Archiv für Mai 2011

Ostseeinsel Gotland

Montag, 30. Mai 2011

Natürlich kann man auch in Schweden sehr gut Urlaub machen. Und die Schweden selbst verbringen den Sommer gerne im Heimatland. Zum Beispiel auf der Ostseeinsel Gotland. Diese liegt etwa 100 Kilometer östlich vom schwedischen Festland und noch etwas nördlich von der zweiten großen schwedischen Insel Öland. Damit liegt es fast in der Mitte zwischen Schweden und Lettland.

Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&hypoxia)

Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&hypoxia)

Gotland ist aus mehreren Gründe speziell. Zum einen gibt es auf der Insel einen besonderen Dialekt namens Gutamål (Deutsch: Gutnisch). Einige meinen, dass es sich um eine eigene Sprache handelt. Dafür spricht, dass es auch noch einen eigenen Dialekt der Insel namens Gotländisch gibt. Außerdem soll es Gutamål gegeben haben, als sich Schwedisch gerade noch entwickelt hat. Wer einen Einblick in die Sprache bekommen möchte, wird hier fündig.

Nun könnte man meinen, wenn die Insel schon Gotland heißt, wird hier Gotisch gesprochen. Heutzutage spricht aber keiner mehr diese ostgermanische Sprache. Gutamål ist außerdem eine nordgermanische Sprache. So ganz aus dem Nichts kommt der Name Gotland jedoch nicht. Laut der Gutasaga lebten die Goten auf der Insel, bevor Teile von Ihnen nach Europa zogen und große Flächen eroberten. Die Gutasaga ist allerdings nicht gerade die verlässlichste historische Quelle. Vergleichbar mit der Nibelungensage. Die Forschung hält es für eher unwahrscheinlich, dass die Goten aus Skandinavien stammen.

weiter lesen »

Abgelegt in Schweden

Kulturhauptstadt 2011: Turku

Freitag, 20. Mai 2011

Der Sommer naht mit großen Schritten und wer es noch nicht getan hat, sollte sich langsam Gedanken über seinen Sommerurlaub machen. So ein solcher zeitlich und finanziell machbar ist. Nun zieht es jedes Jahr aufs Neue Zehntausende von deutschen Touristen nach Spanien, Italien und Schweden. Aber warum nicht auch mal nach Finnland reisen? Seen und Wälder gibt es dort in Hülle und Fülle. Vielleicht sogar mehr als in Schweden. Klimatisch sollte es sich auch nicht allzu sehr von Schweden unterscheiden. Zumindest wenn man im Süden des Landes bleibt und es Sommer ist. Die Sprache könnte einige Touristen abschrecken, aber ich habe bisher keine fleißigeren Fremdsprachler als die Finnen kennen gelernt. Englisch und Deutsch sind weit verbreitet.

Gerade in diesem Jahr könnte sich eine Reise nach Finnland außerdem lohnen, da Turku (Schwedisch: Åbo) derzeit Europäische Kulturhauptstadt ist. Turku liegt im Schärengarten an der südlichen Spitze des Landes. Nach eigenen Aussagen ist sie die älteste Stadt Finnlands. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war sie außerdem die Hauptstadt des Landes. Heute leben etwa 180.000 Einwohner dort, somit ist sie die fünftgrößte Stadt der Finnen. Vor Ort gibt es zwei offizielle Sprachen: Finnisch und Schwedisch. Wobei nur jeder 20. Turkuer heutzutage noch Schwedisch als Muttersprache hat (Mitte des 19. Jahrhundert waren es ca. 50%). Die meisten Einwohner der Stadt beherrschen jedoch beide Sprachen. Die Zweisprachigkeit erklärt auch die zwei Namen der Stadt. Turku geht auf einen russischen Begriff für Marktplatz zurück. Åbo bedeutet in etwa Wohnen am Fluss. Der Fluss heißt Aurajoki und teilt die Stadt in zwei Hälften.

Turku war im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt. Bereits im 13. Jahrhundert wurden hier ein Dom und eine Burg errichtet. Außerdem war die Stadt Bischofssitz. Mit der Hanse wurde reger Handel betrieben, die Stadt trat dieser Vereinigung aber nicht selbst bei. Viborg war die zweite bedeutende finnische Handelsstadt in den tiefen des Mittelalters. Während dieser Zeit gehörte Turku zum Königreich Schweden und war somit auch von den Machtkämpfen mit den Dänen und interne Streitigkeiten betroffen. Nach Abschluss dieser Phase wurde 1640 in Turku die erste Universität Finnlands eröffnet.

weiter lesen »

Abgelegt in Skandinavien

Filmzensur: Pionier Schweden

Mittwoch, 4. Mai 2011

In unserer Welt herrscht das Primat der Superlative. Höher, weiter, schöner, reicher ist das Motto, dem man sich beugt. Und Schweden war ganz vorne dabei. Allerdings ein Superlativ, auf den man nicht unbedingt stolz sein muss: Schweden hat 1911 die erste Filmzensurbehörde der Welt gegründet. Filmzensur bedeutet hier nicht – wie man vielleicht denken könnte – Filme so zu schneiden, dass sie jugendfrei werden. Filmzensur heißt, dass jemand meint, bestimmte Vorgänge dürfen in einen Film für Erwachsene  nicht gezeigt werden. Diese müssen dann rausgeschnitten werden, bevor der Film an die Öffenltichkeit gelangt. Oder wenn nichts zu retten ist, wird der Film komplett verboten.

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

1911 steckte das Medium Film noch in den Kinderschuhen. Ungefähr seit 1895 gab es Stummfilme zu sehen. In den 1910er Jahren kamen zum  ersten Mal kürzere Filme mit der Ikone Charly Chaplin auf den Markt. Und schon zu diesem Zeitpunkt wollte die schwedische Regierung ihren Bürgern vorschreiben, was sie gucken dürfen und was nicht. Zu diesem Zweck wurde das Statens biografbyrå gegründet. Eine Begründung war Rechtssicherheit. Zuvor durfte der Polizist vor Ort entscheiden, was in seinem Einflussgebiet gezeigt wird und was nicht. Da kann man sich vorstellen, wie willkürlich die Entscheidungen getroffen wurden. Doch statt dem Polizisten diese Kompetenz wieder zu nehmen, wurde eine neue Behörde eingeführt.

Was aber eigentlich noch viel erstaunlicher ist als der frühe Beginn der Filmzensur ist die Tatsache, dass die Behörde erst in diesem Jahr zum 1. Januar hin geschlossen wurde. 99 Jahre gab es die Filmzensur in Schweden! Seit Mitte der 90er Jahre hat man zwar die Devise ausgegeben, dass man sich primär darauf beschränkt, die Altersgrenze für Filme festzulegen (in Schweden gibt es die Altersbegrenzungen ab 7, ab 11 und ab 15 Jahren). Es ist aber dennoch zu weiteren Zensureingriffen gekommen. Während der Zensur wurde zum Beispiel verboten, dass der arme Donald Duck mit einem Wohnwagen einen Berg runterfährt und nur um ein Haar mit einem Zug zusammenstößt. Oder in Ein Fisch namens Wanda einer Person Pommes tief in die Nase gesteckt werden und ein Goldfisch verspeist wird (siehe auch einen taz-Artikel zu dem Thema).

weiter lesen »

Abgelegt in Politik, Schweden