Tummelplatz Kungsträdgården
In dieser Woche gabs den ersten Schneeregen in Berlin. Die Temperaturen lagen in etwa auf derzeitigem schwedischen Niveau. Der tristeste Monat zeigt sich von seiner bekannten Seite. Um ihn zu überbrücken, fahren die Städte Unterhaltungsangebote für die Bevölkerung auf. Auf dem Potsdamer Platz wurde eine Winterwelt geschaffen mit einer Schneerampe, die man auf Snowtubes (etwa: Gummireifen) runterdüsen kann sowie einigen Buden und einer Schlittschuhfläche. In Stockholm eröffnen derzeit ebenfalls die ersten Eisbahnen, darunter diejenige an prominenter Stelle im Kungsträdgården.
Der Kungsträdgården liegt im Zentrum Stockholms auf der Insel Norrmalm. Gleich in der Nähe ist das große Kaufhaus NK (Nordiska Kompaniet), in dem vor einigen Jahren Anna Lindh ermordet wurde. Sergels Torg und das Königliche Schloss sind ebenfalls dicht bei. Auch das Sverigehuset mit der Touristeninformation befindet sich am Rande des Platzes. Und natürlich Maxburger, die schwedische Fastfoodkette, die Qualitätsburger anbieten möchte.
Kungsträdgård bedeutet in etwa Königlicher Garten. Unter einem Garten stellen sich allerdings viele Menschen etwas anderes vor. Auch der Begriff Park trifft es meiner Meinung nach nicht so genau, da zuviel Beton im Spiel ist. Es ist eher ein Platz mit versprengten Bäumen. Trotzdem nicht unattraktiv. Sein Aussehen hat er allerdings in den über 280 Jahren seines Bestehens stark verändert. Zunächst war es ein Lustgarten für die Adeligen der Stadt und somit nicht für die Allgemeinheit geöffnet. Irgendwann wollten die Adeligen mehr Licht und ordneten die Entfernung von Bäumen an. Immerhin fielen wenig später auch die Mauern des Areals.
Noch heute liegt der Platz in exponierter Lage. Die großen Banken siedelten sich hier an, das Grand Hotel als eines der teuersten Hotels der Stadt liegt in Sichtweite, Oper, Schloss und Reichstag sind ebenfalls in der Nähe. Nördlich des Kungsträdgården beginnt außerdem das Viertel der Reichen, Jungen und Schönen: Östermalm. Hier finden sich teure Kleidungsstücke, Möbel, Accessoires und ein McDonalds mit Lederstühlen. Den Stadtteil beim Besuch auf keinen Fall auslassen, repräsentiert er doch einen Teil der schwedischen Bevölkerung und Kultur.
Der Kungsträdgården hingegen ist für alle da. Hier werden das ganze Jahr über Attraktionen und Veranstaltungen geboten. Aktuell wie bereits erwähnt die Eisbahn. Diese ist rund und umrahmt eine der beiden Karl-Statuen (die beiden Gründer des Parks). Stockholmer zieht es hier so gut wie nicht hin. Die meisten Schlittschuhläufer sind Touristen aus aller Welt. Der Anteil Südländer, die zum ersten Mal auf Schlittschuh stehen, ist relativ hoch, also wachsam fahren und nicht nervös werden, wenn sich jemand an deine Jacke hängt.
Ende November beginnt außerdem der Weihnachtsmarkt, wobei ich an anderer Stelle schon einmal darauf hingewiesen habe, dass man seine Erwartungen nicht zu hoch stecken sollte. Weihnachtsmärkte in Stockholm sind sehr überschaubar. Im Sommer gibt es viele Festivals und Liveveranstaltungen. Rund um die Anlage finden sich Restaurants, die für gewöhnlich sehr stark frequentiert werden. Und am Nationalfeiertag, dem 6. Juni, gibt’s Gaudi und Papierflaggen in gelb-blau für alle. Kurzum: Wer in Stockholm wohnt oder es besucht, kommt an dieser Ecke nicht vorbei.
Nicht verpassen sollte man übrigens auch die U-Bahnstation Kungsträdgården. Die Endstation der blauen Linie gehört nämlich zu den am schönsten gestalteten Stationen der Stadt. Wer Großstadtflair haben möchte, sollte auch die eine Station bis zum Hauptbahnhof per Tunnelbana fahren und kann dann die Rollbänder bestaunen und begehen. Um den relativ weiten Weg zu den anderen U-Bahnlinien zu verkürzen, wurden hier eine Art Fließbänder mit leichter Steigung installiert. Auf denen hat man ein wenig das Gefühl zu schweben und besonders dynamisch zu gehen, bis man dann zurück auf den harten Boden geschubst wird.
