Archiv für Juni 2010

Katzenjammer aus Norwegen

Dienstag, 22. Juni 2010

Vor wenigen Stunden ging in Norddeutschland das mittlerweile zweitgrößte Festivals Deutschland, das Hurricane-Festival, zu Ende. Wie schon in den letzten Jahren überzeugte das Wetter nicht, so dass man sich an guten Konzerten aufheitern musste. Und eines war in diesem Jahr besonders gut: vier Frauen aus Norwegen bringen eine Mischung aus Rock, Folk und Pop auf die Bühne, machen eine prima Show und beeindrucken durch die Beherrschung unterschiedlichster Instrumente.

Turid Jørgensen mit Kontrabassbalalaika Foto: Sweeet

Turid Jørgensen mit Kontrabass-balalaika, Foto: Sweeet

Wie so viele Skandinavier mussten die vier  Damen vermutlich in der Schule deutsche Konjunktivformen und Artikel lernen und kamen so auf den deutschen Bandnamen. Wie Gejammer klingt ihr Gesang aber ganz und gar nicht. Alle vier überzeugten durch eine gut geschulte Stimme. Gesungen wurden dabei nicht nur bei hohen Tönen, sondern z.T. auch in Brummtönen bzw. Rockröhrentonlage. Noch viel faszinierender als die Stimmen waren aber sicher die Fertigkeiten an den Instrumenten. Bei jedem Lied des mindestens 50 Minuten langen Gigs  wechselten die vier Bandmitglieder das Instrument. Dabei beschränkten sie sich nicht nur auf die klassischen Instrumente: Schlagzeug, Bass, E-Gitarre und Keyboard. Akkordeon, Glockenspiel, Trompete, Mundharmonika, Banjo und eine hübsche selbst bemalte Kontrabassbalalaika (gleichzeitig Maskottchen mit Namen Borge) rundeten das Profil ab. Laut Internetseite beherrschen die vier Norwegerinnen aber noch mindestens doppelt so viele Instrumente.

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Abgelegt in Schweden

Tyska Kyrkan – Gamla Stans Spitze

Sonntag, 13. Juni 2010
Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard

Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard

Gamla Stan ist die Altstadt Stockholms. Im Sommer streifen Tausende von Touristen täglich durch die schmalen Gassen und etlichen Butiken und Geschäfte vor Ort. Was viele dabei vermutlich nicht wissen: Das höchste Gebäude der Altstadt ist mit 96 Metern wie so oft eine Kirche. Allerdings keine originär schwedische, sondern die Tyska Kyrka, die deutsche Kirche. In der auch deutsche Gottesdienste abgehalten werden. Das bedarf einer Erklärung:

Das Kirchengebäude entstand um 1570 in den Hochzeiten der Hanse. Die Hanse war damals eine der wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Vereinigungen. Ihr Einflussgebiet erstreckte sich damals auch über Schweden. Auch wenn im schwedischen Raum eher Handel mit der Stadt Ystad auf Gotland erfolgte, war das aufstrebende Stockholm nicht zu vernachlässigen. So gründeten deutsche Kaufmänner mit Erlaubnis des damaligen schwedischen Königs Johan III. ein Gildehaus im damaligen Zentrum Stockholms. Doch noch im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau zur Kirche. Hier zog die 1571 gegründete St. Gertruds Versammlung ein. Im 17. Jahrhundert wurden noch einmal Baumaßnahmen ergriffen, um die Kirche zu vergrößern. Ein Großbrand in der schwedischen Hauptstadt erforderte den Neuaufbau des Turmes. Das war 1886 in Zeiten als Deutschland sich als Großmacht aufspielen wollte. Prompt wurde der Turm 96 Meter hoch und überragte alle angrenzenden schwedischen Gebäude.

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Abgelegt in Stockholm

Rennradler Gustav Larsson

Donnerstag, 3. Juni 2010

Drei Wochen lang sind etwa 200 Profiradler durch schöne italienische Landschaften gefahren, über Feldwege, Berge und Kopfsteinpflaster. Und am Ende war ein Schwede vorne. Zwar trug er nicht das Maglia Rosa über die Ziellinie, aber er überquerte sie als erstes. Sprich, Gustav Larsson hat die letzte Etappe des Giro d’Italias gewonnen, Gesamtsieger im feschen rosa Trikot wurde jedoch der Italiener Ivan Basso.

Bergankunft beim Giro 2010

Bergankunft beim Giro 2010

Zugegeben: Radrennsport zeichnete sich in den letzten Jahren nicht gerade als Paradedisziplin des Mottos Fair Play aus. Die Anzahl an gedopten Sportlern scheint extrem hoch zu sein. Immer wieder werden Rennfahrer enttarnt bzw. in letzter Zeit sehr beliebt, sich selbst zu stellen bzw. ehemalige Teamkollegen in Misskredit zu bringen. Die Kontrollen nehmen immerhin zu und selbst im sonst eher laxen Italien wurden beim diesjährigen Giro die intensivsten Dopingkontrollen seit Jahren durchgeführt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer.

In Italien ist Radfahren ein Volkssport. Nicht unbedingt als Fortbewegungsmittel für den Alltag, sondern vielmehr als Sportgerät. In Schweden ist diese Freizeitbeschäftigung nicht ganz so populär. Nichtsdestotrotz gibt es einige professionelle Rennradfahrer im hohen Norden. Gustav Larsson gehört zu den erfolgreichsten. Bei den Olympischen Spielen in Peking gewann er die Silbermedaille im Zeitfahren, ein Jahr später folgte die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften. Konsequenterweise war die letzte Etappe des diesjährigen Giros ein Einzelzeitfahren von 15 Kilometern.

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Abgelegt in Schweden