Offene Türen bei den Nordischen Botschaften
Gestern luden die Nordischen Botschaften in Berlin zu einem Tag der offenen Tür. Anlass war das zehnjährige Jubiläum des gemeinsamen Botschaftsgeländes. Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden haben sich nach dem Fall der Mauer entschieden, sich in Berlin in direkter Nachbarschaft anzusiedeln. Das Ergebnis ist ein architektonisch sehr schöner Gebäudekomplex, den Besucher gestern auch von innen ansehen konnten.
Da Botschaften immer Hoheitsgebiete eines Landes sind, hat jedes Land sein eigenes Gebäude. Darüber hinaus gibt es das Felleshus, welches alle Botschaften gemeinsam nutzen. Hier gibt es einen Vortrags- und Kinosaal, Tagungsräume, eine Kantine, Platz für Ausstellungen und allgemeine Informationen zu den Botschaften. Dieser Teil ist für Besucher stets zugänglich. In die Kantine können nach 13 Uhr auch ganz normale Besucher. Es gibt nicht immer, aber sehr häufig nordisches Essen und lecker ist es auch. Freunde zuckersüßer Getränke in schrillen Farben kommen ebenfalls auf ihre Kosten.
Die Botschaftsanlage steht heute an der Stelle in der Nähe des Tiergartens, an der 1939-1943 die finnische und schwedische Botschaften lagen. Im Zweiten Weltkrieg wurden diese zerbombt. Den Entwurf für die Botschaftsanlage reichte das österreichisch-finnische Architektenduo Alfred Berger und Tiina Parkkinen ein. Die Botschaften sind so zueinander angeordnet, wie sie auf einer Landkarte zu sehen sind. Kleine mit Wasser gefüllte Gräben sollen die Meere zwischen den Ländern symbolisieren. Ein Kupferband verbindet alle Gebäude miteinander und soll den nordischen Zusammehalt symbolisieren.
Die einzelnen Botschaftsgebäude wurden jeweils von nationalen Architekten entworfen und umgesetzt. Dabei wurde auf die Materialien aus den Heimatländern zurückgegriffen und nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. Die Fassade der finnischen Botschaft ist beispielsweise aus einer interessanten Mischung aus Glas und Holz und soll an die Kantele, ein hölzernes Musikinstrument erinnern. Das Gebäude ist die Perle der Anlage und wurde mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet. In der isländischen Botschaft finden sich im Eingangsbereich Lavasteine. Schweden setzt auf eine Glasfassade, was auf Transparenz hindeuten soll und gleichzeitig Lichteinfluss begünstigt. In Richtung der norwegischen Botschaft ist die schwedische Fassade aus grob geschliffenem Kalkstein aus Gotland. Entworfen hat das schwedische Gebäude das Arkitekturkontor AB von Gert Wingårdh, welches auch das Moderna Museet in Stockholm konzipiert hat.
Ein Gang durch die Gebäude kann nur Neid beim Betrachter aufkommen lassen. Die Büros sind alle super modern und schön eingerichtet. Viel Licht und Ruhe zugleich. Die Gebäude strahlen eine sehr angenehme Atmosphäre aus und bieten Gemeinschaftsräume und moderne landestypische Kunst. Das I-Tüpfelchen gönnten sich die finnischen Mitarbeiter: Sie haben zwei Saunen in ihrem Gebäudekomplex. Die Dänen wiederum wurden von Bang & Olufsen mit Audio- und Konferenztechnik “aus dem Hochpreissegment” ausgestattet.
Beim Tag der offenen Tür konnte man sich eine Comicausstellung ansehen, allerdings mit teils sehr bösem oder schwer verständlichen Humor. Natürlich konnte man in der Kantine essen, das Elchgulasch war jedoch recht schnell vergriffen. Norwegisches Bier, Cider und den nur schwer genießbaren Glögg (zuckersüßer Glühwein) gab es ebenfalls. Die Botschafter lasen aus Werken ihrer Heimatländer, es gab kleine Konzerteinlagen, Sprachkurse für Einsteiger und – natürlich – ein Gewinnspiel.
Besucht war die Veranstaltung sehr gut. Auch den Kindern konnte in der sonst meist eher drögen Botschaftsumgebung einiges geboten werden. Informationsmaterial zum Mitnehmen gab es zuhauf. Für die Veranstalter eine gelungene Aktion, da bei so manchem Besucher der Gedanke an den nächsten Urlaub erweckt worden ist, der vielleicht in eines der fünf wunderschönen nordischen Länder führt. Und man hat mal wieder das Gefühl bekommen, dass die nordischen Länder viel auf Volksnähe und Transparenz setzen, was man bei uns ja allzu oft vermisst…
PS: Sollte mal jemand in Berlin aufschlagen, noch ein Veranstaltungstipp: Es gibt einen Nordischen Filmclub. Dort werden Filme in Originalsprache mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Einfach mal auf der Seite der Botschaften nachschauen, wann der nächste Film kommt.

23. November 2009 um 11:40
[...] Blog Mikado 82 wird der Gebäudekomplex als “architektonisch sehr schön” bezeichnet, auch hier [...]