August Strindberg in Berlin
2012 wird als Strindberg-Jahr tituliert, da der Todestag des Schriftstellers 100 Jahre zurückliegt. Auch wenn der Name Strindberg in Deutschland sicher bekannt ist, sind es seine Werke meist nicht. Am ehesten noch sein Drama Fräulein Julie über die – natürlich nicht geduldete – Liebe einer jungen Adeligen zu ihrem Diener. Sein abwechslungsreiches Leben führte ihn aber auch für eine Zeit lang nach Deutschland, ein knappes Jahr lang lebte er in Berlin.
Am 1. Oktober 1892 erreichte er Berlin mit dem Zug. Da der 43jährige wie so oft knapp bei Kasse war, legte sein Freund Ola Hansson das Geld für das Ticket aus und nahm ihn in Empfang. Hansson ist selbst Schriftsteller. Der etwa 10 Jahre jüngere Schwede lebt bereits seit 1890 in der deutschen Hauptstadt und bleibt hier bis zu seinem Lebensende. Sein Heimatland hat er aus Enttäuschung über schlechte Kritiken verlassen. In Berlin hat er sich einem Dichterkreis im östlichen Stadtteil Friedrichshagen angeschlossen. In diesem führt er Strindberg ein und stellt ihm gleichzeitig eine Wohnung zur Verfügung.
Da Friedrichshagen etwas vom Schuss ab liegt, zieht Strindberg schon bald um. Zeit seines Lebens litt Strindberg unter psychischen Problemen und neigte zu einem unsteten Leben. In den folgenden Monaten wechselt er häufiger seinen Wohnort, wohnt mal in Pensionen, mal in Wohnungen. Sein Stammlokal wird eine kleine Kneipe namens Zum Schwarzen Ferkel. Diese befindet sich in der Wilhelmstraße nahe dem Boulevard Unter den Linden. Neben Strindberg gehört auch der norwegische Maler Edvard Munch zu den Stammgästen. 1892 kam der 29jährige noch unbekannte Norweger nach Berlin und wird in den vier Jahren, die er hier verbringt, berühmt. Hier betrinken die beiden sich regelmäßig und treffen sich mit anderen Künstlern verschiedener Disziplinen wie z.B. dem schwedischen Schriftsteller Adolf Paul (der 1924 eine Biografie Strindbergs herausbrachte) oder den polnischen Dichter Stanislaw Przybyszewski. Strindberg selbst beschäftigt sich in der Berliner Zeit viel mit Malerei und Naturwissenschaften.
In Berlin lernt Strindberg Anfang des Jahres 1893 die 20jährige österreichische Journalistin Frida Uhl kennen. Eine schnelle Heirat (im Mai auf Helgoland), eine Tochter und eine ebenso schnelle Trennung folgen. Wenige Wochen im Sommer 1893 lebte das Paar in Berlin, dieses Mal im Schlosscafé Pankow. Die Hochzeit führt aber dazu, dass Strindberg recht plötzlich Berlin verlässt. Kurze Zeit pendelt er zwischen Paris und Österreich, bis er 1897 wieder in seine Heimat Schweden zurückkehrt. Nach Überwindung der Trennung folgen in der Heimat seine produktivsten Jahre und zum ersten Mal ein gutes finanzielles Auskommen und Anerkennung für seine Arbeit.
Eine Fülle an Informationen zum Strindberg-Jahr, Leben und Bücher bietet die Webseite strindberg2012.se.
