbst begnügen sich mit Gräsern. Im langen Winter scharren sie zunächst den Schnee mit ihren Hufen fort, ehe sie am Gras nagen. Weniger ist scheinbar mehr.

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Schwedische Spezialitäten: Schnaps

Sonntag, 17. Januar 2010

Lange Jahre haben wir gejammert, dass es gar keinen echten Winter mehr gibt in Deutschland. Ozonloch, Klimaerwärmung, Weinanbau in Hamburg… Seit vier Wochen liegt nun Schnee in Deutschland und so langsam geht einem der ewige Schneematsch auf die Nerven: Radfahren ist so gut wie unmöglich und durch den Schnee zu gehen so anstrengend wie ein Strandspaziergang, zudem eine echte Herausforderung für die Bänder des Fußgelenks. Und natürlich ist es kalt: Dagegen kann man sich generell warm anziehen. Wenn man jedoch zu den wenigen Personen gehört, die keine Jack Wolfskin Extreme Winterjacke besitzt oder einfach auch drei bis vier Lagen Kleidung nicht warmhalten, bleibt fast nur das traditionellste aller Wärmemittel: Schnaps.

Schwedens berühmtester Schnaps (Foto: Abelsson)

Schwedens berühmtester Schnaps (Foto: Abelsson)

Wir Deutschen jammern ja schon bei Minus fünf Grad. In Schweden gibts aber ja fast jedes Jahr dieses Wetter und zudem noch viel niedrigere Temperaturen. Dies mag dazu beigetragen haben, dass in Schweden gerne auch Schnaps gebrannt wird. Klar, auf die Idee des Schnapsbrennens sind Menschen aller Länder und Regionen gekommen. Jedes Land hat aber sein eigenes Nationalgetränk: Die Griechen haben Ouzo, Schotten haben Whiskey, Kroaten haben Slivovitz usw. In Schweden haben sich zwei Getränke besonders durchgesetzt: Wodka und Aquavit.

Der Aquavit gilt in ganz Skandinavien als Delikatesse. In Deutschland bringt man ihn heutzutage eher mit Norwegen und Dänemark in Verbindung als mit Schweden. In Norwegen wird mit Linie einer der bekanntesten Kümmelschnäpse hergestellt. In Dänemark ist das Pendant der Jubiläums Aquavit. Das sind jedoch nicht nur zwei verschiedene Marken des Schnaps, sondern auch zwei verschiedene Produktionsprozesse und vielleicht auch Philosophien hinter der Brennerei. Der norwegische Aquavit schmeckt nach Meinung von Kennern mehr  nach den Eichenfässern bzw. Sherryfässern, in denen er gelagert wird (der Name Linie entstand übrigens, da das Getränk in Fässern über die Linie des Äquators gefahren wurde, um es in Australien zu verkaufen. Da der Vertrieb dort bankrott war, kam das Getränk zurück in sein Heimatland und wurde ein großer Renner). Außerdem ist er runder im Geschmack und nicht so stark von Kräutern dominiert. Generell wird dieser Schnaps aus Kartoffeln oder Getreide gebrannt und ist besonders rein. Destilliert wird mit Kümmel, Dillsamen und je nach Sorte auch mit Fenchel, Koriander, Zimt oder Nelken.

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Schwedisches Sportjahr 2010

Dienstag, 12. Januar 2010

Ein neues Jahr heißt auch neue Chancen für die schwedischen Sportler, sich international zu präsentieren und mal wieder zu beweisen, dass sie trotz relativ geringer Einwohnerzahl sehr gute Leistungen erbringen. Einige Highlights versüßen uns Zuschauern das Jahr. Ein wenig schwierig könnte für die Schweden der Juni sein. Die Fußball-WM aus Südafrika wird ohne das schwedische Team stattfinden. Und Superstar Zlatan ist derzeit auch nicht willens, für sein Land zu kicken. Da bleibt er lieber im schönen Barcelona und flaniert durch die Gassen.

Gut könnte das Land aber für Schweden in einer anderen Teamsportart beginnen: In Österreich finden vom 19. bis zum 31. Januar die Europameisterschaften im Handball statt. Das Team von Staffan Olsson und Ola Lindgren kann durchaus einen Überraschungscoup landen. Das Team besteht aus einer guten Mischung von den sprichwörtlichen  jungen Wilden und alten Hasen. Allen voran die in der deutschen Handballbundesliga spielenden Schweden Kim Andersson, Oscar Carlén, Dan Beutler, Johan Sjöstrand und Tobias Karlsson. In Spanien spielt außerdem der recht kleine, aber starke Rückraumspieler Dalibor Doder.

Am 15. Januar wird das letzte Testspiel in Oslo gegen Norwegen stattfinden. Anschließend ist Aufbruch nach Insbruck. Dort warten allerdings schwere Gegner auf die Tre Kronor: Slowenien, Polen und Deutschland. Zeit, an die alten Erfolge des schwedischen Handballs anzuknüpfen und sich am 22.1. ein heißes Match gegen unsere Mannschaft zu geben.

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Volvo wird chinesisch

Montag, 4. Januar 2010

Kurz vor Weihnachten kamen Neuigkeiten über die Nachrichtenticker, welche in Schweden sicher einige Menschen verunsichert haben. Teile des Traditionsunternehmens Volvo (Latein für: Ich rolle) werden an eine chinesische Firma verkauft. Nachdem 1999 Volvo seine Autoabteilung an Ford verkauft hatte, stößt Ford seine Volvoabteilung nun ab. Neuer Besitzer ist der privat betriebene Konzern Geely, der größte Auto- und Motorradkonzern des Landes der aufgehenden Sonne. Die Chinesen möchten durch den Kauf von der europäischen Technologie profitieren. Das eine Milliarde Einwohner umfassende Land hat schon des Öfteren die Taktik angewandt, Technologien nicht selbst zu entwickeln, sondern einzukaufen. Böse Zungen behaupten auch, dass einige chinesische Firmen durch Betriebsspionage in anderen Ländern an die neueste Technik gelangen.

Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)

Heck des sexy Volvos (Foto: Joe Shlabotnik)

Volvo war für die Chinesen im Grunde ein Schnäppchen. Etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro wird Geely nach Schätzungen schwedischer Medien an Ford überweisen. Ford hatte 1999 noch etwa 6,5 Milliarden Euro ausgegeben. Ford benötigt allerdings dringend Kapital, da der Konzern stark von der Wirtschaftskrise getroffen wurde. 2008 hatte Volvo allein 1,3 Milliarden Verlust gemacht, deshalb entschloss sich Ford für den Verkauf. Ford hat im Gegensatz zu seinen amerikanischen Konkurrenten General Motors und Chrysler keine staatliche Hilfe aufgrund der Wirtschaftskrise bezogen. Der Verkauf wird deshalb zum Schuldenabbau genutzt. Abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal des Jahres 2010.

350.000 Autos hat Volvo 2008 verkaufen können. Der Konkurrenzkampf in Europa ist allerdings stark. Weltweit werden zu viele Autos gebaut. Schätzungen gehen von mehreren Millionen Autos Überschuss pro Jahr aus. Und nicht jedes Land reagiert deshalb mit der Einführung einer staatlich subventionierten Abwrackprämie. Für die schwedische Autobranche war 2009 ein schweres Jahr: Saab musste verkauft werden und wird eventuell gar keine Autos mehr produzieren. Dann gibt es 17.000 Beschäftigte bei der Personenwagensektion Volvos, die nun hoffen, dass die Chinesen sich nicht nur auf die Technologie stürzen, sondern auch weiter in Schweden produzieren wollen.

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