Fotografiska: Fotomuseum Stockholm
Stockholm ist seit diesem Jahr um eine Attraktion reicher. Nur wenige Gehminuten vom Slussen entfernt findet man jetzt das Fotografiska museet, das Fotografiemuseum. Ein Besuch lohnt sich schon alleine deshalb, da der Ausblick aus der Cafetaria hervorragend ist. Aber auch die aktuellen Fotoausstellungen enttäuschen nicht.
Das Fotografiska beherbergt in einem alten Industriegebäude direkt am Hafen eine Vielzahl von Ausstellungs- und Konferenzräumen. Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut. Die Fassade ist aus Ziegelsteinen (Verklinkerte Gebäude gewinnen scheinbar in Schweden an Beliebtheit) und noch im Original enthalten. Renoviert werden mussten jedoch die Innenräume des alten Zollgebäudes. Noch sind nicht alle Räume des Museums fertig gestellt und als Ausstellungsfläche in Benutzung. Vier Ausstellungen finden aktuell jedoch schon Platz und Zuschauer. Welcher Künstler seine Bilder ausstellen darf, wird von einem siebenköpfigen Rat entschieden. Dies haben die Gründer des Museums Jan und Per Broman so festgelegt.
Zugpferd des Museums ist eine Ausstellung der Werke der Amerikanerin Annie Leibovitz. Darüber hinaus werden Fotos von Lennart Nilsson über die Entstehung des Menschen gezeigt. Also eine Art Ausstellung von Ultraschallbildern. Der schwedische Fotograf Anders Petersen nennt seine Zusammenstellung “From Back Home”. Er hat in den 80er Jahren in Värmland, der traditionsreichen Region in Schwedens Westen, Fotos vom Alltagsleben seiner Mitmenschen gemacht. Hauptaugenmerk ist dabei das Bestreben der Menschen mit anderen in Kontakt zu treten. Eine schöne Sammlung von Fotos, die viel über die damalige Zeit zum Ausdruck bringt.
Wie sollte es in Schweden anders sein: Eine Ausstellung besteht uasschließlich aus Kinderfotos. Die Mädchen und Jungen wurden von der australischen Künstlerin Vee Speers in Rollen und Kostüme gesteckt. Das ist weder sonderlich innovativ noch von großer Aussagekraft. Gewöhnunsbedürftig ist auch die Reihe “Bodies” von Joel-Peter Witkin. Es werden eine Reihe von nackten Menschen gezeigt. An sich nichts Schlechtes, aber die Motive wurden in mystische und Gewalt demonstrierende Umgebungen gesetzt. Die Bilder gehen ein bißchen in Richtung Fantasyworld, das muss man wohl mögen.
Am meisten Raum nehmen die etwa 200 Fotos von Annie Leibovitz ein. Leibovitz ist vor allem als Portraitfotografin berühmt geworden. Ihre Objekte sind meist berühmter als sie: von Georg Bush über Nicole Kidman bis zu Patti Smith. Die Fotos gewinnen ihre Intensität dadurch, dass sie die weltberühmten Stars als relativ normale Menschen mit Stärken und Schwächen darstellt. Sehr bekannt ist zum Beispiel ein Nacktfoto der schwangeren Demi Moore. Das Bild wurde Titelbild der Vogue, was damals in den 80ern ein mutiger Schritt war. Unter den Portraitierten sind eine ganze Reihe Schauspieler: Al Pacino, Robert de Niro, Brad Pitt, Johnny Depp oder Musiker wie Johnny Cash und Mick Jagger. Am meisten beeindruckt war ich von dem Foto von Queen Elizabeth II. Das Foto zeigt eine stolze Frau, die in ihrer Robe auch den königlichen Hintergrund repräsentiert. Gleichzeitig wird sie so herzlich und menschlich dargestellt, wie man es bei einer Frau in dieser Position und von diesem Ruf nicht für möglich gehalten hätte.
Neben den Portraits berühmten Menschen sind auch Aufnahmen der Familie von Annie Leibovitz zu sehen. Ebenso von ihrer Lebensgefährtin Susan Sontag, der amerikanischen Schriftstellerin, die 2004 an Krebs starb. Auch Fotos der sterbenskranken Sontag und des kranken Vaters von Leibovitz sind zu sehen. Die privaten Fotos sind etwas zusammenhangslos zwischen den Portraits zu sehen. Sie können nur schwer zwischen diesen Aufnahmen wirken, da sie vom Format meist nicht größer als 11×15 cm sind. Einen guten Einblick in das Leben der Künstlerin geben sie aber natürlich.
Die aktuellen Ausstellungen laufen noch bis zum September. Wer sie noch sehen möchte, sollte sich also ranhalten. Für mich gehört das Fotografiska museet auf jeden Fall zu den interessantesten Museen in Stockholm.
