Nils Holgersson als Fernsehstar

Sonntag, 17. Juli 2011

1907 schrieb die schwedische Lehrerin und Literatur-Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöff den Roman Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige (dt.: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden). Im Jahr 2011 wird die Story neu verfilmt und soll in der Weihnachtszeit auf der ARD zu sehen sein. Die deutsch-schwedische Koproduktion wird als Zweiteiler für die Zuschauer aufbereitet. Mal sehen, ob Lagerlöffs Ziel, Kindern alle Landschaften Schwedens vorzustellen, weiterhin verfolgt wird.

Als kleine Gedächtnisstütze ein Überblick über die Geschichte. Nils Holgersson ist 14 Jahre und lebt in Südschweden. Er ist ganz Michel-like ein Schelm und führt gerne Streiche aus. Seine Eltern halten ihn deshalb für faul und bösartig. Irgendwann wird er wegen eines Streichs in einen Däumling (im schwedischen eher verbreitet als tomte) verwandelt. Dann gibts da noch die Hausgans Martin, die sich den Wildgänsen anschließen will, die nun mal immer über Südschweden nach Nord bzw. Süd fliegen. Nils will ihn zwar daran hindern, schafft es nicht und schließlich fliegen Martin und Nils mit einer Truppe Wildgänsen durch das Land in Richtung Lappland. Damit es die Kinder interessiert, erleben sie verschiedene Abenteuer. Gleichzeitig wird ihnen aber auch über Landschaft und Kultur der verschiedenen schwedischen Landschaften  berichtet. 50 Kapitel hat das Werk insgesamt. Die beiden fliegen einmal hoch nach Lappland und setzen sich auf dem Weg nach Süden in ihrer Heimat wieder ab.

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Fußball-WM: Schwedinnen legen vor

Mittwoch, 29. Juni 2011

Wie immer im Frühsommer können Fußballfans sich über stundenlange Fernsehübertragungen ihres Lieblingssports freuen. Wobei der Enthusiasmus sich bei vielen noch in Grenzen hält, sind ja schließlich “nur” Frauen, die spielen. Das Eröffnungsspiel der Frauen-Weltmeisterschaft haben aber immerhin fast 15 Millionen deutsche Zuschauer gesehen. Dabei ist die Erfolgsbilanz der Frauen deutlich besser als die der Herren. Und je erfolgreicher deutsche Sportler sind, desto mehr Fans gibt es für gewöhnlich im eigenen Lande. Trotzdem gibts nichts annähernd so viele Deutschlandfähnchen an den Autos wie 2006 oder 2010. Und hat man schon mal jemand gesehen, der ein Nationaltrikot einer deutschen Spielerin trägt? Gibt es sowas überhaupt? Vielleicht steigert sich das Mitfiebern ja aber noch während des Turniers.

Vielleicht ist die Begeisterung in Schweden größer. Die Schwedinnen haben auch gute Chancen auf Medaillenplätze. 1984 waren die Schwedinnen Sieger bei der ersten Europameisterschaft der Frauen. Drei Mal konnten sie seitdem das Finale einer EM erreichen. Gewonnen hat allerdings immer der Gegner (meist Deutschland). 2003 waren sie sogar im Endspiel der Weltmeisterschaft, welches Deutschland knapp durch Golden Goal gewann. Aber was lange währt, währt endlich gut. Schweden wird 2011 durchaus als Titelkandidat gehandelt.

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Schwedischer Festivalsommer

Montag, 13. Juni 2011

Letzte Woche war Rock am Ring und damit Start in die europäische Festivalsaison. Beim Ring waren Coldplay und System of a Down Headliner. Letztere haben nach fünf Jahren Pause und angeblichen Streitereien in diesem Jahr die ersten gemeinsamen Konzerte geplant und kommen z.B. auch nach Berlin und bereits am nächsten Wochenende nach Göteborg.

Hultsfred Festival (Foto: Jonas Nilsson Lee)

Hultsfred Festival (Foto: Jonas Nilsson Lee)

In Göteborg treten sie beim zweitägigen Meltadown Festival auf. Entsprechend des schwedischen Musikgeschmacks ist das Meltadown ein Metal-Festival. System of a Down, die aufstrebende dänische Band Volbeat und die Veteranen von Korn sind dabei die bekanntesten Namen. Ansonsten sind eine ganze Menge schwedischer Bands auf dem Festival vertreten. Etwas ungewöhnlich ist, dass nur ein Tag vor dem Meltadown auf demselben Gelände das West Coast Riot-Festival stattfindet. Dieses Punk-Festival wurde vor 3 Jahren zum ersten Mal veranstaltet. In diesem Jahr findet es an nur einem Tag statt und zwar am Donnerstag, dem 16. Juni. In Schweden ist da scheinbar schon die Urlaubszeit gekommen… Auftreten werden The Gaslight Anthem, Gogol Bordello, Shelter, Sum 41 und Millencollin.

 

Vermutlich hängt diese Terminverknüpfung aber auch mit finanziellen Aspekten zusammen. 2010 ist der Veranstalter des bis dahin größten schwedische Festivals, des Hultsfred eine Woche vor der Veranstaltung Pleite gegangen. Das Festival fand deshalb nicht statt. Aber schon schnell gab es Ersatz. Das Hamburger Unternehmen FKP Scorpio hat sich die Namensrechte an dem Festival gesichert. Damit expandiert FKP Scorpio weiter im europäischen Raum. In Deutschland sind sie die Veranstalter des Southside bzw. Hurricane-Festivals (nach dem Rock am Ring mittlerweile das zweitgrößte Festival).  Außerdem organisieren sie das Highfield (Alternative), Area4 (Punk), Mera Luna (Gothic), Plage Noir (Indoor-Festival), Chiemsee Reggae, Hamburger Kultursommer, Elbjazz, Rolling Stone Weekender (Indoor-Festival) und das Greenfield-Festival in der Schweiz.

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Ostseeinsel Gotland

Montag, 30. Mai 2011

Natürlich kann man auch in Schweden sehr gut Urlaub machen. Und die Schweden selbst verbringen den Sommer gerne im Heimatland. Zum Beispiel auf der Ostseeinsel Gotland. Diese liegt etwa 100 Kilometer östlich vom schwedischen Festland und noch etwas nördlich von der zweiten großen schwedischen Insel Öland. Damit liegt es fast in der Mitte zwischen Schweden und Lettland.

Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&hypoxia)

Raukar auf Gotland (Foto: eutrophication&hypoxia)

Gotland ist aus mehreren Gründe speziell. Zum einen gibt es auf der Insel einen besonderen Dialekt namens Gutamål (Deutsch: Gutnisch). Einige meinen, dass es sich um eine eigene Sprache handelt. Dafür spricht, dass es auch noch einen eigenen Dialekt der Insel namens Gotländisch gibt. Außerdem soll es Gutamål gegeben haben, als sich Schwedisch gerade noch entwickelt hat. Wer einen Einblick in die Sprache bekommen möchte, wird hier fündig.

Nun könnte man meinen, wenn die Insel schon Gotland heißt, wird hier Gotisch gesprochen. Heutzutage spricht aber keiner mehr diese ostgermanische Sprache. Gutamål ist außerdem eine nordgermanische Sprache. So ganz aus dem Nichts kommt der Name Gotland jedoch nicht. Laut der Gutasaga lebten die Goten auf der Insel, bevor Teile von Ihnen nach Europa zogen und große Flächen eroberten. Die Gutasaga ist allerdings nicht gerade die verlässlichste historische Quelle. Vergleichbar mit der Nibelungensage. Die Forschung hält es für eher unwahrscheinlich, dass die Goten aus Skandinavien stammen.

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Kulturhauptstadt 2011: Turku

Freitag, 20. Mai 2011

Der Sommer naht mit großen Schritten und wer es noch nicht getan hat, sollte sich langsam Gedanken über seinen Sommerurlaub machen. So ein solcher zeitlich und finanziell machbar ist. Nun zieht es jedes Jahr aufs Neue Zehntausende von deutschen Touristen nach Spanien, Italien und Schweden. Aber warum nicht auch mal nach Finnland reisen? Seen und Wälder gibt es dort in Hülle und Fülle. Vielleicht sogar mehr als in Schweden. Klimatisch sollte es sich auch nicht allzu sehr von Schweden unterscheiden. Zumindest wenn man im Süden des Landes bleibt und es Sommer ist. Die Sprache könnte einige Touristen abschrecken, aber ich habe bisher keine fleißigeren Fremdsprachler als die Finnen kennen gelernt. Englisch und Deutsch sind weit verbreitet.

Gerade in diesem Jahr könnte sich eine Reise nach Finnland außerdem lohnen, da Turku (Schwedisch: Åbo) derzeit Europäische Kulturhauptstadt ist. Turku liegt im Schärengarten an der südlichen Spitze des Landes. Nach eigenen Aussagen ist sie die älteste Stadt Finnlands. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war sie außerdem die Hauptstadt des Landes. Heute leben etwa 180.000 Einwohner dort, somit ist sie die fünftgrößte Stadt der Finnen. Vor Ort gibt es zwei offizielle Sprachen: Finnisch und Schwedisch. Wobei nur jeder 20. Turkuer heutzutage noch Schwedisch als Muttersprache hat (Mitte des 19. Jahrhundert waren es ca. 50%). Die meisten Einwohner der Stadt beherrschen jedoch beide Sprachen. Die Zweisprachigkeit erklärt auch die zwei Namen der Stadt. Turku geht auf einen russischen Begriff für Marktplatz zurück. Åbo bedeutet in etwa Wohnen am Fluss. Der Fluss heißt Aurajoki und teilt die Stadt in zwei Hälften.

Turku war im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt. Bereits im 13. Jahrhundert wurden hier ein Dom und eine Burg errichtet. Außerdem war die Stadt Bischofssitz. Mit der Hanse wurde reger Handel betrieben, die Stadt trat dieser Vereinigung aber nicht selbst bei. Viborg war die zweite bedeutende finnische Handelsstadt in den tiefen des Mittelalters. Während dieser Zeit gehörte Turku zum Königreich Schweden und war somit auch von den Machtkämpfen mit den Dänen und interne Streitigkeiten betroffen. Nach Abschluss dieser Phase wurde 1640 in Turku die erste Universität Finnlands eröffnet.

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Filmzensur: Pionier Schweden

Mittwoch, 4. Mai 2011

In unserer Welt herrscht das Primat der Superlative. Höher, weiter, schöner, reicher ist das Motto, dem man sich beugt. Und Schweden war ganz vorne dabei. Allerdings ein Superlativ, auf den man nicht unbedingt stolz sein muss: Schweden hat 1911 die erste Filmzensurbehörde der Welt gegründet. Filmzensur bedeutet hier nicht – wie man vielleicht denken könnte – Filme so zu schneiden, dass sie jugendfrei werden. Filmzensur heißt, dass jemand meint, bestimmte Vorgänge dürfen in einen Film für Erwachsene  nicht gezeigt werden. Diese müssen dann rausgeschnitten werden, bevor der Film an die Öffenltichkeit gelangt. Oder wenn nichts zu retten ist, wird der Film komplett verboten.

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

Zensiert: Donald Duck (Foto: Paul-W)

1911 steckte das Medium Film noch in den Kinderschuhen. Ungefähr seit 1895 gab es Stummfilme zu sehen. In den 1910er Jahren kamen zum  ersten Mal kürzere Filme mit der Ikone Charly Chaplin auf den Markt. Und schon zu diesem Zeitpunkt wollte die schwedische Regierung ihren Bürgern vorschreiben, was sie gucken dürfen und was nicht. Zu diesem Zweck wurde das Statens biografbyrå gegründet. Eine Begründung war Rechtssicherheit. Zuvor durfte der Polizist vor Ort entscheiden, was in seinem Einflussgebiet gezeigt wird und was nicht. Da kann man sich vorstellen, wie willkürlich die Entscheidungen getroffen wurden. Doch statt dem Polizisten diese Kompetenz wieder zu nehmen, wurde eine neue Behörde eingeführt.

Was aber eigentlich noch viel erstaunlicher ist als der frühe Beginn der Filmzensur ist die Tatsache, dass die Behörde erst in diesem Jahr zum 1. Januar hin geschlossen wurde. 99 Jahre gab es die Filmzensur in Schweden! Seit Mitte der 90er Jahre hat man zwar die Devise ausgegeben, dass man sich primär darauf beschränkt, die Altersgrenze für Filme festzulegen (in Schweden gibt es die Altersbegrenzungen ab 7, ab 11 und ab 15 Jahren). Es ist aber dennoch zu weiteren Zensureingriffen gekommen. Während der Zensur wurde zum Beispiel verboten, dass der arme Donald Duck mit einem Wohnwagen einen Berg runterfährt und nur um ein Haar mit einem Zug zusammenstößt. Oder in Ein Fisch namens Wanda einer Person Pommes tief in die Nase gesteckt werden und ein Goldfisch verspeist wird (siehe auch einen taz-Artikel zu dem Thema).

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Nachbarland Finnland: Politischer Rechtsruck

Montag, 25. April 2011

Am letzten Sonntag waren in Finnland Parlamentswahlen. Das Ergebnis der Wahl ist denkwürdig und kommt zumindest für mich überraschend. Mit 19% der Stimmen wurde eine Partei namens die “Wahren Finnen” drittstärkste Partei. Sie nehmen jetzt 39 der 200 Parlamentssitze ein. Die selbst titutlierten wahren Finnen sind Populisten, die vor allem gegen die EU und Einwanderung Stimmung machen. Bisher hatte die Partei sechs Abgeordnete im Eduskunta, dem Parlmanent. Nun konnte sie ihre Abgeordnetensitze verfünffachen. Dies führt dazu, dass sie sogar Regierungspartei werden könnten.

Am meisten Stimmen haben die Konservativen (20,4%), dann kommen die Sozialdemokraten (20,1%). Großer Verlierer der Wahl war die Zentrumspartei, die mit 15,8% nur noch viertstärkste Kraft wurde. Ministerpräsidentin Mari Kiviniemi wird somit wohl nicht im Amt bleiben. Sie führte eine Koalition aus Zentrumspartei, den Konservativen, den Grünen und der schwedischen Volkspartei an. Die Regierungsbildung dürfte sich bei dem Acht-Parteien-Parlament noch ein wenig hinziehen.

Die Wahlbeteiligung der Finnen lag bei 70,4%. Das ist im europäischen Vergleich relativ hoch und ca. 2% mehr als bei der letzten Wahl von 2007. Eine niedrige Wahlbeteiligung kann somit als Erklärung nicht herangezogen werden. Etwa jeder fünfte Finne hat bei dieser Wahl für die Populisten gestimmt. Die Partei machte Stimmung gegen die Europäische Union: Sie fordern den Austritt aus der Euro-Zone. Es wurde ausgiebig über die Entscheidung der EU hergezogen, die bankrotten Mitgliedsländer Portugal und Griechenland finanziell zu unterstützen. Ab 1. Mai 2011 können endlich auch die Bewohner der acht jüngsten EU-Staaten in Europa arbeiten, wo sie wollen. Ein Grundprinzip der EU wird somit auch für die mehrheitlichen osteuropäischen Staaten gültig. Da ist es natürlich leicht, Angst vor einer Invasion von osteuropäischen Arbeitern zu schüren. (Anmerkung: In Finnland galt die Frist bis zum 1.5.2011 nicht, siehe Kommentar.)

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TV-Tipp: Wildes Skandinavien

Donnerstag, 14. April 2011

Ende Februar lief auf Arte eine Dokumentationsreihe namens “Wildes Skandinavien”. Zwei Monate später bin ich immerhin dazu gekommen, mir die Folge über Norwegen anzusehen und war begeistert! Wirklich eine sehr gut gemacht Dokumenation, die ich an dieser Stelle empfehlen möchte.

Ausgewachsener Moschusochse (Foto: Quartl)

Ausgewachsener Moschusochse (Foto: Quartl)

Konzept ist es zu jedem Land der sechs skandinavischen Länder (die “Üblichen” plus Grönland und Island) einen etwa 45minütigen Beitrag über Natur und Tiere des Landes zu machen. Und das Beste: In der ganzen Folge zu Norwegen war kein einziger Mensch zu sehen. Genau das richtige für den genervten Großstadtmenschen oder überzeugten Einsiedler. Es geht wirklich nur um die Landschaft und Tierwelt. Weil es sich anbietet, wird dabei der Ablauf der Jahreszeiten als roter Faden genommen.

Große Stärke der Dokumentation sind natürlich die Bilder. Das Jagen, Singen, Gebalze, Fliehen, Fressen und Gefressen werden wird häufig in Zeitlupe gezeigt und ist somit noch imposanter. Schön auch die Nahaufnahme. Es scheint ganz oft als wurde die Kamera auf dem Boden gestellt und 10 Zentimeter davor kommt die Maus aus ihrem Loch. Gezeigt werden Elche und Rentiere (wenn auch nur sehr kurz, vermutlich gibt’s davon mehr Bilder in den anderen Folgen), Seeadler, Bergadler, Krähen, Blaumeisen (in Super-Slowmotion), Eulen, Füchse, Luchse, Lemminge (die keinen Selbstmord betreiben, das ist wohl ein Klischee, dafür nagen sie in manchen Zeiten eine Pflanze so häufig an, dass diese für sie giftige Stoffe entwickelt) und viele andere.

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Citybanan – Tunnel quer durch Stockholm

Sonntag, 10. April 2011
Baubeginn Citybanan 2009 (Foto: Holger Ellgaard)

Baubeginn Citybanan 2009 (Foto: Holger Ellgaard)

Nicht nur in Stuttgart wird derzeit fleißig an Eisenbahnschienen gearbeitet. In Stockholm wird seit 2009 ein Tunneln für zwei Schienenstränge gegraben, die den Zugverkehr erheblich verbessern sollen. Aktuell besteht das Problem, dass alle Züge von und nach Stockholm durch die so genannte Wespentaille müssen. Die Wespentaille ist der zweigleisige Schienen-Streckenabschnitt zwischen Gamla Stan und Riddarholmen. Wir erinnern uns: Stockholm liegt auf verschiedenen kleinen Inseln (schwedisch “holme” bedeutet etwa Inselchen). Diese Inseln müssen verkehrstechnisch verbunden werden. Das haben die findigen Schweden bereits während der Industrialisierung um 1871 getan. Allerdings haben sie sich auf zwei Gleise verständigt, die für die damaligen Anzahl an Zügen völlig ausreichten. Bis heute ist der Verkehr natürlich stark gestiegen, die Tunnelbana (U-Bahn) kam um 1930 hinzu, der Pendeltåg (S-Bahn) wurde um 1968 eingeführt. Beide Verkehrsmittel nahmen stetig an Bedeutung zu, so dass die Auslastung derzeit bei 24 Zügen pro Richtung pro Stunde liegt.

Man kann sich vorstellen, dass es einer logistischen Meisterleistung bedarf, um den täglichen reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs zu regeln. Probleme an den Gleisen der Wespentaille können den kompletten Zugverkehr lahmlegen. Ein derart sensibler Streckenabschnitt macht natürlich viele Menschen nervös und sollte in der heutigen Zeit auch nicht mehr als gegeben hingenommen werden müssen. Also mussten Lösungen her.

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Roxette is back

Sonntag, 27. März 2011

Schwedens langjähriges Popduo Nummer eins geht dieses Jahr auf Welttournee. Genauer gesagt, hat bereits damit begonnen. Marie Fredriksson und Per Gessle haben sich ein toughes Programm aufgebrummt und touren von März bis Juli durch Russland, Südamerika, Südafrika, dem Nahen Osten und Europa. Zwei Monate Pause sind eingeplant, um dann im Oktober und November noch einmal zwölf Konzerte in Europa zu geben. In Schweden selbst treten die beiden dabei nur drei Mal auf: in Göteborg, Stockholm und Malmö. Scheinbar mal wieder eine Band, die im Ausland (und hier speziell in Deutschland)  mehr Fans hat als an der Heimatfront. Aber in Deutschland leben ja auch einfach ein paar Menschen mehr.

Roxette 2009 (Foto: Colinvdbel)

Roxette 2009 (Foto: Colinvdbel)

Man merkt, man wird älter, denn Roxette gibt es mittlerweile seit 25 Jahren. Ihre größte Zeit war sicher Ende der 80er/Anfang der 90er als sie mit The Look, Dangerous, Listen to your Heart, Spending my time, Sleeping in my car und natürlich mit Joyride die internationalen Hitparaden erklimmten. Aber gerade jetzt, wo genug Zeit vergangen ist, sich nicht mehr für seinen alten Musikgeschmack zu schämen, sondern es cool zu finden, die Hits der 90er Jahre wieder zu hören, könnten Roxette einen neuen Erfolgsschub bekommen. Es gibt mehr und mehr 90er Jahre Partys und auch im Radio hört man jetzt öfter Ace of Base, Scooter oder aber Take Thats alte Hits.

Aber Roxette ist im Gegensatz zu anderen Musikkombos auch nicht stehen geblieben. Die beiden mussten/haben zwischenzeitlich Auszeiten nehmen, haben aber immer wieder neue Lieder aufgenommen. In diesem Jahr kam – fast  zehn Jahre nach ihrem letzten Album – mit Charm School das achte Album auf den Markt. Gibt es heute noch Hitparade, die den Erfolg eines Albums messen können? Keine Ahnung. Roxette hat derzeit 115.000 Freunde auf Facebook.  Zum Vergleich: Ace of Base ca. 83.000 und Mando Diao 230.000. Wenn man bedenkt, dass die Fans von Roxette etwas älter und weniger intensive Facebook-Nutzer sind als die Mando Diao Groupies, ist das eine stattliche Zahl. Das Open Air Konzert in Berlin ist ausverkauft, in Göteborg ein Zusatztermin geplant. An Beliebtheit scheint es nicht zu mangeln.

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