Kulturlivet – das Kulturleben
Man stelle sich vor:
Wir befinden uns in einer Großstadt, in der es um die 70 Museen zu sehen gibt. Man stelle sich weiterhin vor, die Museen zögen jährlich etwa 9 Millionen Zuschauer an und böten ein Spektrum von der Briefmarkensammlung zum Meeresaquarium über zur Freilichtumgebung. Darüber hinaus wären diese Museen auf dem neusten Stand sowohl was die technischen als auch die museumspädagogischen Belange anginge. Alle Museen seien klimatisch reguliert, die Lichtverhältnisse würden die Exponate schützen und dennoch sei es interessant, sich selbige genauer anzusehen. Mindestens zweisprachig erklärt seien sie ohnehin und viele Aktionen lüden zum Mitmachen ein – die Erwachsenen und die Kinder. Die letzte große Kraftanstrengung ist dann nur noch, sich vorzustellen, all diese Angebote seien komplett kostenlos wahrnehmbar. Ein Eintritt würde nicht erhoben. Der Staat übernähme die Kosten. Ein kleines kulturelles Schlaraffenland…
Wie nicht anders zu erwarten, befindet sich dieses Schlaraffenland in Schweden und nennt sich Stockholm. Jahrelang wurden große Summen in den Ausbau und Erhalt der kulturellen Angebote der Stadt gesteckt. Aus deutscher Sicht beinahe unvorstellbarer Hintergrund dieser “Großmut” war der Gedanke, dass Kulturgenuss und Weiterbildung des Volkes zu fördern sei. Jedem sollte es möglich sein, seinen Horizont zu erweitern – unabhängig von sozialer Herkunft. Kein Hofieren eines elitären Bildungsbürgertums, sondern der Hintergedanke, dass alle Menschen gleich viel Wert sind (typisch sozialdemokratischer Gedanke Skandinaviens, auf den ich ein anderes Mal eingehen möchte). Der Eintritt in die Museen war kostenlos, genauso wie die museumspädagogischen Angebote für Jung und Alt. Wie sich der aufmerksame Leser schon denken kann – das “war” des Satzes hat seinen Grund. Nach Antritt der so genannten bürgerlichen Regierung in Stockholm ist dieser langjährige und bewährte Usus knall auf fall abgeschafft worden. Beinahe alle Stockholmer Museen kosten nun Eintritt. Die Preise können sich international sehen lassen und stellen absolut kein Zugeständnis an die vorherigen Verhältnisse dar. Um die Gemüter zu beruhigen, wurde in einem Bruchteil der Museen eine Art Happy Hour eingeführt, in der man keinen Eintritt bezahlen muss. Mit dem Gedanken der Volksbildung hat dies aber nichts zu tun.
Immerhin weiterhin kostenlos ist das Benutzen des sehr gut ausgebauten Bibliotheksnetz der Stadt. Es gibt weder Jahresgebühr noch eine Abgabe für das Ausstellen eines Benutzerausweis. Die Benutzung des Internets und von Computern mit teurer Software ist ebenfalls möglich. Eine weitere großartige Einrichtung ist die Bandbreite an Literatur in den so genannten Einwanderersprachen. In welcher deutschen Stadt steht ein einziges Buch auf Türkisch? Wird überhaupt bedacht, dass es angenehm sein kann, in seiner Muttersprache ein Buch zu lesen? In Stockholm gibt es Bücher in mindestens 30 Sprachen, z.B. Kurdisch, Indisch oder Persisch.
Nur konsequent ist ebenfalls die kostenlose Bildung. Zumindest die grundlegenden Schulen und Universitäten erheben keine Gebühren für ihre Zöglinge. Allerdings nimmt in Stockholm drastisch die Zahl an Gymnasien zu, die privat betrieben werden und eine gewisse Abgabe fordern. In diesem Bereich orientiert sich das skandinavische Land leider zunehmend am amerikanischen Bildungssystem.
Nichtsdestotrotz geben die schwedischen Kommunen und die Regierung noch sehr viel mehr Geld für den Bereich Kultur und Bildung aus, als dies in Deutschland und anderen westlichen Demokratien der Fall ist. Der hohe Stellenwert der Kultur ist hier absolut noch gegeben und Stockholm bietet extrem interessante Veranstaltungen und Einrichtungen an.
Eine kleine subjektive Auswahl an empfehlenswerten Museen und Kultureinrichtungen:
Skansen: Zoo und Freilichtmuseum. Ist ein Publikumsmagnet und immer mal einen Besuch wert.
Kulturhuset: Mit verschiedenen Ausstellungen, Theater und Veranstaltungen (wird noch näher beschrieben auf diesem Blog)
Moderna museet: Kunstmuseum mit moderner Kunst (und Werken ab 1890 etwa)
Etnografiska museet: Völkerkundemuseum, längst nicht so dröge wie in deutschen Museen aufgebaut
Nordiska musset: Soll die nordische Identität darstellen und trägt somit eindeutig nationale Züge, ist aber interessant, weil es u.a. über den schwedischen Alltag und die Traditionen berichtet.
7. Oktober 2008 um 17:07
[...] schon angedeutet (Kulturleben) ist die Kultur in Schweden noch ein geschütztes Gut, für das der Staat auch gerne mal [...]