Jubiläum des Eishotels

Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Eingang Eishotel (Foto: Paul Mannix)

Es wird kälter und kälter die letzten Tage. Nachts kommt der erste Frost und in zwei Wochen werden schon die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Für viele beginnt nun die trostlosesten Zeit des Jahres. Etwas anders werden das die Bewohner von Jukkasjärvi in Nordschweden sehen. Für sie geht Trubel und Arbeit jetzt erst los und man freut sich auf eine neue Hotelsaison.

Derzeit liegen die Temperaturen in Nordschweden um den Gefrierpunkt. Es dauert nicht mehr lange, dann bleibt das Thermometer konstant unter Null und der Aufbau des diesjährigen Eishotels kann beginnen. Und dieses Jahr wird es etwas Besonderes, denn das Hotel feiert 2010 seinen 20. Geburtstag.

Jukkasjärvi ist sowohl ein See als auch ein Dorf ca. 15 km östlich von Kiruna. Etwa 520 Einwohner hat der Ort, der aufgrund seines speziellen Bauwerks weltweit Bekanntheit erlangte. 1990 gründete Ynvgve Bergkvist im dünn besiedelten Lappland sein Unternehmen und baute das erste vollständige Gebäude aus Eis auf. In den ersten Jahren umfasste es 60 Quadratmeter, heute hat es etwa 5500 Quadratmeter. Die Idee zum Eishotel ist Berkvist gekommen als er verschiedene Regionen der Welt besuchte, die vom Klima und den Lichtverhältnissen ähnlich sind. Natürlich haben ihn die Leute zu Beginn schief angesehen, als er von seinem Vorhaben berichtete. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Das Hotel aus Eis ist möglich und sieht fantastisch aus.

Aufgebaut wird die Anlage jedes Jahr im November und kann bis April genutzt werden. Viele fleißige Hände sind am Aufbau der Gebäude beteiligt, auch viele Künstler. Mittlerweile gilt es als große Ehre, am Eishotel mitgewirkt und Skulpturen aus dem ungewöhnlichen Material geformt zu haben. Das Rohmaterial wird direkt aus dem nahe liegenden Thornefluss entnommen.

Im Hotel gibt es verschiedene Kategorien von Zimmern. Ein großer Teil hat eine ganz individuelle Gestaltung und kann tagsüber besichtigt werden. Die Gäste können dann abends in ihre Unterkünfte ziehen. Minus 5 Grad beträgt die Temperatur. Das Eisbett ist mit Rentierfellen ausgelegt. Außerdem bekommen die Gäste einen speziellen Schlafsack, der sie gut vor der Kälte schützt. Empfohlen werden nicht mehr als zwei Nächte, was bei einem Preis ab 125 Euro pro Person und Nacht vielen vielleicht nicht schwerfallen wird. Damit kein Ehestreit entsteht, gibt es auf der Anlage auch ganz gewöhnliche und beheizbare Räume, so dass sich ein jeder aussuchen kann, wie sie/er gerne nächtigt.

Bau des Hotels (Foto: Stephan Herz)

Bau des Hotels (Foto: Stephan Herz)

Licht und Strom gibt es im Eishotel, alleine aufgrund der beliebten Eisbar. Nur die sanitären Anlagen befinden sich in beheizten Gebäuden. Neben dem Hotel haben sich die Erbauer noch ganz unterschiedliche Eisgebäude ausgedacht, die ihre Anlage ergänzen. Eine Garage, Kino, Theater oder eine Kirche beispielsweise.

Die Beliebtheit des Eishotels hat viel Trubel in den kleinen Ort Jukkasjärvi gebracht. Die einen freuen sich über gute Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region. Die anderen fühlen sich durch den Lärm belästigt und wünschen sich ihre ruhigen Winter zurück. Ein anderes Problem ist der Konflikt mit den samischen Rentierzüchtern. Deren Herden liefen für gewöhnlich auf den heute belebten Plätzen. Die Fronten zwischen ihnen und den Betreibern sind verhärtet, auch wenn nach einer Lösung des Konflikts gesucht wird.

Der Erfolg des Eishotels hatte den Neubau von Eisgebäuden in anderen Ländern zur Folge. In Finnland hat in Kemi in der Nähe des Urho-Kekkonen-Nationalparks eine Igluanlage und ein Schloss aus Eis eröffnet. In Norwegen soll es ein Eishotel in Hunderfossen und in Bjorli geben. In Schweden wanderten Idee und Konzept auch ein wenig südwärts: eine Eisbar wurde in Stockholm eröffnet. So hoffen die Betreiber des Eishotels ein wenig Werbung in der reichen Hauptstadt machen zu können. Das Eis der Bar wird dabei extra aus Nordschweden angeliefert. Der Rohstoffvorrat scheint beinahe endlos zu sein: 60 Millionen Liter Wasser sollen allein für den Bau des Eishotels verwendet werden. Da liegt die Vermutung nahe, dass der massive Eingriff in die Natur auch seine Schattenseiten haben könnte. Abgesehen von diesem Faktor ist das Eishotel aber eine tolle und absolut sehenswerte Idee.

Mehr Informationen zum Eishotel

Mehr Informationen zur Eisbar


Deine Meinung dazu?