Kleider machen Leute – H&M
Man geht durch die Stadt und trifft drei Personen, die exakt dasselbe T-Shirt tragen wie man selbst. Ein klarer Fall: Das T-Shirt ist von H&M. Die Läden sind überall verteilt und die Massen strömen hin. Zielgruppe sind vor allem Teenies ab 12. Ab Mitte 20 nimmt die Anziehungrkraft zumeist ab, wobei die Kette natürlich Maßnahmen ergreift, um auch diese Klientel weiter zu bedienen. Jetzt könnte man natürlich lange über die Probleme von so preisgünstiger Kleidung schreiben, die alle Teenies antreibt, mehr und mehr zu kaufen, während die Näherin in Bangladesh kaum von ihrem Lohn leben kann. Soll aber hier nicht Thema sein. Vielmehr geht es um einen der größten schwedischen Exportschlager.
H&M ist ein schwedisches Unternehmen mit etwa 1800 Butiken in 34 Ländern. Alle diese Länder sind auf der Nordhalbkugel der Erde, somit ist durchaus noch Wachstumpotential gegeben: Südamerika, Afrika und Australien sind bisher nicht erschlossen. 73.000 Mitarbeiterinnen beschäftigt die Bekleidungskette. Wie im Einzelhandel so ist auch in dieser Branche zu beobachten, dass mehr und mehr Männer in den Geschäften arbeiten. Natürlich auch ein gutes Marketingkonzept, auf die Anziehungskraft hübscher Verkäufer zu setzen.
Die Zentrale von H&M liegt in Stockholm. Gefühlt gibt es hier alle 200 Meter eine H&M-Filiale. Das erste Geschäft entstand 1947 allerdings in der kleinen Stadt Västerås 100 km nordwestlich von Stockholm. Der Gründer hieß Erling Persson, gerade 30 Jahre alt. Seinem Geschäft gab er den Namen “Hennes” (übersetzt: ihr/s) und verkaufte nur Damenkleider. 20 Jahre später kaufte Persson das Unternehmen Mauritz Widforss, welches Herren- und Jagdbekleidung im Sortiment hatte. So entstand Hennes & Mauritz, heute ein Konzern mit jährlich 9,6 Milliarden Euro Umsatz.
Mittlerweile ist H&M an der Börse notiert, mit Stefan Persson ist aber noch ein Familienmitglied Aufsichtsratsvorsitzender und Inhaber von 31% der Anteile. Stefan Persson ist nach Ingvar Kamprad (IKEA) somit auch der zweitreichste Schwede mit einem geschätzten Vermögen von 14,5 Milliarden Dollar. Nur dass er immer noch in Stockholm lebt. Auch seine Geschwister sind in der Konzernspitze vertreten.
Den größten Erfolg fährt die hippe Kette heutzutage in Deutschland, Großbritannien und Schweden ein. Auch den Schritt in den Online-Verkauf hat die Kette dabei gewagt. Das Unternehmen besitzt keine eigenen Fabriken, sondern kauft seine Ware von etwa 800 Lieferanten. Das Design wird zum größten Teil in Stockholm entwickelt. Das verwundert nicht, da die Schweden generell als sehr modebewusst gelten und die Trends gefühlt auch immer ein bis eineinhalb Jahre vorher im Dreikronenland sind als in Deutschland. Wobei man nicht bei jeden Trend glücklich ist, dass er es bis in unsere Gefilden geschafft hat…
Man kann über H&M meinen, was man will. Unumstritten ist die Tatsache, dass das schwedische Unternehmen bei den Jugendlichen Europas zu den Marktführern zählt, Trends bestimmt und ein ähnlich hohes Ansehen genießt wie Coca Cola.
