Stiefkind schwedischer Handball
Neben der Leichtathletik, Eishockey und in Wintersportarten verfügen die Schweden auch in einer Disziplin über hervorragende Sportler, die gerne vernachlässigt wird: dem Handball. In der Beliebtheitsskala rangiert Handball weit hinter Fußball und beispielsweise Eishockey (Die beliebtesten Sportarten), obwohl das Handballteam in der Vergangenheit einige Erfolge für sich verbuchen konnte. Handballweltmeister waren sie 1990 und 1999, Silber gab es zudem 2001, Bronze 1993 und 1995. Europameister wurde Schweden 1994, 1998, 2002 und 2002. Bei den Olympischen Spielen gab es von 1992 bis 2000 drei Mal hintereinander Silber. Eine beachtliche Bilanz. Auffällig jedoch auch, dass in den letzten Jahren die großen Erfolge ausblieben. Für die WM 2007 in Deutschland konnte sich das Team nicht qualifizieren, bei der EM 2008 waren sie Fünfter und bei der WM 2009 erlangten sie Platz sieben und waren damit einen Platz hinter dem deutschen Team.
Erstaunlich ist das vergleichsweise schlechte Abschneiden der letzten Jahre, wenn man sich den Kader der Mannschaft ansieht. Viele schwedische Nationalspieler spielen in der deutschen Bundesliga und sorgen dort für Furore. Alleine der deutsche Meister und Zweitplatzierte in der Championsleague THW Kiel hat in seinem Kader sechs schwedische Spieler, darunter der Kreisläufer und Stammspieler der schwedischen Nationalmannschaft Marcus Ahlm. Sowohl bei Kiel als auch in der Nationalmannschaft eine große Stütze ist zudem Kim Andersson. Henrik Lundström und Stefan Lövgren sind ebenfalls international sehr erfahrene Spieler.
Aber auch beim Lokalrivalen, der SC Flensburg-Handewitt, stehen drei schwedische Spieler unter Vertrag: Der langjährige Nationaltorwart Schwedens Dan Beutler, der Nachwuchsstar Oscar Carlén (dessen Vater seit 2009 Trainer in Flensburg ist) und ein ganz besonderer Mann: Ljubomir Vranjes. 1973 in Göteburg geboren, war er bereits an der großen Erfolgen der schwedischen Nationalmannschaft beteiligt. Der sympathische “Handballzwerg” konnte mit seiner Größe von 1,66 m immer wieder große Akzente auf dem Spielfeld setzen. Seit 2001 spielt er in Deutschland (zunächst bei der SGH Nordhorn) und hat nun für die SC Flensburg-Handewitt sein letztes Bundesligaspiel bestritten. Aufgrund von starken Rückenproblemen musste er seiner aktiven Karriere ein Ende setzen. Glücklicherweise bleibt er dem deutschen Handball allerdings erhalten, da er nach einem kurzen Intermezzo als Assistent der ebenfalls schwedischen Trainerlegende Kent-Harry Andersson nun die Position des Teammanagers in Flensburg einnehmen wird.
Ein großes Problem der schwedischen Nationalmannschaft ist vermutlich, dass die Spieler fast alle im Ausland spielen und sehr verstreut über die verschiedenen Top-Clubs sind. Die schwedische Liga ist qualitativ nicht hochwertig genug, so dass es die Spieler nach Dänemark, Spanien, Deutschland und Frankreich zieht. In der schwedischen ersten Liga ist, der Elitserien, gibt es nur eine Handvoll Mannschaften, die um die Meisterschaft mitspielen können. 2009 konnte Alingsas die schwedische Meisterschaft für sich entscheiden. Von 2006 bis 2008 erlangte Hammarby drei Mal hintereinander diesen Titel. Hammarby ist eine Stockholmer Mannschaft, bei der die Handballlegende Staffan Olsson mittlerweile Trainer ist (der auch für den THW Kiel aktiv war). Gemeinsam mit Ola Lindgren ist er mittlerweile auch Trainer der schwedischen Nationalmannschaft.
Derzeit ist die schwedische Nationalmannschaft dabei, ihre letzten Spiele in der Qualifikation für die EM 2010 zu bestreiten. Der Gruppensieg und damit die Qualifikation ist dem Team bereits sicher. Am 24. Juni werden die Vorrundengruppen für die EM in Österreich ausgelost. Auch die Handball-Damen bestreiten zurzeit Qualifikationsspiele und können sich für die Weltmeisterschaft qualifizieren, die im Dezember in China stattfinden wird. Schweden hat noch gute Chance, dabei zu sein. Fraglich ist allerdings, ob sie bei der WM um die vorderen Plätze mitspielen können. Zumindest bei den bisherigen großen Turnieren konnten sie keine Medaillen gewinnen. Zu groß ist die Konkurrenz vor allem aus den Nachbarländern Norwegen und Dänemark. Trotzdem: Lycka till für die nächste Welt- bzw. Europameisterschaft!
