Schwedische Weihnachten: Jultomten

So, es ist wieder so weit. Kurz vor Weihnachten, langsam kommen die Menschen in Weihnachtsstimmung und werden irgendwie sentimental. Man denkt über die kommenden Weihnachtstage nach, sei es nun in stiller Vorfreude oder verbunden mit einer Gänsehaut ob der vielen Verwandten, die wieder so tun, als ob sie sich mögen und dann hinterrücks nur rumlästern.  Genau das ist Weihnachten! Kaum einer behauptet, dass ihm die Tage viel bedeuten, insgeheim ist man jedoch froh, dieses besondere Programm zu haben. Gibts halt nur einmal im Jahr. Und immerhin sind es Feiertage und somit freie Tage. Ach ja, und es soll Menschen geben, die den Tag feiern, weil Gottes Bote (besser: Samen) geschlüpft ist. Ja, von der Jungfrau, alles klar…

Leuchtender Weihnachtsmann, Foto: Schrottie

Leuchtender Weihnachtsmann, Foto: Schrottie

Für manche bedeutet Weihnachten auch, sich ein Zubrot zu verdienen. Einmal gibts die Tausende von Krankenschwestern, Busfahrer und Servicekräfte, die an den Weihnachtstagen arbeiten müssen, dafür aber immerhin einen Zuschlag erhalten. Und es gibt diejenigen, die sich an diesem Tag den roten Mantel umlegen und kleine Kinder erschrecken. Wer hätte es gedacht: Das passiert auch in Schweden. Im Kinderwunderland ist vermutlich jedes Kind ohne eigenen Weihnachtsmann ein Sonderling auf dem Pausenhof. Der Weihnachtsmann ist so populär wie in den meisten anderen westlichen Ländern. Dass der Weihnachtsmann rot und weiß ist aufgrund der Farben von Coca-Cola gehört längst zum Allgemeinwissen, wird jedoch in den Medien kurz vor Weihnachten immer wieder als Sensation verkauft. So gibt es also keinen christlichen Helden mehr an Heilig Abend, sondern einen kommerziellen Helden. Dem können sich dann auch die Nichtchristen schwer entziehen.

Der schwedische Jultomte ist in den meisten Fällen auch rot und weiß. Aber es gibt auch Unterschiede.  Da gibt es schon mal grüne und blaue Umhänge. Außerdem hat der Weihnachtsmann nicht nur Rentiere, sondern auch menschliche Gehilfen oder zumindest Kobolde. Und der Weihnachtsmann wird noch viel mehr in Verbindung mit Natur und Tieren präsentiert. Er fliegt nicht nur auf seinem Schlitten durch die Luft, sondern wandert durch den Wald, natürlich auch durch den Schnee. Auch  er lebt irgendwo in den Wäldern und wartet das ganze Jahr darauf, dass ihm endlich die Kinder mit Tonnen von Briefen beglücken, in denen sie sich die neue Playstation oder eine Lilly Fee wünschen.

Bevor es den Weihnachtsmann gab, war es üblich, dass der Julbocken die Geschenke verteilte. Witzige Idee, einen Ziegenbock die Geschenke verteilen zu lassen. Da spart man sich die Rentiere. Aber in Schweden gibts ja genug Rentiere, die sollen auch ihre Arbeit haben. Also ist der Julbock heutzutage meist als Strohpuppe noch unter dem oder am Weihnachtsbaum anzufinden. Der Baum natürlich ein Import aus dem Land der Dichter und Denker. Aber die Schweden sind ja sportiver als wir steifen Deutschen und nutzen den Baum als Mittelpunkt für ausgiebige Ringeltanzeinlagen bei gleichzeitigem Singen. Da wird sich Weihnachten nicht nur der Magen vollgehauen, sondern bewegt und ausgelassen gefeiert. So zumindest das Klischee. Die Partys dürfen dann aber nicht zu lange gehen, denn am nächsten Morgen sitzt man um sechs Uhr in der Kirche. Warum es so früh sein muss, ist eher unklar. Da haben es die Atheisten gut, die noch drei, vier Stunden länger schlafen können.

Wie man auch feiert oder die Tage verbringt: Gegen ein bißchen Friede und Freude ist nichts einzuwenden. Zur Einstimmung ein paar schmissige Weihnachtssongs oder Filme. In Schweden kann man Jultomten är far till alla barnen anschauen. Für alle, die das nicht verstehen, wurde scheinbar eine 1:1 Übersetzung verfilmt: “Meine schöne Bescherung” mit bekannten deutschen Schauspielern wie Martina Gedeck, Jasmin Tabatabai, Heino Ferch und Meret Becker. Auch das ganz nett anzusehen, etwas unrealistisch nur, dass auch die um den Weihnachtsbaum tanzen… Also, schöne Vorweihnachtszeit!


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