Archiv für die Kategorie 'Stockholm'

August Strindberg – Ein echter Künstler

Samstag, 17. Juli 2010

August Strindberg

August Strindberg

Sieht man mal von Astrid Lindgren ab, so fällt sicher der Name August Strindberg als erstes, wenn man danach gefragt wird, welche großen schwedischen Schriftsteller es gab. Und da es von dieser Spezies in Schweden naturgemäß nicht ganz so viele gab wie im viel größeren Deutschland, wird ihm in Schweden ausgiebig Beachtung geschenkt. Die erhält er von eher literaturfernen Personen gleichermaßen, da er ein echter Künstler war und somit Sex, Drugs and Rock n’ Roll gelebt hat. Und das interessiert dann doch alle.

Strindberg ist 1849 im Herzen Stockholms geboren. Sein Vater war eine Art selbständiger Schiffskaufmann, seine 12 Jahre jüngere Frau arbeitete als Haushaltsangestellte, bis sie selbst acht Kinder zu versorgen hatte. Strindberg war Nummer drei davon und wuchs im mittelständischen Haushalt auf. Innerhalb von Stockholm ist er häufig umgezogen, lebte teilweise auf Norrmalm, Riddarholm und in Vasastaden. Während seiner Jugend starb die Mutter an Tuberkolose. Der Vater tröstete sich schnell mit der 22jährigen Erzieherin seiner Kinder, die er schnell heiratete. Vater und Sohn hatten eine schwierige Beziehung, was den Filius zunehmend religiöser werden ließ.

1867 begann er in Uppsala Ästhetik und Sprachen zu studieren, zwischenzeitlich hatte er auch ein Medizinstudium angefangen. Das alles lief aufgrund mangelnden finanziellen Ressourcen nicht so richtig rund. Er versuchte sich nebenbei Geld zu verdienen als Lehrer, Jagdhelfer und als Statist am Dramatischen Theater in Stockholm. Auch dies war nicht das Gelbe vom Ei. 1873 zog er zurück nach Stockholm und arbeitete kurzfristig als Redakteur bei Dagens Nyheter. Von 1974 bis 1882 hatte er einen Posten als Sekretär in der Königlichen Bibliothek, die es ihm erlaubte, sich schriftstellerisch zu betätigen. In dieser Zeit entstand eines seiner bekanntesten Werke: Mäster Olof (Meister Olof). 1779 erfolgte dann der Durchbruch als Schriftsteller mit der Gesellschaftssatire Röda Rummet (Das rote Zimmer).

Strindberg beließ es allerdings nicht dabei, sich über seine Mitmenschen zu mokieren, sondern kritisierte auch staatliche Autoritäten. Diese waren naturgemäß nicht so glücklich darüber. Irgendwann war Strindberg die Kritik leid und zog nach Nord-Frankreich. Weitere Station war die Schweiz, bis er 1889 zurück nach Stockholm ging. Hier ließ er sich von seiner ersten Frau Siri scheiden, um anschließend nach Berlin zu gehen. Dort traf er eine österreichische Journalisten, die er auf der Nordseeinsel Helgoland heiratete. Dies allerdings nur ein einjähriges Intermezzo, bis es ihn zu weiteren Frauen zog.

Von 1895 bis 1897 durchlebte er, was viele Künstler quer durch Europa während der so genannten belle époque durchlebten: eine würzige Mischung aus Alkoholismus, Depressionen, Schreibblockade und Ablehung von jedem und allem. Getränk der Stunde war der Absinth. Die grüne Modedroge stand in Veruf Halluzinationen hervorzurufen. Wie jeder Alkohol trübt er zumindest die Sinne. Da während der Zeit zusätzlich noch billiger Alkohol hinein gemischt wurde, war es ein weit verbreitetes Getränk und der Begriff des Wermutbruder entstand (Wermut ist die Pflanze, auf die der hochprozentige Likör beruht).

Im Gegensatz zu anderen Künstlern kam Strindberg recht schnell aus diesem Tief wieder raus und trat in seine produktivste Phase ein. Generell war Strindberg ein fleißiger Stückeschreiber. Ab 1907 hatte er mit dem Intimen Theater seine eigene Wirkungsstätte, in der er sich als Dramaturg und Regisseur voll ausleben konnte. In dieser Zeit legte er seinen Fokus wieder aus gesellschaftskritische Stücke, was ihm Bewunderung von Seiten der erstarkenden Arbeiterbewegung einbrachte. Auch wenn er nicht in Geld schwamm, so konnte er doch gut von seiner Arbeit leben und zog in den berühmten Blauen Turm in der Drottningsgatan in der Mitte von Stockholm. In diesem Gebäude ist heute das kleine Strindberg-Museum untergebracht, in dem man seine damaligen Einrichtungsstücke und alte Schriften ansehen kann.

Gestorben ist Strindberg mit 62 Jahren an Magenkrebs. Begleitet von einem 60.000köpfigen Trauerzug wurde er auf dem Nordfriedhof begraben. Strindberg war nicht nur für Schweden ein bedeutender Dichter, sondern beeinflusste auch Autoren in anderen europäischen Ländern. Er hatte Kontakt zu den großen Köpfen seiner Zeit, darunter Friedrich Nietzsche, Max Reinhard und Edvard Munch. Neben der Schriftstellerei widmete er sich auch der Malerei und Fotografie. Sowohl sein Verhältnis zu Frauen als auch zur Religion ist höchst ambivalent und beschäftigt Wissenschaftler seit mehreren Jahrzehnten. Sicherlich war er kein einfacher Charakter, litt er doch zeit seines Lebens an psychischen Problemen. Eindeutig war August Strindberg eine bedeutende Persönlichkeit und brachte in seinen Stücken die Probleme der Zeit zum Vorschein.

Abgelegt in Schweden, Stockholm

Vaxholm: Ausflugsziel vor den Toren Stockholms

Sonntag, 4. Juli 2010

Im Gegensatz zu anderen Großstädten ist Stockholm relativ grün und weniger hektisch. Trotzdem möchte die Stockholmerin oder der Stockholmer in der schönen Sommerzeit auch mal ins Grüne fahren. Und da bietet sich ein Ausflug ins nahe gelegene Vaxholm an. Vaxholm ist sowohl eine Gemeinde (11.000 Einwohner) als auch eine Stadt (knapp 5.000 Einwohner) und setzt sich aus 70 Inseln zusammen, von denen 57 bewohnt werden.

Vaxholm ist ein bedeutender Vorort 35 km nördlich von Stockholm. Aufgrund seiner relativ zentralen Lage in den Schären halten hier eine Vielzahl der Fähren der Umgebung. Viele Touristen und Ausflügler nutzen die Chance in Stockholm einzusteigen und sich bequem per Boot in den Urlaubsort bringen zu lassen. Wer es günstiger möchte, kann auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Vaxholm reisen. Mit der U-Bahn bis Danderyds Sjukhus und dann in den Bus. Auch dies dauert nur eine Stunde.

An der Einwohnerzahl lässt sich leicht erkennen, dass Vaxholm nicht der Ort für vergnügungssüchtige Touristen ist. Kleinstadtflair bestimmt den Ort. Für Besucher gibt es Fisch in verschiedenen Variationen. Oder man kann das Kastell Vaxholm besuchen. Kastellet ist eine Festung, die es seit dem 16. Jahrhundert gibt und die in der folgenden Zeit stetig verstärkt wurde. Es galt der Verteidigung des Seeraums rund um Stockholm. Zwischenzeitlich wurde es auch als Gefängnis benutzt. Dies bietet sich insofern an, als dass Kastellet auf einer kleinen Insel liegt, die 10-20 Meter von der Vaxholmer Hauptinsel entfernt liegt. Heutzutage kann die Festung nur im Sommer besucht werden. Eine Ausstellung über die Festung und den Küstenschutz der Region ist dort zu sehen. Und vor einigen Jahren wurde die Anlage als Gefängnis-Kulisse für eine Pippi-Langstrumpf-Verfilmung genutzt.

Wenn es auch keinen aufwendigen Freizeitpark oder Shoppingzentren in Vaxholm gibt, so kann man doch die verschiedensten Sportarten ausprobieren: natürlich im Bereich Wassersport: Wasserski, Rudern, Kanufahren, Segeln. Ansonsten Golf oder für den kleineren Geldbeutel auch Minigolf, Reiten, Tennis, Schwimmen, Wandern und Fußball. Und natürlich gibt es die vor allem bei deutschen Touristen so beliebten Holzhäuser in roten Farben. Typisch für die Küstenregion sind jedoch eher die Pastelltöne, welche somit auch betrachtet werden können. Und wenn man sich an der Kleinstadtidylle satt gesehen hat, kann man sich in die nächste Fähre nach Stockholm setzen und den Tag bei bei leichtem Seegang angenehm ausklingen lassen.

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Tyska Kyrkan – Gamla Stans Spitze

Sonntag, 13. Juni 2010
Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard

Tyska Kyrkan, Foto: Holger Ellgaard

Gamla Stan ist die Altstadt Stockholms. Im Sommer streifen Tausende von Touristen täglich durch die schmalen Gassen und etlichen Butiken und Geschäfte vor Ort. Was viele dabei vermutlich nicht wissen: Das höchste Gebäude der Altstadt ist mit 96 Metern wie so oft eine Kirche. Allerdings keine originär schwedische, sondern die Tyska Kyrka, die deutsche Kirche. In der auch deutsche Gottesdienste abgehalten werden. Das bedarf einer Erklärung:

Das Kirchengebäude entstand um 1570 in den Hochzeiten der Hanse. Die Hanse war damals eine der wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Vereinigungen. Ihr Einflussgebiet erstreckte sich damals auch über Schweden. Auch wenn im schwedischen Raum eher Handel mit der Stadt Ystad auf Gotland erfolgte, war das aufstrebende Stockholm nicht zu vernachlässigen. So gründeten deutsche Kaufmänner mit Erlaubnis des damaligen schwedischen Königs Johan III. ein Gildehaus im damaligen Zentrum Stockholms. Doch noch im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau zur Kirche. Hier zog die 1571 gegründete St. Gertruds Versammlung ein. Im 17. Jahrhundert wurden noch einmal Baumaßnahmen ergriffen, um die Kirche zu vergrößern. Ein Großbrand in der schwedischen Hauptstadt erforderte den Neuaufbau des Turmes. Das war 1886 in Zeiten als Deutschland sich als Großmacht aufspielen wollte. Prompt wurde der Turm 96 Meter hoch und überragte alle angrenzenden schwedischen Gebäude.

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T-Centralen: Knotenpunkt Stockholms

Donnerstag, 25. März 2010
Spottkoppen Foto: Michell Zappa

Spottkoppen (Foto: Michell Zappa)

Es gibt Orte, die hasst man und liebt man zugleich. Bahnhöfe sind solche Orte. Kommt man müde von der Arbeit, gibt es nichts Nervigeres als einen trubeligen Bahnhof, in dem man sich mit Tausenden von anderen Menschen durch die schmalen Gänge schiebt und sich darüber ärgert, den direkten Anschlusszug nicht bekommen zu haben. Gleichzeitig ist ein großer Bahnhof ein fantastischer Ort, um sich seine Mitmenschen oder auch den Querschnitt der Bewohner eines anderen Landes anzusehen. Am Bahnhof treffen sich Menschen jeden Alters, jeder Weltanschauung und jeder Schicht.

In Stockholm setzt sich der Hauptbahnhof zusammen aus Stockholm Centralstation (Stockholm C) für den Zugverkehr, T-Centralen für den U-Bahnverkehr und Cityterminalen für den Busverkehr. Sie liegen aber direkt neben- und untereinander, so dass man meist nicht genau weiß, in welchem Teil des Bahnhofs man sich jetzt eigentlich befindet. Neben der Eisenbahn hält hier auch die S-Bahn (der so genannte Pendeltåg), Stadtbusse, Flughafenbusse und der Arlanda-Express (ein Schnellzug vom Flughafen Arlanda zum Hauptbahnhof, der ca. 20 Minuten für die Strecke benötigt). Da verwundert es nicht, dass man die Anlage einige Mal durchquert haben muss, um sich nicht mehr zu verlaufen und dort rauszukommen, wo man auch wirklich hinwollte. Schätzungsweise 450.000 Menschen tummeln sich Tag für Tag in den Gängen und Hallen des Hauptbahnhofs.

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Tummelplatz Kungsträdgården

Sonntag, 8. November 2009

In dieser Woche gabs den ersten Schneeregen in Berlin. Die Temperaturen lagen in etwa auf derzeitigem schwedischen Niveau. Der tristeste Monat zeigt sich von seiner bekannten Seite. Um ihn zu überbrücken, fahren die Städte Unterhaltungsangebote für die Bevölkerung auf. Auf dem Potsdamer Platz wurde eine Winterwelt geschaffen mit einer Schneerampe, die man auf Snowtubes (etwa: Gummireifen) runterdüsen kann sowie einigen Buden und einer Schlittschuhfläche. In Stockholm eröffnen derzeit ebenfalls die ersten Eisbahnen, darunter diejenige an prominenter Stelle im Kungsträdgården.

Eisbahn im Kungsträdgarden (Foto: Plassen)

Eisbahn im Kungsträdgården (Foto: Plassen)

Der Kungsträdgården liegt im Zentrum Stockholms auf der Insel Norrmalm. Gleich in der Nähe ist das große Kaufhaus NK (Nordiska Kompaniet), in dem vor einigen Jahren Anna Lindh ermordet wurde. Sergels Torg und das Königliche Schloss sind ebenfalls dicht bei. Auch das Sverigehuset mit der Touristeninformation befindet sich am Rande des Platzes. Und natürlich Maxburger, die schwedische Fastfoodkette, die Qualitätsburger anbieten möchte.

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Stockholms inoffizielle Hymne

Dienstag, 27. Oktober 2009

Ja, sie singen gerne, die Schweden. Während bei uns jeder Happy Birthday-Song nur genuschelt und eifrig aufs Textblatt gelugt wird, weil man sich plötzlich nicht mehr an den Text erinnert, ertönen fröhliche Töne aus schwedischen Kehlen. In Schweden ist man froh, wenn man singen darf. Beispielsweise an den ganzen Feiertagen. Lucia (Lichterfest am 13.12.) und Weihnachten sind ohne Singen schlicht undenkbar. Vermutlich weil es gleichzeitig ein gemeinsamer Akt ist, ein Akt der Besinnung und Ausdruck der Freude.

Was liegt da näher als seiner geliebten Heimatstadt ein Lied zu widmen. 1961 schrieb Beppe Wolgers einen schwedischen Text zum internationalen Hit “Walking my baby back home”. Heraus kam “Sakta vi gå genom stan”, eine Ode an das schöne Stockholm, die große Popularität erlangte. Pop- und Schlagerstar Charlotte Perrelli (vormals Nilsson) sang diesen Hit beim Allsång-Fest im Freilichtmuseum Skansen. Wie man im Video sehen kann, regt das Lied viele Menschen zum Schunkeln und Träumen an.

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Schmuckes Sigtuna

Dienstag, 21. Juli 2009
Marktplatz Sigtuna

Marktplatz Sigtuna

Ganz in der Nähe von Stockholm befindet sich eine der ältesten Städte Schwedens: das nur 7.000 Einwohner große Sigtuna. Ein schöner Ort für einen Tagesausflug entweder aus Uppsala oder Stockholm und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Eine wechselhafte Geschichte hat das schmucke Städtchen durchgemacht. Nachdem die Bedeutung des Wikingerstandorts Birka im 10. Jahrhundert abgenommen hat, wurde Sigtuna ein wichtiger Standpunkt für die Region. 980 n. Chr. soll sie von dem König Erik Segersäll gegründet worden sein. Kurze Zeit später wurden hier die ersten schwedischen Münzen geprägt. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde der Ort im Zuge der zunehmenden Christianisierung sogar Bischofssitz. Der Aufstieg hielt an und weitere Kirchen und sogar ein Kloster wurden gebaut.

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Birka – Handelsstützpunkt der Wikinger

Dienstag, 5. Mai 2009

Der Mai ist gekommen und damit die Ausflugszeit. Ein guter Zeitpunkt, die schwedische Natur zu genießen. Um so besser, wenn es zeitgleich möglich ist, sich kulturell zu bilden. Möglich ist diese Kombination bei einem Ausflug zum Weltkulturerbe Birka/Hovgården nahe Stockholm.

Wunderschöne Aussicht auf den Mälaren

Wunderschöne Aussicht auf den Mälaren

Birka und Hovgården liegen auf zwei Inseln im Mälaren. Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert, und somit in der Zeit der Wikinger, war Birka der wichtigste Handelsplatz Skandinaviens. Sie gilt zuweilen auch als erste Stadt Schwedens (das es aber damals noch nicht gab). Hovgården hingegen war sowohl Königssitz als auch Königsfriedhof mit seinen Hügelgräbern. Aufgrund seiner optimalen Lage wurde Birka ein bedeutendes Handelszentrum. Birka lag an der Ostsee, allerdings etwas geschützter in einem Gebiet, das damals noch als Bucht des Meeres galt. Gleichzeitig führte der Mälaren zu wichtigen Wasserwegen bei Stockholm und Södertälje. Dadurch, dass der Ort umgeben von Wasser ist, war er leicht gegen Feinde zu verteidigen, die aufgrund des guten Ausblicks schnell entdeckt wurden.

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99 luftballonger

Dienstag, 10. März 2009

Kleine Einstimmung auf den strahlenden Sommer, der kommen wird und Vertröstung für diederzeitige maue Aktivität auf diesem Blog. Der Umzug in die Stadt, die für viele Schweden das einzig Coole an Deutschland ist (warum nun Berlin so viel hipper sein soll als der Rest Deutschlands ist mir noch nicht ganz klar, any ideas?), nimmt mich leider ein wenig in Beschlag.

Beim Nationalfeiertag Juni 2008

Beim Nationalfeiertag Juni 2008

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Schwedischer Sunnyboy – Niklas Jihde

Dienstag, 24. Februar 2009

Ein Spiel geht 90 Minuten, das Runde muss ins Eckige und sei außerdem fair zum 23. Mann. Wer behauptet, Fußball nicht zu mögen, hat in einem Partygespräch meist verloren. Als Frau könnte man sich rausreden und behaupten, man verstehe die Regeln nicht, aber das ist ja auch nur eine billige Ausrede dafür, dass man den Sport einfach für zu langweilig bzw. dämlich hält. Die Tatsache, dass Frauen meist lieber Individualsport betreiben, könnte damit zusammenhängen, dass sie als Kind zu oft die Sportschau oder Ran mitgucken mussten. Eine Horde überbezahlter auf den Rasen rotzender Männer rennt hinter einem Ball her und man kann froh sein, wenn ein Spiel 1:1 ausgeht. Das war dann schon ein ereignishaftes Spiel.

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Niklas Jihde für den AIK, Foto: Claudio Schwarz, flickr

Eigentlich ist fast jede Mannschaftssportart attraktiver als Fußball. Wie bereits erwähnt, sind in Schweden die Spiele mit Schlägern besonders beliebt, also Eishockey, Bandy und Innebandy. Da es für die ersten beiden Sportarten eher kühle Temperaturen und Eis bedarf, ist Innebandy die präsenteste Sportart. Kinder spielen es auf der Straße, in der U-Bahn begegnet man sehr häufig Menschen mit Schlägern und die Finalspiele um die schwedische Meisterschaft locken etwa 12.000 Menschen in den Globen.

Dafür, dass so viele Schweden in ihrer Freizeit dem kleinen Plastikball hinterherlaufen, wird in den Medien relativ wenig über den Sport berichtet. Von der Weltmeisterschaft im Dezember 2008 wurden beispielsweise nur die Finalspiele  im schwedischen Fernsehen gezeigt. Dabei war es die erste Finalniederlage für Schweden seit Beginn der Austragung einer Weltmeisterschaft. Die Finnen haben es geschafft, ihre Nachbarn mit 6:5 um den Sieg zu bringen. Aufgrund der mangelnden Medienpräsenz sind auch die Spieler nicht so bekannt wie beispielsweise Zlatan Ibrahimovic oder Fredrik Ljungberg. Ein Spieler jedoch spielt so überragend, dass er wohl in ganz Schweden auf der Straße erkannt wird: Niklas Jihde.

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Abgelegt in Schweden, Stockholm