Nelly Sachs: unbekannte Nobelpreisträgerin
Es gibt viele Menschen, deren Namen man schon gehört hat, von denen man weiß, dass sie berühmt sind, die man aber trotzdem nicht genauer einordnen kann. Für mich gehört Nelly Sachs zu diesem Menschenschlag. Dabei hat die jüdische Schriftstellerin 1966 den Nobelpreis für Literatur bekommen. Und so viele deutschsprachige Literaturnobelpreisträger gibt es ja nun nicht. Nelly Sachs hatte jedoch als Jüdin allen Grund sich von ihrem Geburtsland abzuwenden. 1940 floh sie quasi in letzter Sekunde nach Stockholm und verbrachte hier den Rest ihres Lebens. Ab 1953 hatte sie die schwedische Staatsbürgerschaft.
Geboren ist Leonie Sachs 1891 in Berlin-Schöneberg. Sie wuchs als Einzelkind in einer großbürgerlichen Familie auf, hatte jedoch schon in jungen Jahren gesundheitliche Probleme. An den goldenen 20er Jahren in Berlin nahm die Familie Sachs nicht teil. Nelly Sachs verliebte sich jedoch in einen verheirateten Mann und hatte vermutlich eine jahrelange Beziehung zu ihm. Der Geliebte ist vermutlich im Konzentrationslager umgekommen, geheiratet hat Sachs nie.
Mit dem Schreiben begann sie bereits in jungen Jahren. Schon damals trat sie vor allem als Lyrikerin in Erscheinung und bekam gute Kritiken. Ihre Gedichte erschienen in verschiedenen Berliner Zeitungen. Natürlich war das Leben in den 30ern jedoch von Schikanen geprägt. Nach dem Tod des Vaters lebte Nelly Sachs gemeinsam mit ihrer Mutter in einer ihrer Mietwohnungen. Mehrmals wurden die beiden Frauen von der Gestapo verhört und Nelly sogar verhaftet. Trotzdem kam der Entschluss zu fliehen sehr spät.