Archiv für März 2010

T-Centralen: Knotenpunkt Stockholms

Donnerstag, 25. März 2010
Spottkoppen Foto: Michell Zappa

Spottkoppen (Foto: Michell Zappa)

Es gibt Orte, die hasst man und liebt man zugleich. Bahnhöfe sind solche Orte. Kommt man müde von der Arbeit, gibt es nichts Nervigeres als einen trubeligen Bahnhof, in dem man sich mit Tausenden von anderen Menschen durch die schmalen Gänge schiebt und sich darüber ärgert, den direkten Anschlusszug nicht bekommen zu haben. Gleichzeitig ist ein großer Bahnhof ein fantastischer Ort, um sich seine Mitmenschen oder auch den Querschnitt der Bewohner eines anderen Landes anzusehen. Am Bahnhof treffen sich Menschen jeden Alters, jeder Weltanschauung und jeder Schicht.

In Stockholm setzt sich der Hauptbahnhof zusammen aus Stockholm Centralstation (Stockholm C) für den Zugverkehr, T-Centralen für den U-Bahnverkehr und Cityterminalen für den Busverkehr. Sie liegen aber direkt neben- und untereinander, so dass man meist nicht genau weiß, in welchem Teil des Bahnhofs man sich jetzt eigentlich befindet. Neben der Eisenbahn hält hier auch die S-Bahn (der so genannte Pendeltåg), Stadtbusse, Flughafenbusse und der Arlanda-Express (ein Schnellzug vom Flughafen Arlanda zum Hauptbahnhof, der ca. 20 Minuten für die Strecke benötigt). Da verwundert es nicht, dass man die Anlage einige Mal durchquert haben muss, um sich nicht mehr zu verlaufen und dort rauszukommen, wo man auch wirklich hinwollte. Schätzungsweise 450.000 Menschen tummeln sich Tag für Tag in den Gängen und Hallen des Hauptbahnhofs.

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Irgendwie typisch schwedisch

Montag, 15. März 2010

Wir Menschen neigen zum Pauschalisieren. Motiv ist in vielen Fällen eine Vereinfachung der Sachlage und der Wunsch nach Ordnung. Es soll nicht viele verschiedene Umstände und  Menschen geben, sondern wir versuchen immer, diese in Schubladen zu packen. Das befriedigt auf eine gewisse Weise. Wir meinen, etwas durchschaut zu haben. Schlauer als der Rest zu sein. Also tappse ich auch mal in diese Falle und schildere, was ich für typisch schwedisch halte. Eine zufällige Auswahl ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sicher auch keine Ansammlung der wichtigsten Eigenschaften des schwedischen Volkes. Los geht’s:

Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)

Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)

1) Lagom: Lagom ist ein Adjektiv, dessen direkte Übersetzung schwer fällt. Es geht in die Richtung “genau richtig”, “angemessen” oder “konsensfähig”. Nudeln können lagom zubereitet sein oder eine Entscheidung lagom sein. Die Schweden wollen sich nicht so richtig streiten und am liebsten alles im Konsens bestimmen. Dies hat zur Folge, dass Parlamentsdebatten in Schweden noch viel langweiliger sind als in Deutschland. Verbale Attacken gegen Opposition oder Regierung fallen meist äußerst harmlos aus. Politik ist hier weniger Showbühne, ja, es wird sogar dem Vorredner immer für seine “interessanten Ausführungen” gedankt. Selbst wenn der christdemokratische Vorredner gerade die Ehe von Homosexuellen als sittenwidrig abgestempelt hat.

2) Sicherheit wird groß geschrieben im Land der Elche und Trolle. Schnelles Autofahren wird genauso abgelehnt wie Rad Fahren ohne Helm. Rauchmelder sind weit verbreitet, die Herde sind ausgestattet mit Zeitschaltuhren, so dass man nicht vergessen kann, die Platte auszumachen (mehr dazu hier).

3) Schwedische Häuser haben oftmals eine Holzfassade. Das weiß jeder aus den Astrid-Lindgren-Büchern und Filmen. Schwedische Häuser sind zudem relativ klein. Das kennt man eher von IKEA, wo oftmals gezeigt wird, wie man auf wenig Fläche viel unterbringen kann. Schwedische Häuser haben oftmals eine offene Bauweise, es gibt also weniger Türen. Küche und Wohnzimmer gehen oft ineinander über. Merkwürdigerweise gibt es viele Häuser, bei denen mehr oder weniger im Keller noch Zimmer zum Wohnen sind. Dann gibt es nur kleine Fenster relativ hoch im Raum. Bei Kinderzimmern ist es häufig so, dass sich Kinder einen Raum teilen – zumindest in älteren Häusern. Türen sind oftmals unverschlossen, zumindest auf dem Land. Und Vorhänge sind in Schweden nicht so verbreitet wie in Deutschland. Gute Chancen für die Nachbarn etwas vom Leben nebenan mitzubekommen.

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Internationaler Frauentag: Schwedische Erfolgsfrauen

Montag, 8. März 2010

Es kommt nicht häufig vor, dass Milliarden von Menschen an einem Tag gemeinsam feiern. Heute ist so ein Fall, denn es ist Internationaler Frauentag. Und auch wenn bei vielen keine Feierstimmung aufkommt, so gibt es doch einige Medien und Einrichtungen, die den Tag nicht völlig kommentarlos verstreichen lassen wollen. Es geht nicht darum, das Frausein zu feiern. Und auch nicht darum, die Gebärfreudigkeit der Frauen zu zelebrieren. Es geht wohl eher darum, zu zeigen, wie es um die Gleichstellung in der Gesellschaft steht. Von der Rolle und den Probleme der Frau zu sprechen. Oder Selbstvertrauen zu geben, indem von positiven Beispielen berichtet wird.

Dagens Nyheter listet beispielsweise die 125 einflussreichsten Frauen der schwedischen Wirtschaft auf. Das ist vielleicht nicht die entscheidenste Aufstellung des Tages, aber im Gegensatz zum angeblichen deutschen Presseflagschiff Nr. 1, dem “Spiegel”, wird der Tag immerhin berücksichtigt. Und wer ist nun die mächtigste Frau des schwedischen Wirtschaftslebens? Wenig bekannt ist sie auf jeden Fall. Bis zu einem Wikipedia-Eintrag hat sie es bisher nicht geschafft. So populär ist ihr Arbeitsbereich auch nicht. Schließlich arbeitet sie im Industrie- und Rüstungssektor. Und das für SAAB, einer Firma mit potentiell ungewisser Zukunft. Hier ist Lena Olvig Vizegeschäftsführerin. In der Rankingliste war sie seit 2002, bevor sie zu SAAB gekommen ist, hat sie bereits für Volvo in Asien gearbeitet.

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Häuser von der Stange

Montag, 1. März 2010

Der schwedische Vorzeigekonzern IKEA hat in Deutschland ein neues Standbein: Nachdem alle Studenten-WGs bereits mit Billy, Lack und formschönen Ballonlampen ausgestattet sind, wird jetzt nachgerüstet. Die Studenten beenden dann ja doch mehr oder weniger schnell ihr Studium, quälen sich zwei Jahre durch Praktika und Arbeitslosigkeit und bekommen irgendwann eine Stelle. Im Alter von 30 denken einige langsam an Familie, die bis zum Lebensalter von 35 realisiert wird. Anschließend ist Mietwohnung doch nicht mehr das Praktischste und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden entsteht. Just da will IKEA wieder einsetzen. Statt buntem Mobilar sollen den Kunden nun auch noch die notwendigen Wände geliefert werden.  Inklusive Dach versteht sich.

BoKlok (Wohne klug) heißt das neue Produkt der IKEA-Familie. Geboten werden Reihenhäuser und Eigentumswohnungen zu angeblich erschwinglichen Preisen. Alles schön gleichmäßig aufgebaut, damit der Nachbar nicht neidisch wird. Ganz neu ist das Konzept nicht: In Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Großbritannien gibt es bereits 4000 Wohnungen und Häuser. In Schweden wurde das Konzept Mitte der 90er Jahre entwickelt. 2010 soll nun der deutsche Markt erschlossen werden. Gestartet wird in den Städten Offenbach, Nürnberg, Wiesbaden und Hofheim. Dort entstehen Wohneinheiten mit Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, gebaut im “skandinavischen Stil” und in einer “umweltschonenden Holzrahmbauweise”. Preislich beginnt es bei 99.500 Euro für eine Wohnung. Ein Reihenhaus steht für 175.000 Euro inklusive Grundstück im Angebot.

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