Astrid Lindgren – Schwedin des Jahrhunderts

Astrid Lindgren-Skulptur (Foto: astridwestvang, flickr)
Was weiß man eigentlich ohne ein Lexikon zu rate zu ziehen über Astrid Lindgren? Sie ist eine der berühmtesten Kinderbuchautoren der Welt – klar. Ihre Werke wurden in etliche Sprachen übersetzt - klar. Sie kommt oder lebte in Vimmerby, Småland – auch etwa klar. Gestorben ist sie in den letzten zehn Jahren und man fragt sich wirklich, warum sie nie den Literaturnobelpreis von der schwedischen Nobelpreisakademie bekommen hat. Kaum eine Autorin hat es geschafft, so viele Leser (unterschiedlichster Schichten und Nationen) zu erreichen und ihnen die Botschaft mitzugeben, dass Menschen auch lieb und nett sein können, wenn sie ein wenig aus der Reihe tanzen. Nicht umsonst ist Pipi Langstrumpf für viele ein Symbol für Freiheitsliebe und dem Wunsch zum Anderssein.
Ein paar Fakten neben diese Spekulationen und Einschätzung zu stellen, kann sicher nicht schaden: Lindgren lebte von 1907 bis 2002. Sie ist geboren in Vimmerby und lebte später auch in Stockholm, Vasastan. Ihr Muttername ist – wie es sich für eine echt Schwedin gehört Ericsson und zwar mit vollem Namen Astrid Anna Emilia. Ihre Eltern waren Pfarrhofspächter, konnten es sich jedoch trotzdem leisten, Astrid länger in die Schule zu schicken. In Anschluss daran wurde sie Volontärin bei der Lokalzeitung, verbrachte jedoch scheinbar zu viel Zeit in der Redaktion, da sie kurze Zeit später vom Chefredakteur schwanger war. Das Kind der 18jährigen Astrid Lindgren kam mehr oder weniger heimlich in Kopenhagen auf die Welt und wurde zunächst in eine Pflegefamilie gegeben. Während ihrer Arbeit als Sekretärin in Stockholm traf sie jedoch ihren späteren Mann Sture Lindgren und nahm den Sohn zu sich.
Es folgten Jahre als Sekretärin, Stenographin beim Geheimdienst und Verlagsmitarbeiterin. Erst mit Ende 30 begann dann ihre Schriftstellerkarriere und zwar mit den Geschichten von Pipi Langstrumpf, die sie ihrer Tochter zunächst erzählte. Das war in den 40er-Jahren, ab denen sie parallel im Kinderbuchverlag arbeitete und für ihn schrieb. Nicht uninteressant vielleicht die Reihenfolge der geschaffenen Figuren. In den 40ern war es also Pippi, dann Meisterdetektiv Blomkvist und zwei Bullerbü-Bücher. In den 50er Mio, mein Mio und Karlsson vom Dach (übrigens eine fiese Verfilmung des Werkes – ein ganz schön unheimlicher Karlsson), 60er Jahre waren dann Madita und Michel. Die langen Romane Brüder Löwenherz und Ronja Räubertochter kamen erst 1973 bzw. 1981. Daneben schrieb Lindgren noch einige Novellen und erarbeitete Bilderbücher. Etliche Preise hat sie bekommen, darunter den Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises, den Titel Schwedin des Jahrhunderts und von der Schwedischen Akademie gab es immerhin die Goldene Medaille.

Villa Kunterbunt (Foto:Christian Heindel, flickr)
Was macht die Lindgren so besonders? Im Gegensatz zu Selma Lagerlöff hat Astrid Lindgren es geschafft, nicht nur die Lehrerin zu mimen, die mit erhobenen Finger an eine Moral appeliert. Sie hat ihre Figuren offener gestaltet, mit viel Spielraum zu Interpretationen und auch heikle Themen angesprochen wie z.B. die Möglichkeit des moralisch vertretbaren Selbstmords in Brüder Löwenherz. Sicher hat Astrid Lindgren einen großen Anteil daran, dass das Bild der Schweden im Ausland so positiv ist. Eine sympathische Frau mit klaren Positionen.
25. März 2009 um 18:40
Wo ich als Kind doch so begeistert war von ihren Büchern, muss ich sagen, dass ich es Schade finde Lotta aus der Krachmacherstraße verpasst zu haben.