Ace of Base – Pop Pop Populär!
Synthesizersound, eingängige Texte, vier Schweden: zwei männlich, zwei weiblich. Von letzteren eine blond und eine brünett. Kommt uns doch bekannt vor. Das waren doch die 70er. Agnetha, Anni-Frid (Frida), Benny, Björn, also ABBA drangen aus dem Radio, ohne dass ein Entkommen möglich war. Und dann nach nur 10 Jahren Pause in den wilden 80ern brachten die 90er ein neues Quartett aus Schweden hervor. Ganz zufällig enthält deren Bandname auch ein großes A und B als Tribut zu den Vorbildern. Oder hat schon mal jemand den Bandnamen verstanden?
Aber: Es hat funktioniert. Ace of Base avancierte nach ABBA und dem Duo Roxette zur dritterfolgreichsten Band Schwedens. Ca. 45 Millionen Platten haben die vier heiteren Schweden bis heute verkauft. Es gab Grammys und mehrmals Platz 1 in den schwedischen, europäischen und amerikanischen Charts. Und dass damals, als die Charts noch etwas zu bedeuten hatten. Happy Nation war damals sogar das erfolgreichste Debütalbum aller Zeiten.
Wer genau ist Ace of Base? Mal wieder handelt es sich um eine Gruppe Verwandter. Malin, Jenny und Jonas Berggren sind Geschwister, nur Nummer vier ist Ulf Ekberg und nicht mehr verwandt. Sie stammen aus Göteburg, das – wie ich vor kurzem gelesen habe – zuweilen auch als Liverpool des Nordens tituliert wird, weil hier angeblich viele Musikkarrieren beginnen. Witzigerweise haben Jonas und Ulf es zunächst mit der Techno-Kombo Tech Noir versucht, ehe sie ins Popgeschäft übergegangen sind. Das war 1990, wäre also auch eine gute Zeit für Techno gewesen. Dieser Background erklärt allerdings, wieso bei der Musik weitestgehend auf echte Instrumente verzichtet wurde.
Wer sich detaillierter über den genauen Lebensweg der Ace of Base-Mitglieder interessiert, findet auf dieser mit Herzblut betriebenen Fanseite Informationen (mit perfekter Imitation des Bravo-Duktus). Ganz in Kürze: Jonas hat das ganze Projekt ins Rollen gebracht und weil er keine besseren Sängerinnen gefunden hat, hat er halt seine Schwestern gefragt. Ulf hat er kurz vorher aufgegabelt und damit von der schiefen Bahn gerettet, auf die dieser kurz vorher geraten ist. Die beiden Schwestern sind sehr gläubig, was die kitschig bis esoterischen Texte etwas erklärt.
Da die schwedischen Plattenlabels ihre Musik zunächst als „zu poppig“ abgelehnt haben, veröffentlichte das Quartett seine erste Scheibe Wheel of Fortune in Dänemark. Und zwar drei Mal, solange bis sie erfolgreich waren. Aber schon All that she wants katapultierte die Band in den Himmel des Pops. Die nächsten Jahre vergingen wie im Rausch. Die Bravojournalisten meldeten sich vermutlich im Wochentakt, Auftritte weltweit, Preise und Singen auf dem Geburtstag der Kronprinzessin.
Schwierig zu erklären, woher der Erfolg kam. Gängige Rhythmen, die Reggae imitieren sollten. Prägnante Songtitel. Und Texte, die leicht verständlich waren bzw. so wirkten. Etwas außen vor vielleicht All that she wants. Dies kann durchaus auch als Hymne des Feminismus verstanden werden. Ein junges Mädel wacht auf und denkt darüber nach, dass sie heute einen Kerl aufreißen will. Alle Texte waren zumindest heiter und priesen das leichte Sommerleben: Beautiful Life, Life is a flower, C’est la vie, Happy Nation. Sehr schön auch Lucky Love, in der die vier sonst so fröhlichen Schweden behaupten, dass es glückliche Liebe nur im Teenage-Alter geben kann. Trotzdem sind zumindest drei der Bandmitglieder heute liiert bzw. verheiratet.
Etwas erstaunlich: Die Band gibt es immer noch. Allerdings heute nur noch in der Dreierkombo ohne Linn, der Blonden. Die wollte wohl nicht mehr in der Öffentlichkeit stehen. Vermutlich der richtige Schritt, denn heute tingeln die Enddreißiger durch Osteuropa, weil es die Leute dort scheinbar nicht stört, dass sie mit keinen neuen Lieder aufwarten (letztes Album: Da Capo 2002, in 2009 nur ein Remix von Wheel of Fortune und das Best of-Album). Die Fanseite der Acers, so die offizielle Bezeichnung der Fans, berichtet zwar, dass an einem neuen Album gearbeitet wird, aber scheinbar haben sich die drei mit den falschen Produzenten eingelassen. Das für 2009 versprochene Album ist noch nicht erschienen. Ein weiteres Zeichen, dass das Geld knapp wird und der Ruhm nachlässt, ist die Tatsache, dass Jenny jetzt nicht mehr nur twittert, sondern gleich ein ganzes Buch geschrieben hat. Vinna hela världen heißt es auch noch, also etwa „Gewinn die ganze Welt“. In Schweden soll es im September veröffentlicht werden. Gut möglich, dass es in Deutschland nicht erscheint. Aber wer weiß. Die 90er sind wieder stark im Kommen und somit vielleicht auch für Ace of Base wieder die Chance, an alte Erfolge anzuknüpfen. Mit einem ABBA-Cover zum Beispiel…

