Hippies seit 40 Jahren
Sex, drugs and Rock n’ Roll, Flower-power, Haschisch und Stirnbänder – Hippies gab es überall. Und wenn auch nicht alle zum gleichen Ruhm gelangt sind wie die Vorbilder Bob Dylan und Jimi Hendrix, so entstanden doch eine Reihe von mindestens national berühmten Bands in den so genannten wilden 60er und 70er Jahren. Und was die Ton Steine Scherben hierzulande sind, ist die Band Nationalteater in Schweden. Kritische politische Texte mit teilweise sozialistischer jedoch immer linker Orientierung machten und machen die Band aus. Denn im Gegensatz zu den Scherben besteht Nationalteater noch. Um die 10 Konzerte spielen sie noch im Jahr, die vermutlich von Mitgliedern drei verschiedener Generationen besucht werden.
Wie der Name der Gruppe erahnen lässt, liegen die Ursprünge der Band in der Theaterarbeit. Ende der 60er Jahre entstand in Lund eine Theatergruppe, welche sich nicht an eine Bühne binden lassen und volksnahe Stücke aufführen wollte. Gespielt wurde meist auf der Straße. Aufgrund von Streitereien mit den Behörden Skånes zogen die Theaterleute schnell weiter nach Göteburg. Parallel dazu entwickelte sich die Musikgruppe Nationalteater, welche mit zu der Entstehung des schwedischen Progg beitrug. Dies war eine Musikbewegung, welche sich zum Ziel gemacht hatte, der Musikindustrie zu beweisen, dass die schwedische Jugend nicht nur billige Kopien der Beatles im Radio hören wollte. Neue Techniken und Stile sollten ausprobiert werden können und die Musiker nicht eingeschränkt werden durch die ökonomischen Interesse der Plattenfirmen.
Das bekannteste Album trägt den schönen Titel “Livet är en fest” (Das Leben ist ein Fest) und erschien 1974. Es geht um Alkohol, Musik machen, Frauen, aber auch um Alkoholismus, Arbeitslosigkeit und Eltern, die ihre Kinder nicht verstehen oder verstehen wollen. Bekannte Motive, meist mit rauen Männerstimmen vorgetragen. Heute hat die Band noch sechs Mitglieder, darunter eine Sängerin.
In den 80er und 90er Jahren war es relativ ruhig um die Band, die sich dann um 2002 wieder vereint hat. Nun aber ohne Theaterarbeit. Wie es sich für eine schwedische Band gehört, werden die Möglichkeiten des Internets voll ausgeschöpft. Auf der eigenen Homepage gibt es ihr neuestes Lied “Ge mig mitt liv – nu” zum Download (welches sich musikalisch von den alten Stücken unterscheidet. Hier hat man sich dem schwedischen Elektropop angenähert). Auch Gästebuch und Neuigkeiten erfreuen sich scheinbar reger Aktivität. Gleiches gilt für die Myspace-Seite der sechsköpfigen Gruppe, auf der fünf Lieder zum Probehören sind. Kolla Kolla!
Randbemerkung: Eigentlich wollte ich einen Artikel über den sehr schönen Street-Flohmarkt auf Södermalm schreiben, um enttäuscht festzustellen, dass es diesen Markt derzeit nicht mehr gibt. Ich hoffe sehr, dass die Veranstalter bald neue billigere Lokalitäten finden und das Konzept Klein-Camden Market in Stockholm fortführen.
