Es gibt ein Leben nach Abba

Foto von Peter Forret

Abba (Foto: Peter Forret)

Mal ehrlich. Wenn wir über Musik in Schweden nachdenken, fällt uns zunächst einmal Abba ein. Waterloo, Dancing Queen, Super Trouper. Kennt jeder. Nachdem die vier Vorzeigeschweden 1974 beim Grand Prix de la Chanson den ersten Platz gewonnen haben, ging es steil bergauf auf der Karriereleiter und sie wurden ein internationaler Hit. Wem dann irgendwann die relativ eintönigen Dance-Rhythmen doch zu anstrengend wurden, der konnte in den 80ern und 90ern den Lieder von Roxette lauschen. Ein weiterer Hitexport aus Schweden mit dem als sympathisch geltenden Duo Marie Fredriksson und Per Gessle. Fast schon als Rückschlag kann man dann den Erfolg des Quartetts Ace of Base in den 90er Jahren ansehen, da hier wieder auf das altbewährte Abbamuster zurückgegriffen worden ist (2 Frauen, 2 Männer, keine Instrumente, sinnlose Texte – nichtsdestotrotz nette Musik!).

Derzeit populär in Schweden sind Hip Hop und Dancelieder verschiedener Art. Immer wenn man denkt, ein Lied könne nicht mehr künstlicher geschaffen sein, setzen die so genannten Musiker ( = Computerfachkräfte) an zum Gegenbeweis. Das alternative Spektrum reiht sich da gerne ein und tanzt zu Elektropop (wird dann als „Indie“ bezeichnet) oder politisch anspruchsvollerem Hip Hop à la Timbuktu. Sehr interessant zu beobachten auch die richtigen Rocker. The Ramones, Guns n Roses, Kiss und Iron Maiden sind in Schweden wahnsinnig populär. Deren Anhänger sind leicht zu erkennen durch einen Look, den man hierzulande vor allem in den 80er Jahren gesehen hat. Lange lockige Haare bei Männern (eventuell mit Stirnband), Jeansjacken mit Aufnähern, viele Nieten und Lederaccessoires. Fast obligatorisch: Das Bier in der Hand.

Anscheinend weniger populär als in Deutschland sind die schwedischen so genannten Post Punk-Bands wie Mando Diao, Moneybrother und The Sounds. Dafür haben es Liedermacher in Schweden leichter, eine breite Masse zu begeistern. Eine Unterteilung in Schlager und Pop/Rockmusik wird in Schweden nicht so stringent gezogen. Dementsprechend gröhlt Jung und Alt die Lieder von Håkan Hellström und Lars Winnerbäck mit, die mit mal mehr mal weniger anspruchsvolleren Texten glänzen. Und auch Frauen wie Robyn, die allen Klischees über Blondinen entsprechen und auf der Bühne eines Familienfestivals gerne mal ausführlich vom „Blasen“ singen, haben in Schweden mehr Chancen als sie es vielleicht verdient hätten…

Kurzum: Natürlich gibt es mehr und bessere Musik aus Schweden als Abba. Aber auch hier gilt: Es ist nicht alles gold, was glänzt bzw. es ist längst nicht alles gute Musik, was der DJ in den besten schwedischen Clubs spielt.


2 Kommentare zu “Es gibt ein Leben nach Abba”


  1. Ich finde ja, dass es in letzter Zeit erstaunlich viele Bands aus Schweden geschaft haben international bekannt zu werden. Das Land hat ja nicht so viele Einwohner, aber jede Menge Bands: Millencolin, Liberator, Shout Out Louds, Johnossi, um hier mal die zu nennen, die mir spontan einfallen. Achja und wenn die Musikgeschichte angesprochen wird, sollten auch Monster nicht vergessen werden, auch wenn die vielleicht eher einem kleinerem Kreis heutzutage bekannt sind.

  2. wolverine sagt:

    Also, werter kKDu, wenn Du hier schon so unbekannte schwedische Bands aufzählst, dann sollte hier eine der zurzeit erfolgreichsten schwedischen Bands nicht unerwähnt bleiben:
    In Flames!

    Ihre letzten beiden Alben waren in Schweden auf Platz 1 in den Charts und in Deutschland haben sie jeweils den 6. erreicht.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/In_Flames

    PS: Der überwiegende Teil der Metal-Bands aus Schweden sind, nebenbei bemerkt, ebenfalls nicht zu verachten! ;-)

    PPS: Glückwunsch zum eigenen Blog, X!

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