Die populären Royals
Monarchien im 21. Jahrhundert sind etwas sehr absurdes. Von der Ständegesellschaft sind wir längst in der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft angekommen und profitieren in großem Maßen von der heutigen Technik und Rationalität.
Unsere politische Führung wählen wir regelmäßig und können uns so von ungeliebten Führungskräften per Wahl trennen. Glücklicherweise werden die meisten Menschen nicht mehr daran gemessen, was für Blut in ihren Adern fließt, sondern, ob sie einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Und doch gibt es alleine in der Europäischen Union noch 8 Länder, welche ihr höchstes politisches Amt für Blaublüter reservieren und anhand der Geburtsurkunde ablesen können, wer für staatstragende Tätigkeiten geeignet ist.
In Skandinavien sind die Monarchien noch sehr stark vertreten, nämlich in Dänemark, Schweden und Norwegen. Und sie erfreuen sich unglaublicher Beliebtheit. In den 60er und 70er Jahren wurde im Zuge der Studentenproteste (die in Schweden sehr harmlos verliefen) die Monarchie zwar in Frage gestellt. Allerdings ist das schwedische Königshaus so beliebt, das dieses Vorhaben nicht mehrheitsfähig war. So regiert also heute Carl Gustaf der Sechzehnte, aus dem Hause Bernadotte. 1973 hat er dieses Amt übernommen und drei Jahre später die (nichtadelige) Deutsche Silvia Sommerlath geheiratet, die er bekanntlich bei den Olympischen Spielen in München kennen gelernt hat. (Wer sich für den Stammbaum der beliebten Königin interessiert, kann diesen bei Wikipedia Schweden finden.)
Der eigentliche Nachfolger von Carl Gustaf wäre (natürlich) sein Sohn Prinz Carl Philip. Allerdings haben die Schweden 1979 ihre Successionsordnung geändert und den Zeiten angepasst. Nach Hunderten Jahren der Nichtbeachtung (kleine Ausnahme war hier Königin Kristina im 17. Jahrhundert, die aber nur formal die Macht hatte) dürfen nun auch Frauen auf dem schwedischen Königsthron Platz nehmen. Das Prinzip der Erstgeborenen wird allerdings beibehalten – vermutlich gäbe es sonst Grabenkämpfe wie sie in Deutschland nur von den Bayreuther Festspielen bekannt sind. Somit trägt Victoria Ingrid Alice Désirée, Herzogin von Västergötland, nun den Titel Kronprinzessin. Das hat zur Folge, dass sie als Vize-Königin schon repräsentative Aufgaben übernehmen muss, falls ihr Vater gerade anderweitig beschäftigt ist. Studieren durfte sie natürlich auch, allerdings nicht in den schwedischen Unihochburgen Lund und Uppsala, sondern in Yale und in Angers (Frankreich). Die Königsausbildung beinhaltet darüber hinaus ein Praktikum bei der UN, einem Praktikum in der schwedischen Botschaft in den USA und einen dreiwöchigen Aufenthalt beim schwedischen Militär. Kirchenmitgliedschaft ist scheinbar immer noch Pflicht, erfüllt sie nämlich auch.
Etwas mehr Draufgänger ist ihr Bruder Carl Philipp. Dieser hat sich scheinbar damit abgefunden, nicht mehr im Fokus der Medien zu stehen. Einerseits gibt er sich als Kunstgenießer und hat Grafikdesign studiert. Auf der anderen Seite interessiert er sich wie viele andere Männer für Motorsport und darf diesem auch öfter mal nachgehen (allerdings mit überschaubarem Erfolg). Außerdem hat er sich beim Militär hochgearbeitet zum Kapitän.
Ein wenig die Rolle des Nesthäkchens nimmt die 27jährige Madeleine ein. Für viele ist sie das schönste Kind der Königsfamilie. Sie hat – wie ihre Geschwister – das Privileg genossen, mal dies mal das zu studieren und zu lernen. Ein wenig London für die Sprachfertigkeit, dann ein wenig Architektur und Design. Dann allerdings Volksnähe bewiesen durch ein Studium an der Stockholmer Universität in Kunstgeschichte, Ethnologie und Geschichte. Humanitäre Arbeit (im Rahmen der UN) liegt ihr genauso am Herzen wie der Reitsport.
Ja, so sind sie die schwedischen Royals. Schön, volksnah und unglaublich populär. Wenn die Familie Bernadotte nicht selbst abtritt, werden ihnen die Schweden noch jahrhundertlang zujubeln und Fähnchen schwenken. Ein paar Streiter gegen die Monarchie gibt es dennoch: Die Vereinigung der Republikaner .
PS: Die Eheversprechen von 2009 hier umrissen.




4. Februar 2009 um 20:57
Jaha, woher haben Sie denn das mit der Successionsordnung?! Bo-Inge lässt gruessen…
5. Februar 2009 um 16:12
Wie kommst du denn auf 8 Länder in der EU? Ich komme nur auf sieben: Belgien, Dänemark, Luxemburg, Niederlande, Schweden, Spanien und das Vereinigte Königreich.
8. Februar 2009 um 15:20
Ich hatte irrtümlich noch Malta dazugezählt, weil auf deren Briefmarken usw. noch die britische Queen zu sehen war. Deshalb dachte ich, Sie sei eventuell noch Staatsoberhaupt. Aber nein, es ist eine Republik, mein Fehler.
Successionsordning ist ein so leicht zu merkendes Wort… da hat Bo-Inge ganze Arbeit geleistet, richtig.
13. August 2009 um 21:21
[...] bei Dagens Nyheter, der renommiertesten schwedischen Zeitung). Beliebt ist ja eh die ganze Familie. Die können machen, was sie wollen, die Schweden lieben sie. Allerdings wäre es höchst [...]