Schwedischer Sunnyboy – Niklas Jihde
Ein Spiel geht 90 Minuten, das Runde muss ins Eckige und sei außerdem fair zum 23. Mann. Wer behauptet, Fußball nicht zu mögen, hat in einem Partygespräch meist verloren. Als Frau könnte man sich rausreden und behaupten, man verstehe die Regeln nicht, aber das ist ja auch nur eine billige Ausrede dafür, dass man den Sport einfach für zu langweilig bzw. dämlich hält. Die Tatsache, dass Frauen meist lieber Individualsport betreiben, könnte damit zusammenhängen, dass sie als Kind zu oft die Sportschau oder Ran mitgucken mussten. Eine Horde überbezahlter auf den Rasen rotzender Männer rennt hinter einem Ball her und man kann froh sein, wenn ein Spiel 1:1 ausgeht. Das war dann schon ein ereignishaftes Spiel.

Niklas Jihde für den AIK, Foto: Claudio Schwarz, flickr
Eigentlich ist fast jede Mannschaftssportart attraktiver als Fußball. Wie bereits erwähnt, sind in Schweden die Spiele mit Schlägern besonders beliebt, also Eishockey, Bandy und Innebandy. Da es für die ersten beiden Sportarten eher kühle Temperaturen und Eis bedarf, ist Innebandy die präsenteste Sportart. Kinder spielen es auf der Straße, in der U-Bahn begegnet man sehr häufig Menschen mit Schlägern und die Finalspiele um die schwedische Meisterschaft locken etwa 12.000 Menschen in den Globen.
Dafür, dass so viele Schweden in ihrer Freizeit dem kleinen Plastikball hinterherlaufen, wird in den Medien relativ wenig über den Sport berichtet. Von der Weltmeisterschaft im Dezember 2008 wurden beispielsweise nur die Finalspiele im schwedischen Fernsehen gezeigt. Dabei war es die erste Finalniederlage für Schweden seit Beginn der Austragung einer Weltmeisterschaft. Die Finnen haben es geschafft, ihre Nachbarn mit 6:5 um den Sieg zu bringen. Aufgrund der mangelnden Medienpräsenz sind auch die Spieler nicht so bekannt wie beispielsweise Zlatan Ibrahimovic oder Fredrik Ljungberg. Ein Spieler jedoch spielt so überragend, dass er wohl in ganz Schweden auf der Straße erkannt wird: Niklas Jihde.
Jihde ist mittlerweile 32 Jahre alt und hat in seiner Karriere schon etliche Titel gewonnen. Zurzeit spielt er mit dem AIK aus Stockholm in der Svenska Superligan. Derzeit steht das Team auf Platz 4 der Tabelle und hat somit noch Chancen auf die Playoffs und den Titel. In diesem Jahr hat Jihde den Rekord des Finnen Mika Kohonen gebrochen: Er hat als Erster 600 Punkte in der höchsten schwedischen Liga erzählt. Als Punkte zählen dabei sowohl Tore als auch Vorlagen. Das wäre wohl vergleichbar mit einem Fußballspieler, der jede Saison mindestens 20 Tore erzielt.
Die Beliebtheit Jihdes resultiert allerdings nicht nur aus seinem Erfolg, sondern auch aus seinem Wesen. Er ist ein wenig der Timo Boll des schwedischen Innebandys: nicht hässlich, nicht dumm und nicht eingebildet. Im Gegensatz zu Boll bekommt er jedoch Werbeverträge. Mittlerweile arbeitet Jihde außerdem als Sportkommentator und betreibt einen Blog auf der Seite des schwedischen Innebandyverbands. Eine eigene Homepage gibt es auch, die sich allerdings auf Daten beschränkt. Zum schwedischen Sportler des Jahres hat es bisher noch nicht gereicht (starke Konkurrenz aus Leichtathleten, Skisportlern und immer wieder Zlatan), aber vielleicht kommt das ja noch zum Karriereende. Verdient hat er es sicher.
26. Februar 2009 um 16:07
Das mit der Medienpräsenz hat mich auch ein wenig gewundert, zumal dieser Sport in der Freizeit so verbreitet ist.
Allerdings erscheint dies alles aus Deutschland betrachtet vollkommen egal, denn hier muss man ja schon großes Glück haben, um den Sport überhaupt betreiben zu können.