Schwedische Einkaufsläden

Donnerstag, 3. September 2009
Rekonstruktion eines Konsumladens in Skansen  (Foto: Vargklo's)

Rekonstruktion eines Konsumladens in Skansen (Foto: Vargklo's)

Der Paradeschwede fährt mit öffentlichen Verkehrsmitteln (oder Elektroauto) zum genossenschaftlichen Coop/Konsum-Supermarkt, kauft alle Bioprodukte und fair gehandelten Waren, die ihm das Sortiment bietet, geht noch kurz zum Konditori und ersteht eine winzige Kalorienbombe für die Familie, einen edlen Rotwein fürs Dinner gibt es im Systembolaget, dann fährt er vollbepackt wieder nach Hause, um die 19.30 Uhr Nachrichten nicht zu verpassen.

Schöne Story, aber weit weg von der Realität.

Punkt 1): Ein Schwede ist nichts ohne sein Auto. Groß muss es sein, damit beim Einkaufen auch viel reingeht. Das Elektroauto gilt in Schweden als umweltfreundliche Alternative, die Meinung wird allerdings nicht von allen Umweltfreunden geteilt.

Punkt 2): Die Hochzeiten des Konsums sind vorbei. Auch die Schweden kaufen gerne billig, also bei der schwedischen Supermarktkette Willy:s oder beim sich stark ausbreitenden Lidl-Markt. Konsum und ICA haben das Nachsehen, sind allerdings oft auch so klein, dass man nicht alles findet und so eng, dass das Einkaufen kein Vergnügen ist. Bei Neubauten setzen deshalb jetzt auch ICA und Co. auf sehr große Gebäude und Auswahl.

Punkt 3): Biowaren in Schweden zu finden ist äußerst schwierig. Sich an das Klischee des umweltfreundlichen Schwedens erinnernd, ist es höchst erstaunlich, aber es gibt so gut wie keine Bioläden. Nicht mal in den Großstädten. Die Supermärkte beginnen sehr langsam, auch ökologisch angebaute Waren anzubieten. Biogerichte in Restaurants sind da fast einfacher zu finden. Faire Produkte gibt es wie so oft eher in kirchlichen Einrichtungen oder bei Lidl.

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Schwedische Spezialitäten II – Kuchen und Gebäck

Donnerstag, 21. Mai 2009

Nein, nicht nur die Österreicher können fantastische Torten und Kuchen zaubern, sondern auch die Schweden. In einem Land, in dem das Fika (Kaffee trinken) einen derartig hohen Status einnimmt, ist dies aber auch kein Wunder. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, gibt es mehrmals am Tage “Fika”. Man trifft sich mit Freunden im Café und kann dort gut und gerne einige Stunden verbringen. Angesichts dieser Tatsache verwundert es vielleicht auch nicht so sehr, dass ein Cappucino meist so um die 3,50 Euro kostet und Kuchen/Torte sich in ähnlichen preislichen Sphären befinden. Das Sitzfleisch der Gäste muss für die Cafébetreiber schließlich irgendwie von nutzen sein. Die Schweden sind auf jeden Fall in der Liga der eifrigsten Kaffeetrinker der Welt (Deutsche liegen noch deutlich dahinter).

kanelbulle_loopkid

Kanelbulle, Foto: Loopkid, flickr

Zum Fika auf der Arbeit wird meist ein kleiner Snack eingenommen, z.B. Kaffebröd. Kaffebröd ist ein Hefegebäck, gefüllt mit Pudding, Marmelade oder nur mit Zucker bestreut. Es kommt der berühmten Kanelbulle sehr nahe.  Dies ist eine Art Zimtschnecke: Hefeteig mit einer Zucker-Zimt-Füllung und Hagelzucker als Belag. Ein unschlagbarer Genuss, auch wenn man sonst kein großer Freund von Hefeteig ist (ein Rezept findet sich hier ).

Generell werden in Cafés eher Kuchen angeboten als Torten. Eine Ausnahme ist die auch in deutschen Supermärkten vermehrt anzufindenden Princesstorte. Sie sieht mit ihrer grünen Marzipandecke etwas giftig aus, ist ansonsten eine Kuppeltorte mit hellem Rührteig , Sahne und ein wenig Marmelade. Ansonsten bedeuten Torten in Schweden leider meist etwas Teig, viel Sahne und ein paar Früchte.

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Schwedische Spezialitäten I

Dienstag, 11. November 2008

Köttbullar mit Lingon-marmelade und Sahne- soße, Foto: heipei, Flickr

Dank Ikea ist in Deutschland die Kenntnis weit verbreitet, dass die Schweden gerne Köttbullar (sprich: Chöttbullar) essen. Diese runden Hackbällchen gehören zum Standardrepertoire in beinahe jeder schwedischen Küche. Sie sind vergleichbar mit Frikadellen bzw. Buletten, haben jedoch durch den Einsatz von Sahne oder Milch noch einen etwas anderen Geschmack. Außerdem sind sie kleiner als in Deutschland. Waren die Köttbullar lange Zeit ein Grund, sich auf das Ikea-Restaurant zu freuen, ist es heute möglich, sich günstiger an ihnen satt zu essen. Der Discounter Plus hat sie nämlich in sein Standardsortiment aufgenommen. Maggi und/oder Knorr bieten außerdem Fix-Pulver für die Hackbällchen an. Wobei das Rezept dazu so einfach ist, dass diese Hilfsmittel sicher nicht nötig sind. Echt Schwedisch wäre es, sie mit Lingonmarmelade zu essen, die hierzulande vermutlich schwer zu bekommen ist.

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Bier, Korn, Schnaps und Wein…

Sonntag, 7. September 2008

Bekannt sind die Schweden dafür, dass sie sich – sobald sie ihr beschauliches Land verlassen haben – hemmungslos betrinken. Und wie jedes Vorurteil birgt auch dieses Wahrheit in seinem Kern, auch wenn man dies natürlich nicht pauschal über alle Schweden sagen sollte. Nichtsdestotrotz ist es beachtlich, wenn die reisenden Schweden demonstrieren, wie viel Alkohol ein einziger Körper so aufnehmen kann.

Bier - schon gut gekühlt

En öl (Foto: banger1977)

Das Verhalten resultiert wohl nicht zuletzt aus der recht regressiven Alkoholpolitik, welche das Land seit Jahrzehnten geprägt hat. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war die so genannte Nykterhetsrörelse (die Nüchternheitsbewegung) sehr stark im Dreikronenland und konnte ihren Einfluss auf die Sozialdemokratie geltend machen. Die Sozialdemokraten haben wiederum seit den 1930er Jahren bis in die 90er hinein beinahe jede Regierung gestellt. Wichtigste Pfeiler dieser Maßnahmen gegen einen erhöhten Alkoholkonsum der Bevölkerung – welcher die Arbeiterklasse schwächen würde und laut der Anhänger der Nykterhetsbewegung zur allgemeinen Verrohung führt – sind der eingeschränkte Verkauf von Getränken und die hohe Besteuerung selbiger. Bier mit über 3,5% Alkoholgehalt, Wein und Spirituosen gibt es nur in den so genannten System Bolag. Dies sind staatlich betriebene Schnapsbutiken, bei denen stark kontrolliert wird, ob der Einkäufer alt genug ist und welche durch ihre Öffnungszeiten das mehr oder weniger spontane Trinken am Abend oder Wochenende unmöglich machen. Im öffentlichen Nahverkehr in Stockholm und in einigen Parks und öffentlichen Plätzen darf Alkohol nicht verzehrt werden, was auch ausgiebig kontrolliert wird. Eine weitere Maßnahme ist die eingeschränkte Werbemöglichkeit für Spirituosen usw. Diese muss – wie bei Zigaretten in der EU – markiert sein mit Hinweisen, welche Konsequenzen Alkholgenuss haben kann.

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