Rennradler Gustav Larsson
Drei Wochen lang sind etwa 200 Profiradler durch schöne italienische Landschaften gefahren, über Feldwege, Berge und Kopfsteinpflaster. Und am Ende war ein Schwede vorne. Zwar trug er nicht das Maglia Rosa über die Ziellinie, aber er überquerte sie als erstes. Sprich, Gustav Larsson hat die letzte Etappe des Giro d’Italias gewonnen, Gesamtsieger im feschen rosa Trikot wurde jedoch der Italiener Ivan Basso.
Zugegeben: Radrennsport zeichnete sich in den letzten Jahren nicht gerade als Paradedisziplin des Mottos Fair Play aus. Die Anzahl an gedopten Sportlern scheint extrem hoch zu sein. Immer wieder werden Rennfahrer enttarnt bzw. in letzter Zeit sehr beliebt, sich selbst zu stellen bzw. ehemalige Teamkollegen in Misskredit zu bringen. Die Kontrollen nehmen immerhin zu und selbst im sonst eher laxen Italien wurden beim diesjährigen Giro die intensivsten Dopingkontrollen seit Jahren durchgeführt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer.
In Italien ist Radfahren ein Volkssport. Nicht unbedingt als Fortbewegungsmittel für den Alltag, sondern vielmehr als Sportgerät. In Schweden ist diese Freizeitbeschäftigung nicht ganz so populär. Nichtsdestotrotz gibt es einige professionelle Rennradfahrer im hohen Norden. Gustav Larsson gehört zu den erfolgreichsten. Bei den Olympischen Spielen in Peking gewann er die Silbermedaille im Zeitfahren, ein Jahr später folgte die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften. Konsequenterweise war die letzte Etappe des diesjährigen Giros ein Einzelzeitfahren von 15 Kilometern.
Larsson ist 29 Jahre alt und fährt seit 2008 für das dänische Radrennteam Saxo Bank. Zuvor war er bereits in Italien, Frankreich und 2007 im schwedischen Team Unibet.com beschäftigt. Da Unibet scheinbar Probleme mit den Organisatoren der Tour de France hatte, wurde das Team nicht zum prestigeträchtigsten Rennen eingeladen. Kurze Zeit später entschloss man sich, das Team aufzulösen und Larsson musste sich einen neuen Rennstall suchen. Das Team Saxo Bank ist sicher keine schlechte Entscheidung gewesen. Mit Fabian Cancellara hat er hier auch gleich seinen größten Konkurrenten um die internationalen Zeitfahrtitel als Mannschaftskollegen.
Im Juni geht’s aber erstmal um den schwedischen Titel. Am 23. Juni sind die schwedischen Meisterschaften. Im letzten Jahr gewann Larssons Teamkollege Markus Ljungqvist das Rennen. Vielleicht müssen da die Kräfte aber bereits geschont werden für die Anfang Juli beginnende Königsstrecke der Tour de France. Da könnte Larsson auch dicht an seiner Wohnstätte vorbeifahren, da er seit mehreren Jahren in Monaco lebt. Dies sicher nicht nur aufgrund des besseren Wetters in Südeuropa, sondern auch wegen der deutlich geringeren Steuern. Die Freundin von Larsson ist übrigens auch Profi-Radrennfahrerin. Veronica Andréasson fährt für das belgische Team mit dem schönen Namen Lotto Ladies Team. Genau wie ihr Freund betreibt sie eine eigene Internetseite und einen Twitteraccount. Das macht man heute halt so.
In zwei Wochen steht in Schweden bereits eines der größten Amateuerradrennen Europas an. Am 18. und 19. Juni findet die 300 Kilometer lange Vätternrundfahrt statt. Einmal rund um einen der beiden großen schwedischen Seen. Landschaftlich ist die Strecke sicher höchst reizvoll. Da lohnt es die müden Beine ein wenig zu trainieren, um daran teilnehmen zu können.


25. Juni 2010 um 23:53
Gustav Larsson ist diese Woche mit reichlich Vorsprung schwedischer Meister im Zeitfahren geworden.