School’s out in Schweden

Abitourienten

Truck mit Abiturienten

Dröhnender Bass, Flaschen-schwenkende Jugendliche, Trucks und ausgelassene Stimmung. Nein, keine Loveparade in Schweden, sondern ein traditioneller Teil der Feierlichkeiten zum Schulabschluss. Mehrere Wochen lang ziehen die frisch gebackenen Abiturienten lautstark durch die Straßen Stockholms. Es gibt zwar einen offiziellen Umzugstag, allerdings scheint jede Schule ihren eigenen Tag zum Feiern auserkoren zu haben. Die sonst so sicherheitsbewussten Schwedinnen und Schweden stehen dabei auf Unimogs und offenen Lastern, hören lauten Musik, trinken Alkohol und winken den Passanten zu. Derart ziehen sie mehrere Stunden durch die Innenstadt. Partystimmung in der Stadt, von den Passanten meist wohlwollend aufgenommen, da sie sich an ihre eigene  Abiturientenzeit erinnern.

Wie in Zusammenhang mit der Walpurgisnacht bereits erwähnt, tragen alle schwedischen Abiturienten ein Erkennungszeichen: eine weiße Mütze mit schwarzen Schirm. Wie in anderen Ländern auch, haben die Studentenmützen eine lange Tradition. Auch wenn es sonst keine Schuluniform in Schweden gibt, ist dies ein Muss für jeden Schulabgänger. Die Mützen gibt es in hochwertigen Ausführungen mit persönlicher Gravur und Wappen oder blau-gelb auf der Stirn. Ein hervorragendes Geschenk der stolzen Eltern an ihre Zöglinge.

Damit auch die Nachbarschaft von dem wichtigen Ereignis erfährt, wird vor den Häusern ausgiebig dekoriert. Häufig stehen kleine Birken vor den Hauseingängen, dazu hängen Girlanden und Spruchbänder über den Türen.  Wie in anderen Ländern auch, zieht es viele Schweden nach dem Abi in die Welt und/oder  ins Studium. Die Schulferien werden von schwedischen Jugendlichen allerdings häufig auch zum Geld verdienen genutzt. Alle Schüler haben von etwa Mitte Juni bis Mitte August Ferien und können teilweise als Urlaubsvertretungen fungieren, da die meisten Schweden mindestens drei Wochen am Stück Urlaub machen.

Gratulationen und Schmuck zum Schulabschluss

Gratulationen und Schmuck zum Schulabschluss

Das Abitur wird in Schweden als Abschluss der dreijährigen Gymnasiumszeit vergeben. Von 7 bis 16 Jahren sind alle Kinder auf einer Einheitsschule, der Grundschule. Danach können sie frei wählen zwischen Gymnasien mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten. Einige Gymnasien sind sehr praxisbezogen, andere bereiten primär auf das Studium vor. Eine Besonderheit im schwedischen Schulsystem ist der weitgehende Verzicht auf Noten. Nur in den letzten beiden Grundschuljahren erhalten die Schülerinnen und Schüler Noten, wobei es auch nur drei unterschiedliche Beurteilungen gibt. Sitzenbleiben gibt es ebenfalls weitaus seltener als bei uns. Die schwedische Pädagogik setzt stark darauf, schlechtere Schüler zu motivieren, indem sie weiterhin im Klassenverband bleiben. Was in der Grundschulzeit noch sehr sinnvoll sein kann, sollte dann allerdings im Studium überholt sein, da hier die klassische Null-Bock-Phase vorbei sein und nicht mehr als Grund für schlechte Leistungen angesehen werden sollte.

Das Studium beginnt in Schweden allerdings erst Ende August. Bis dahin können die Abiturienten noch ausgiebig und ausgelassen feiern. Und sie können sich freuen, denn schon bald können sie auf die legendären Studentendinners und -partys, bei denen in feinster Kleidung gesungen, sich angeschrien und auf den Stühlen getanzt wird…


Ein Kommentar zu “School’s out in Schweden”


  1. Antonio sagt:

    supi…waren grade 5 tage in stockholm und wir hatten uns die ganze zeit gefragt, was dieses durch die stadt fahren bedeutete. allerdings haben wir uns so etwas gedacht. in einer bäckerei haben wir sogar kuchen mit der abbildung der mütze gesehen. herzliche grüße

Deine Meinung dazu?