Rauchmelder für alle

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Und sie muss wohl eine Schwedin sein. Wo nur geht werden hier nämlich Maßnahmen getroffen, um Missgeschicke, Unfälle und Kriminalität gar nicht erst aufkommen zu lassen. Schwer zu erklären, woher diese Angst vor dem “Unbekannten” rührt.

Nachvollziehbar sind die Sicherheitsmaßnahmen am ehesten im Haushalt. Rauchmelder gibt es in fast jeder schwedischen Wohnung. Einige sind allerdings so sensibel, dass sie auch bei Zigarettenrauch oder stark kochendem Essen anspringen. Bekanntlich führt dies dazu, dass im wirklichen Notfall keine Feuerwehr mehr erscheint. Im Studentenwohnheim gab es beispielsweise fast einmal im Monat Alarm. Dieser währte mindestens eine Stunde, ohne dass ein einziger Feuerwehrmann sich erkundigt hätte, ob es ein Problem gäbe. (Wie ich vor kurzem gehört habe, sind in mindestens drei deutschen Bundesländern Rauchmelder mittlerweile auch Pflicht.)

Rauchmelder sind sicher ein Resultat der Tatsache, dass schwedische Häuser meist aus Holz und somit leicht brennbar sind. Auch Zeitschaltuhren sind deshalb sehr beliebt. Diese sind auch am Herd integriert, so dass die Platten nach maximal einer Stunde ausgehen.

Eher neumodischer Natur sind Alarmanlagen am Haus. Zumindest in Stockholm schon recht weit verbreitet, da dort die Anzahl der Einbrüche stark zugenommen haben soll. Allerdings liegen die Zahlen da vermutlich deutlich unter den Einbrüchen in Deutschland. Schweden war einfach noch viel friedlicher, als es noch einen vernünftigen Sozialstaat gab. Jetzt wird übertrieben reagiert auf den Anstieg der Kriminalität. Die Verhältnismäßigkeit zwischen realem Bedrohungspotential und dem empfundenen ist nicht gegeben. Beispielsweise ist es nicht mehr möglich, im Bus Fahrkarten zu kaufen. Hier soll der oder die Fahrerin geschützt werden vor Raub. Wie wahrscheinlich wird es aber sein, dass jemand die wenigen Euros, die sich im Bus befinden würden, zum Anlass für einen gewalttätigen Raub nimmt? Stattdessen wird überall empfohlen, mit Karte zu bezahlen. Großartig für die Bank- und Kreditinstitute, die bald auf einfachste Weise Informationen über Gewohnheiten und Kaufverhalten sammeln und eventuell weiterverkaufen können. Datenschutz ist in Schweden oft ein vernachlässigtes Thema.

Harmlos hingegen das Sicherheitsverlangen im Straßenverkehr. Hier fällt eigentlich primär auf, dass fast jeder schwedische Radfahrer einen Helm trägt. Zumindest im Stadtgebiet absolut sinnvoll, zumal es in Stockholm ja auch sehr hügelig ist und hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Auch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen auf 110 km/h macht Sinn. So ist es auch im Winter möglich, extrem entspannt auf der Autobahn zu fahren, ganz im Kontrast zum Gehetze in Deutschland.

Demonstration in Göteburg Juni 2001

Demonstration in Göteburg Juni 2001

Dass kriminelles Verhalten in Schweden noch etwas anders aufgenommen wird als in Deutschland, zeigten auch die Reaktionen der Öffentlichkeit auf Ausschreitungen bei einer Demonstration 2001. Im Juni 2001 fand in Göteburg der EU-Ratsgipfel statt, zu dem als Gast auch Georg W. Bush geladen war. Eine für schwedische Verhältnisse sehr große Anzahl Demonstranten war vor Ort: 25.000 Menschen, die gegen Bush, die EU, Kapitalismus oder die Ungerechtigkeiten der Globalisierung auf die Straße gingen. Als Autonome aus ganz Europa anfingen, Steine zu werfen, wussten die schwedischen Polizisten nicht, wie sie reagieren sollten. Gewalt bei Demos ist in Schweden nicht üblich. Es gab auch keine Wasserwerfer oder Tränengas (ein Artikel zu den Geschehnissen bei Spiegel online ). Das Ausufern der Veranstaltung war in den Medien noch lange Thema. Auch die Organisatoren der Demonstration mussten viel Kritik einstecken und wurden für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht.


3 Kommentare zu “Rauchmelder für alle”


  1. Die Schweden und ihre Sicherheitshinweise. Da muss ich doch noch an eines meiner Lieblingsschilder denken:
    http://doreen-finke.de/custom/warnschild.jpg

    Ich glaube der böse Fahrstuhl im Studentenwohnheim der Uni Södertörns hatte es.

  2. [...] registrieren. Bezahlt wird auch viel öfter per Bank- oder Kreditkarte. Schließlich ist es gefährlich, Bargeld im Wert eines Supermarkteinkaufs bei sich zu [...]

  3. [...] Sicherheit wird groß geschrieben im Land der Elche und Trolle. Schnelles Autofahren wird genauso abgelehnt wie Rad Fahren ohne Helm. [...]

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