T-Centralen: Knotenpunkt Stockholms

Spottkoppen Foto: Michell Zappa

Spottkoppen (Foto: Michell Zappa)

Es gibt Orte, die hasst man und liebt man zugleich. Bahnhöfe sind solche Orte. Kommt man müde von der Arbeit, gibt es nichts Nervigeres als einen trubeligen Bahnhof, in dem man sich mit Tausenden von anderen Menschen durch die schmalen Gänge schiebt und sich darüber ärgert, den direkten Anschlusszug nicht bekommen zu haben. Gleichzeitig ist ein großer Bahnhof ein fantastischer Ort, um sich seine Mitmenschen oder auch den Querschnitt der Bewohner eines anderen Landes anzusehen. Am Bahnhof treffen sich Menschen jeden Alters, jeder Weltanschauung und jeder Schicht.

In Stockholm setzt sich der Hauptbahnhof zusammen aus Stockholm Centralstation (Stockholm C) für den Zugverkehr, T-Centralen für den U-Bahnverkehr und Cityterminalen für den Busverkehr. Sie liegen aber direkt neben- und untereinander, so dass man meist nicht genau weiß, in welchem Teil des Bahnhofs man sich jetzt eigentlich befindet. Neben der Eisenbahn hält hier auch die S-Bahn (der so genannte Pendeltåg), Stadtbusse, Flughafenbusse und der Arlanda-Express (ein Schnellzug vom Flughafen Arlanda zum Hauptbahnhof, der ca. 20 Minuten für die Strecke benötigt). Da verwundert es nicht, dass man die Anlage einige Mal durchquert haben muss, um sich nicht mehr zu verlaufen und dort rauszukommen, wo man auch wirklich hinwollte. Schätzungsweise 450.000 Menschen tummeln sich Tag für Tag in den Gängen und Hallen des Hauptbahnhofs.

Aufgrund der Größe des Komplex muss man zum Teil für das Umsteigen recht weite Wege auf sich nehmen. Am tiefsten in der Erde liegt die blaue U-Bahnlinie. Von dieser zum Pendeltåg oder – noch schlimmer – zu den Flughafenbussen vergehen einige Meter Fußweg. Im so genannten Stresstunnel zwischen den U-Bahnlinien und den S-Bahn-Schienen rauschen die Menschen nur an einem vorbei. Gemächlicher geht es da schon in der großen Eisenbahnhalle zu. Diese wurde 1925 bis 1927 umgebaut. Die seit der Eröffnung des Bahnhofs 1871 (die Eisenbahn kam recht spät nach Schweden) benutzten Hallen wurde zu diesem Zweck wieder abgerissen. Die neue Wartehalle ist 119 Meter lang und 13 bzw. 28 Meter breit und hat ein ellipsenartiges Dach. Im Gegensatz zu manch deutschem Bahnhof gibt es eine Reihe von Sitzgelegenheiten und auch ausreichend Geschäfte, um sich die Wartezeit zu vertreiben. Beliebter Treff- und Aussichtspunkt ist der Spottkoppen. Von der großen Wartehalle kann man hier ein Stockwerk tiefer schauen in die Ebene der Stockholmpendler. Und besonders originell: Für die Blaublüter gibt es sogar einen eigenen Raum im südöstlichen Teil des Bahnhofs, die königliche Wartehalle.

1958 wurde an den Hauptbahnhof der T-Centralen rangebaut. Das T steht für das schöne Wort Tunnelbana, so wird die U-Bahn in Stockholm genannt. T-Centralen ist die einzige Station, an der sich alle drei U-Bahnlinien treffen. Die blaue Linie ist die jüngste (1972 eingeweiht) und die tiefste, da sie 32 Meter unter der Erde liegt. Wie die anderen Stockholmer U-Bahnstationen haben auch die Plattformen ein besonderes Design. Weniger aufregend ist das von der grünen und roten Linie. Die blaue Linie wurde aber schmuck in Szene gesetzt. Es lohnt sich also nach ganz unten zu fahren.

Über der U-Bahnstation ist sowohl die Klara Kirche als auch das große Kaufhaus Åhléns. In Richtung Stadt kommt man direkt vor dem Kulturhuset und dem Sergels Torg raus und ist mitten in der City. Die oft als hässlich kritisierte “Platte” bietet die ersten Shops für Kaufsüchtige, die am liebsten ein Dach über dem Kopf haben. Eine zentrale Lage hat der Bahnhof somit unbestreitbar. Und er bietet viele Reise- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Ein Hoch auf den öffentlichen Verkehr.


Ein Kommentar zu “T-Centralen: Knotenpunkt Stockholms”


  1. Das mit den Sitzgelegenheiten war auch schon etwas, was mit in Kopenhagen gleich aufgefallen war als ich von Deutschland aus dort hingefahren bin. In Deutschland scheint es nämlich einen Pakt zwischen den Bahnhöfen und den darin befindlichen Geschäften zu geben, ja keine anständigen Sitzgelegenheiten für die Reisenden zur Verfügung zu halten.

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