Es werde Licht!
Nicht zu beneiden sind zur Zeit alle sich im Norden aufhaltenen Lebewesen. Um neun Uhr wird es hell und um vier Uhr dunkel. Tendenz: negativ. Bis 21. Dezember wird die tägliche Dosis Licht kürzer und kürzer. Zudem wird es kälter und nässer: Zeit für Depressionen und schlechte Laune. Auch viele Schweden werden natürlich von diesen Stimmungstiefpunkten erwischt. Kein Wunder. Im letzten Jahr beschränkte sich z.B. in der südschwedischen Stadt Växjö der Sonnenschein im Monat Dezember auf gerade einmal 20 Minuten! Nur ausgewiesene Optimisten können da von der Niedergeschlagenheit verschont bleiben.
Das Problem ist jedoch altbekannt, weshalb sich bestimmte Maßnahmen etabliert haben, um die Laune der Schweden zu steigern. Zentral dabei natürlich das elektrische Licht. Im ganzen Haus soll es leuchten. Dabei wird meist jeder Gedanke an Energiesparen über Bord geworfen (worauf die Schweden ansonsten ja viel Gewicht legen).
Fenster werden auch bei Abwesenheit beleuchtet. Dazu werden häufig so genannte Lichtpyramiden verwendet, die es bei uns meist erst in der Adventszeit zu sehen gibt. Im November leuchten diese jedoch bereits aus beinahe jedem schwedischen Fenster. Nicht nur aus Wohnhäusern, sondern auch aus Bürokomplexen. Ein Lichtermeer in der Wohnsiedlung, dass natürlich für eine warme Atmosphäre sorgt.
Eine drastischere Maßnahme ist sicher die Flucht aus dem Lande. Urlaub im Herbst und Winter ist wesentlich populärer in Schweden als in Deutschland. Es geht natürlich in die Sonne! Besonders beliebt auch hier Spanien oder aber Thailand.
Für diejenigen, deren Leistungsbereitschaft stark durch die Dunkelheit beeinträchtigt wird, werden Lichttherapien verschrieben. Eine Art Solarium, in denen man jedoch nicht braun wird, sondern guten Mutes werden soll. Auch in Universitäten und bei einigen Arbeitsgebern stehen diese Lichträume zur Verfügung.
Auch als Geschäftsidee eignet sich dieses künstliche Licht. In Stockholm gibt es das Lichtcafé in Södermalm. Räume und Einrichtungsgegenstände sind ausschließlich weiß, damit das Licht reflektiert wird. Die Besucher legen bei Eintritt ebenfalls weiße Umhänge an. Bereits etwa eine Stunde Aufenthalt sorgt für bessere Laune, bei Bedarf natürlich wiederholbar.
Der Kampf gegen die Dunkelheit macht sich auch an anderer Front bemerkbar. Die sicherheitsbewussten Schweden tragen nämlich viel häufiger reflektierende Anhänger als wir Deutschen, um im Straßenverkehr besser sichtbar zu sein. Wo es hierzulande vor allem Kinder sind, die mit leuchtenden Teddybären und Männchen ausgestattet werden, sieht man in Schweden auch vereinzelt Anzugträger mit Reflektoren. Der Gedanke dabei ist sicher auch, den Kindern ein gutes Beispiel zu sein. Praktisch ist es für andere Verkehrsteilnehmer alle Mal.
Und wenn all dies nicht ausreichen sollte, muss der Gedanke an das Lichterfest Lucia, am 13. Dezember den Miesepeter hinterm Ohr entfernen.

20. November 2008 um 02:15
Hab eben noch mit “ganz oben” telefoniert. In der Finnmark gibt´s momentan gar kein Sonnenlicht mehr, dafür aber richtig dicke Scheinwerfer. Sie sind so hell, dass die Straße taghell wird. Das musste noch erwähnt werden
Grüße, Philipp
27. November 2008 um 18:38
Diese Woche habe ich einen Artikel gelesen zum Thema Lichtverschmutzung. Wie die Natur – und vor allem die Tiere – durch viel künstliches Licht beeinflusst werden. Stört sie beim Jagen, beim Wandern und beim Biorhythmus. Und dass viele Menschen gar nicht mehr die Wohltat einer dunklen Nacht genießen können. Fand ich interessant zu lesen.
28. Dezember 2008 um 22:57
[...] in Südostasien. Unglaubliche 231.000 Menschen starben dadurch. Da viele Schweden (wie schon bereits erwähnt) im Winter gerne der nordischen Dunkelheit entkommen und in den Süden fliegen, waren unter den [...]