Lebenslanges Lernen…
…welch eine angenehme Vorstellung. Es mag ja für viele eine Last sein, sich an die Schulzeit zu erinnern, aber auch diese Menschen lernen weiter. Vielleicht nicht ganz so bewusst. Diejenigen, die sich freiwillig fortbilden bzw. auf dem Laufenden halten möchten, haben dazu in Schweden gute Möglichkeiten. Der Bund und die kommunalen Behörden bieten eine Vielzahl an Weiterbildungsformen. Und da den Schweden bewusst ist, dass eine gute Ausbildung der ganzen Gesellschaft dienlich sein kann, ist das Pauken sehr günstig zu haben.
Weite Verbreitung hat beispielsweise Komvux. Komvux steht für Kommunal vuxenutbildning (Kommunale Erwachsenenausbildung) und bietet Interessenten die Möglichkeit, Schulabschlüssen nachzuholen oder seine Noten in bestimmten Bereichen aufzupolieren. Auch viele Migranten nehmen an Komvux-Kursen teil, um ihre bisherigen Fach- und Schulkenntnisse durch die schwedischen Gepflogenheiten zu ergänzen oder ganz einfach, um Schwedisch zu lernen. Die Programme sind kostenlos, haben allerdings nicht alle den besten Ruf.
Auch an den Universitäten werden verschiedene Weiterbildungskurse angeboten, die sich nicht ausschließlich an junge Gymnasiumabgänger richten. Es ist in Schweden gut möglich, ein Teilzeitstudium zu absolvieren, so dass man neben der Arbeit abends noch Kurse an der Uni besuchen kann. Gut geeignet sicher auf für Menschen, die sich neben ihrer eigentlichen Ausbildung noch für andere Fächer interessieren. Die Kurse selber kosten nichts, es wird nur die Abgabe für die Studentenvereinigung fällig. Und es bedarf etwas Durchsetzungsvermögen bei der Anmeldung, da man mit ca. sechs verschiedenen Chipkarten von Pontius zu Pilatus laufen muss.
Auch Sprachkurse gibt es natürlich an der Universität. Wer in Schweden auf Schwedisch studieren möchte, muss den Tisus-Test ablegen. Hierfür gibt es als Vorbereitungskurse “Schwedisch als Fremdsprache” (svenska som främmande språk), der ein oder zwei Semester lang ist. Probieren kann man es aber sicher auch so, wenn man sich auf andere Art und Weise genügend Schwedischkenntnisse angeeignet hat (ist auch in Deutschland möglich).
Gastvorträge gibt es an den Universitäten ebenfalls in großer Anzahl. Hier lohnt sich ein Blick in die Rubrik Öppna föreläsningar.
Eine sehr schöne Einrichtung in Schweden ist das ABF: Arbetarnas bildningsförbund. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde diese Institution in Schweden gegründet. Ziel ist die Aus- und Fortbildung der Arbeiter bzw. heutzutage aller Gesellschaftsschichten. Etwa 57 Organisationen sind heute noch Mitglieder im ABF und bieten Kurse, Seminare und Vorträge an. Dazu gehören die schwedischen Sozialdemokraten und die Vänsterparti, eine Vielzahl von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen. Erklärtes Ziel ist es, den Gedankenaustausch zwischen Menschen verschiedenster Herkunft und Milieus zu fördern. Extrem beliebt in Schweden sind so genannte Studienzirkel. Diese Veranstaltung gleicht einem Lektürekurs. Es wird ein Thema oder ein bestimmtes Buch herangezogen und dann gemeinsam gelesen und über das Gelesene diskutiert. Auch hier ist Teilnahme meist kostenlos.
Im ABF-Huset in Stockholm (Sveavägen 41) finden jeden Abend Vorträge und Seminare statt. An den Wochenende gibt es zusätzlich häufiger Buchmessen oder Foren wie das Sozialistische Forum oder das Feministische Forum. Dabei gibt es nicht nur politische Veranstaltungen, sondern auch eine Vielzahl von Lesungen, Filmvorführungen und Stadtführungen. Ein Besuch lohnt sich und ist meist ganz unverbindlich.

10. Februar 2009 um 09:51
Kleine Anmerkung: statt TISUS kann man bei Komvux auch die Kurse “Svenska som andraspråk” A und B machen.