Urlaub bei den Wikingern
Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit der Realität und aktuellen Trends umzugehen. Man kann bei allem mitmachen und sich über Entwicklungen freuen. Man kann eine Partei gründen mit Themen, die bisher kaum einer beachtet hat. Und man kann sich Nischen suchen, in denen man vor dem Hier und Jetzt verstecken kann. Das geht zum Beispiel im Wikingerdorf Foteviken in der Nähe von Göteborg. In den Sommermonaten erwacht die Anlage zum Leben und füllt sich mit Hobbywikingern. Die bleiben meist nicht nur einen Tag, sondern können quasi Teil eines Museums werden. Das bedeutet, man kleidet sich wie “die” Wikinger oder versucht dem in jedem Fall nahe zu kommen. Dann braucht der Wikinger Beschäftigung, denn bekanntlich waren es gar nicht nur Krieger. Handwerken und Landwirtschaft sind daher angesagt, natürlich auch Schiffsbau. Da Krieg spielen für viele scheinbar eine unheimliche Anziehungskraft hat, wird alljährlich auch die große Schlacht von Foteviken nachgespielt. Da kann man dann Axt und Schwert und besser auch das Schild zum Einsatz bringen.
Die Vorgaben für die Hobbywikinger sind strikt. Man befindet sich im Jahre 1138 nach Christus in der Übergangsphase von der Wikingerzeit zum Mittelalter. Echte Re-Enactors nutzen auch nur Gegenstände, die es zu dieser Zeit auf schwedischem Gebiet bereits gab und die üblich waren (zumindest in den deutschen Re-Enactor-Kreisen macht man sich verdammt unbeliebt, wenn man sich nicht an diese Spielregel hält.) Zu beachten ist auch, dass die Schlacht von Foteviken einige Jahre zurückliegt, das heißt, man konzentriert sich auf Handel und Schiffe. Auf der Anlage befinden sich alte Koggen aus der Zeit. Ziel ist in erster Linie der Spaß und in zweiter vermutlich der Bildungsauftrag. Schulklassen und Interessierte können sich die Open Air-Anlage ansehen und erfahren viel über die Zeit. Höhepunkte des Jahres sind die Wikingerwoche und der Halör Wikingermarkt in der Woche nach Midsommar. Über die Anlage gibt es geführte Touren und einen Museumsshop, in dem es sicher den ein oder anderen Wikingerhelm zu kaufen gibt.
Um bei den Wikingern mitzumachen, wird man “Volunteer”. Da die Deutschen die Anlage in den letzten Jahren scheinbar vermehrt entdeckt haben, muss man früh dran sein, um noch einen Platz zu bekommen. Vermutlich sind die schwedischen Wikinger auch nicht so begeistert darüber, dass ein Großteil der Kameraden deutsch spricht. Aber das ist natürlich nur eine Vermutung.
Wer im Sommer in der Nähe von Stockholm unterwegs ist, kann sich die schöne Museumsinsel Birka ansehen. Dort haben ebenfalls Wikinger gelebt.




