Diskofieber
Kleiner thematischer Nachschlag. Auch das Ausgehen sei wohlüberlegt in einer fremden Stadt. Stockholm ist dabei nicht ganz einfach zu durchschauen. Natürlich gibt es jede Menge Clubs. Die erste Schwierigkeit besteht dann aber schon darin, dass sich viele Veranstaltungen „Club“ nennen, obwohl es sich um eine gewöhnliche Kneipe ohne besonderes Programm handelt. Da diese in den Veranstaltungsblättern dann trotzdem mit aufgenommen werden, sollte man sich jeden Laden zunächst von außen ansehen, um einschätzen zu können, um was es sich handelt. Ob „Club“ wirklich „Tanzmöglichkeit“ bedeutet. Haken an der Sache ist nämlich, dass dann auch solche Bars plötzlich Eintritt verlangen. Üblicherweise muss man dann noch seine Jacke abgeben, so dass man schnell mindestens fünf Euro los ist.
Das ist jedoch noch ein Spottpreis gegenüber den richtigen Diskotheken. Diese nehmen gut und gerne 15 Euro Eintritt und haben dementsprechend hohe Getränkepreise. Zu nennen wäre hier beispielsweise das Berns, die Spy Bar oder das Café Opera. Als großes Entgegenkommen kostet es nur noch 12 Euro, wenn man nach 2 Uhr kommt. Um 4 Uhr wird geschlossen, die Investition sei überlegt. Günstig weggehen in Stockholm ist beinahe unmöglich. Einige Clubs bieten kostenlosen oder verringerten Eintritt vor 22 oder 23 Uhr an. Allerdings muss hier beachtet sein, dass ein Bier regelmäßig 5 Euro kostet, somit der gesparte Eintrittspreis schnell vertrunken ist. Und das Publikum ist dann zuweilen dementsprechend jung oder unansprechend.
Dass eine Disko bis 4 Uhr geöffnet ist, ist in Stockholm ebenfalls eine Seltenheit. Die ersten schließen bereits um 1 Uhr, viele um 3 Uhr. Dies führte in Schweden zu dem weit verbreiteten Phänomen von After partys, bei denen einer der – meinst angetrunkenen – Diskobesucher sein Domizil anbietet, um den Abend ausklingen zu lassen oder eben erst auf die Spitze zu treiben. Auch dies Resultat der recht strikten Alkoholpolitik der Schweden. So gut der Grundgedanken dieser Politik auch sein mag – zu Zeiten offener Grenzen und der zunehmenden europäischen Integration ist diese nicht mehr aufrecht zu halten. Alkohol wird in rauen Mengen nach Schweden importiert (Kreuzfahrtfahrten in die benachbarten Ländern sind wahnsinnig populär und stets mit Sackkarre aufzunehmen). Das Vorurteil, dass die Schweden gerne mal einen Schnaps mehr trinken, ist durchaus nicht aus der Luft gegriffen und führt häufig zu Exzessen, nach denen auch die 50jährige Mittelstandsfrau kotzend durch die Stockholm Innenstadt zieht. Nicht schön zu sehen und durchaus speziell für die skandinavischen Länder.
Um ein wenig Hilfe im Großstadtdschungel Stockholm zu bieten, einige Tipps für Freunde der Rockmusik:
Debaser – der heißeste Club der Indieszene mit Filialen in Malmö und Göteborg.
Rocks – für Freunde härterer Klänge
Medusa – bis 23 Uhr freier Eintritt, allerdings zuweilen mit zweifelhaften DJs, die von einer Band gerne mal vier Lieder pro Abend spielen
Bonden Bar – sehr nette (tanzbare) Musik, aber leider nur bis 1 Uhr geöffnet
