Archiv für Februar 2010

In eigener Sache

Montag, 22. Februar 2010
Zwitscherei (Foto: jez')

Zwitscherei (Foto: jez')

Der Trend geht zum Schnellpo(a)sten. Drei Worte, dann ein Link, ach du schöne Twitterzeit. Abgehackte Kommunikation nenne ich das, Innovation nennen das viele andere. Wenn der Link dann wirklich interessant oder unterhaltsam ist, meinetwegen. Wenn ich dann aber noch auf einen Facebooklink klicken soll, um mir Fotos anzeigen zu lassen, wie sich jemand am anderen Ende der Welt in Shorts die Sonne auf dem Bauch scheinen lässt, während ich seit Wochen das Haus nicht ohne Mütze und Handschuhe verlassen habe, finde ich das schlichtweg nervig.

Das Private ist politisch, das Private ist öffentlich. Also mal Privates an dieser Stelle.

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Abgelegt in Schweden

Sollen sie doch Bohnen essen!

Montag, 15. Februar 2010

Zeit sich unbeliebt zu machen, Zeit für eine Polemik. Ziel des Verbalangriffs: Veganismus. Grund: Die Doppelmoral der Gutmenschen oder schlichtweg Lücken in der Beweisführung. Thematischer Zusammenhang: Gefühlt ist die Anzahl an Veganern in Schweden prozentual höher als in Deutschland. Beweis: Die schwedischen McDonalds-Lokale bieten (angeblich) einen veganen Burger an: Mc Bean.

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Neugierige Kuh (Foto: Potsdam)

Vegan zu leben heißt, kein Fleisch zu essen sowie keine tierischen Produkte zu verzehren oder als Kleidung zu tragen. Hinzu kommt bei vielen Veganern der Verzicht auf Produkte, die durch Tierversuche getestet worden sind, beispielsweise Kosmetika oder Reinigungsmittel. Laut eigenen Aussagen gibt es in Deutschland etwa 250.000 bis 460.000 Veganer, was einen Bevölkerungsanteil von 0,3% entspricht. Der Begriff wurde von dem Engländer Donald Watson, dem Gründer der Vegan Society, 1944 geschaffen und leitet sich natürlich vom Wort vegetarian ab. Wie für andere Engländer die Welt nicht genug ist, war Herrn Watson der Verzicht auf Fleischessen nicht genug. Da kann man mehr draus machen, da kann man andere Produkte für nutzen.

Nun spricht aus meiner Sicht gar nichts gegen den Verzicht auf Fleisch. Gute Haltungsbedingungen für Tiere sollten gleichfalls selbstverständlich sein. Hier kann man als Kunde ja schon bewusst steuern, indem man Produkte von anspruchsvollen Bioketten wie Demeter oder Neuland kauft und sich sein Essen mehr Wert sein lässt (unter Umständen muss man dann halt mal auf das iPhone oder den Superflat-Fernseher mit brillianter Hochauflösung verzichten bzw. länger draufhin sparen). Kritisch wird es dann, wenn man nicht mal die Milch der Kuh trinken bzw. das Ei essen soll. Und absurd wird es bei der Frage, ob der Verzehr von Honig wirklich vereinbar ist mit einem veganen Lebensstil. Schließlich mussten die Bienen ja schuften, um die klebrige Leckerei zu produzieren. Da stellt sich mir die Frage, ob ich auch auf das Kutsche fahren verzichten muss bzw. in der Wüste meine Wasserkanister selbst tragen muss, damit das Kamel entlastet wird. Wo soll das hinführen? Klingt auf jeden Fall stark danach, dass Mensch und Tier getrennt leben sollen.

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Abgelegt in Schweden

Musikexporteure: Mando Diao

Montag, 8. Februar 2010

Man stelle sich vor eine Gruppe attraktiver Knaben ist zum Shake-Hands mit Außenminister Westerwelle geladen. Nicht etwa, weil die Bevölkerung in Afghanistan “beschützt” wurde oder weil sie sich mit europäischen Nachbarn vernetzt haben und eine internationalen Schüleraustausch initiiert haben. Nein, man stelle sich vor Tokio Hotel käme ins Außenministerium und würde geehrt werden, weil sie deutsches Liedgut (und eventuell auch Werte) ins Ausland getragen hätten. Botschaften mit Musik versendet haben, zudem an eine Zielgruppe, die Politik vor allem dann spannend findet, wenn wieder peinliche Politikervideos auf Youtube kursieren.

Vergleichbares ist in der letzten Woche in Schweden geschehen. Die Band Mando Diao wurde von der schwedischen Regierung geehrt und bekam den Musikexportpris. Sicherlich eine Ehrung, die nicht viele Musiker entgegennehmen können. Und so unrecht hat die schwedische Regierung mit ihrer Wahl auch nicht: Mando Diao gehört zu den Bands, die international in den letzten Jahren kontinuierlich Erfolge feiern konnten und beispielweise im Gegensatz zu Shout out louds oder Moneybrother den längeren Atem bewiesen haben. Exportpreis passt zudem, da die Band – meiner Einschätzung nach – zumindest in den deutschsprachigen Ländern noch sehr viel populärer ist als in Schweden. Der Erfolg hakt ein wenig im Mutterland der Retromusik, in Großbritannien. Da scheint die Konkurrenz zu groß zu sein.

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Es geht voran: City-Maut in Göteborg

Montag, 1. Februar 2010

“Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Es geht voran!” (Fehlfarben)

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was lange währt, wird endlich gut, viele kleine Schritte können das Gesicht der Welt verändern, and so on. Es wird das Weltklima nicht von heute auf morgen retten, aber die Schweden weisen mal wieder in die richtige Richtung. In Göteborg wurde gerade über Parteigrenzen hinweg beschlossen, eine City-Maut einzuführen. Ab 2013 werden die Autofahrer zur Kasse gebeten, welche sich in das Verkehrsgewühle Göteborgs stürzen.

Da ich Göteborg bisher nur einen sehr flüchtigen Besuch abgestattet habe, mag ich nicht die beste Urteilsperson sein. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die Meldung gelesen habe, war allerdings: Benötigt eine eher beschauliche Stadt wie Göteborg eine Maut, die den Namen City trägt? Aber – man möge mir die Großstadtarroganz verzeihen – scheinbar haben auch andere Städte vergleichbarer Größe dieses Mittel ergriffen. In Europa erstaunlicherweise zwei italienische Städte: Bologna und Mailand (diese mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Göteborg). Außerdem Trondheim, Bergen (war 1985 Pionier einer City-Maut) und Durham in England. Bekannt dürfte sein, dass Autofahrer in Londons Kern täglich schon etwa acht Pfund zum Passieren bezahlen. Äußerst erfolgreich kann die Mauteinführung in London genannt werden: 15% weniger Verkehr ist in Stadtkern gemessen worden, 20% weniger Unfälle und natürlich weniger Abgase und Lärm.

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