Musikexporteure: Mando Diao
Man stelle sich vor eine Gruppe attraktiver Knaben ist zum Shake-Hands mit Außenminister Westerwelle geladen. Nicht etwa, weil die Bevölkerung in Afghanistan “beschützt” wurde oder weil sie sich mit europäischen Nachbarn vernetzt haben und eine internationalen Schüleraustausch initiiert haben. Nein, man stelle sich vor Tokio Hotel käme ins Außenministerium und würde geehrt werden, weil sie deutsches Liedgut (und eventuell auch Werte) ins Ausland getragen hätten. Botschaften mit Musik versendet haben, zudem an eine Zielgruppe, die Politik vor allem dann spannend findet, wenn wieder peinliche Politikervideos auf Youtube kursieren.
Vergleichbares ist in der letzten Woche in Schweden geschehen. Die Band Mando Diao wurde von der schwedischen Regierung geehrt und bekam den Musikexportpris. Sicherlich eine Ehrung, die nicht viele Musiker entgegennehmen können. Und so unrecht hat die schwedische Regierung mit ihrer Wahl auch nicht: Mando Diao gehört zu den Bands, die international in den letzten Jahren kontinuierlich Erfolge feiern konnten und beispielweise im Gegensatz zu Shout out louds oder Moneybrother den längeren Atem bewiesen haben. Exportpreis passt zudem, da die Band – meiner Einschätzung nach – zumindest in den deutschsprachigen Ländern noch sehr viel populärer ist als in Schweden. Der Erfolg hakt ein wenig im Mutterland der Retromusik, in Großbritannien. Da scheint die Konkurrenz zu groß zu sein.
Am 1. Februar wurde den fünf Schweden der Preis von Handelsministerin Ewa Björling überreicht. Auch andere Musiker wurden bei der Zeremonie geehrt, sie bekamen jedoch Preise in anderen Kategorien. Der Musikexportpreis wurde zum insgesamt 13. Mal vergeben, zu den Vorgängern gehörten beispielsweise Roxette, The Hives, The Cardigans und In Flames. Ein Video der Veranstaltung gibt es auf der Webseite von Mando Diao. Als Begründung gab die Jury an, dass die fünf Musiker im letzten Jahr 150 Konzerte gespielt haben und ihr Album Give me Fire ein großer Kassenschlager war. Beziehungsweise – wir leben im 21. Jahrhundert – die meisten iTunes verkauft wurden. Give me fire war sicher nicht ihr bestes Album, aber sie waren in den Augen der schwedischen Regierung wohl mal dran.
Mando Diao gibt es seit ziemlich genau 10 Jahren. Die Band begann als Quartett, tauschte einen Keyboarder aus und holte sich ein neues Bandmitglied hinzu. Aufnahmekriterium sind auf jeden Fall Haare, die einem ins Gesicht hängen, was in Schweden aber ja auch eine Menge Männer zutrifft, zumal wenn sie die Retromode für sich entdeckt haben. Nicht ungeschickt natürlich auch, dass alle fünf Mitglieder nicht hässlich sind. Ähnliches hat schon bei Take That ganz gut funktioniert. Aber die Musik ist besser: Fünf Alben wurden bisher produziert. Größten Erfolg hatte die Single Dance with somebody, vermutlich weil dieses Lied den Wunsch der Massen nach Poprock á la Killers und Kings of Leon am ehesten erfüllte. Noch besser können sie aber richtig rocken und live spielen. Waren sie in den Anfangsjahren – geprägt von ihren nationalen Rivalen The Hives – noch extrem arrogant auf der Bühne, haben sie diese Attitüde in den letzten Jahren etwas ablegen können. Beim zweitgrößten Festival Deutschlands, dem Hurricane / Southside Festival sind sie wieder zu sehen und dürften als Headliner fungieren. Zeit zum Springen, Gröhlen und Toben, Zeit für ihre größten Hits: Motown Blues, Good Morning Herr Horst und Down with the past!