Sprachkunde: Was mag ein “mannekäng” sein?
Dass ihnen manchmal auch der Schalk im Nacken sitzt (wo sie im europäischen Vergleich eher als ruhig und scheu gelten), beweisen die Schweden durch ihre Sprache. Besonders interessant die Übernahme fremdsprachlicher Begriffe ins Schwedische – die so genannten Lehnwörter.
Was sicherlich bei vielen Rechtschreibegeplagten in Deutschland großen Neid entstehen lässt: Die Schweden schreiben, wie sie reden. Und das sehr konsequent. Bekanntlich haben Fremdsprache meist die Tücke, dass sie nicht nur andere Worte nutzen, sondern auch andere Laute haben. Dieses Problem umgehen die Schweden sehr pragmatisch. Vor allem mit französischen Lehnworten. Aus dem im Französischen häufig vorkommenden eu wird gerne mal ein ö. Somit wird der Flaneur zum Flanör (Interessant finde ich, dass wir im Deutschen beinahe nur beim Frisör dieses Prinzip anwenden. Trotz beinaher identischer Aussprache wie im Schwedischen.) Auch die Abfolge dreier aufeinander folgender Vokale kürzen die Schweden radikal. Aus Niveau wird dann ganz schnell Nivå (das å spricht man wie ein o). Fragt sich, ob sie aus dem Beau (dem Schönen) auch einen Bå machen würden?
Warum das Schwedische eine der wenigen Sprachen mit Umlauten ist, wird hoffentlich langsam klar. Da werden Worte verschwedischst (försvenskt), dass sich die Balken biegen. Eine große Portion Fantasie ist jedes Mal gefragt, um die Bedeutung des Wortes zu erschließen. Bei Mannekäng habe ich wirklich eine Minute gebraucht, bis ich dank des Kontexts auf Mannequin gekommen bin.
Auch Endungen lassen einen frankophilen Menschen oder nur Sprachliebhaber zuweilen ins Staunen geraten. Schreiben wie man spricht, bedeutet Restaurant mit der Endung ng zu versehen. Restaurang ist die logische Konsequenz. Oder Kupong (Coupon), Gratäng (Gratin), Satäng (Satin).
Im Gegensatz zum Deutschen werden dafür Anfangsbuchstaben nicht so stark verändert. Beispielsweise heißt vin auch vin, wird also nicht zum Win oder Wein. Soll heißen, auch die Deutschen treiben Schindluder mit Worten anderer Sprachen. Bei der neuen Rechtschreibereform waren ja auch Ideen wie Ketschup, Jogurt und Delfin im Gespräch.
Für Freunde des Knobelns noch ein paar Worte (die Liste kann natürlich beliebig verlängert werden). Demnächst folgen dann die Besonderheiten englischer Lehnwörter:
mus
tendens
detalj
trikå
silhuett
renässans
kejsar
toalet
17. Oktober 2008 um 14:14
Ach, ja, da hast du ja mein Lieblingsthema doch aufgegriffen! ich hatte mich schon gewundert, dass darueber noch nix bei dir zu finden war!
Und hier meine Favoriten:
-fåtölj
-foajé
-depå
17. Oktober 2008 um 19:54
Mh, die sind ja schon etwas schwieriger zu raten (bis auf das Letzte).
Ich persönlich finde ja noch Folgendes super:
nörd
updatering
20. Oktober 2008 um 10:27
Richtig, besten Dank nach Schweden, Tas. Es finden sich immer noch wieder Worte, die noch schwieriger zu entziffern sind. Und ich hatte noch nicht erwähnt, dass die Schweden dann witzigerweise doch noch wieder mit Accents arbeiten. Häufig sogar bei Nachnamen. Besonders skuril fand ich den Nachnamen Rotzén.
Und auf die englischen Lehnwörter wollte ich auch noch zurückkommen… Da gibts auch noch ne Reihe heiterer Wortschöpfungen.
20. Oktober 2008 um 10:36
Ja, genau, das mit den accents….eigentlich einen eigenen Beitrag wert….
Mein “Lieblingswort” in der Accentkategorie (eigentlich gibt es den Buchstaben ja gar nicht im schwedischen Alphabet) ist: byffé (auf französisch eigentlich “buffet” und deshalb irgendwie ne sehr komische “eingeschwedischte” Variante!)
Beste Grüße aus Stockholm.
Tas
PS: Auf deutsch heißt das jetzt übrigens “Büfett” – auch schrecklich
23. Oktober 2008 um 21:46
Wirklich nettes Thema!!!
Es ist ja immer wieder herzig diese eingeschwedischten Fremdwörter zu lesen. Bisweilen erinnern sie ja stark an die ersten Schreibversuche von Volksschülern (oder Grundschülern, wie das auf Hochdeutsch wohl heißt).
Ich hab da auch noch zwei Lieblingswörter, die meiner Meinung nach ergänzungswürdig sind, entdeckt.
buljong (vom franz. bouillon, also suppe)
tejp (vom engl. tape, heißt also Klebestreifen bzw. Tixo für uns Österreicher)
Auch originell finde ich tajt, was sich mit ein wenig Phantasie und viel gutem Willen, vom engl. tight ableiten lässt und eng oder knapp bedeutet.
Liebe Grüße aus wien
Sophie
19. Januar 2009 um 18:07
[...] ich schon auf die interessante Art hingewiesen habe, wie die Schweden französische Lehnwörter in ihre Sprache integrieren, sollen nun ein paar englische Begriffe dargestellt werden. Wobei ich [...]