Es geht voran: City-Maut in Göteborg
“Keine Atempause, Geschichte wird gemacht: Es geht voran!” (Fehlfarben)
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, was lange währt, wird endlich gut, viele kleine Schritte können das Gesicht der Welt verändern, and so on. Es wird das Weltklima nicht von heute auf morgen retten, aber die Schweden weisen mal wieder in die richtige Richtung. In Göteborg wurde gerade über Parteigrenzen hinweg beschlossen, eine City-Maut einzuführen. Ab 2013 werden die Autofahrer zur Kasse gebeten, welche sich in das Verkehrsgewühle Göteborgs stürzen.
Da ich Göteborg bisher nur einen sehr flüchtigen Besuch abgestattet habe, mag ich nicht die beste Urteilsperson sein. Die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich die Meldung gelesen habe, war allerdings: Benötigt eine eher beschauliche Stadt wie Göteborg eine Maut, die den Namen City trägt? Aber – man möge mir die Großstadtarroganz verzeihen – scheinbar haben auch andere Städte vergleichbarer Größe dieses Mittel ergriffen. In Europa erstaunlicherweise zwei italienische Städte: Bologna und Mailand (diese mit etwa doppelt so vielen Einwohnern wie Göteborg). Außerdem Trondheim, Bergen (war 1985 Pionier einer City-Maut) und Durham in England. Bekannt dürfte sein, dass Autofahrer in Londons Kern täglich schon etwa acht Pfund zum Passieren bezahlen. Äußerst erfolgreich kann die Mauteinführung in London genannt werden: 15% weniger Verkehr ist in Stadtkern gemessen worden, 20% weniger Unfälle und natürlich weniger Abgase und Lärm.
Die Göteborger mussten natürlich gar nicht ins Ausland gucken, sondern hatten ein Vorbild im eigenen Land: Stockholm hat 2007 eine Gebühr für Autofahrer eingeführt. Zunächst war diese Maßnahme nicht sehr populär. Der Verkehr nahm jedoch um ca. 25% ab, das Thema Klimaschutz gewann an Aktualität und schon sind alle zufrieden mit dieser Maßnahme. Derzeit wird sogar überlegt, die Gebühren in Stockholm deutlich anzuheben. Schließlich kann man mit den eingenommenen Geldern auch neue Projekte finanzieren. Dies plant auch die Göteborger Stadtverwaltung. Diese möchte zwei kostspielige Tunnel bauen: einmal für den Autoverkehr ein Tunnel unterm Göta Älv. Seit Jahren wird außerdem ein Tunnel für den Bahnverkehr diskutiert, der so genannte Västlänken.
Was ändert sich für die Autofahrer? In heutigen Zeiten scheinbar unumgänglich: Sie werden registriert. Man hält nicht wie beim Zoll am Wartehäuschen, legt 10 Kronen auf den Tresen und darf passieren. Das ist 80er, das war gestern. Heute habe ich eine Art Peilsender in meinem Auto, der jedes mal registriert, wenn ich in den Innenstadtbereich fahre. Am Ende des Monats gibt es dann eine Rechnung. Zahlen muss ich allerdings nur montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Die Höhe der Gebühr ist abhängig vom Zeitpunkt des Passierens. Maximal sechs Euro sollen pro Tag abgerechnet werden. Das ist sicher noch ausbaufähig. Für alle Touristen gut zu wissen, dass im Ausland registrierte Fahrzeuge zunächst nicht belangt werden. Dies liegt daran, dass die neumodische Variante mit Peilsendern auch ihre Macken hat. Denn natürlich ist es teuer, diese Sender überall einzubauen, das würde sich nicht rentieren.
Eine weitere Stadt mit Citymaut birgt die Hoffnung, dass auch in deutschen Ländern mal ernsthaft über diese Option nachgedacht wird. Gerade in Städte mit gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln, ist es den Menschen durchaus zuzumuten, diese auch mal zu nutzen. Und U-Bahnfahren ist so spannend: Man trifft Menschen jeden Alters, jeder Subkultur und jeden Berufsstands. Durch die Einführung von Umweltzonen in der Stadt, welche nur mit einer bestimmten Abgasplakette überfahren werden dürfen, ist in Deutschland allerdings die Diskussion um eine City-Maut abgeebbt. Unwahrscheinlich, dass eine schwarz-gelbe Regierung dieses Thema wieder auf den Tisch holt. Es sei denn der ADFC plündert seine Kasse und spendet Mittel an die stets wahlkampfführenden Parteien…
2. Februar 2010 um 19:57
Peilsender gibt es heute in Stockholm nicht mehr. Die gab es in der Testphase, aber die Technik ist mittlerweile so weit, dass das Ablesen der Schilder mit der Kamera genügt. Man erhält einen Monat später eine Rechnung per Post.
Dass die Touristen nicht zahlen müssen, ist schon alleine im Aufwand begründet, der entstehen würde, wenn man wegen ein paar Kronen Gebühren versuchen müsste, diese im Ausland einzutreiben. Auch sonst hat die Trängselskatt massig Ausnahmen.
Die Bilanz der Trängselskatt ist gemischt. Das aktuelle Verkehrsaufkommen liegt ca. 18% unter dem vor der Trängselskatt. Aber der Effekt löst sich mit der Zeit natürlich auf, und auf dem Essingeleden ist trotzdem jeden Morgen Stau. Ein Ziel der Trängselskatt, nämlich den Bau einer Umgehung überflüssig zu machen, ist also nicht erreicht worden.
Derzeit werden anscheinend rund 80 Mio. Euro im Jahr eingenommen, was aber gut 400 Mio. Euro Investitionskosten gegenüber steht.
Wie man an Göteborg sieht, ist Stockholm Ideengeber für die weitere Nutzung der Technik, die man nun ja schon fertig in der Schublade hat. Von daher kann sich das langfristig schon noch irgendwie rechnen. Ob es dann noch Sinn macht, ist aber eine andere Frage.