Archiv für April 2011

Nachbarland Finnland: Politischer Rechtsruck

Montag, 25. April 2011

Am letzten Sonntag waren in Finnland Parlamentswahlen. Das Ergebnis der Wahl ist denkwürdig und kommt zumindest für mich überraschend. Mit 19% der Stimmen wurde eine Partei namens die “Wahren Finnen” drittstärkste Partei. Sie nehmen jetzt 39 der 200 Parlamentssitze ein. Die selbst titutlierten wahren Finnen sind Populisten, die vor allem gegen die EU und Einwanderung Stimmung machen. Bisher hatte die Partei sechs Abgeordnete im Eduskunta, dem Parlmanent. Nun konnte sie ihre Abgeordnetensitze verfünffachen. Dies führt dazu, dass sie sogar Regierungspartei werden könnten.

Am meisten Stimmen haben die Konservativen (20,4%), dann kommen die Sozialdemokraten (20,1%). Großer Verlierer der Wahl war die Zentrumspartei, die mit 15,8% nur noch viertstärkste Kraft wurde. Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi wird somit wohl nicht im Amt bleiben. Sie führte eine Koalition aus Zentrumspartei, den Konservativen, den Grünen und der schwedischen Volkspartei an. Die Regierungsbildung dürfte sich bei dem Acht-Parteien-Parlament noch ein wenig hinziehen.

Die Wahlbeteiligung der Finnen lag bei 70,4%. Das ist im europäischen Vergleich relativ hoch und ca. 2% mehr als bei der letzten Wahl von 2007. Eine niedrige Wahlbeteiligung kann somit als Erklärung nicht herangezogen werden. Etwa jeder fünfte Finne hat bei dieser Wahl für die Populisten gestimmt. Die Partei machte Stimmung gegen die Europäische Union: Sie fordern den Austritt aus der Euro-Zone. Es wurde ausgiebig über die Entscheidung der EU hergezogen, die bankrotten Mitgliedsländer Portugal und Griechenland finanziell zu unterstützen. Ab 1. Mai 2011 können endlich auch die Bewohner der acht jüngsten EU-Staaten in Europa arbeiten, wo sie wollen. Ein Grundprinzip der EU wird somit auch für die mehrheitlichen osteuropäischen Staaten gültig. Da ist es natürlich leicht, Angst vor einer Invasion von osteuropäischen Arbeitern zu schüren. (Anmerkung: In Finnland galt die Frist bis zum 1.5.2011 nicht, siehe Kommentar.)

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TV-Tipp: Wildes Skandinavien

Donnerstag, 14. April 2011

Ende Februar lief auf Arte eine Dokumentationsreihe namens “Wildes Skandinavien”. Zwei Monate später bin ich immerhin dazu gekommen, mir die Folge über Norwegen anzusehen und war begeistert! Wirklich eine sehr gut gemacht Dokumenation, die ich an dieser Stelle empfehlen möchte.

Ausgewachsener Moschusochse (Foto: Quartl)

Ausgewachsener Moschusochse (Foto: Quartl)

Konzept ist es zu jedem Land der sechs skandinavischen Länder (die “Üblichen” plus Grönland und Island) einen etwa 45minütigen Beitrag über Natur und Tiere des Landes zu machen. Und das Beste: In der ganzen Folge zu Norwegen war kein einziger Mensch zu sehen. Genau das richtige für den genervten Großstadtmenschen oder überzeugten Einsiedler. Es geht wirklich nur um die Landschaft und Tierwelt. Weil es sich anbietet, wird dabei der Ablauf der Jahreszeiten als roter Faden genommen.

Große Stärke der Dokumentation sind natürlich die Bilder. Das Jagen, Singen, Gebalze, Fliehen, Fressen und Gefressen werden wird häufig in Zeitlupe gezeigt und ist somit noch imposanter. Schön auch die Nahaufnahme. Es scheint ganz oft als wurde die Kamera auf dem Boden gestellt und 10 Zentimeter davor kommt die Maus aus ihrem Loch. Gezeigt werden Elche und Rentiere (wenn auch nur sehr kurz, vermutlich gibt’s davon mehr Bilder in den anderen Folgen), Seeadler, Bergadler, Krähen, Blaumeisen (in Super-Slowmotion), Eulen, Füchse, Luchse, Lemminge (die keinen Selbstmord betreiben, das ist wohl ein Klischee, dafür nagen sie in manchen Zeiten eine Pflanze so häufig an, dass diese für sie giftige Stoffe entwickelt) und viele andere.

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Citybanan – Tunnel quer durch Stockholm

Sonntag, 10. April 2011
Baubeginn Citybanan 2009 (Foto: Holger Ellgaard)

Baubeginn Citybanan 2009 (Foto: Holger Ellgaard)

Nicht nur in Stuttgart wird derzeit fleißig an Eisenbahnschienen gearbeitet. In Stockholm wird seit 2009 ein Tunneln für zwei Schienenstränge gegraben, die den Zugverkehr erheblich verbessern sollen. Aktuell besteht das Problem, dass alle Züge von und nach Stockholm durch die so genannte Wespentaille müssen. Die Wespentaille ist der zweigleisige Schienen-Streckenabschnitt zwischen Gamla Stan und Riddarholmen. Wir erinnern uns: Stockholm liegt auf verschiedenen kleinen Inseln (schwedisch “holme” bedeutet etwa Inselchen). Diese Inseln müssen verkehrstechnisch verbunden werden. Das haben die findigen Schweden bereits während der Industrialisierung um 1871 getan. Allerdings haben sie sich auf zwei Gleise verständigt, die für die damaligen Anzahl an Zügen völlig ausreichten. Bis heute ist der Verkehr natürlich stark gestiegen, die Tunnelbana (U-Bahn) kam um 1930 hinzu, der Pendeltåg (S-Bahn) wurde um 1968 eingeführt. Beide Verkehrsmittel nahmen stetig an Bedeutung zu, so dass die Auslastung derzeit bei 24 Zügen pro Richtung pro Stunde liegt.

Man kann sich vorstellen, dass es einer logistischen Meisterleistung bedarf, um den täglichen reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs zu regeln. Probleme an den Gleisen der Wespentaille können den kompletten Zugverkehr lahmlegen. Ein derart sensibler Streckenabschnitt macht natürlich viele Menschen nervös und sollte in der heutigen Zeit auch nicht mehr als gegeben hingenommen werden müssen. Also mussten Lösungen her.

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