Die Samen – Urbevölkerung Nordeuropas

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Rentierherde, Foto: Helico

Wie im vorherigen Artikel erwähnt, muss man Natur und Einsamkeit mögen, um im Norden Schwedens glücklich zu werden. Nach wenigen Wochen würden sich die meisten Menschen vermutlich in den warmen, hellen, abwechslungsreichen Süden oder die Mitte Europas zurücksehnen – zumindest im Winter. Es gibt in Skandinavien jedoch eine Bevölkerungsgruppe, der es so nah am Polarkreis bestens gefällt: den Samen, die als indigene Bevölkerung Schwedens zählen. Sie wohnen in einem weit gestreckten Gebiet im Grenzland von Norwegen, Schweden, Finnland und der russischen Kola-Halbinsel.

Da die Samen die historische Provinz Lappland bewohnt haben, wurden sie früher häufig Lappen genannt.  Der Begriff gilt heute allerdings als negativ konnotiert und wird deshalb gemieden. Sápmi nennen die Samen ihren Lebensraum, und daraus ergibt sich auch die Bezeichnung dessen Bewohner. Samen gibt es erstaunlich wenige, sie könnten gerade einmal eine kleinere Stadt füllen. Schätzungen gehen von 82.000 Personen aus. Davon leben 50.000 in Norwegen, 20.000 in Schweden, 10.000 in Finnland und 2.000 in Russland. Was zeichnet nun die Samen aus? Die Samen haben eine eigene Sprache: das Samische. Nach eigenen Angaben gibt es sehr viele Dialekte dieser Sprache, die sich so stark unterscheiden, dass sie beinahe als eigene Sprachen gezählt werden können. Allerdings sei dabei Vorsicht geboten: Schweden und Norweger behaupten auch, unabhängige Sprachen zu haben, können sich aber ohne Probleme im Gespräch ihre jeweilige Landessprache beibehalten.

Generell sind die Samen keine homogene Gruppe. Von Region zu Region unterscheiden sich ihre Traditionen. Vermutlich sind die Unterschiede größer geworden, nachdem im 19. Jahrhundert die Landesgrenzen neu gezogen wurden und stärkeres Nationalbewusstsein entstanden ist. Natürlich waren die Samen keine Christen, sondern hatten ihre eigene Religion und Mythologie. Diese spielt heute allerdings kaum noch eine Rolle. Lange Zeit galten sie vor allem als exzellente Rentierzüchter. Aber genauso wie die Bayern nicht alle Bierbrauer sind, hat nicht jeder Lappe Rentiere in seinem Garten stehen. Zu früheren Zeiten arbeiteten viele als Fischer oder in der Forstwirtschaft, heute üben sie ganz gewöhnliche Berufe aus. Viele junge Samen verlassen die nördlichen Gebiete und ziehen in Regionen mit mehr Arbeitsmöglichkeiten. Da viele nur noch Schwedisch und kein Samisch sprechen, ist die Integration kein Problem.

Kaum vorstellbar ist die Tatsache, dass die schwedische Politik die Forderungen der Samen nach mehr Autonomie lange Zeit ignoriert hat. Zu Zeiten der Neutralitätspolitik wollte das kleine skandinavische Land zwar einen Großteil der Dritten Welt von seinem Leid erlösen, hat sich allerdings keine Mühe gemacht, vor der eigenen Haustür zu kehren. Schwedische Doppelmoral par excellence. Den politischen Wünschen der Ursprungsbevölkerung wurde erst sehr spät stattgegeben. Der Reichsverband der Samen bildete sich bereits 1950, 1977 erkannte Schweden die Samen als indigene Bevökerung an. Ein parlamentarisches Gremium, Sametinget genannt, bekamen die schwedischen Samen allerdings erst 1993. Zuvor gab es nur eine transnationale Vertretung. Die Anerkennung ihrer Sprache als Amtssprache erfolgte noch später, nämlich 2002. Bei all diesen Schritten hinkten sie dem ungeliebten Nachbarn Norwegen hinterher.

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Flagge der Samen

Diese Behandlung der schwedischen Volksgruppe blieb nicht ohne Spuren. Das Gefühl, nicht anerkannt zu sein, forcierte die politische Arbeit und förderte ein samisches Nationalbewusstsein. 1986 wurde sich auf eine Flagge geeinigt. Sie ist in den traditionellen Farben blau, rot, gelb, grün gehalten und beinhaltet zudem zwei Halbkreise, die Sonne und Mond andeuten sollen. Eine Hymne wurde ebenso auserkoren wie ein Nationalfeiertag. Mit dem 6. Februar wurde der Tag gewählt, an dem die erste länderübergreifende Samiversammlung 1917 durchgeführt worden ist.

Wie so oft gibt es unterschiedliche Strömungen innerhalb der Samigemeinschaft. Es gibt sowohl diejenigen Stimmen, welche die Traditionen, Sprache und Kultur erhalten wollen und es gibt diejenigen, die sich in ihrem Lebensstil  nicht von anderen Schweden unterscheiden (im Äußeren gibt es keine Unterschiede). Der Sametinget setzt sich nicht für die staatliche Selbständigkeit der Samen ein, sondern fordert vor allem, die internationalen Rechte einer Ursprungsbevölkerung zu erlangen statt nur mit Minderheitenrechten ausgestattet zu werden (Erläuterung des Sametingets auf Schwedisch).


Ein Kommentar zu “Die Samen – Urbevölkerung Nordeuropas”


  1. [...] die Samen sind die Rentiere so wichtig wie Milchkühe für deutsche Bauern. Lange Jahre waren sie neben der [...]

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