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	<title>Das Leben ist kein Ponyhof &#187; Politik</title>
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	<description>von Kanelbullen, Zlatan und Stockholm</description>
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		<title>Der schwedische Guido Knopp: Herman Lindqvist</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 20:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit mehreren Jahren werden in Deutschland die umstrittenen Fernsehgebühren verschleudert, um eine History-Show nach der nächsten zu produzieren. Es fing harmlos an mit Dokumentationen über die jüngste deutsche Vergangenheit und endete in absurden pseudowissenschaftlichen Shows à la &#8220;Hitlers Schäferhunde&#8221;. Völlig sinnfrei dabei auch der Trend, historische Szenen nachzuspielen. Das sieht dann aus wie in jedem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit mehreren Jahren werden in Deutschland die umstrittenen Fernsehgebühren verschleudert, um eine History-Show nach der nächsten zu produzieren. Es fing harmlos an mit Dokumentationen über die jüngste deutsche Vergangenheit und endete in absurden pseudowissenschaftlichen Shows à la &#8220;Hitlers Schäferhunde&#8221;. Völlig sinnfrei dabei auch der Trend, historische Szenen nachzuspielen. Das sieht dann aus wie in jedem gewöhnlichen Hollywoodfilm, in dem mit Computeranimationen versucht wird, Authentizität zu schaffen (man bemerke die Widersprüchlichkeit). In Deutschland steht ein Mann als Synonym für populärwissenschaftliche Geschichtsdokumentationen: Guido Knopp. Er hat geschafft, was nur wenigen Fernsehwissenschaftlern gelingt: Er ist vielen Deutschen bekannt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass er in den Feuilletons und der öffentlichen Diskussion oft als der Buhmann schlechthin dargestellt wird, weil er vereinfacht und/oder verkürzt oder gar falsch darstellt.</p>
<div id="attachment_1491" class="wp-caption alignleft" style="width: 220px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/05/Herman_Lindqvist_wikipedia.jpg"><img class="size-medium wp-image-1491 " title="Herman Lindqvist 2005" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/05/Herman_Lindqvist_wikipedia-300x256.jpg" alt="Herman Lindqvist 2005" width="210" height="179" /></a><p class="wp-caption-text">Herman Lindqvist 2005</p></div>
<p>Mittlerweile hat Knopp sicher so viel Geld verdient, dass ihm die gelegentlichen Sticheleien der Schönschreiberlinge sicher nicht mehr stören. Und er steht nicht alleine da. Auch in Schweden gibt es einen Mann, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Geschichte seines und anderer Länder zu erkunden und einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. Sicherlich kein schlechter Gedanke, den Herman Lindqvist da hatte. Und in Schweden ist er ebenso bekannt wie Guido Knopp hierzulande.</p>
<p>Herman Lindqvist ist 1943 geboren und interessiert sich wie so viele in die Jahre kommende Männer stark für Geschichte. In jungen Jahren arbeitete er zunächst als Redakteur im Aftonbladet, ging dann als Korrespondent nach Beirut, Hongkong, Prag und Paris. Frankreich ist er bis heute treu geblieben. Bücher hat er seit den 80er Jahren regelmäßig geschrieben. Zunächst über Land und Leute in seinen jeweiligen Gastländern. In den 90er Jahren begann seine TV-Serie Historien om Sverige (Die Geschichte Schwedens), welche später auch als Buch erschien und in Schweden sehr erfolgreich ist.</p>
<p><span id="more-1487"></span></p>
<p>Eines dieser dicken Bücher führe ich mir gerade zu Gemüte: Drömmar och verlighet (Träume und Wirklichkeit) über den Anfang des 20. Jahrhunderts. Relativ schnell merkt man, dass Herr Lindqvist eine gewisse Faszination für alles Royale nicht verhehlen kann. Ein Blick auf seine Buchpublikationen bestätigt diesen Drang, große historische Persönlichkeiten noch größer machen zu wollen, sei es nun Carl Gustaf, Napoleon, Madame Pompadour oder 2009 erschienen Königin Victoria.</p>
<p>Da es sich um ein populärwissenschaftliches Buch handelt, lässt es sich gut lesen. Die schwedische Geschichte wird weitestgehend chronologisch und ohne überflüssige Abschweifungen erzählt. Und neue Erkenntnisse gewinnt man eine ganze  Menge. So hatte ich noch nicht davon gehört, dass Deutschland 1918 kurzzeitig Helsinki besetzt hat. Und es war kurzzeitig im Gespräch, in Finnland die Monarchie einzuführen. Sowieso war der Finnland-Krieg 1918-1920 für Schweden wichtig. Auch im braven Schweden keimte die Idee des Sozialismus auf. Laut Lindqvist war Schweden nie so nah an einer Revolution wie in diesen Zeiten. Der Unmut in der Arbeiterschaft war genauso groß wie in anderen europäischen Ländern. Zu einer Revolution ist es jedoch nicht gekommen, dafür begann die Hochzeit der Sozialdemokratie.</p>
<p>Wie heute lebte auch 1918 eine Deutsche im schwedischen Königshaus. Victoria von Baden war von 1907 bis 1930 schwedische Königin und Nichte vom deutschen Kaiser Wilhelm. Verheiratet war sie mit Gustaf V. Nicht ganz ohne Berechnung des schwedischen Schwiegervaters, der eine stärkere Kooperation mit dem mächtigen Deutschland wollte. Victoria war Zeit ihres Lebens kränklich und streng konservativ. Wer sich mehr für ihr Leben interessiert, findet bei Wikipedia Schweden einen ausführlichen Artikel über die Königin.</p>
<p>1918 war in Deutschland zum Glück Schluss mit den Königen. Auch die engsten Vertrauten der Adeligen mussten sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Kriegstreiber General Ludendorff setzte sich nach der Novemberrevolution zwischenzeitlich nach Schweden ab.  Hier wohnte er auf einem Hof in Hässleholm in Skåne und schrieb im Eiltempo seine Memoiren. Wenige Zeit später wurde er angeblich von der schwedischen Regierung des Landes verwiesen. Schon kurze Zeit später versuchte er gemeinsam mit Hilter, die Reichsregierung zu stürzen&#8230;</p>
<p>Da wir in Deutschland im Geschichtsunterricht so viel Zeit mit Kriegen verbringen müssen, werden soziale Vorkommnisse der Zeit öfter Mal vernachlässigt. Bisher völlig an mir vorbeigegangen ist die so genannte Spanische Krankheit der Zeit um 1918. Diese soll ca. 20 Millionen Menschen weltweit das Leben gekostet haben. In Schweden waren es immerhin 27000 Tote. Scheinbar war die Ursache eine Art Schweinegrippe, welche zu Lungenentzündung führte und vermutlich von amerikanischen Soldaten nach Europa gebracht worden ist.</p>
<p>Interessant ist das Buch auf jeden Fall. Für den Hausgebrauch reichen die historischen Fakten vermutlich auch aus. Wer sich differenzierter mit der Materie auseinander setzen möchte, kann sich ja immer noch ein Werk eines echten Historikers zu Gemüte führen.</p>
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		<title>Neue Zahlungsmittel in Schweden</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 18:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Schweden wollen den Euro nicht. Und das scheinbar auch mittelfristig nicht, denn im Jahr 2008 wurde von Seiten der schwedischen Politiker eine Kommission eingesetzt, die das schwedische Geldsystem überprüfen soll. Nicht etwa die Abläufe, sondern ganz konkret die Münzen und Scheine. So manch Politiker scheint aufgegangen sein, was ausländischen Besuchern in Schweden nach zwei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweden wollen den Euro nicht. Und das scheinbar auch mittelfristig nicht, denn im Jahr 2008 wurde von Seiten der schwedischen Politiker eine Kommission eingesetzt, die das schwedische Geldsystem überprüfen soll. Nicht etwa die Abläufe, sondern ganz konkret die Münzen und Scheine. So manch Politiker scheint aufgegangen sein, was ausländischen Besuchern in Schweden nach zwei Tagen auffällt: Das schwedische Geld ist unpraktisch.</p>
<div id="attachment_1459" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/04/geldmuenzen_add1sun.jpg"><img class="size-medium wp-image-1459 " title="Münzsammlung (Foto: add1sun)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/04/geldmuenzen_add1sun-300x225.jpg" alt="Münzsammlung (Foto: add1sun)" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Münzsammlung (Foto: add1sun)</p></div>
<p>Holt man sich Geld am Automaten, spuckt dieser meist 500-Kronen-Scheine aus. Wenn man damit im Geschäft bezahlt, wird der Schein meist schon mal gründlich geprüft. Dagegen ist ja nichts zu sagen. Passiert aber in Deutschland mit 50 Euro-Scheinen nach meiner Erfahrung nicht so oft. Bezahlt man also mit diesem Schein, bekommt man als Wechselgeld bis zu vier 100-Kronen-Scheine wieder. Als Konsequenz hat man viele Scheine im Portemonnaie und verliert schnell die Übersicht, wie viel Geld man aktuell besitzt.</p>
<p>Ähnlich läuft es beim Bezahlen kleinerer Summen. Meist bekommt man eine Menge 1-Krone-Münzen oder noch schlimmer 50-Öre-Münzen wieder. Ich glaube, es gibt fast kein Produkt in Schweden, das 50 Öre kostet. In Supermärkten wird eh auf- bzw. abgerundet, damit man auf eine Summe kommt, die mit dem schwedischen Münzsystem kompatibel ist. Es gibt nämlich nur 50-Öre-Stücke, keine 10 oder 5-Öre-Münzen.</p>
<p><span id="more-1457"></span></p>
<p>Im letzten Jahr wurde zunächst der sehr vernünftige Entschluss gefasst, die 50-Öre-Münze abzuschaffen. Bis zum 30.9.2010 kann man noch mit ihr bezahlen, danach wird sie schrittweise aus dem Verkehr gezogen. Das verspricht schon mal weniger Ballast in der Geldbörse. Andererseits ist das 50-Öre-Stück vom Charakter sehr dicht an Spielgeld, da es viel leichter ist als die anderen Münzen. Außer den ewigen Nostalgikern wird der Münze wohl niemand nachtrauern. Außerdem gibt es Ersatz: Vermutlich wird im Gegenzug eine 2-Kronen-Münze eingeführt.</p>
<p>Aktuell wird diskutiert, den 20-Kronen-Schein durch eine Münze zu ersetzen. Da würde er dasselbe Schicksal erleiden wie der 10-Kronen-Schein, der 1991 durch eine Münze ersetzt wurde.<br />
Interessant ist das Motiv dieser Änderung: Es soll nämlich unter anderem aus Umweltschutzgründen umgesetzt werden. Über die Frage, wie man bei Geld etwas Gutes für die Umwelt tun kann, muss man eine Weile nachdenken. Die Logik ist laut Reichsbank, dass die 20-Kronen-Scheine meist schneller verschleißen als Münzen. Da muss die Notenbank also öfter mal die Druckerpressen anschmeißen, was Energie und Papier kostet. Zu klären wäre, ob die Reichsbank auch bedacht hat, dass der Einsatz von schwereren Münzen langfristig auf die Benzinverbräuche Auswirkungen haben kann.</p>
<p>Aber Form und Material des jetzigen Geldes werden eh neu bewertet und vermutlich grundlegend geändert. Derzeit gibt es vergleichsweise wenige Münzen: 50 Öre, 1 Krone, 5 Kronen, 10 Kronen. Scheine wiederum existieren mit den Werten 20, 50, 100, 500 und 1000 Kronen. Überlegungen gibt es zudem über die Einführung eines 200-Kronen-Scheines. Für alle Scheine ist eine Erhöhung des Sicherheitsstandards vorgesehen, damit diese nicht leicht zu fälschen sind.</p>
<p>Jetzt die schwierige Frage:  Was ist aktuell auf den Geldscheinen? Kann ich ehrlich gesagt schon für unser europäisches Geld nicht ad hoc beantworten. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Euro-Scheine in allen Ländern dieselben sind und nicht Personen abbilden, sondern Baustile. Es werden fiktive Brücken und Gebäude abgebildet, die aus unterschiedlichen kunsthistorischen Epochen stammen. Logik: Europa hat gemeinsame Wurzeln, also ist es auch eine Einheit.</p>
<p>Beim schwedischen Geld ist vermutlich der 20-Kronen-Schein mit der Schriftstellerin Selma Lagerlöff am präsentesten. Umgangssprachlich wird der Schein auch „Selman“ genannt und ist in lila gehalten. Den 50-Kronen-Schein ziert auch eine Frau: Die Opernsängerin Jenny Lind (1820-1887), welche in ihrer Karriere verschiedene Länder bereiste und in England starb.</p>
<p>Die großen Scheine sind dann selbstverständlich den Männern vorbehalten. Da ist auch in Schweden Schluss mit der Gleichberechtigung. Auf dem 100-Kronen-Schein ist der Naturforscher, Botaniker, Arzt und Pädagoge Carl von Linné (1707-1778)  zu sehen.<br />
Weniger bekannt ist Christopher Polhem (1661-1751), der den 500-Kronen-Schein ziert. Der Name lässt schon vermuten, dass er ursprünglich nicht aus Schweden kam. Ein deutscher Kaufmann war Polhem, der sich zunächst in Visby niedergelassen hat. Später studierter er Physik, Mathematik und Ingenieurswesen in Uppsala und erfand bestimmte Techniken, darunter eine Schleuse und eine Uhr, die Zeit, Datum und Sternzeichen anzeigen kann. Den 500-Kronen-Schein teilt er sich mit König Gustav XI.</p>
<p>Die 1000 Kronen-Note ist ebenfalls für einen Blaublüter reserviert: Gustav Vasa wird hier abgebildet. Er hat in Schweden die Erbmonarchie mit Bürokratie und Zentralapparat eingeführt und gilt damit mehr oder weniger als Begründer des schwedischen Staates. Entgegen manch anderen europäischen Monarchien geht der amtierende König also leer aus. Bei seiner Beliebtheit würde es aber nicht sonderlich überraschen, wenn er bei den anstehenden Reformen Berücksichtigung findet. Diese werden bis 2015 abgeschlossen. Bis dahin gibt es ja noch zwei Hochzeiten und bestimmt auch Nachwuchs im Königshaus&#8230;</p>
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		<title>Irgendwie typisch schwedisch</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 21:23:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir Menschen neigen zum Pauschalisieren. Motiv ist in vielen Fällen eine Vereinfachung der Sachlage und der Wunsch nach Ordnung. Es soll nicht viele verschiedene Umstände und  Menschen geben, sondern wir versuchen immer, diese in Schubladen zu packen. Das befriedigt auf eine gewisse Weise. Wir meinen, etwas durchschaut zu haben. Schlauer als der Rest zu sein. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir Menschen neigen zum Pauschalisieren. Motiv ist in vielen Fällen eine Vereinfachung der Sachlage und der Wunsch nach Ordnung. Es soll nicht viele verschiedene Umstände und  Menschen geben, sondern wir versuchen immer, diese in Schubladen zu packen. Das befriedigt auf eine gewisse Weise. Wir meinen, etwas durchschaut zu haben. Schlauer als der Rest zu sein. Also tappse ich auch mal in diese Falle und schildere, was ich für typisch schwedisch halte. Eine zufällige Auswahl ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Sicher auch keine Ansammlung der wichtigsten Eigenschaften des schwedischen Volkes. Los geht&#8217;s:</p>
<div id="attachment_1443" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/03/Haus_am_Meer_sramses1771.jpg"><img class="size-medium wp-image-1443" title="Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/03/Haus_am_Meer_sramses1771-300x225.jpg" alt="Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Natur und rote Häuser (Foto: sramses177)</p></div>
<p>1) Lagom: Lagom ist ein Adjektiv, dessen direkte Übersetzung schwer fällt. Es geht in die Richtung &#8220;genau richtig&#8221;, &#8220;angemessen&#8221; oder &#8220;konsensfähig&#8221;. Nudeln können lagom zubereitet sein oder eine Entscheidung lagom sein. Die Schweden wollen sich nicht so richtig streiten und am liebsten alles im Konsens bestimmen. Dies hat zur Folge, dass Parlamentsdebatten in Schweden noch viel langweiliger sind als in Deutschland. Verbale Attacken gegen Opposition oder Regierung fallen meist äußerst harmlos aus. Politik ist hier weniger Showbühne, ja, es wird sogar dem Vorredner immer für seine &#8220;interessanten Ausführungen&#8221; gedankt. Selbst wenn der christdemokratische Vorredner gerade die Ehe von Homosexuellen als sittenwidrig abgestempelt hat.</p>
<p>2) Sicherheit wird <a href="http://www.mikado-82.de/sicherheit/">groß geschrieben</a> im Land der Elche und Trolle. Schnelles Autofahren wird genauso abgelehnt wie Rad Fahren ohne Helm. Rauchmelder sind weit verbreitet, die Herde sind ausgestattet mit Zeitschaltuhren, so dass man nicht vergessen kann, die Platte auszumachen (mehr dazu hier).</p>
<p>3) Schwedische Häuser haben oftmals eine Holzfassade. Das weiß jeder aus den Astrid-Lindgren-Büchern und Filmen. Schwedische Häuser sind zudem relativ klein. Das kennt man eher von IKEA, wo oftmals gezeigt wird, wie man auf wenig Fläche viel unterbringen kann. Schwedische Häuser haben oftmals eine offene Bauweise, es gibt also weniger Türen. Küche und Wohnzimmer gehen oft ineinander über. Merkwürdigerweise gibt es viele Häuser, bei denen mehr oder weniger im Keller noch Zimmer zum Wohnen sind. Dann gibt es nur kleine Fenster relativ hoch im Raum. Bei Kinderzimmern ist es häufig so, dass sich Kinder einen Raum teilen &#8211; zumindest in älteren Häusern. Türen sind oftmals unverschlossen, zumindest auf dem Land. Und Vorhänge sind in Schweden nicht so verbreitet wie in Deutschland. Gute Chancen für die Nachbarn etwas vom Leben nebenan mitzubekommen.</p>
<p><span id="more-634"></span></p>
<p>4) Öffentlicher Verkehr in Schweden ist sehr gut ausgebaut. In fast jedes Dorf des großen Landes fährt mehrmals täglich ein Bus. Auch nachts kann man zumindest in Stockholm gut hin- und herfahren. U-Bahn-Fahren in Stockholm ist sehr bequem, gleichzeitig kann man die unterschiedlich gestalteten U-Bahnhöfe besichtigen. Züge fahren auch in viele Ecken des Landes, kann nur leider relativ teuer werden, wenn man nicht rechtzeitig bucht. Der Preis berechnet sich hier nach Beliebtheit der Strecke und Zeitpunkt des Buchens. Oder man hat Glück und ersteigert ein Last-Minute-Zugticket.</p>
<p>5) Schweden essen gerne mit Sirup gesüßtes Brot. Das ist für deutsche Gaumen sehr gewöhnungsbedürftig. Zumal, wenn die Brote so weich sind, dass sie auf ein Zehntel der Ursprungsgröße schrumpfen können, wenn man den Daumen auf die Kruste drückt.</p>
<div id="attachment_1435" class="wp-caption alignleft" style="width: 220px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/03/bier_filmaniac.jpg"><img class="size-medium wp-image-1435 " title="Typisch schwedisch - wässriges Bier (Foto: Filmaniac)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2010/03/bier_filmaniac-300x225.jpg" alt="Typisch schwedisch - wässriges Bier (Foto: Filmaniac)" width="210" height="158" /></a><p class="wp-caption-text">Typisch schwedisch: wässriges Bier (Foto: Filmaniac)</p></div>
<p>6) Schweden können unheimlich viel essen, ohne dass sie schnell dick werden. Wie das gelingt, ist mir noch schleierhaft. Zwei mal täglich Warmes zu essen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Es gibt unendlich viele und unendliche Leckere Süßigkeiten, Kuchen, Torten, Eissorten und Godis. Im Allgemeinen scheint der Schwede aber nicht dicker zu sein als der oder die Deutsche.</p>
<p>7) Zu den architektonischen Besonderheiten Schwedens zählt auch die oftmals sehr geringe Größe von Toiletten. Sollte man größer als 1,80 m sein oder mehr als 100 kg wiegen, kriegt man vermutlich in vielen öffentlichen Toiletten Schwedens Platzangst. Da man auf Gleichberechtigung achtet, sind viele Toiletten sowohl für Männlein als auch für Weiblein. Unklar ist noch, warum die Toiletten oftmals recht vernachlässigt aussehen, um es harmlos auszudrücken. Es wäre jetzt natürlich vermessen, dies auf die Männer zu schieben. Ich kenne keine Untersuchungen dazu.</p>
<p>8)  Ein wichtiger Teil des öffentlichen Lebens: <a href="http://www.mikado-82.de/supermarkt/">Supermärkte.</a> Sollte man nie in zu dünner Kleidung betreten, da sonst die Gefahr von Frostbeulen besteht. Die Obst- und Gemüseabteilung wird gerne recht kühl gehalten. Die Abschnitte mit den Kühlregalen sind nochmals ein paar Grad kälter. Da greift man doch lieber zu, wenn an der Kasse 3 Marabou-Riegel für 10 statt 12 SEK angeboten werden und man sich dadurch wärmendes Fett anfressen kann.</p>
<p>9) Warm korv i bröd &#8211; Hierzulande denkt man ja, dass Dänemark das Mutterland des Hotdogs sei. Aber in Schweden ist dieses Fast-Food auch sehr beliebt. Und es gibt sehr interessante Sorten. Beispielsweise Wurst in Fladenbrot mit eingelegten Gurken und Kartoffelpüree darauf.</p>
<p>10) Real American: Etwas nervig ist die unendliche Begeisterung für alles, was aus den USA kommt. Das fängt bei der Sprache an, geht weiter zu Filmen und TV-Serien, Musik und Stars. Und das im Vergleich zu Deutschland noch mal  um 50% potenziert. Sogar in selbst ernannten kritischen Kreisen wird Michael Moore mit seinen platten Dokumentationen als großer Aufklärer der Menschheit gefeiert. Barak Obama ist vermutlich der neue Retter der Menschheit.</p>
<p>10 ist eine Runde Zahl, also sei an dieser Stelle Schluss. Die Liste ließe sich natürlich noch beliebig fortsetzen. Da würde mir noch die Modebegeisterung einfallen, die leider recht hohe Anzahl an Nazis oder die Naturverbundenheit. Das wird jedoch aufgeschoben.</p>
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		<title>Es geht voran: City-Maut in Göteborg</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 21:11:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Es geht voran!&#8221; (Fehlfarben)
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was lange währt, wird endlich gut, viele kleine Schritte können das Gesicht der Welt verändern, and so on. Es wird das Weltklima nicht von heute auf morgen retten, aber die Schweden weisen mal wieder in die richtige Richtung. In Göteborg wurde gerade [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Es geht voran!&#8221; (Fehlfarben)</p>
<p>Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was lange währt, wird endlich gut, viele kleine Schritte können das Gesicht der Welt verändern, and so on. Es wird das Weltklima nicht von heute auf morgen retten, aber die Schweden weisen mal wieder in die richtige Richtung. In Göteborg wurde gerade über Parteigrenzen hinweg beschlossen, eine City-Maut einzuführen. Ab 2013 werden die Autofahrer zur Kasse gebeten, welche sich in das Verkehrsgewühle Göteborgs stürzen.</p>
<p>Da ich Göteborg bisher nur einen sehr flüchtigen Besuch abgestattet habe, mag ich nicht die beste Urteilsperson sein. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die Meldung gelesen habe, war allerdings: Benötigt eine eher beschauliche Stadt wie Göteborg eine Maut, die den Namen City trägt? Aber &#8211; man möge mir die Großstadtarroganz verzeihen &#8211; scheinbar haben auch andere Städte vergleichbarer Größe dieses Mittel ergriffen. In Europa erstaunlicherweise zwei italienische Städte: Bologna und Mailand (diese mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Göteborg). Außerdem Trondheim, Bergen (war 1985 Pionier einer City-Maut) und Durham in England. Bekannt dürfte sein, dass Autofahrer in Londons Kern täglich schon etwa acht Pfund zum Passieren bezahlen. Äußerst erfolgreich kann die Mauteinführung in London genannt werden: 15% weniger Verkehr ist in Stadtkern gemessen worden, 20% weniger Unfälle und natürlich weniger Abgase und Lärm.</p>
<p><span id="more-1137"></span></p>
<p>Die Göteborger mussten natürlich gar nicht ins Ausland gucken, sondern hatten ein Vorbild im eigenen Land: Stockholm hat 2007 eine Gebühr für Autofahrer eingeführt. Zunächst war diese Maßnahme nicht sehr populär. Der Verkehr nahm jedoch um ca. 25% ab, das Thema Klimaschutz gewann an Aktualität und schon sind alle zufrieden mit dieser Maßnahme. Derzeit wird sogar überlegt, die Gebühren in Stockholm deutlich anzuheben. Schließlich kann man mit den eingenommenen Geldern auch neue Projekte finanzieren. Dies plant auch die Göteborger Stadtverwaltung. Diese möchte zwei kostspielige Tunnel bauen: einmal für den Autoverkehr ein Tunnel unterm Göta Älv. Seit Jahren wird außerdem ein Tunnel für den Bahnverkehr diskutiert, der so genannte Västlänken.</p>
<p>Was ändert sich für die Autofahrer? In heutigen Zeiten scheinbar unumgänglich: Sie werden registriert. Man hält nicht wie beim Zoll am Wartehäuschen, legt 10 Kronen auf den Tresen und darf passieren. Das ist 80er, das war gestern. Heute habe ich eine Art Peilsender in meinem Auto, der jedes mal registriert, wenn ich in den Innenstadtbereich fahre. Am Ende des Monats gibt es dann eine Rechnung. Zahlen muss ich allerdings nur montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Die Höhe der Gebühr ist abhängig vom Zeitpunkt des Passierens. Maximal sechs Euro sollen pro Tag abgerechnet werden. Das ist sicher noch ausbaufähig. Für alle Touristen gut zu wissen, dass im Ausland registrierte Fahrzeuge zunächst nicht belangt werden. Dies liegt daran, dass die neumodische Variante mit Peilsendern auch ihre Macken hat. Denn natürlich ist es teuer, diese Sender überall einzubauen, das würde sich nicht rentieren.</p>
<p>Eine weitere Stadt mit Citymaut birgt die Hoffnung, dass auch in deutschen Ländern mal ernsthaft über diese Option nachgedacht wird. Gerade in Städte mit gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, ist es den Menschen durchaus zuzumuten, diese auch mal zu nutzen. Und U-Bahnfahren ist so spannend: Man trifft Menschen jeden Alters, jeder Subkultur und jeden Berufsstands. Durch die Einführung von Umweltzonen in der Stadt, welche nur mit einer bestimmten Abgasplakette überfahren werden dürfen, ist in Deutschland allerdings die Diskussion um eine City-Maut abgeebbt. Unwahrscheinlich, dass eine schwarz-gelbe Regierung dieses Thema wieder auf den Tisch holt. Es sei denn der ADFC plündert seine Kasse und spendet Mittel an die stets wahlkampfführenden Parteien&#8230;</p>
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		<title>Neue EU-Kommission ein Heer von Herren</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Dec 2009 10:15:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Portrait]]></category>

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		<description><![CDATA[Doch, wir sind im Jahr 2009. Seit mindestens 100 Jahren kämpfen Frauen dafür, dass Männer sich die Idee aus dem Kopf schlagen dem anderen Geschlecht überlegen zu sein. Die 60er und 70er brachten neuen Schwung in die Gleichstellungsfrage. Die Protagonistinnen der damaligen Zeit sind heute zum Teil in einflussreichen Positionen und könnten dafür sorgen, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Doch, wir sind im Jahr 2009. Seit mindestens 100 Jahren kämpfen Frauen dafür, dass Männer sich die Idee aus dem Kopf schlagen dem anderen Geschlecht überlegen zu sein. Die 60er und 70er brachten neuen Schwung in die Gleichstellungsfrage. Die Protagonistinnen der damaligen Zeit sind heute zum Teil in einflussreichen Positionen und könnten dafür sorgen, dass der nachwachsenden Frauengeneration der Weg etwas einfacher gemacht wird. Es gibt aber leider zuviele Angela Merkels, die am liebsten leugnen würden, dass sie Frauen sind. Tausendmal gehört das Argument, dass Frauen heute ja alle Positionen erreichen können, die von Männern besetzt sind. Stimmt nicht:  Zahlen und Fakten sagen etwas anderes.</p>
<p>Bestes Beispiel dafür die neue EU-Kommission. Durch die politische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dieses Gremium stark an Kompetenzen gewonnen. Es ist sozusagen die Regierung Europas. 27 Mitglieder hat sie derzeit, dementsprechend gibt es 27 Ressorts und Zuständigkeitsbereiche. Bisher kann noch jedes EU-Mitgliedsland einen Komissar stellen, das wird sich in Zukunft ändern. Schon heute ist das Gremium zu groß und bestätigt damit das Vorurteil des Bürokratiemonsters Europäische Union.</p>
<p>Ende November hat der vom Europäischen Parlament für eine zweite Amtszeit gewählte Portugiese und EU-Kommissionspräsident José Barroso die möglichen Mitglieder seiner neuen Kommission vorgestellt. Die Kandidaten selbst hat er nicht ausgesucht. Diese werden ihm von den Regierungen der Mitgliedsstaaten sozusagen wärmstens empfohlen. Aber natürlich ist er nicht ganz ohne Einfluss. Sein Minimalziel war eine Frauenquote von 33%. Dies zu erreichen war scheinbar schwere Arbeit: exakt 9 von 27 der vorgeschlagenen Politiker sind weiblich. Das ist schlichtweg peinlich bzw. ein Affront gegenüber den Politikerinnen Europas.</p>
<p><span id="more-1312"></span></p>
<p>Aber was soll Barroso machen? Selbst Angela Merkel kam überhaupt nicht auf den Gedanken, eine Frau ins Rennen zu schicken. Stattdessen wendet sie die Vorgehensweise der 80er und 90er Jahre an und komplementiert einen unbequemen Landesfürsten nach Europa. Leider ist der nicht nur unbequem, sondern ist auch noch ein Gegenbeweis zu Max Webers These, das Politiker Charisma haben müssen. Er ist so wenig Europäer wie Obama Pazifist ist.</p>
<p>Also müssen es mal wieder die Schweden richten. Alle EU-Kommissare Schwedens seit 1995 waren Frauen. 1995 übernahm die Journalistin und Diplomatin Anita Gradin den ersten EU-Kommissionssitz für Schweden. Margot Wallström begann 1999 als Umweltkommissarin und erarbeitete sich einen ausgezeichneten Ruf auf europäischem Parkett. Aus diesem Grund wurde sie 2004 zur Vizepräsidentin des Gremiums. Wäre sie nicht Sozialdemokratin und die derzeitige Regierung eine konservative, wäre sie mit Sicherheit mit einem der höchsten EU-Posten honoriert worden. Aber auf europäischer Ebene wird immer stärker nach Parteibuch gedacht.</p>
<p>Cecilia Malmström hat das richtige Parteibuch und wird von Fredrik Reinfeldt und Co nach Brüssel geschickt. Sie genießt in Schweden einen sehr guten Ruf, auch über Parteigrenzen hinweg. Von 1999 bis 2006 war sie Mitglied im Europäischen Parlament. In Anschluss daran war sie in der Regierung Europaministerin. Mit der Materie ist sie somit bestens vertraut. Auch die Organisation der schwedischen Ratspräsidentschaft gehörte in ihren Aufgabenbereich. Und dass die Schweden &#8211; wie zu erwarten &#8211; die Rolle als Ratspräsidenten sehr gut ausfüllen, qualifizierte sie umso mehr.</p>
<p>Cecilia Malmstöm ist 41 Jahre alt, Politikwissenschaftlerin und wohnt mit Mann und Zwillingen in Göteborg. Vor ihrer politischen Karriere war sie Wissenschaftlerin an der Universität von Göteborg. Durch Aufenthalte in Barcelona und Stuttgart spricht sie neben Englisch und Französisch auch gut Spanisch und einigermaßen Deutsch. Größtes Manko ist wohl die Mitgliedschaft in der liberalen Folkpartiet. In der neuen Kommission könnte sie nach Vorschlag von Barroso den (einflussreichen) Posten der Kommissarin für Inneres übernehmen. Dann würden die Bereiche Migration und Gemeinsame Polizeiarbeit in ihren Zuständigkeitsbereich fallen.</p>
<p>Neben den Schweden schicken fast ausschließlich die kleineren Mitgliedsstaaten Frauen ins Rennen: die Niederlande, Griechenland, Irland, Luxemburg, Zypern und Dänemark. Als einziges großes Mitgliedsland stellt Großbritannien die bisher unbekannte Catherine Ashton, die dann auch gleich den wichtigen Posten der EU-Außenkommissarin einnehmen soll, damit unter den drei wichtigsten Posten der EU (Kommissionspräsident, Parlamentspräsident- in Zukunft  nach Inkrafttreten des Lissabonvertrags auch der Ratspräsident) wenigstens eine Frau ist.</p>
<p>Probleme könnten die Herren Europas  bekommen, wenn das Parlament eine der Kandidatinnen für die Kommission ablehnt. Das Parlament hat das Recht die neuen Kandidaten auf Herz und Niere zu prüfen, um herauszufinden, ob diese für ihre neuen Ressorts auch geeignet sind. Bei der letzten Kommissionsbildung 2004 gab es noch einige Änderungen. Man darf gespannt sein, wie stark der Einfluss der Parlamentarier sein wird&#8230;</p>
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		<title>Offene Türen bei den Nordischen Botschaften</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 11:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern luden die Nordischen Botschaften in Berlin zu einem Tag der offenen Tür. Anlass war das zehnjährige Jubiläum des gemeinsamen Botschaftsgeländes. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden haben sich nach dem Fall der Mauer entschieden, sich in Berlin in direkter Nachbarschaft anzusiedeln. Das Ergebnis ist ein architektonisch sehr schöner Gebäudekomplex, den Besucher gestern auch von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern luden die Nordischen Botschaften in Berlin zu einem Tag der offenen Tür. Anlass war das zehnjährige Jubiläum des gemeinsamen Botschaftsgeländes. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden haben sich nach dem Fall der Mauer entschieden, sich in Berlin in direkter Nachbarschaft anzusiedeln. Das Ergebnis ist ein architektonisch sehr schöner Gebäudekomplex, den Besucher gestern auch von innen ansehen konnten.</p>
<div id="attachment_1299" class="wp-caption alignleft" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/11/felleshus_hell_we_make_money_not_art.jpg"><img class="size-medium wp-image-1299  " title="Felleshus (rechts) und finnische Botschaft (Foto: We make money not art)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/11/felleshus_hell_we_make_money_not_art-300x225.jpg" alt="Felleshus (rechts) und finnische Botschaft Foto: We make money not art" width="240" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Felleshus (rechts) und finnische Botschaft (Foto: We make money not art)</p></div>
<p>Da Botschaften immer Hoheitsgebiete eines Landes sind, hat jedes Land sein eigenes Gebäude. Darüber hinaus gibt es das Felleshus, welches alle Botschaften gemeinsam nutzen. Hier gibt es einen Vortrags- und Kinosaal, Tagungsräume, eine Kantine, Platz für Ausstellungen und allgemeine Informationen zu den Botschaften. Dieser Teil ist für Besucher stets zugänglich. In die Kantine können nach 13 Uhr auch ganz normale Besucher. Es gibt nicht immer, aber sehr häufig nordisches Essen und lecker ist es auch. Freunde zuckersüßer Getränke in schrillen Farben kommen ebenfalls auf ihre Kosten.</p>
<p>Die Botschaftsanlage steht heute an der Stelle in der Nähe des Tiergartens, an der 1939-1943 die finnische und schwedische Botschaften lagen. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese zerbombt. Den Entwurf für die Botschaftsanlage reichte das österreichisch-finnische Architektenduo Alfred Berger und Tiina Parkkinen ein. Die Botschaften sind so zueinander angeordnet, wie sie auf einer Landkarte zu sehen sind. Kleine mit Wasser gefüllte Gräben sollen die Meere zwischen den Ländern symbolisieren. Ein Kupferband verbindet alle Gebäude miteinander und soll den nordischen Zusammehalt symbolisieren.</p>
<p><span id="more-1295"></span></p>
<p>Die einzelnen Botschaftsgebäude wurden jeweils von nationalen Architekten entworfen und umgesetzt. Dabei wurde auf die Materialien aus den Heimatländern zurückgegriffen und nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. Die Fassade der finnischen Botschaft ist beispielsweise aus einer interessanten Mischung aus Glas und Holz und soll an die Kantele, ein hölzernes Musikinstrument erinnern. Das Gebäude ist die Perle der Anlage und wurde mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet. In der isländischen Botschaft finden sich im Eingangsbereich Lavasteine. Schweden setzt auf eine Glasfassade, was auf Transparenz hindeuten soll und gleichzeitig Lichteinfluss begünstigt. In Richtung der norwegischen Botschaft ist die schwedische Fassade aus grob geschliffenem Kalkstein aus Gotland. Entworfen hat das schwedische Gebäude das Arkitekturkontor AB von Gert Wingårdh, welches auch das Moderna Museet in Stockholm konzipiert hat.</p>
<p>Ein Gang durch die Gebäude kann nur Neid beim Betrachter aufkommen lassen. Die Büros sind alle super modern und schön eingerichtet. Viel Licht und Ruhe zugleich. Die Gebäude strahlen eine sehr angenehme Atmosphäre aus und bieten Gemeinschaftsräume und moderne landestypische Kunst. Das I-Tüpfelchen gönnten sich die finnischen Mitarbeiter: Sie haben zwei Saunen in ihrem Gebäudekomplex. Die Dänen wiederum wurden von Bang &amp; Olufsen mit Audio- und Konferenztechnik &#8220;aus dem Hochpreissegment&#8221; ausgestattet.</p>
<p>Beim Tag der offenen Tür konnte man sich eine Comicausstellung ansehen, allerdings mit teils sehr bösem oder schwer verständlichen Humor. Natürlich konnte man in der Kantine essen, das Elchgulasch war jedoch recht schnell vergriffen. Norwegisches Bier, Cider und den nur schwer genießbaren Glögg (zuckersüßer Glühwein) gab es ebenfalls. Die Botschafter lasen aus Werken ihrer Heimatländer, es gab kleine Konzerteinlagen, Sprachkurse für Einsteiger und &#8211; natürlich &#8211; ein Gewinnspiel.</p>
<p>Besucht war die Veranstaltung sehr gut. Auch den Kindern konnte in der sonst meist eher drögen Botschaftsumgebung einiges geboten werden. Informationsmaterial zum Mitnehmen gab es zuhauf. Für die Veranstalter eine gelungene Aktion, da bei so manchem Besucher der Gedanke an den nächsten Urlaub erweckt worden ist, der vielleicht in eines der fünf wunderschönen nordischen Länder führt. Und man hat mal wieder das Gefühl bekommen, dass die nordischen Länder viel auf Volksnähe und Transparenz setzen, was man bei uns ja allzu oft vermisst&#8230;</p>
<p>PS: Sollte mal jemand in Berlin aufschlagen, noch ein Veranstaltungstipp: Es gibt einen Nordischen Filmclub. Dort werden Filme in Originalsprache mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Einfach mal auf der Seite der <a href="http://www.nordischebotschaften.org/veranstaltungen/">Botschaften</a> nachschauen, wann der nächste Film kommt.</p>
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		<title>46 Tage zur Klimarettung</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 07:10:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Ratspräsidentschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>

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		<description><![CDATA[Alle paar Jahre finden wirklich bedeutende politische Konferenzen statt, die die zukünftige Entwicklung in bestimmten Bereichen vorgeben. Vom 7. bis 18. Dezember ist es wieder soweit. Die Dänen laden nach Kopenhagen zur Klimakonferenz. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die Regierungen dieser Welt kräftig investieren möchten, um einer Erderwärmung und deren Konsequenzen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle paar Jahre finden wirklich bedeutende politische Konferenzen statt, die die zukünftige Entwicklung in bestimmten Bereichen vorgeben. Vom 7. bis 18. Dezember ist es wieder soweit. Die Dänen laden nach Kopenhagen zur Klimakonferenz. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, ob die Regierungen dieser Welt kräftig investieren möchten, um einer Erderwärmung und deren Konsequenzen zu vermeiden. Dafür muss jedes Land seine CO2-Emissionen verringern.</p>
<p>Für die schwedische Regierung als Nachbarstaat Dänemarks und EU-Ratspräsident genießt die Klimakonferenz hohe Priorität. Am Dienstag lud nun die schwedische Botschafterin in Berlin, Ruth Jacoby, in die Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin ein. Geboten wurde eine Podiumsdiskussion mit exklusiver Besetzung und vielen Insiderinformationen. Die Botschafterin selbst eine sympathische Frau mit hochkarätigen <a href="http://www.swedenabroad.com/Page____18130.aspx">Lebenslauf</a>, der man kaum anmerkt, dass sie keine deutsche Muttersprachlerin ist. Außerdem ist sie scheinbar genauso Kaugummisüchtig wie ich.</p>
<p>Fünf Personen berichteten von ihren Erfahrungen und Erwartungen gegenüber der Klimakonferenz: ein Generaldirektor der Europäischen Kommission, ein Mitarbeiter des Bundesumweltministeriums, der Sonderbeauftragte für Klimafragen der schwedischen Regierung Lars-Erik Liljelund, eine Vertreterin des WWFs und als Vertreter der Wissenschaft Ernst Ulrich von Weizsäcker. Letzterer ist der Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten, Autor, Direktor diverser Umweltinstitute und gerade mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.</p>
<p><span id="more-1219"></span></p>
<p>Alle Teilnehmer waren sich einig, dass es in Kopenhagen primär um Zahlen geht. Erste Frage: Um viel Prozent soll die CO2-Emission insgesamt gesenkt werden und um wie viel Prozent senkt jedes Land sie? Die zweite Frage: Wie viel Geld machen die Industriestaaten locker, um die Schwellen- und Entwicklungsländer bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, umweltfreundlichere Produktionsstätten zu schaffen?</p>
<p>Durch das Kyotoprotokoll hatten sich eine Vielzahl von Staaten bereits zu Quoten verpflichtet, um wie viel Prozent sie ihre CO2-Emissionen senken. Das Protokoll läuft jetzt aus und Kopenhagen soll Nachfolgerprotokoll werden. So erfolgreich war Kyoto allerdings auch schon nicht: Die EU hat ca. -8% Emissionen seit 1990, die USA -4%, Indonesien -26%, Canada dafür +28%, Australien +20% und China hat 2008 zum ersten Mal mehr CO2 in die Luft gepustet als die USA.</p>
<p>Die Kosten für eine Umgestaltung der Produktionsstätten in den Schwellen- und Entwicklungsländern (besonders China und Indien) werden auf 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt! Ein Teil davon bringen die Länder selbst auf, ein Teil könnte durch Emissionshandel gewonnen werden und der dritte Teil soll von Industriestaaten aufgebracht werden. Für Deutschland würde das eine Summe von 2 Milliarden Euro jährlich bedeuten. Kein Pappenstiel. Beim Europäischen Rat Ende Oktober und Mitte Dezember geht es um die Frage, wie viel Geld jeder Mitgliedstaat bereit ist auszugeben. Die EU rühmt sich eine Vorreiterrolle einzunehmen und darf deshalb nach Aussage der Podiumsteilsnehmer nicht kleckern. Das würde als falsches Signal verstanden werden.</p>
<p>Die Rolle der USA wurde natürlich auch ausgiebig diskutiert. China, Indien und Brasilien wollen sich nur an Abkommen beteiligen, wenn die USA mitmacht und konkrete Zahlen nennt. Dem US-Senat liegt derzeit ein Gesetz vor, welches vorsieht den Emissionsstand von 1990 wieder zu erreichen. Mehr ist laut der Teilnehmer nicht zu erwarten, auch nicht von Obama, da hier der Senat das letzte Wort hat und eher konservativ ist. Die Russen verhalten sich ebenfalls sehr bedeckt. Wichtig sei es, sie durch realistische Ziele einzubinden.</p>
<p>Der Großteil der Podiumsteilnehmer hofft zwar auf gute Zahlen aus Kopenhagen, kann sich aber auch vorstellen, dass ein endgültiges Abkommen noch nicht unterschrieben wird und sich auf 2010 oder später verschiebt. Zeitliche Verschiebung sei aber besser als schwammige Abmachungen. Von Weizsäcker betonte, dass ein Bewusstseinswandel bei den Staaten eintreten muss. Sie sollten klimafreundliche Maschinen und Fabriken als erstrebenswert und neuen Markt für ihre Wirtschaft ansehen, so dass ein internationaler Wettbewerb entsteht, wer als erstes klimafreundliche Maschinen/Produkte anbietet. Außerdem plädierte er dafür, nicht auf die USA zu warten, sondern alleine voranzugehen.</p>
<p>Viel Debatte fand bei der Veranstaltung nicht statt. Die Ziele waren bei allen dieselben, die Praktiker aus der Kommission und Umweltministerium mussten nur häufiger darauf verweisen, dass es auch um wirtschaftliche Interessen ginge. Die Auflagen für die Industrie dürften nicht zu hoch sein, weil sie dann in andere Länder abwandern und dort noch mehr CO2 in die Atmosphäre lassen würden. Schwierig auch die Frage, ob die Industrie hier ihren Ausstoß beibehalten darf und sich freikauft, indem sie in Entwicklungsländern den Bau moderner Anlagen fördert. Oder das Argument Chinas, dass sie viel mehr Einwohner haben und deshalb auch viel mehr CO2 produzieren dürfen müssten. Knackpunkt der Konferenz wird wohl das Vertrauen zwischen den Staaten sein. Niemand möchte als erstes Zahlen auf den Tisch werfen, sondern alle setzen ihr Pokerface auf und warten ab.</p>
<p>Drücken wir die Daumen für vernünftige Entscheidungen im Dezember. Noch 46 verhandlungsreiche Tage bis dahin&#8230;</p>
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		<title>Nordischer Nachbar Island</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2009 18:51:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Island]]></category>
		<category><![CDATA[Kälte]]></category>
		<category><![CDATA[Ratspräsidentschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>

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		<description><![CDATA[Da irgendwo im äußersten Nordwesten Europas liegt ein Land, das im Bewusstsein vieler Menschen keine allzu große Rolle spielt. Ausnahme sind vielleicht die vielen pferdebegeisterten Frauen und Zahnärzte, die sich ein Pony für 10.000 Euro aufwärts kaufen. Das Besondere an den possierlichen Tieren ist die Tatsache, dass sie nicht wie die einfachen europäischen Modelle in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da irgendwo im äußersten Nordwesten Europas liegt ein Land, das im Bewusstsein vieler Menschen keine allzu große Rolle spielt. Ausnahme sind vielleicht die vielen pferdebegeisterten Frauen und Zahnärzte, die sich ein Pony für 10.000 Euro aufwärts kaufen. Das Besondere an den possierlichen Tieren ist die Tatsache, dass sie nicht wie die einfachen europäischen Modelle in drei Gangarten betrieben werden, sondern gleich fünf Gänge haben. Und einer davon viel weniger ruckelt als die anderen, das ist dann Wellness auf dem Pferderücken.</p>
<div id="attachment_1210" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/island_strand_alf07.jpg"><img class="size-medium wp-image-1210  " title="Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/island_strand_alf07-300x205.jpg" alt="Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)" width="300" height="205" /></a><p class="wp-caption-text">Sommer Sonne Strand in Island (Foto: Alf07)</p></div>
<p>Aber zurück zum Thema. Island ist gemeint. Musikalisch hat es Stimmungskracher wie Björk und Sigur Ros hervorgebracht. Ein Sommertag mit 23 Grad Celsius ist vermutlich rekordverdächtig als großer Hitzetag. Es gibt nicht viele Menschen, aber viele von ihnen sind gute Handballspieler. Und es gibt eine Menge Vulkane sowie Geysire, in denen es sich angenehm planschen lässt. Aber sonst?</p>
<p>In der politischen Berichterstattung hat das 300.000-Seelen-Land bisher kaum eine Rolle gespielt. Bis der große Crash im Oktober 2008 kam und die Insel an den Rand des Ruins brachte. Seitdem haben mehr und mehr Isländer ihre Liebe zur Europäischen Union entdeckt. Im Juli wurde die Bewerbung für die Aufnahme in die Gemeinschaft eingereicht. Wenn alles gut läuft, können im nächsten Jahr die Beitrittsverhandlungen aufgenommen werden. Und dann geht es vermutlich ruck zuck. Bei den Kerngebieten der europäischen Gemeinschaft machen die Isländer schon länger mit. Sie gehören zum Europäischen Wirtschaftsraum und somit zum gemeinsamen Binnenmarkt. Außerdem gilt auch hier das Schengen-Abkommen, so dass eine Einreise ohne große Passkontrolle schon heute möglich ist.</p>
<p><span id="more-1204"></span></p>
<p>Aber natürlich gibt es auch einen Grund dafür, weshalb den Isländer bisher ihre Freiheit wichtiger war als die Mitgliedschaft in der zumindest geographisch weit entfernten Union. Der Grund ist tierischer Art. Durch seine exponierte Lage in Europa zählt ein großes Gebiet rund um Island als isländisches Gewässer. Und da schwimmen Millionen von Fischen, welche Isländer und Europäer gerne auf ihren Tellern liegen haben. Die Fischerei gehört zu den wichtigsten Sektoren in der isländischen Wirtschaft &#8211; früher wie heute. Eine EU-Mitgliedschaft ist aber nur möglich, wenn auch spanische und polnische Fischer ihre Netze im Nordatlantik auswerfen dürfen. Das wird noch für lange Verhandlungsnächte sorgen.</p>
<p>Weniger schön ist auch die Tatsache, dass die Isländer Wale fangen, töten und das Fleisch nach Japan exportieren. Während international in den letzten Jahren Einschränkungen des Walfangs beschlossen wurden, fingen die Isländer 2006 wieder mit dem kommerziellen Fang der Meeresriesen an.</p>
<div id="attachment_1211" class="wp-caption alignright" style="width: 250px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/landschaft_island_guillaume.payen.jpg"><img class="size-medium wp-image-1211 " title="... und Klischee-Island (Foto: guillaume.payen)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/landschaft_island_guillaume.payen-300x198.jpg" alt="... und Klischee-Island (Foto: guillaume.payen)" width="240" height="158" /></a><p class="wp-caption-text">... und Klischee-Island (Foto: guillaume.payen)</p></div>
<p>Eine Besonderheit Islands ist die Tatsache, dass die Insel kein Militär besitzt. Es gibt nur etwa 120 Personen für den Küstenschutz. Hier hat sich die USA ganz uneigennützig als Schutzherr angeboten. Begonnen hat die Kooperation während des Zweiten Weltkrieges, nach Islands Unabhängigkeit von Dänemark im Jahr 1944 blieb ein amerikanischer Stützpunkt auf der Insel bestehen. Erst im November 2006 zogen die letzten amerikanischen Soldaten wieder ab. Sollte Island in den nächsten Jahren von wütenden Nachbarn angegriffen werden, würden die Amerikaner sich in einen weiteren Konflikt einmischen. Wie das genau funktionieren soll, gehört zu den Geheimnissen der amerikanischen Sicherheitspolitik. Eine Insel am Rand Europas als Basis nutzen zu können, ist sicher nicht unattraktiv für das Land. Wenn nicht heute, dann vielleicht später, wenn der Kampf um Rohstoffe noch offensiver wird.</p>
<p>Wie sich die Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union auswirken wird, ist eine spannende Frage. Mit den nordischen Nachbarn kooperiert Island bereits relativ eng über den Nordischen Rat. Die Mitglieder des Rates würden innerhalb der Union an Einfluss gewinnen, wenn ein weiteres nordisches Land an den Abstimmungen teilnimmt. Noch eindrucksvoller wäre es sicher, das reiche Norwegen zu integrieren, aber die brauchen noch ein paar Jahre bis zur nächsten Volksabstimmung über eine EU-Mitgliedschaft.</p>
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		<title>Nordischer Nachbar Grönland</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 07:04:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Schweden]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Skandinavien]]></category>
		<category><![CDATA[Wikinger]]></category>

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		<description><![CDATA[Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1174" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönland_rita_willaert.jpg"><img class="size-medium wp-image-1174 " title="Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönland_rita_willaert-300x199.jpg" alt="Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Siedlung in Grönland (Foto: Rita Willaert)</p></div>
<p>Hoch im Norden unserer Erde liegt ein Gebiet, das in der Berichterstattung häufig vernachlässigt wird. Und wenn in den Medien etwas über Grönland zu lesen ist, so höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer wagemutigen Person, die die riesige Inseln zu überqueren trachtet oder beim Versuch gestorben ist. Aus deutscher Sicht spielt Grönland politisch keine Rolle. Die Aufmerksamkeit hierzulande ist verschwindend gering. Etwas anders ist die Lage in Schweden. Grönland ist als autonome Region des Königreichs Dänemark Mitglied im Nordischen Rat. Zwar sind nur zwei der knapp 100 Mitglieder des Nordischen Rats aus Grönland, aber seine Stimme findet dort mehr Gehör als sonstwo auf der Welt. Für die Länder Nordeuropas ist der Nordische Rat eine wichtige Versammlung, in die Vertreter der nationalen Parlamente entsandt werden. Zwar hat der Status des Rates durch die zunehmende Bedeutung der Europäischen Union vermutlich etwas nachgelassen, trotzdem sollte die gemeinsame Identifikation als &#8220;nordisch&#8221; nicht unterschätzt werden. Vielen Skandinaviern ist der zwischenstaatliche Austausch sicher lieber als die Abgabe von staatlichen Kompetenzen an eine geographisch und mental weit entfernte Europäische Union.</p>
<p>Grönland ist gerade kein Mitglied der Europäischen Union. De facto ist es der erste Staat, der aus der Europäischen Union ausgetreten ist. Zwar stimmte eine Mehrheit der Grönländer bereits 1972 gegen den Beitritt Dänemarks zur EU, sie wurden jedoch überstimmt. 10 Jahre später hatten die Grönländer eine Teilautonomie und votierten erneut gegen eine EU-Mitgliedschaft. Zum 1. Februar 1985 wurde der Austritt der autonomen Region amtlich. Ein bisher einmaliger Schritt in der Geschichte der Europäischen Union.</p>
<p><span id="more-1166"></span></p>
<p>Die Geschichte der riesigen Insel im Nordatlantik verlief spannend. Geographisch gesehen gehört das Eiland zu Nordamerika. Im Mittelalter waren es jedoch norwegische Wikinger, die die Insel 875 entdeckten. Im 10. Jahrhundert siedelten die ersten Norweger auf dem Territorium, darunter Erik der Rote. Ab dem 14. Jahrhundert sahen die Norweger es als ihr Territorium an. Zwischen 1380 und 1814 gab es einen Staatenverbund zwischen Dänemark und Norwegen. 1721 heimste sich Dänemark die Arktikinsel als Kolonie ein. Nach Auflösung des Staatenbundes fielen sowohl Grönland als auch die Färöer-Inseln an das Königreich Dänemark.</p>
<p>Die Bestrebungen nach Unabhängigkeit währen natürlich schon eine Weile. Seit 1953 ist Grönland offiziell keine Kolonie mehr von Dänemark. Ab 1979 genehmigte die dänische Regierung schrittweise mehr Befugnisse für die etwa 57.000 Grönländer. Im Sommer 2009 erfolgte ein weiterer Meilenstein in der Unabhängigkeitsbestrebung. Dänemark ist jetzt nur noch für die Außen- und Verteidigungspolitik der zu 84% aus Eis bestehenden Insel zuständig. Ihre Rohstoffe (Öl, Gas, Gold, Diamanten) dürfen die Grönländer nun selbst verwalten. Außerdem wird Grönländisch offizielle Sprache des Landes. Bei einem Verhältnis von 50.000 Inuit zu 7.000 Dänen ein überfälliger Schritt. Eine Volksabstimmung im November letzten Jahres kam zu dem Ergebnis, dass sich 75% der Grönländer mehr Autonomie oder sogar die Eigenständigkeit wünschen. Letzteres könnten sie zum 300. Jahrestag der dänischen Kolonisation im Jahr 2021 erlangen.</p>
<div id="attachment_1175" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönländischer_junge_rita_waellert.jpg"><img class="size-medium wp-image-1175 " title="Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/10/grönländischer_junge_rita_waellert-199x300.jpg" alt="Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Grönländischer Junge (Foto: Rita Waellert)</p></div>
<p>Das Problem der Grönländer ist, dass sie relativ arm sind. Bisher bekamen die wenigen Einwohner eine Summe von ca. 430 Millionen Euro jährlich als Subvention. Außerdem grassiert eine hohe Arbeitslosenquote und der Alkoholismus. An die Rohstoffe ist in einem Land, das zu großen Teilen aus Eis besteht, natürlich nur schwer heranzukommen. Durch die internationale Finanzkrise scheuen viele Geldgeber vor Investitionen zum Rohstoffabbau zurück. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass sich in der Hauptstadt Nuuk nicht viele gute Führungspersönlichkeiten tummeln. Innerhalb des Parlaments und der Regierung kommt es regelmäßig zu Hauen und Stechen und Fehleinschätzungen der gesellschaftlichen Lage.</p>
<p>Das Streben nach Unabhängigkeit ging vor allem von den älteren Grönländern aus. Die Jüngeren sehen auch Vorteile in einer engen Kooperation mit Dänemark. Es bleibt somit abzuwarten, ob der letzte Schritt für ein eigenständiges Grönland in den nächsten Jahrzehnten vollzogen wird.</p>
<p>Weitere Informationen zu Grönland bei <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,631641,00.html">Spiegel-Online.</a></p>
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		<title>Willy Brandt in Stockholm</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 08:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikado</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der dunkelsten Phase des 20. Jahrhunderts fand ein junger sozialistischer Publizist Unterschlupf in Norwegen und Schweden. 26 Jahre nach der Emigration in Richtung Skandinavien wurde Herbert Frahm deutscher Bundeskanzler, der nicht nur durch seinen berühmten Kniefall in Warschau Geschichte schrieb. In Hammarbyhöjden, im Südteil Stockholms, lebte Herbert Frahm von Sommer 1940 bis zum Ende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der dunkelsten Phase des 20. Jahrhunderts fand ein junger sozialistischer Publizist Unterschlupf in Norwegen und Schweden. 26 Jahre nach der Emigration in Richtung Skandinavien wurde Herbert Frahm deutscher Bundeskanzler, der nicht nur durch seinen berühmten Kniefall in Warschau Geschichte schrieb. In Hammarbyhöjden, im Südteil Stockholms, lebte Herbert Frahm von Sommer 1940 bis zum Ende des Krieges.  Herbert Frahm trug u.a. den Decknamen Willy Brandt, den er ab 1947 als seinen richtigen Namen nutzte.</p>
<div id="attachment_1140" class="wp-caption alignright" style="width: 220px"><a href="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/09/brandt_stefg.jpg"><img class="size-medium wp-image-1140 " title="Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)" src="http://www.mikado-82.de/wp-content/uploads/2009/09/brandt_stefg-300x225.jpg" alt="Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)" width="210" height="158" /></a><p class="wp-caption-text">Brandt in der SPD-Zentrale (Foto: Stefg)</p></div>
<p>Brandt (geboren 1913) wuchs als uneheliches Kind der Verkäuferin Martha Frahm bei ihr und dem Stiefgroßvater in Lübeck auf. Dabei kam er früh mit der Politik in Kontakt. 1930 trat er der SPD bei, von der er allerdings schon ein Jahr später in die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) wechselte. 1933 wurde die Partei verboten und Brandt damit beauftragt, aus Oslo eine Zelle der Untergrundsorganisation zu leiten. Offiziell studierte er Geschichte, war jedoch hauptsächlich mit der Politik und seiner Tätigkeit als Journalist beschäftigt. Diese ermöglichte es ihm, 1936 als &#8220;Austauschstudent&#8221; nach Deutschland zurückzukehren und von den Verhältnissen dort zu berichten. In dieser Zeit arbeitete er unter dem Decknamen Gunnar Gaasland.</p>
<p>Während der deutschen Besetzung Norwegens 1940 gelangte er kurze Zeit in Gefangenschaft der Wehrmacht, wurde in seiner norwegischen Uniform allerdings nicht enttarnt. Ihm gelang die Flucht nach Stockholm, wo er mit norwegischer Staatsbürgerschaft bis 1945 lebte. Hier gründete er gemeinsam mit zwei schwedischen Kollegen ein schwedisch-norwegisches Pressebüro. Norwegisch sprach er fließend, Schwedisch kann da kein großes Problem gewesen sein.</p>
<p><span id="more-1139"></span></p>
<p>Politisch war er weiterhin engagiert. Eine seiner Aufgaben war es, die SAP-Exilanten davon zu überzeugen, mit der SPD gemeinsam zu arbeiten. Außerdem setzte er sich für verfolgte SPD-Politiker ein. Nach Aussagen eines ehemaligen KGB-Mitarbeiters traf sich Brandt in Stockholm auch wiederholt mit dem russischen Geheimdienst der Ära Stalin und hat dabei nachrichtendienstlich interessante Auskünfte gegeben <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/spionage-kgb-dossiers-ruetteln-am-denkmal-willy-brandt_aid_170084.html">(Artikel des Focus).</a> Der schwedische Geheimdienst SÄPO soll Brandt als Ostblock-Spion geführt und beschattet haben. 1941 wurde er sogar im Verdacht der Weitergabe militärischer Informationen für einige Tage in Haft genommen. Ganz wohl war den Schweden mit ihrem neuen Einwohner wohl nicht.</p>
<p>1945 kehrte er zunächst als Korrespondent für skandinavische Zeitungen nach Deutschland zurück und berichtete von den Nürnberger Prozessen. Er geriet in Kontakt mit Lübecker Politikern, die ihm vorschlugen, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu werden. Brandt entschied sich jedoch, das Angebot der norwegischen Regierung anzunehmen und in Berlin als Presseattaché des Landes zu arbeiten.</p>
<p>Mit diesem Schritt endete seine Exilantenzeit. 1948 nahm er wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an und schon 1949 saß er im Bundestag, 1950 parallel im Berliner Abgeordnetenhaus. Sieben Jahre später war er Regierender Bürgermeister von Berlin. Die weitere Karriere ist vermutlich bekannt.</p>
<p>An dem damaligen Wohnhaus Willy Brandts in Hammarbyhöjden ist vor einigen Jahren ein Erinnerungsschild angebracht worden. Zudem gibt es den Willy Brandts Park mit Statue im selben Viertel. 2007 wurde die Skulptur des deutschen Künstlers Rainer Fetting präsentiert. Vorbild dafür war eine größere Figur, die in der Berliner SPD-Zentrale zu besichtigen ist.</p>
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