Schwedens Norden eine Reise wert
Jedes Jahr fahren Tausende von deutschen Touristen nach Schweden. Tausende von Deutsche fahren zudem ein- oder mehrmals im Jahr in ihre eigene Blockhütte mitten in der schwedischen Natur. Wir sind überall. Dementsprechend werden auch Witze gemacht, da die „Überfremdung“ im Sommer schon auffällt und bei diesen Gelegenheiten alljährlich alle Klischees über deutsche Touristen erfüllt werden (Sportsocken in Sandalen, dicke Autos und maue Fremdsprachenkenntnisse).
Die wenigsten deutschen Touristen schaffen es allerdings, bis in den Norden Schwedens vorzudringen. Dabei ist Norrland im Vergleich mit Svea- (Mittelschweden) und Gotaland (Südschweden) viel größer und bietet – z.T. am Polarkreis gelegen – eine ganz andere Landschaft. Etwa 59% der Landesfläche Schwedens zählt zu Norrland. Dabei liegt die Bevölkerungsdichte bei 2 Personen pro Quadratkilometer. Sollte jemand Interesse an absoluter Einsamkeit haben, so mache er oder sie sich auf den Weg in Europas Norden. Robust bei jedem Wetter sollte man sein, denn die Temperaturen schwanken im Jahr zwischen 30 Plusgraden und 30 Minusgraden. Angeblich ist die Kälte dabei noch trockener (und somit angenehmer) als in Stockholm und erst recht als in den südlicheren Regionen Schwedens.
Bei der dünnen Besiedlung ist klar, warum man sich nach Norrland aufmachen sollte: Die Landschaft. Es gibt Wildnis und Einsamkeit: Berge, Wälder, Taigalandschaft. Zu genießen beim Wandern, Kajak Fahren (da es viele Ströme gibt) oder Reiten. Vermutlich noch attraktiver, wenn man sich auf Skiern oder Hundeschlitten fortbewegen kann. Letzteres absolut zu empfehlen.
Aber natürlich gibt es auch im Norden Zivilisation. Die größte Stadt Lapplands – dem nördlichsten Teil Norrlands – heißt Kiruna. Gleichzeitig ist sie die nördlichste Stadt Schwedens und über dem Polarkreis gelegen. Kiruna hat etwa 20.000 Einwohner und lebt vor allem vom Eisenerzabbau und der Forstwirtschaft. Dazu gesellen sich ein paar Handvoll Wissenschaftler und Raumfahrttechniker und schon hat man eine einzigartige Mischung von Menschen an diesem Ort. Vermutlich ist die Anzahl der Männer weit höher als der Anteil der Frauen.
Weitere große Städte knapp südlich des Polarkreises sind Umeå, Luleå und Skellefteå, im Gegensatz zu Kiruna allerdings im Nordosten gelegen.
Wer im Norden Skandinaviens lebt, muss generell hart im Nehmen sein. Im Winter ist es in Kiruna so gut wie nicht hell. Im Dezember gibt es nur von 10 bis 14 Uhr Tageslicht. Als Ausgleich wird es dafür im Juni so gut wie nicht dunkel und man kann die berühmte Mitternachtssonne bestaunen. Ein weiteres Highlight sind die Polarlichter. Vereinfacht dargestellt handelt es sich dabei um meist grüne, rote oder lila Lichtspiele am dunklen Himmel, jede in ihrer Form und Farbe einzigartig. Diese sind nicht in jeder Nacht zu beobachten, aber in dieser nördlichen Region besonders häufig. Sie sind der Grund, warum etliche Japaner sich in jedem Jahr auf den Weg in Europas (oder Kanadas) Norden machen. Bei den Japanern gelten die Polarlichter als besondere Glücksbringer. Norrland bietet auf jeden Fall Naturschauspiele, die eine Reise dorthin unvergesslich machen.
In Norrland finden sich auch die meisten Gebirge Schwedens und der höchste Berg. Der Kebnekaise ist 2.111 Meter hoch. Eine weitere Attraktion der Region ist das Eishotel. Im Herbst jeden Jahres bauen die Schweden ein oder mehrere Gebäude, die komplett aus Eis bestehen. Für Touristen, deren Geldbeutel etwas dicker ist, besteht dann die Möglichkeit, in den individuell gestalteten Zimmern zu schlafen. Gegen die Kälte helfen Rentierfelle und spezielle Schlafsäcke. Wer weniger Geld hat oder es wärmer mag, darf sich immerhin den Großteil des Gebäudes ansehen.
Ein Großteil Norrlands gehört zu Sápmi, dem transnationalen Gebiet, in dem die Samen (besser bekannt unter dem Begriff Lappen, der jedoch nicht der political correctness entspricht) leben. Die Samen werden Thema einer der nächsten Artikel sein. Somit:
to be continued…


7. August 2009 um 16:36
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