Schwedische Spezialitäten I

Köttbullar mit Lingon-marmelade und Sahne- soße, Foto: heipei, Flickr

Dank Ikea ist in Deutschland die Kenntnis weit verbreitet, dass die Schweden gerne Köttbullar (sprich: Chöttbullar) essen. Diese runden Hackbällchen gehören zum Standardrepertoire in beinahe jeder schwedischen Küche. Sie sind vergleichbar mit Frikadellen bzw. Buletten, haben jedoch durch den Einsatz von Sahne oder Milch noch einen etwas anderen Geschmack. Außerdem sind sie kleiner als in Deutschland. Waren die Köttbullar lange Zeit ein Grund, sich auf das Ikea-Restaurant zu freuen, ist es heute möglich, sich günstiger an ihnen satt zu essen. Der Discounter Plus hat sie nämlich in sein Standardsortiment aufgenommen. Maggi und/oder Knorr bieten außerdem Fix-Pulver für die Hackbällchen an. Wobei das Rezept dazu so einfach ist, dass diese Hilfsmittel sicher nicht nötig sind. Echt Schwedisch wäre es, sie mit Lingonmarmelade zu essen, die hierzulande vermutlich schwer zu bekommen ist.

Der Wurstguide, Foto: stormgrass, Flickr

Da in Schweden Fertigessen wesentlich verbreiteter ist als bei uns, kann man die Köttbullar auch schon fertig zubereitet kaufen. Diese sind dann industriell hergestellt und entweder aus Schweinefleisch oder Geflügel. Schlachter sind generell weniger verbreitet als in Deutschland, aber in guten Supermärkten natürlich vorhanden. Auffällig ist, dass Geflügel in Schweden so beliebt ist. Kyckling (Hähnchen) gehört vermutlich zu dem meist gegessen Fleisch. Auch Ochsenfleisch wird viel verzehrt, häufig beispielsweise zu Nudelgerichten. Woher diese Vorlieben rühren, habe ich bisher leider nicht herausgefunden. Eine Vermutung wäre der niedrigere Preis im Vergleich zu Rinder- und Schweinefleisch. Oder die häufig propagierte Tatsache, dass Geflügelfleisch magerer ist. Das mag wohl sein. Ob es jedoch letztendlich gesünder ist, möchte ich mit Hinweis auf den hohen Medikamenteneinsatz in der Geflügelmast bezweifeln.

Ebenfalls durch das große schwedische Möbelhaus bekannt geworden: die Vorliebe der Schweden für “Wurst im Brot”. In Deutschland besser bekannt als Hotdog. Doch während Ikea nur eine Variante veräußert (zu einem bewusst niedrigem Preis, damit der Kunde mit einem positiven Gefühl das Warenhaus verlässt), gibt es in Schweden eine große Vielfalt. Es unterscheidet sich sowohl die Wurstsorte, als auch das Brot oder die Zubereitungsart. Die Wurst kann nämlich gekocht oder gegrillt werden. Sehr interessant auch die Variante mit zwei Kugeln Kartoffelpüree auf dem Hotdog, geformt wie Eiskugeln. Kartoffelpüree gehört nämlich ebenfalls zu den großen Klassikern der schwedischen Küche.

Tunnbrödsrulle mit Wurst und Kartoffel- püree

Noch exquisiter ist dann nur noch die Tunnbrödsrulle: Wurst, Kartoffelpüree, Ketchup und Senf werden hier eingerollt in dem so genannten Tunnbröd. Dies ist sehr dünnes Brot an der Grenze zum Knäckebrot, warm jedoch noch beweglicher.

Knäckebrot wird in Schweden übrigens häufig zum Hauptgericht gegessen. Das heißt, man streicht sich salzige Butter auf das Knäckebrot und isst es beispielsweise zum Heringsgericht. Eine andere Alternative ist schwedischer Käse (mit recht wenig Fett) auf dem Knäckebrot, der als großer Laib auf dem Tisch angerichtet ist. Der Käse ist auch Teil des so genannten Julbords (Weihnachtsbuffets), der hier demnächst vorgestellt werden soll.


2 Kommentare zu “Schwedische Spezialitäten I”


  1. Lingonsylt ist doch Preiselbeermarmelade, oder?! Die kriegt man doch auch in Deutschland! Und da kann man dann “richtig echte” schwedische [Sch]öttbullar (fuer die Ikea-Besucher: die Betonung liegt uebrigens nicht nur auf der ersten Silbe!) geniessen!

    Mir fällt noch ein:
    -Erbsensuppe und Pfannkuchen am Donnerstag (oder auf meiner Sprache Eierkuchen, aber ich glaube die werden hier gar nicht mit Eiern gemacht…?!)
    -lösviktsgodis
    -gröt ([Haferflocken]Brei)
    -Lachs (lax)
    -surströmming
    -ganz viel Eis

  2. Ja, richtig. Erbsensuppe und Pfannkuchen am Donnerstag. Eine ganz skurrile Kombination, wie ich finde. Wollte auch noch mal rausfinden, warum gerade dieser Mix und warum am Donnerstag. Wenn ich fündig bin, werde ich berichten.
    Dass gerade in einem recht kühlem Land wie Schweden Eiscreme so furchtbar beliebt ist, verstehe ich auch nicht. Das Lakritzeis “Puck” war ein Erlebnis. Und auch sonst gab es viele leckere Stieleissorten, die ich in Deutschland noch nicht gesehen habe.

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